Eine neues Gleichgewicht zwischen Rom und Jerusalem

von Eisvogel um 14:28 am 12. Juli 2007

Original vom 27. Juni 2007: A New Balance Between Rome and Jerusalem

Mein Artikel über den Einfluss des Christentums auf die westliche Kultur zog einige interessante Kommentare nach sich. Mehrere Leser schrieben, dass das Christentum im Gegensatz zum Islam flexibelsei und dass die Vereinigten Staaten, die vielleicht immer noch die gläubigste christliche Nation des Westens sind, auch die dynamischsten Streitkräfte haben. Und es waren die Amerikaner, die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen, was nur schwerlich zu dem Schluss kommen lasse, dass Christen zwangsläufig weich sein müssen.

Die Bloggerin Vanishing American schreibt, dass sie die Internetdiskussionen nicht mehr zählen kann, in denen die Schuld für die Invasion des Westens wie im "Heerlager der Heiligen" dem verweiblichenden Einfluss des Christentums zugeschrieben wird. Sie sollte daran denken, dass Das Heerlager der Heiligen von Jean Raspail beschreibt, wie Kirchenführer und Bischöfe in der vordersten Front dabei sind, Europa im Namen des Mitgefühls auszuliefern, und dass das nun mal eben auch tatsächlich geschieht. Darüber hinaus sagt sie auch "Ich kann nicht nachvollziehen, wie das Christentum in der Lage sein soll, den Europäern lange nachdem sie nicht mehr an das Christentum glauben, Schuldgefühle einzuimpfen." 

Das ist eine unpräzise Sichtweise. Obwohl manche der destruktiven Ideen, die ich früher schon erwähnt habe, nicht immer direkt mit dem Christentum in Verbindung gebracht werden können, haben sie eben gewisse Aspekte des Christentums übernommen oder zumindest Ideen, die sich aus dem christlichen Weltbild ableiten. Sie haben jedoch das Gleichgewicht durcheinander gebracht, und die entstandenen säkularisierten Religionen sind zu Karikaturen des Originals geworden, manchmal zu höchst gefährlichen. Diese postchristlichen Politreligionen glauben an die menschliche Vollkommenheit. Das hört sich wie ein reizvolles Konzept an, aber die Spur, die diese Idee im wirklichen Leben hinterlassen hat, hat eine Menge Leid verursacht. 

Manche sind sich der Tatsache bewusst, dass Ideen wie zum Beispiel die Menschenrechte letztendlich auf dem Christentum basieren. Ich stimme mit dem deutschen Philosophen Jürgen Habermas nicht immer überein. Er hat einige skurrile Vorstellungen, aber er hat Recht, wenn er sagt, dass "das Christentum und nichts anderes, die ursprüngliche Grundlage von Freiheit, Gewissen, Menschenrechten und Demokratie ist, welche die Markenzeichen der westlichen Zivilisation darstellen. Bis zum heutigen Tag haben wir keine anderen Optionen [als das Christentum]. Wir nähren uns immer noch aus dieser Quelle. Alles andere ist postmodernes Geschwätz." 

Wenn wir davon ausgehen, dass der christliche Antisemitismus teilweise einen christlichen Ödipuskomplex gegenüber seiner Elternreligion, dem Judentum, widerspiegelt - was eine plausible Hypothese ist - öffnet uns dies neue Perspektiven zur Betrachtung des Hasses, der dem Christentum von postchristlichen Westlern entgegengebracht wird. Da ihre Glaubensüberzeugungen säkularisierte Versionen christlicher Ideen sind - sozusagen ein Christentum ohne Christus - hassen einige von ihnen ihre Elternreligion, diesen altbackenen und ausrangierten Glauben, der es wagt, immer noch zu existieren. 

Nach Vanishing American ist "Liberalismus ganz allgemein und sogar in seiner extremen Ausprägung in Wahrheit ein nachgeahmtes Christentum. Das wurde viele Male ausgeführt. Karl Marx, der Sohn eines Konvertiten, war nicht gläubig, aber das System, dessen Vater er wurde, war - bewusst oder unbewusst - eine Parodie auf das Christentum. Anstatt nach einem Königreich, das nicht von dieser Welt ist, Ausschau zu halten, strebten der Marxismus und seine Varianten danach, den Himmel auf Erden zu schaffen." Sie zitiert auch den Gelehrten James Kurth, der das deformierte Christentum hinter dem Multikulturalismus "Protestantismus ohne Gott" nannte. 

Ich habe die Behauptung, Multikulturalismus sei mit der protestantischen Kultur verbunden, auch schon vorher gehört. Es könnte ein Körnchen Wahrheit darin enthalten sein, aber die katholische Kirche ist auch mit diesem Problem infiziert, und sie sieht sich anderen Herausforderungen gegenüber, da sie eine bürokratische Organisation ist, die sich zuerst und vor allem um ihre eigenen Interessen kümmert. Weil sie aus demographischen Gründen zunehmend auf Entwicklungsländern beruht, gleicht sie mehr und mehr einer christlichen Version der Vereinten Nationen. Obwohl ich sehr erfreut darüber wäre, wenn die Kirche den Westen verteidigen würde, zweifle ich doch an ihrer Fähigkeit dazu. 

