Warum die westliche Kunst einzigartig ist und warum islamische Einwanderung sie bedroht

von Eisvogel um 16:35 am 14. Juni 2007

Origninal vom 15. Mai 2007: Why Western Art is Unique, and Why Muslim Immigration Threatens It

Ich möchte heute eine Weile bei einem Aspekt der westlichen Kultur verweilen, der gewöhnlich vernachlässigt wird, und doch so wichtig ist: Wir sind die einzige Kultur in der Menschheitsgeschichte, die in ihren Gemälden und Skulpturen realistische, wirklichkeitsgetreue und nicht nur stilisierte Darstellungen von Lebewesen und Dingen hervorgebracht hat. Wir sind auch die einzige Kultur, die einen Weg gefunden hat, dreidimensionale Objekte auf einem zweidimensionalen Medium darzustellen. Eine vergleichbare Perspektive fehlte bei allen anderen Formen früher Kunst, sei es die chinesische, die japanische, die indische, die mittelamerikanische, afrikanische oder nahöstliche. Es ist vorstellbar, dass das daran liegt, dass der westliche Mensch den Raum und räumliche Verhältnisse anders wahrgenommen hat als andere Menschen. Westler sind schon sehr lange Zeit anders.

Was bedeutet das für unsere Zivilisation? Wir müssen verstehen, warum der Westen sich so sehr von allen anderen menschlichen Kulturen unterscheidet und warum er so viele unterschiedliche Ergebnisse hervorgebracht hat.

Die ägyptische Kunst war der Bewahrung des Körpers für das Jenseits gewidmet. Die Künstler malten nach strengen Regeln aus dem Gedächtnis. Die frühe griechische Kunst baute auf der ägyptischen auf, aber die Griechen wandten sich nach einiger Zeit von ihr ab. Das ist ein guter Hinweis darauf, was "westlich" ist. Die Griechen waren Westler, was man sowohl an ihrer Philosophie als auch an ihrer Kunst aufzeigen kann. Die Ägypter waren, obwohl sie eine Hochzivilisation schufen, die sowohl das Griechisch-Römische als auch - wenn auch etwas weniger - das Jüdisch-Christliche beeinflusste, keine Westler. Das gleiche gilt für die Sumerer, die Assyrer, die Babylonier und andere Kulturen Mesopotamiens.

Der Autor E.H Gombrich erklärt das in seinem brillanten Buch The Story of Art. Ein ägyptischer Künstler "hatte, wenn er einmal alle Regeln beherrschte, seine Lehrzeit beendet. Niemand wünschte irgendetwas anderes, niemand erwartete von ihm, er solle ‘originell’ sein. Im Gegenteil, er wurde wahrscheinlich dann als der beste Künstler geachtet, wenn er seine Statuen den bewunderten Monumenten der Vergangenheit besonders ähnlich machen konnte. So geschah es, dass sich die ägyptische Kunst im Lauf von drei Jahrtausenden oder sogar mehr kaum wandelte. Alles, was im Zeitalter der Pyramiden als gut und schön erachtet wurde, wurde tausend Jahre später noch als genauso großartig befunden."

Der amerikanische Blogger Lawrence Auster schreibt: "Wir sollten immer das große Verdienst der Ägypter in Erinnerung behalten, dass sie die ersten waren, welche die schöne menschliche Form in der Kunst entwickelten, die von den Griechen später übernommen und lebendiger gemacht wurde. Camille Paglia ist höchst dumm, aber man sollte das erste Kapitel ihres Buches Sexual Personae lesen, in dem sie sich mit der klaren, perfekten ‘Apollonischen’ Form befasst, die zur Grundlage westlicher Kunst wurde. [...] In einem gewissen Sinn drückten die Künstler während Athens Goldenem Zeitalter das in Stein aus, was Homer Jahrhunderte früher in Poesie ausgedrückt hatte: jene ganz besonderen Augenblicke des Lebens, in denen der Held ‘etwas zu sein schien, was mehr als ein Mensch war’. Oder wie in der Szene in der Ilias (Buch III. 156-158 der englischen Ausgabe), in der die alten Männer auf den Mauern Trojas Helena nahen sahen und zueinander sprachen: ‘Wahrlich kann niemand die Trojer und schwer gerüsteten Achäer tadeln, wenn sie lange Zeit Mühsal leiden für eine Frau wie diese! Furchtbar ist der Liebreiz ihres Antlitzes für die unsterblichen Göttinnen.’"

