Ich habe einen Albtraum

von Eisvogel um 22:38 am 25. Oktober 2006

Wie kürzlich von europenews und auf Cablog berichtet wurde, gibt es nun auch islamische Drohungen gegen deutschsprachige Internetblogger. Folgende Blogs sind explizit betroffen:

http://derprophet.blogspot.com

http://www.islamisierung.info

http://www.islam-deutschland.info/forum

http://www.buergerbewegungen.de

http://www.koran.terror.ms

http://www.geocities.com/koraninfo

http://mekkaecke.blogspot.com

http://www.hoeglinger.com

http://zeitwort.at

http://www.gastbuch24.de

Ich möchte nicht übertreiben, es besteht kein Grund zu übertreiben, wenn die Realität besorgniserregend genug ist: es handelt sich nicht um Todes- oder Gewaltdrohungen, sondern lediglich darum, dass diese Blogs angeblich “offensive to Islam” sind und daher geschlossen werden sollten. Das Problem ist aber trotzdem: Man fühlt sich einfach nicht mehr wohl und sicher, wenn man auf der Liste der Läuse steht, die den Moslems über die Leber laufen.

Man kann natürlich jetzt behaupten, das läge an einem selber, läge daran, dass man mit “Kritik nicht umgehen kann”, unsensibel gegenüber religiösen Gefühlen anderer Kulturen ist oder schlicht und ergreifend ein islamophober Paranoiker, der nicht rafft, dass eigentlich keinerlei Grund zur Besorgnis steht, weil Islam ja Frieden heißt.

Nur: Das dachten die dänischen Karikaturisten wohl auch. Zumindest diejenigen, die Mohammed-Zeichnungen angefertigt haben. Diejenigen, die abgewinkt haben, dachten’s natürlich nicht. Genaugenommen sind das die wahren Islamophoben, nicht die Zeichner. Oder?

Diejenigen, die überhaupt erst dazu beigetragen haben, dass diese Karikaturenserie bei Jyllands-Posten gestartet wurde, auch. Es waren nämlich genau die Zeichner, die es abgelehnt hatten, ein Buch über Mohammed zu illustrieren, die die Idee aufbrachten, auszutesten, wie sehr unsere Gesellschaft schon von islamischen “Sensibilitäten” und der Angst davor, was passiert, wenn man sie nicht angemessen respektiert, verseucht ist.

Das Testergebnis ist bekannt.

Apropos: Wer sich die Karikaturen-Affäre noch mal auf etwas ungewöhnliche aber genial zutreffende und meiner Ansicht nach extrem lustige Art in Erinnerung rufen will, sollte sich die rund 5 Minuten Spaß mit YAAFM gönnen. Es lädt ein bisschen langsam, aber das ist es wirklich wert! (Wer Reginalds etwas verfremdetes Englisch nicht ganz versteht, kann den Text bei Uriasposten nachlesen).

Wirklich lustig finden die dänischen Karikaturisten die Sache aber wohl eher nicht. Es ist eine Sache, sich über OUTRAGED MUSLIMS und ihr dämliches Benehmen in bequemer Anonymität königlich zu amüsieren, aber es ist eine andere Sache, wenn man sich verstecken muss, weil sie einen umbringen wollen. Das weiß auch Robert Redeker aus bitterer eigener Erfahrung. Theo van Gogh könnte uns sicher auch was drüber erzählen, wenn wir denn daran glauben würden, dass man Tonbandstimmen aus dem Jenseits hören kann.

Nein, es ist nicht lustig.

Dieser Blog hier ist mit Sicherheit ebenfalls “offensive to Islam”. Ich habe trotzdem nicht wirklich Angst. Das Risiko, dass “sie” sich in einen verbeißen, ist sehr gering. Sie haben einen Aufruhr entfacht, der so hirnrissig war, dass ein Science Fiction-Autor sich nicht getraut hätte, den vor rund 10 oder gar 20 Jahren zu beschreiben. Und weshalb? Wegen ein paar harmloser Karikaturen!

Es gibt Schlimmeres. Auch für Moslems. Wie ich kürzlich durch Politically Incorrect erfahren habe, werden inzwischen bei den Reconquista-Feiern in Spanien die traditionellen Verbrennungen von Mohammed-Puppen abgeschafft. Nicht das mich DAS wundern würde! Was mich viel mehr wundert, ist, dass so etwas erst jetzt so langsam abgeschafft wird. Ich hätte einfach nicht gedacht, dass in einer Zeit, wo dänische Botschaften wegen ein paar Karikaturen brennen, in Spanien locker-flockig durchaus immer noch Puppen des tollen Propheten abgefackelt und gesprengt werden, ohne dass die islamische Welt so Kopf steht, dass man es auf jedem Nachrichtensender sieht.