Ich verstehe, was der Blogger Conservative Swede damit meint, wenn er lieber von einer europäischen als von einer westlichen Zivilisation spricht. Wenn wir vom Westen reden, schließen wir damit Protestanten und Katholiken ein, aber nicht die orthodoxen Ostchristen. Aber da die römisch-katholische Kirche so langsam zu einer großen religiösen NGO wird, wird es immer schwieriger, zu sagen, sie repräsentiere den Westen. Als Westeuropäer habe ich mit einem orthodoxen Serben oder Bulgarer auch mehr gemeinsam als mit einem Katholiken aus Bolivien oder einem Protestanten aus Botswana. 

Wie ich anderswo schon gezeigt habe, kann die Spur des Kulturrelativismus im Westen mindestens bis zur Aufklärung, vielleicht aber sogar bis zum Zeitalter der Entdeckungen im 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Es gibt jedoch auch welche, die behaupten, dass seine Wurzeln bis in die Zeit vor der Reformation zurückreichen. Humanisten des 15. Jahrhunderts betrieben Kulturkritik und zeigten ihren Zuhörern die Wahl zwischen einer machtvollen Vergangenheit im antiken Italien und einer korrupten und gespaltenen Gegenwart. Die extremsten Strömungen des humanistischen Gedankenguts gingen in die Richtung, das Christentum voll und ganz zu verwerfen, und personifizierten sich in Machiavelli, der fast ausschließlich auf Rom vertraute, sowie ein bisschen auf Jerusalem. 

Der Cambridge Companion to Renaissance Humanism von Jill Kraye erklärt das folgendermaßen:

Ihr vertrautes Wissen über eine andere Kultur, ihre Haltung, diese Kultur mit ihrem eigenen Zeitalter zu vergleichen, ihr Realismus und ihre Haltung, stets beide Seiten einer Frage zu beleuchten, führte schlussendlich zu einer aufkommenden Form von Kulturrelativismus. Am offensichtlichen kommt das vielleicht in den Schriften des späten humanistischen Schriftstellers Michel de Montaigne zum Vorschein, aber Anzeichen dafür können auch schon bei Petrarch gefunden werden. Eine Hauptlektion in Kulturrelativismus ist natürlich die Annahme, dass etwas, das man normalerweise als eine Gegebenheit der Natur betrachtet, möglicherweise ein Produkt der Kultur sein könnte. Und was zur Kultur gehört und nicht zur Natur, kann durch menschliche Anstrengungen verändert werden. Angewandt auf den Bereich einer Hochkultur, kann dieser Wille, Traditionen zu verwerfen und den Wechsel zu begrüßen, zu einer Renaissance führen; auf den politischen Bereich angewandt, kann er zu Utopien führen.

Der Schriftsteller Paul Gottfried schreibt, dass der Multikulturalismus "im Gepäck des amerikanischen Imperiums reist, wie bei dem unprovozierten Angriff auf Serbien offenbar wurde." Ich stimme damit überein. Als voll ausgereifte und entwickelte Ideologie wurde er von den USA exportiert, die als multikulturelles Imperium agierte, das im Falle Serbiens 1999 einen ideologischen Krieg führte, um die multikulturelle Rechtgläubigkeit aufrecht zu erhalten. 

Gottfried warnt auch vor einer säkularen oder multikulturellen Theokratie. Er fährt fort:

"Massendemokratie ist ein Ausdruck, der benutzt wird, um eine Regierung zu beschreiben, die im Namen des ‘Volkes’ regiert, aber hoch zentralisiert ist und zunehmend ohne ethnisch-kulturellen Kern regiert. Es ist ein bürokratisches Imperium, das politische Gefälligkeiten verteilt und ein minimales Maß an physischem Schutz garantiert aber nicht mehr in der Lage oder interessiert daran ist, Autonomie zu praktizieren (…) Was geschah, ist, dass im Gegensatz zu dem, was Demokratiekritiker des 19. Jahrhunderts glaubten, das allgemeine Wahlrecht und die Verstädterung nicht zu einem Ausbruch der Anarchie und zu gewaltsamen Enteignungen geführt haben. Viel eher stimmte das Volk dafür, die Macht an ‘öffentliche Verwalter’ und kürzlich in den USA auch an Richter abzutreten, die zu Agenten wurden, welche in unserem Auftrag Demokratie praktizieren. Demokratie wurde nicht mit sinnvoller Selbstbeschränkung ausgeglichen sondern damit, dass sie von Verwaltern sozialisiert wurde, die uns ‘Gleichheit’ und später Pluralismus und Multikulturalismus lehrten. Das massendemokratische Regime wurde zunehmend zum Therapeuten, und mit dem Aufkommen des Opferkultes und dem Niedergang des Christentums zu einem Lieferanten einer Politik der Schuld."