Nach Auster "erlebten die Hebräer, die neben den Griechen die Wegbereiter der christlichen und westlichen Kultur waren, Gott sowohl als Erschaffer des Universums als auch als Person, die eine persönliche Beziehung zum Menschen hat (oder genauer gesagt, offenbarte sich Gott ihnen so), wie zum Beispiel in dieser Passage der Genesis (17:1-4): Als nun Abraham neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm.’" [Anm.d.Ü.: interessanterweise steht in dem englischen Bibelzitat, da wo im deutschen "fromm" steht "perfect"]

Es gab nur eine wesentliche Ausnahme in der etablierten ägyptischen Tradition, und das war der häretische Pharao Echnaton im 14. Jahrhundert vor Christus. Die künstlerischen Darstellungen von ihm und seiner Frau Nofretete sind im Gegensatz zu allem Vorhergehenden in der ägyptischen Geschichte naturalistisch, und wurden möglicherweise von der minoischen Kultur auf Kreta inspiriert, die viele für die erste europäische Zivilisation halten. Etwas von diesem Stil findet sich auch noch in den Grabbeigaben von Tutanchaten, von dem man annimmt, dass er der Sohn Echnatons war, und der später, als die alte Religion wieder eingesetzt wurde, seinen Namen in Tutanchamun änderte. Wenn auch das künstlerische Vermächtnis Echnatons bald vergessen war, haben sich möglicherweise seine religiösen Vorstellungen als dauerhafter erwiesen. Sein Beharren darauf, nur einen höchsten Gott - Aton - anzubeten, macht ihn zu einem Pionier des Monotheismus. Es gibt Spekulationen, die allerdings von einigen auch angefochten werden und schwer beweisbar sind, dass seine Ideen Moses beeinflusst haben könnten, was dann zu der Entstehung des Judentums und daraus folgend des Christentums geführt habe.

Weniger umstritten ist, dass sich das früheste Alphabet, der Vorfahr fast aller Alphabete, die rund um den Globus gebraucht werden, einschließlich des phönizischen, griechischen und lateinischen, teilweise von bestimmten ägyptischen Hieroglyphen, die Silben darstellten, ableitet.

Griechische Künstler studierten und imitierten die ägyptischen Kunst, aber sie experimentierten auch und beschlossen, sich selbst zu suchen anstatt traditionellen, vorgefertigten Formeln zu folgen. Grombich sagt: "Die Griechen begannen, ihre Augen zu benutzen. Und als diese Revolution einmal in Gang gesetzt war, konnte sie nicht mehr aufgehalten werden." Es ist sicher kein Zufall, dass dieses griechische Erwachen der Kunst in den hundert Jahren ungefähr zwischen 520 und 420 vor Christus in griechischen Stadtstaaten wie Athen stattfand, wo der Philosoph Sokrates unsere Vorstellungen von der Welt in Frage stellte:

"Es geschah vor allem hier, dass die großartigste und erstaunlichste Revolution in der gesamten Kunstgeschichte Früchte trug (…) Die große Revolution der griechischen Kunst, die Entdeckung natürlicher Formen und des perspektivischen Zeichnens, fand in einer Zeit statt, die auch insgesamt die erstaunlichste Periode der menschlichen Geschichte ist." Diese Kunst verbreitete sich später weit über die Grenzen von Griechenland hinaus, als Alexander der Große und später die Römer hellenistischen Kunst nach Persien, Afghanistan und Indien brachten:

"Sogar im weit entfernten Indien wurde die römische Weise, eine Geschichte zu erzählen und einen Helden zu glorifizieren, von Künstlern übernommen, die sich an die Aufgabe machten, die Geschichte einer friedlichen Eroberung zu illustrieren, die Geschichte von Buddha. Die Bildhauerei erlebte in Indien schon lange bevor der hellenistische Einfluss das Land erreichte, Blütezeiten; aber es war die Grenzregion Gandhara, in der die Figur des Buddhas erstmals in Reliefs auftauchte, die später zum Modell der buddhistischen Kunst wurden. [...] Die griechische und römische Kunst, die Menschen gelehrt hatte, Götter und Helden in schöner Gestalt zu visualisieren, half auch den Indern, ein Bild ihres Erlösers zu erschaffen. Der schöne Buddhakopf mit seinem Ausdruck tiefer Ruhe, entstand auch in der Grenzregion Gandhara."