Ebenso wurde die Ideomeneo-Aufführung mit der Propheten-Köpfung auch abgesetzt, ohne dass vorher das Opernhaus brannte. Die Moslems haben’s einfach nicht gewusst, weil sie lieber wahlweise in die Moschee oder ins Pornokino gehen als in die Oper, könnte man argumentieren. Ok. Aber jetzt wissen sie’s. Sie haben kein Theater veranstaltet. Der Punkt ist: man kann nie so recht wissen, weswegen sie austicken. Manches (wie die Reconquista-Feiern in Spanien) lassen sie gelassen durchgehen, während sie wegen anderer Dinge ( Karikaturen) zum Feuerzeug greifen und in großen Massen hyperventilieren.

Sie sind ein bisschen unberechenbar, oder?

Ich könnte viel mehr sinnvolle Dinge tun ( z.B. den Keller aufräumen oder in Gutmenschen-Foren das islamophobe Enfant terrible geben), wenn ich nicht so verspielt wäre. Ich liebe PC-Spiele. Zum Beispiel Tropico 2. Das ist ein ganz fürchterlich politisch inkorrektes Spiel, bei dem man eine Pirateninsel managen muss, wobei es wichtig ist, stets ausreichend für Furcht unter den arbeitenden Gefangenen zu sorgen. Wenn alle Stricke reißen und man zu geizig mit dem Bau furchterregender Gegenstände war, kann man ein Edikt namens “Wahllose Exekutionen” erlassen. Das erhöht die Furcht ungemein.

So macht’s der Islam mit uns. Wahllos. Und es wirkt.

Terror ist von seiner Natur her wahllos. Aber die “Empörung über Beleidigung des Islam” ist es auch. Manches Heftige geht durch - und immer wieder sehen sich vergleichsweise harmlose Kritiker oder Spötter plötzlich auf “der Liste”. Wenn auch nicht immer unbedingt durch Todesdrohung, so doch durch juristische Drohung, die für uns sensible westliche Menschen schon erschreckend genug ist.

Und jetzt zurück zum Thema “Ich habe einen Albtraum”. Ich schreibe und veröffentliche hier keine harten Sachen. Aber seien wir ehrlich: Die Mohammed-Karikaturen waren auch keine “harten Sachen”. Wenn ich zeichnen könnte - ich hätte sie bedenkenlos gezeichnet, wenn mir jemand dafür Geld gezahlt hätte.

Der Albtraum ist aber weniger, dass man ins Kreuzfeuer von Moslems und ihren Stiefelleckern geraten könnte, der Albtraum ist mehr, dass man dann alleine steht.

Man sollte annehmen, dass - wenn’s einen per “wahlloser Exekution” erwischt - zur Symbolfigur der westlichen Meinungsfreiheit wird, dass man allseits Unterstützung bekommt. Ist das so?

Nein.

Man ist allein. Wer sich als Laus auf der islamsichen Leber blamiert, ist peinlich. Man ist nicht sehr interessiert daran, sich an die Seite derer zu stellen, die den Moslems Anlass zur “Empörung” geben. Man mag’s nicht so direkt sagen, deshalb flüchtet man sich in “künstlerischen Anspruch” (niveauvolle Karikaturen würde ich ja verteidigen, aber Primitives muss nicht sein), in religiöse Toleranz (”es ist ja nun wirklich nicht zuviel verlangt, ein paar läppische Sensibilitäten zu berücksichtigen” ) und Hochnäsigkeit (”Wir sollten uns nicht auf das Stürmer-Niveau islamischer Karikaturen herablassen” ).

Wer sich zu weit hervorgewagt hat, wer Opfer der Methode der “wahllosen Exekutionen” wurde, ist allein und darf sich zusätzlich zu der Angst und Sorge ( inklusive der Kosten, die es mit sich bringt, sich zu schüzten) auch noch damit beschäftigen, dass die eigenen Landsleute einen “kritisch” unter die Lupe nehmen - sei es vom künstelerischen Geschmack her oder moralisch!

Und das ist eine Sauerei!

