Gilad Shalit - immer noch Israels verlorener Sohn

von Eisvogel um 00:03 am 25. Juni 2007

UPDATE am 26.6.2007: Gilad lebt, das ist eine wunderbare Nachricht. Aber er ist leider schwerkrank. Wie der Focus berichtet, hat auch die Hamas an den Jahrestag gedacht und offenbar versucht, die besondere Trauer der Familie und vieler Israelis, die mit ihr fühlen, zu einem Druck der eigenen Bevölkerung auf die israelische Regierung auszunutzen, den Forderungen nachzukommen. Die Regierung hat das erwartungsgemäß abgelehnt - die Situation hat sich ja auch nicht geändert, denn die Möglichkeit des Austausches bestand schon von Anfang an. Was sich möglicherweise geändert hat, ist nur die Einstellung der Bevölkerung gegenüber der Regierung: in psychologischer Kriegsführung sind die Djiahdisten leider immer wieder erfolgreich. Ihre Perfidie im Anheizen von Spaltungen - sei es zwischen Europa und den USA durch 9-11 oder hier zwischen mitfühlenden Israelis und der Regierung, die hart bleiben muss - ist erschreckend genial.

Es bleibt  zu hoffen, dass es vielleicht "inoffizielle" Wege zu Gilads Rettung gibt oder dass es einer MIlitäreinheit gelingt, ihn gewaltsam zu befreien. Hier geht’s weiter zu meinem ursprünglichen Artikel von gestern:

 

Der Gaza-Streifen war häufig Medien-Thema während der letzten Wochen. Fassungslos mussten Medien, europäische Politiker und Gutmenschen mit ansehen, wie sich ihre Hätschelkinder im Gaza-Streifen "daneben benahmen", wie der als moderat gepriesenen Terrororganisation von Mahmoud Abbas (der in Moskau in angewandter Holocaustverharmlosung promoviert hat) von einer etwas weniger geliebten, aber dafür ehrlicheren Terrororganistion der Garaus gemacht wurde. Nachdem der erste Schock sich gelegt hatte, wurde nach dem Schuldigen gefahndet und auch schnell in Gestalt von Israel und auch dem ach so geizigen Westen allgemein gefunden.

Ich war nicht fassunglos. Es gibt Überaschendes und es gibt Dinge, die sich folgerichtig ergeben. Die Gewalt in Gaza gehört zu letzterem.

Die vielbejubelte "Befreiung" Gazas war ein Ticket in die Hölle und jetzt wird es eben eingelöst. Mein Mitgefühl mit einer Gruppierung ("Palästinenser"), die zu 97 Prozent der Politik der Hisbollah zustimmt, die das einzige Bestreben hat, Israel zu zerstören und sich das, was Juden dort aufgebaut haben, unter den Nagel zu reißen, hält sich in engen Grenzen. Es ist mir auch weitgehend egal, ob Judenhasser neben ihrem Djihad gegen Israel Internet-Cafés besuchen können oder ob diese zerstört werden. Und ob TV-Moderatorinnen ihre anti-israelische Hetze geschminkt oder total verschleiert an den Mann bringen, verursacht mir auch nicht allzu viel Sorgenfalten. Wer Djihad und Judenhass propagiert - und nimmt jemand ernsthaft an, im Pali-TV würden Menschen beschäftigt, die das nicht tun? - sollte vielleicht besser auch das passende Outfit dazu wählen.

Aber das sind die Sorgen der meisten Europäer, wenn sie an Gaza denken. Ich habe andere.

Während der ganzen Unruhen waren meine Gedanken und meine Sorgen bei einer einzigen Person in Gaza: Gilad Shalit. Heute vor einem Jahr wurde er verschleppt. Wo mag er sein und wie mag er das Chaos überstanden haben? Die israelische Botschaft in Deutschland schrieb am 12. Januar 2007 dazu:

Nur zwei Wochen vor dieser Entführung [die von Ehud Goldwasser und Eldad Regev am 12. Juli 2006 an der Grenze zum Libanon] wurde ein weiterer Soldat, Gilad Shalit, entführt, diesmal von der israelischen Seite der Grenze zum Gazastreifen. Auch seine Familie wartet sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen. Besonders schwer wiegt die Tatsache, dass diese unprovozierten Entführungen auf souveränem israelischem Staatsgebiet stattfanden.

Seit sie vor sechs Monaten ihren Angehörigen entrissen wurden, verweigern die Entführer den Verschleppten die grundlegendsten Menschenrechte, wie sie in den Genfer Konventionen verankert sind. Die verantwortlichen Terrororganisationen und die beiden Staaten, die sie unterstützen - Syrien und Iran - verhalten sich in scharfem Gegensatz zur UN-Resolution 1701, als seien diese Menschenrechte nichts anderes als eine Karte im Verhandlungspoker und weigern sich sogar, Nachrichten von den Familien an die Entführten weiterzuleiten. Internationale Vertreter, die die Angehörigen trafen, haben ebenso versucht, Nachrichten und Briefe weiterzuleiten, doch auch sie haben von den Entführern eine negative Antwort erhalten.