Der wunderschöne Teppich von Bayeux, der die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahr 1066 illustriert, ist auch eine Bilderchronik, die jenen gleicht, die im alten Rom gebräuchlich waren, eine epische Erzählung in Bildern.

Der Buddhismus breitete sich von Indien ausgehend im Rest Asiens aus und brachte Einflüsse westlicher Kunst mit sich. Das ist höchst bedeutsam, wenn wir uns daran erinnern, dass die Erfindung des Holztafeldrucks während der Tangdynastie in China (7. oder 8. Jahrhundert nach Christus) eng mit buddhistischen Klöstern und buddhistischer Kunst verbunden war. Alexander der Große hat möglicherweise auch Tintenstempel mit nach Indien gebracht, die indische Kaufleute später bei den Chinesen einführten. Gestempelte Buddhafiguren stellen den Übergang vom Stempeldruck zum chinesischen Holztafeldruck dar. Die ältesten überlieferten gedruckten Texte aus Ostasien sind buddhistische Schriften. Der Druck wurde also genutzt, um eine bestimmte Religion zu verbreiten, genau wie Gutenbergs Buchdruck später dazu genutzt wurde, Bibeln zu drucken.

Der islamische Nahe Osten jedoch lehnte über Jahrhunderte hinweg sowohl die östliche als auch die westliche Drucktradition ab, und zwar aus religiöser Intoleranz (sie dachten, ihre heiligen Bücher wären keine Schriften mehr, wenn sie gedruckt würden) und Feindseligkeit gegenüber bildlicher Kunst. Und sie litten großen Schaden darunter.

Doch obwohl der westliche Stil Asiaten tatsächlich beeinflusste, änderte das jedoch nicht ihre grundlegend andere Sichtweise der Kunst. Um Gombrich noch einmal zu zitieren: "die religiöse Kunst in China wurde weniger dazu benutzt, die Legenden von Buddha und der chinesischen Lehrer zu erzählen und auch nicht dazu, eine bestimmte Doktrin zu lehren - wie die christliche Kunst im Mittelalter gebraucht wurde - sie diente mehr als Meditationshilfe. Fromme Künstler begannen, Wasser und Berge im Geist der Andacht zu malen, nicht um eine bestimmte Lektion zu lehren, jedoch auch nicht als bloße Dekoration sondern um Bildmaterial für tiefe Gedanken bereitzustellen. Ihre Bilder auf Seidenrollen wurden in kostbaren Behältnissen aufbewahrt und nur in Augenblicken der Ruhe zur Betrachtung und tiefen Meditation ausgerollt, so wie man einen Gedichtband öffnet und einen schönen Vers wieder und wieder liest. Das ist der Sinn hinter den großartigsten der chinesischen Landschaftsmalereien des 12. und 13. Jahrhunderts."

Chinesische Künstler wollten die Schönheit und Stimmung einer bestimmten Landschaft aus der Erinnerung festhalten und das als Inspiration zur Meditation nutzen. Sie empfanden es als "kindisch, die Details von Bildern zu betrachten" und sie dann mit der realen Welt zu vergleichen, wie es Westler taten. Und wieder Gombrich:

"Es ist etwas Wunderbares in dieser Zurückhaltung der chinesischen Kunst, in ihrer bewussten Begrenzung auf ein paar wenige einfache Motive der Natur. Aber es wird auch unausgesprochen klar, dass diese Annäherung an die Malerei auch ihre Gefahren in sich barg. Als die Zeit sich weiter drehte, war irgendwann jeder Pinselstrich, mit dem ein Bambusstengel oder ein schroffer Fels gemalt werden konnte, von der Tradition festgehalten und benannt, und die Bewunderung für die Werke vergangener Meister wurde so groß, dass die Künstler immer weniger wagten, sich auf ihre eigene Inspiration zu verlassen. Die Malerei hielt sich sowohl in China als auch in Japan (wo das chinesische Konzept übernommen wurde) in den nachfolgenden Jahrhunderten auf einem sehr hohen Niveau, aber die Kunst wurde mehr und mehr zu einem anmutigen und ausgefeilten Spiel, das viel von seinem Reiz verloren hatte, weil so viele seiner Züge bereits bekannt waren. Erst mit dem neuerlichen Kontakt mit den Errungenschaften der westlichen Kunst im 18. Jahrhundert wagten die Japaner, die Methoden der fernöstlichen Kunst auf neue Themen anzuwenden."