Ich frage jetzt: Selbst wenn man einen Islamkritiker nach dem persönlichen Geschmack zu heftig, zu vulgär oder zu direkt findet, selbst wenn man denkt, z.B. die Karikaturen entsprechen nicht ganz dem eigenen erlesenen und äußerst feinsinnigen künstlerischen Geschmack: ist es dann richtig, Menschen, die sich Drohungen gegenübersehen, das genau in dem Moment mitzuteilen?

Wäre in dem Moment nicht bedingungslose Solidarität angebracht?

Und zwar nicht so, wie Schröder es im September 2001 gemeint hat, sondern so wie ich geglaubt und gehofft habe, dass er es gemeint hat…

Versuchen wir, uns dran zu gewöhnen, dass wir zusammenhalten müssen. Ich suche nach Wegen, wie wir das bewerkstelligen können.

 

 

Update vom 26.10.2006 13:20:

PI hat heute von einem weiteren Opfer der Bloggerszene berichtet, es geht um den Spanier Alejandro de Llano, der sich einer Strafanzeige von seinem eigenen Bürgermeister gegenüber sieht, weil er in seinem Blog Israel unterstützt.

 

 

 

 

 

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2 Kommentare »

  • 1

    Kommentar von Übertragung vom alten Blog

    3. Juni 2007 @ 17:15

    bisher 5 Kommentar(e) TrackBack-URL

    J. K. / Website (25.10.06 23:17)
    Na ja, zwei aus der Liste haben ihre Inhalte nach bekanntwerden der Drohungen wohl schon freiwillig gelöscht …

    Acht der Schwerter / Website (25.10.06 23:47)
    Das ist traurig.

    Aber ich habe vollstes Verständnis dafür.

    Betroffener (27.10.06 10:20)
    Sehr geehrter Mitbürger,

    ich muss leider widersprechen. Die mittlerweile auf drei arabischen Extremistenforen aufgetauchten Drohungen beinhalten eindeutig Mordaufrufe gegenüber den Verantwortlichen wie mich.

    Es wird aufgerufen Männer wie Al-Sarkawi, Märtyrer zu finden, die uns abschlachten sollen.

    In Österreich wird bereits im großen Stile erimittelt, dort ist es ein größeres Thema gewesen, während es in Deutschland totgeschwiegen wird. Fakt ist, wir sollen regelrecht ‘abgeschlachtet’ werden.

    Aber keine Angst, wir lassen uns nicht einschüchtern. Ich habe jedenfalls keine Angst vor dem Tode.

    Mit freundlichen Grüßen ein Islamkritiker

    Acht-der-Schwerter / Website (28.10.06 00:44)
    Es tut mir sehr leid, Betroffener, dass ich leider offenbar verharmlost habe. In der Tat gab meine Quelle nichts anderes her. Und vielleicht verstehst Du ja, dass man auf gar keinen Fall als jemand da stehen will, der hysterisch übertreibt. Das schadet uns, da uns sowieso schon ständig der Ruf des Paranoikers anhängt.

    Ich finde es großartig, dass Du weitermachst. Aber dem Tod sollten wir dennoch so gut wie möglich aus dem Weg gehen. Es ist ungeheuerlich, sich vorzustellen, dass einen jemand abschlachten will. Ich kenne es…. aber es ist sehr lange her.

    Wir sind schließlich diejenigen, die das Leben lieben . Wenn ich hier irgendwas - außer dass ich jetzt gleich alle betroffenen Blogs, die noch nicht gelöscht sind, in die Blogroll aufnehme - tun kann, lass es mich wissen.

    SAMURAI / Website (12.5.07 17:47)
    Gelegentlich Drohungen sind mir nichts Neues.

    Sie gehen mir am Allerwertesten vorbei.

    Schliesslich ich es ja die Religion des Friedens.

    Mag jemand bei mir vorbeikommen. Wenn er richtig Glück hat, braucht er nur ein neues Gebiss. Wenn ich einen schlechten Tag haben pilgert er mit den Füssen voraus gegen Mekka.

    Grüss Gott

    http://www.gruene-pest.de/index.php

  • 2

    Kommentar von Schakal

    12. August 2007 @ 12:13

    Wir müssen damit beginnen, uns in unseren Städten zusammenszuschließen.

    Wobei dann wiederum die Gefahr besteht, daß sich einer unserer Gegner bei uns einschleicht.

    Nun ja, er wird ja leicht zu erkennen sein.

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