Das Außenministerium unternimmt auf allen Ebenen alles, was in seiner Macht steht, um ihre Freilassung zu erreichen: Seite an Seite mit Ministerpräsident Ehud Olmert haben Außenministerin Tzipi Livni und die anderen Kabinettsminister das Thema bei ihren Treffen im In- und Ausland auf höchster Ebene zur Sprache gebracht.

Viel gebracht hat es nicht. Die Regierungen Europas sind mehr damit beschäftigt, sich zu überlegen, wie man es halbwegs ohne Peinlichkeit deichseln kann, endlich den finanziellen Boykott der Hamas-Regierung zu beenden, um eine "humanitäre Katastrophe" unter jenen zu vermeiden, die während des "Boykotts" der Hamas-Regierung im Jahr 2006 ungefähr 650 Millionen Euros von der EU erhielten, was eine deutliche Steigerung gegenüber 2005 bedeutet. Es ist anzunehmen, dass sich das nach dem ersehnten Ende des "Boykotts" noch weiter ins Unermesliche steigern lässt. Naja, wir haben’s ja. Und Judenmord eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts und ein unabhängiges Palästina ist eben nicht ganz billig.

Kurz nach der Entführung brachte die FAZ einen ungewöhnlich einfühlsamen Artikel, dessen Anfang ich hier zitieren möchte:

Gegen Mittag kommt ein Mann durch den Vorgarten. Auf halbem Weg bleibt er kurz stehen, wirft einen Blick auf die wartenden Journalisten mit ihren Kameras und Mikrofonen, dann geht er weiter. Sein Gang hat etwas gewollt Festes - und auch Noam Shalits erste Worte klingen sehr kontrolliert. Seine Angst, seine Verzweiflung versteckt er hinter einer tiefschwarzen Sonnenbrille, die wie ein Schutzschild auf seinem ungebräunten Gesicht liegt. Wenn Noam Shalits Rede stockt, wenn er schluckt und ihm die Stimme erstickt, dann kann man die Tränen nur erahnen, die ihm jetzt wohl in den Augen stehen. Er habe volles Vertrauen zur israelischen Regierung, sagt der Vater des nach Gaza entführten Soldaten auf hebräisch. Die Armeeführung habe ihm versichert, alles zu tun, um weitere Opfer auf beiden Seiten zu verhindern, sagt er weiter. In die Diskussion um einen möglichen Gefangenenaustausch wolle er sich nicht einmischen. Solche Fragen überlasse er der Regierung.

Dann wendet Shalit sich den ausländischen Pressevertretern zu. Auf englisch fordert er die Entführer auf, zumindest ein Lebenszeichen seines Sohnes Gilad zu geben. Die Ungewißheit sei das Schlimmste, sagt er und schluckt. Die zahllosen Fragen, die nun auf ihn niederprasseln, beantwortet er nicht. Bis auf eine: „Wie werden Sie mit der Situation fertig?“ möchte eine Journalistin wissen. Noam Shalit hebt den Kopf, scheint sie durch die schwarzen Gläser seiner Brille zu fixieren und sagt: „Wir werden nicht mit der Situation fertig.“ Dann dreht er sich um, marschiert durch den Garten zurück in sein Haus. Über dem roten Giebeldach flattert eine israelische Fahne im Wind.

Heute sind meine Gedanken ganz besonders bei Gilad Shalit und bei seinen Eltern, auf die ein entsetzlicher Tag wartet. Auch wenn der Schmerz immer unerträglich groß ist, Jahrestage vervielfachen ihn noch. Wer selber Kinder in dem Alter hat, dem widerstrebt schon alleine der Versuch, sich in das einzufühlen, was in den Eltern vorgehen muss.

Ja, ich bin nicht immer nett. Insbesondere was die Palästinener angeht, kann ich seit dem, was sich in der Zeit nach München 1972 abzeichnete , und als ich noch sehr jung war und zum ersten Mal verstand, dass es sehr böse Menschen gibt, die von anderen nicht als böse erkannt werden, gelegentlich sehr hässliche Gedanken hegen. Und ich schäme mich nicht im geringsten dafür. Aber heute werde ich nur an Gilad und seine Eltern, Familie und Freunde denken.

 

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4 Kommentare »

  • 1

    Kommentar von tape

    25. Juni 2007 @ 15:49

    Vielen Dank dür diesen einfühlsamen Text.

    Ich hatte ihn heute Nacht gelesen und sehe gerade, dass du ihn etwas verändert hast. Wahrscheinlich war er dir doch zu persönlich, was ich respektiere (was auch sonst?).

    Deinem Wunsch, der im letzten Abschnitt der ersten Version stand bin ich nachgekommen und werde dies auch beibehalten.

    Viele Grüße und Gottes Segen
    tape

  • 2

    Kommentar von Eisvogel

    26. Juni 2007 @ 8:30

    Danke tape - vor allem für Dein Verständnis. Du hast mit Deiner Vermutung vollkommen Recht.

  • 3

    Kommentar von SAMURAI

    27. Juni 2007 @ 12:06

    Immerhin, der Junge scheint noch zu leben. Das ist mehr als man von diesen Berserkern erwarten kann.

    Hoffen wir auf eine “glückliche Freilassung”. 1000 PALIS aus dem Knast gegen den Jungen.

  • 4

    Kommentar von limewire

    30. September 2007 @ 10:03

    Hi, there!..4847a85d26b5a5f2119f80615794f283

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