Im 18. Jahrhundert "gaben japanische Künstler vielleicht unter dem Einfluss europäischer Drucke die traditionellen Motive der fernöstlichen Kunst auf und machten Szenen aus dem Leben zum Thema farbiger Holztafeldrucke, in denen sich große erfinderische Kühnheit mit meisterhafter technischer Perfektion vereinten. Japanische Kunstkenner hatten keine sehr hohe Meinung von diesen billigen Produkten. Sie zogen den asketisch-strengen traditionellen Stil vor. Als Japan sich Mitte des 19. Jahrhunderts gezwungen sah, Handelsbeziehungen zu Europa und Amerika aufzunehmen, wurden diese Drucke oft als Verpackungs- und Füllmaterial benutzt und konnten billig in Teehäusern erstanden werden. Künstler aus dem Kreis um Manet waren unter den ersten, die ihre Schönheit wertschätzten und begannen, sie begierig zu sammeln."

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während der Meiji-Restauration, in der die traditionelle japanische Kultur sich mit der westlichen vermischte und in der Japan zu einer Industrie- aber auch Kolonialmacht wurde, übernahmen die Japaner viele westliche Konzepte. Obwohl sie stark von der westlichen Kunst beeinflusst waren (auch die Erfindung der populären Manga-Cartoons von heute wurde wahrscheinlich von westlichen politischen Karikaturen inspiriert), verlief die Beeinflussung in beiden Richtungen. Die japanische Kunst wirkte stark auf die Impressionisten und Maler wie zum Beispiel Vincent van Gogh im Westen ein.

Es gibt eine klassische westliche Methode, dreidimensionale Illusionen auf einer zweidimensionalen Oberfläche zu erschaffen. Man nennt sie Schattenperspektive, die Schaffung einer dreidimensionalen Illusion, die Licht- und Schattenmuster nutzt, um massive Gegenstände darzustellen. Das schöne Alexander-Mosaik aus der römischen Stadt Pompeji aus der Zeit um 200 v.Chr. zeigt eine Schlacht zwischen den Armeen von Alexander dem Großen und Darius III von Persien. Der Gebrauch von Licht erzeugt eine dreidimensionale Illusion von Alexanders Wangenknochen und Fingerknöcheln. Die Linearperspektive wurde erst später während der italienischen Renaissance entwickelt, eine Vorreiterrolle nahm Giotto ein, im frühen 15. Jahrhundert wurde sie als geometrische Perspektive von Filippo Brunelleschi voll entwickelt. Sie wurde mit großer Kunstfertigkeit von anderen Florentiner Künstlern wie zum Beispiel Donatello genutzt, und Leonardo da Vinci fügte ihr noch seine eigenen Techniken hinzu. Die westliche Kunst hat sich schon immer radikal von allen anderen Formen der Kunst unterschieden, deshalb war der erste westliche Einfluss, der sich in Asien ausbreitete, auch künstlerischer Natur (von hellenistischer zu buddhistischer Kunst). Es ist lächerlich zu behaupten, wie westliche Multikulturalisten es tun, dass die bildliche Kunst Raphaels während der Renaissance irgendwie von "arabischem Denken" beeinflusst war. Wie viele Fresken gibt es in Moscheen?

In seinem Buch What Went Wrong? begibt sich der Historiker Bernard Lewis auf die Spurensuche, wie westliche Erfindungen wie zum Beispiel das Uhrwerk oder der christliche (Gregorianische) Kalender einen tiefen Eindruck nicht nur auf den Nahen Osten sondern auf die gesamte nicht-westliche Welt hinterlassen haben:

"Westliche Wahrnehmungsweisen - und Messtechniken - von Raum und Zeit hatten auch einen tiefen Einfluss auf Kunst und Musik. Wir können die Einflüsse europäischer Kunst sogar so weit östlich wie im Iran an frühen Miniaturen erkennen. Eine der Attraktionen westlicher Kunst und speziell westlicher Porträtmalerei war gewiss der Gebrauch der Perspektive, die einen gewissen Grad realistischer Darstellung und Akkuratesse ermöglichte, die mit der stilisierten und sehr formalen Kunst der traditionellen Miniaturen nicht zu erreichen war. Bilder von der Kaaba in Mekka, der heiligsten Stätte des Islam, waren im Reich der Ottomanen und darüber hinaus weit verbreitet. Das waren natürlich schematische Darstellungen. Irgendwann im frühen 18. Jahrhundert, zeichnete ein europäischer Künstler, in dessen Besitz wohl eines dieser Bilder gelangt war, die Kaaba in europäischen Stil nach, das heißt perspektivisch. Die Zeichnung findet sich auf einer Spieluhr, die in England für den türkischen Markt hergestellt wurde [...]. So wie die Wahrnehmungsweisen und Messtechniken des Raumes die bildenden Künste beeinflussten, so beeinflussten die Wahrnehmungsweisen und Messtechniken der Zeit die Musik - wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß."

Dass die islamische Welt - was die Musik angeht - weit weniger von westlichen Einflüssen berührt wurde als auf den meisten anderen Gebieten, ist bezeichnend. Das beruht wahrscheinlich auf der Tatsache, dass man, um die Werke Mozarts oder Beethovens zu spielen, auch denken und fühlen muss wie diese ungläubigen Komponisten, was für einen Moslem eine abscheuliche Vorstellung ist. Lewis bemerkte auch, dass es eines der bestimmenden Merkmale der europäischen klassischen Musik ist, dass die verschiedenen Mitwirkenden zwar als Individuen spielen, jedoch auch gleichzeitig und in Zusammenarbeit zu einem gemeinsamen Ziel. Er glaubt, dass uns das etwas über die westliche Geisteshaltung erzählt:

"Ein herausragendes Charakteristikum westlicher Musik ist die Polyphonie durch Harmonie oder Kontrapunkt [...] Verschiedene Musiker spielen zusammen, nach verschiedenen Stimmen einer Partitur und erschaffen ein Ergebnis, das größer ist als die Summe seiner Teile. Mit nur ein wenig Vorstellungskraft kann man dasselbe bei anderen Aspekten westlicher Kultur erkennen - in demokratischer Politik, in Teamsportarten, die beide Kooperation in Harmonie wenn nicht sogar Einklang von verschiedenen Ausführenden erfordern, die verschiedene Rollen zu einem gemeinsamen Zweck spielen."

Es ist kein Zufall, dass die islamische Welt so zögerlich war, kulturelle Erfindungen aus der Außenwelt anzunehmen. Moslems neigen dazu, nicht-islamischen Kulturen - seien es vergangene oder zeitgenössische - im besten Fall gleichgültig gegenüber zu stehen und im schlimmsten Fall aktiv feindselig. Saladin oder Salah al-Din, der General des 12. Jahrhunderts, der von Moslems wegen seiner Siege gegen die Kreuzfahrer geliebt wird, hat sogar in der westlichen Geschichtsschreibung den Ruf, angeblich tolerant gewesen zu sein. Nur sehr wenige scheinen sich daran zu erinnern, dass sein Sohn Al-Aziz Uthman, der vermutlich von den religiösen Überzeugungen seines Vaters beeinflusst war, nur drei Jahre nach dem Tod seines Vaters 1193 versucht hat, die Großen Pyramiden von Gizeh in Ägypten zu zerstören. Der Grund dafür, dass wir sie dennoch heute noch besuchen können, liegt darin, dass die Aufgabe zu groß und schwer war, so dass er schließlich den Versuch aufgab. Es gelang ihm jedoch, der kleinsten der drei Pyramiden, der Mykerinos-Pyramide, sichtbaren Schaden zuzufügen. Man kann durchaus darauf kommen, darin die Fortsetzung des Djihads seines Vaters gegen Nicht-Moslems zu sehen:

"Als König Al-Aziz Othman, der Sohn [Saladdins] seinem Vater nachfolgte, ließ er sich von einigen seiner Höflinge, die ohne Sinn und Verstand waren, überzeugen, die Pyramiden zu zerstören. Man begann mit der roten Pyramide, der dritten der Großen Pyramiden und der kleinsten. [...] Sie brachten eine große Zahl von Arbeitern von überall her dort hin, deren Unterhalt große Geldmengen verschlang. Sie blieben dort für volle acht Monate [...] Das geschah im Jahr 593 [d.h. 1196 n. Chr.] (transl. SACY, Description de l’Egypte IX, 468)

Die Legende, dass die fehlende Nase der Großen Sphinx in Gizeh auf das Artilleriefeuer von Napoleon Bonaparte während des französischen Ägyptenfeldzugs von 1798-1801 zurückzuführen sei, stimmt nicht. Zeichnungen beweisen, dass die Nase schon lange zuvor abgebrochen war. Der ägyptische Historiker aus dem 15. Jahrhundert al-Maqriz schreibt die Tat Muhammad Sa’im al-Dahr, einem Sufi-Moslem, zu. Nach al-Maqrizi wurde al-Dahr, nachdem er im 14. Jahrhundert davon Kenntnis bekam, das die lokale Landbevölkerung der Sphinx Opfergaben brachte, über deren Götzendienerei zornig und beschloss, die Statue zu zerstören, es gelang ihm aber nur, die Nase abzubrechen. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist schwer zu bestätigen, aber wenn sie wahr ist, dann sind auch Sufis nicht immer die sanften und toleranten Moslems, als die sie dargestellt werden.

Weit davon entfernt, die Sphinx zu beschädigen, kamen während des französischen Feldzugs zahllose Wissenschaftler nach Ägypten, welche die antiken Monumente katalogisierten und so zu den Gründern der modernen Ägyptologie wurden. Durch den dreisprachigen Stein von Rosetta, der 1799 entdeckt wurde, gelang es dem Philologen Jean-François Champollion, 1822 die ägyptischen Hieroglyphen zu dechiffrieren. Zur Bewältigung dieser Aufgabe machte sich Champollion intensiv den Gebrauch der koptischen Sprache zu Nutzen. Arabische Moslems hatten Ägypten schon seit über 1000 Jahren kontrolliert, jedoch ist es ihnen niemals gelungen, die Hieroglyphen zu entziffern, ja sie zeigten zum größten Teil nicht einmal Interesse daran, es auch nur zu wollen. Westler taten es innerhalb einer Generation, nachdem sie mit militärischer Gewalt in Ägypten aufgetaucht waren. So viel zur "arabischen Wissenschaft". Und den Westlern gelang es mit Hilfe der Sprache der Kopten, der ägyptischen Christen, der einzigen Nachkommen der alten Ägypter, die von den arabischen Invasoren nicht vollkommen ausradiert werden konnten.

Sita Ram Goel und andere Autoren sind in dem Buch Hindu Temples - What Happened to Them der Zerstörung zahlloser vorislamsicher Tempel nachgegangen. Ungläubige wären gut beraten, nicht zu glauben, dass dieser kulturelle Djihad ein Relikt aus der Vergangenheit sei. Innerhalb weniger Jahre wurden Tausende von Kirchen in Indonesien zerstört, und noch mehr serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster wurden von Moslems im Kosovo und Bosnien beschädigt. Die Attacke einer "Ungläubige, Ungläubige" kreischenden, verschleierten Frau auf Statuen in einem Museum in Kairo schockierte die Welt. Sie war von Großmufti Ali Gomaa inspiriert worden, der einen Ausspruch Mohammeds zitiert hatte, dass Bildhauer am Tage des Gerichts unter jenen sein werden, denen die härtesten Strafen zu Teil werden. Der einflussreiche Scheich Youssef Al Qaradawi stimmte überein, dass "der Islam Statuen und dreidimensionale Figuren von Lebewesen verbietet" und schlussfolgerte, dass die "Statuen des alten Ägypten verboten sind."

Die großen Buddhas von Bamiyan in Afghanistan wurden 2001 vom Taliban-Regime gesprengt, das verfügte, dass "für den Islam beleidigende" Abbildungen zerstört werden müssen. Der Informationsminister der Taliban beklagte sich "Die Zerstörungsarbeit ist nicht so einfach, wie die Leute glauben. Man kann die Statuen nicht mit Dynamit oder Bombardierung zerschlagen, weil sie beide tief in eine Klippe eingehauen sind. Sie sind fest mit dem Berg verbunden." Die Statuen - 53 und 36 Meter hoch und damit die höchsten stehenden Buddhastatuen der Welt - erwiesen sich als so schwer zerstörbar, dass die Taliban Hilfe von pakistanischen und saudischen Ingenieuren brauchten, um die Aufgabe zu meistern. Schließlich waren sie nach fast einmonatigem Dauerbeschuss mit Dynamit und Artillerie doch erfolgreich.

Wenn man von den Erfahrungen mit den Buddhas von Bamiyan ausgeht, liegt der Schluss nahe, dass der einzige Grund, aus dem die ägyptischen Pyramiden bis zum heutigen Tag überlebt haben, der ist, dass sie so groß sind, dass sich ihre Zerstörung für Moslems als zu kompliziert, kostenintensiv und zeitaufwändig erwies. Hätte Saladins Sohn Al-Aziz moderne Technologie und Ingenieure zur Verfügung gehabt, dann hätten die Pyramiden sehr leicht genau so enden können wie die zahllosen Hindutempel in Indien oder Buddhastatuen in Zentralasien.

Als Europäer sorge ich mich um die Zukunft des Louvre in Paris, der National Gallery in London, dem Rijksmuseum in Amsterdam und den Gemälden Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Es gibt jeden Grund, anzunehmen, dass sie genau so enden werden wie die Buddhas von Bamiyan. Wenn es auch nicht heute, morgen oder übermorgen geschehen mag, früher oder später werden gottesfürchtige Moslems diese Kunstwerke niederbrennen und es zweifellos für ihre geheiligte Pflicht halten, das zu tun. Die islamische Einwanderung bedroht viele der Meisterwerke traditioneller westlicher Kunst, der erfinderischsten und bahnbrechendsten der Menschheit, mit Auslöschung. Die Geschichte wird uns unsere Feigheit und Dummheit nie verzeihen, dass wir nur aus dem Grund, weil wir glaubten, Geschichte wäre langweilig oder weil wir nichts Unpassendes über andere Kulturen sagen wollten, diese Schätze der Zerstörung aussetzten.

Der offizielle Grund, den Moslems dafür angeben, dass es Nicht-Moslems nicht erlaubt ist, die heiligen Städte Mekka und Medina zu besuchen, ist, dass sie vielleicht die islamischen Heiligen Stätten beschädigen oder zerstören könnten. Da aber Moslems über tausend Jahre eine nachgewiesene Spur der Verwüstung nicht-islamischer Anbetungsstätten und Kunstwerke von Malaysia bis Armenien hinterlassen haben, sollten wir dann nicht vielleicht im Gegenzug die Berechtigung haben, Moslems dauerhaft von unseren Kulturschätzen fernzuhalten?

Abgelegt unter: Übersetzungen - Fjordman

5 Kommentare »

  • 1

    Kommentar von tape

    16. Juni 2007 @ 2:28

    Hallo Eisvogel,

    danke wieder einmal für deine Arbeit, diesen interessanten Artikel zu übersetzen.

    Ansonsten hoffe ich, dass es dir gut geht, da ich bei PI seit ein paar Tagen nichts mehr von dir lese.

    Viele Grüße
    tape

  • 2

    Kommentar von Eisvogel

    16. Juni 2007 @ 13:28

    Vielen Dank tape.

    Es geht mir gut und ich bin auch weiterhin in gutem Kontakt mit PI. Aber ich muss ja nicht überall meinen Senf dazu geben ;) Die Übersetzungen kosten ziemlich viel Zeit.

    Herzliche Grüße
    Eisvogel

  • 3

    Kommentar von Mir

    16. Juni 2007 @ 22:01

    Hallo Eisvogel,

    auch von mir Dank für deine Arbeit. Glückwunsch auch zu der neuen Seite. Sieht gut aus. :) Hatte mich aber auch schon gewundert, weder Artikel noch Kommentare bei PI von dir zu lesen.

  • 4

    Kommentar von tape

    16. Juni 2007 @ 23:39

    Hallo Eisvogel,

    es freut mich zu hören, dass es dir gut geht.

    ##Aber ich muss ja nicht überall meinen Senf dazu geben##

    Senf verleiht Würze, und speziell dein Senf wird sicher von vielen vermißt.

    Grüße
    tape

  • 5

    Kommentar von Lepanto1

    30. Juni 2007 @ 2:10

    Ein ganz hervoragender Text von Fjordman. Gerade dieser Aspekt der drohenden Kultur- und Identitätszerstörung durch den Islam kommt viel zu kurz in der Diskussion und ist doch ganz entscheidend. Die Kultur ist die Seele Europas, wer sie zerstört (oder einfach aus Desinteresse oder aus Unwillen, für ihren Erhalt Mittel aufzuwenden, verkommen lässt), wird ein sehr leichtes Spiel mit Europa haben. An dem Tag, an dem es wegen Blasphemie (”Herr Jesu Christ erhöre mich, ich will Dich preisen ewiglich”) verboten werden wird, den Schlusschoral aus der Bachschen Johannespassion öffentlich aufzuführen, ist Deutschland tot.

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