James Kurth nennt dies die "protestantische Deformation", die den Weg zum Multikulturalismus geebnet hat. Nach Gottfried ist "das Herzstück des Problems die Transformation gerechtfertigter spiritueller Schuld in soziale Schuld und der protestantischen Konzentration auf das Individuum in eine Verwerfung der Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Zivilisation, die bewahrt werden muss." 

Aber das bestätigt nur, was ich früher schon geschrieben habe. Unser Schuldkomplex hat seine Wurzeln im Christentum, aber er hat sich zu etwas anderem entwickelt. Das Christentum glaubt an die Sünde, aber es glaubt auch an Vergebung und Erlösung. Nach dem neuen postchristlichen Glauben werden wir gelehrt, uns ständig irgendwelcher namenloser Sünden vage schuldig zu fühlen. Das schwächt unsere Fähigkeit zum Widerstand gegenüber Angriffen von außen, weil wir immer das Gefühl haben, dass jeder aggressive Akt gerechtfertigt ist. Dieser Schuldkomplex zerstört uns und lässt uns mental wehrlos vor jedem Feind stehen. Anders als im Christentum, in dem Christus sich selbst opferte, um uns von unseren Sünden reinzuwaschen, gibt es in diesem neuen Christentum ohne Christus keine Möglichkeit der Erlösung. Und weil es unerträglich für uns ist, mit dieser Schuld für vergangene reale oder eingebildete Sünden (wiederum eine säkularisierte Form des christlichen Konzepts der Erbsünde) zu leben, ist der einzige Weg, wie wir uns von dieser Sünde befreien können, unsere Kultur und alles, was uns zu "uns" macht, loszuwerden. Wir enden somit darin, uns selbst zu opfern. Diese säkularisierte postchristliche Version des Christentums kann selbstverständlich nicht aufrechterhalten werden. Wenn sie unverändert so bleibt, wie sie ist, wird sie uns gegenüber dem Islam machtlos machen, und wir werden verlieren. 

Ich habe geschrieben, dass postchristliche Ideologien, darunter wohl auch der Marxismus, Vorstellungen aus dem christlichen Weltbild an sich gerissen haben. Sie sind aber höchst selektiv dabei vorgegangen, welche Elemente sie übernahmen und welche sie verwarfen. Christen glauben an richtig und falsch, an gut und böse, und das ist etwas, was Multikulturalisten nicht tun, ausgenommen vielleicht im Hinblick auf Rassismus und Diskriminierung, welche die einzigen Sünden darstellen, für die es keine Vergebung geben kann. Sie haben grundlegende Komponenten des Christentums verworfen. Desgleichen neigen Sozialisten dazu, Kriminelle als irregeleitete Individuen zu sehen, bestenfalls der fachmännischen ideologischen Führung durch linke Sozialarbeiter bedürftig und schlimmstenfalls als Opfer der Gesellschaft, bei denen wir uns entschuldigen sollten. Sie glauben nicht an das Böse, ausgenommen bei jenen, die ihre ideologische Führung und Weisheit ablehnen. 

Marxisten ersetzten Gott als den Motor der Geschichte durch die unpersönlichen Kräfte des Klassenkampfes, aber in ihrer Religion gibt es kein Leben nach dem Tod. Die Gründe, warum es für Marxisten leichter ist, den Islam zu akzeptieren als das Christentum, liegen zuerst einmal darin begründet, dass sie mit dem Islam ihren Hass auf die traditionelle westliche Kultur in einem anderen Gewand weiter pflegen können; aber zweitens auch darin, dass der Islam mit seiner Scharia und seinem Drang, alle Aspekte der Gesellschaft in minutiösen Details zu regeln, im Gegensatz zum Christentum der Erschaffung eines ‘Paradieses’ schon auf Erden wesentlich größere Bedeutung beimisst. 

Wenn ich ausführe, dass postchristliche Ideologien Elemente des christlichen Denkens übernommen haben, will ich damit in keiner Weise ausdrücken, dass sie in irgendeinem Sinn identisch mit dem Christentum sind, so wie auch eine Nierentransplantation von einem Individuum in ein anderes diese zwei Körper nicht identisch macht. Es wäre vielleicht sinnvoll, sich diese postchristlichen Ideologien als eine Art ideologische Frankensteinmonster vorzustellen, die aus einer willkürlichen Kombination von Körperteilen aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt sind, wobei manche davon im postchristlichen Europa zufällig von der kürzlich erschlagenen Leiche des Christentums stammen. Wenn man sich die Zahl der Leichen in sozialistischen Regimes ansieht, könnte man behaupten, dass die marxistische Religion der Religion der Azteken mit ihren Menschenopfern mehr ähnelt als dem Christentum. 

Michael W. Perry, der Autor des Buches Untangling Tolkien, hinterließ einen Blogkommentar, in dem er feststellte, dass während des 20. Jahrhunderts ein simplifizierender, moralistischer Pazifismus die christliche Überzeugung,  dass aufgrund der sündigen Natur des Menschen Kriege einfach notwendig sind, abgelöst hat. Deshalb wusste das mittelalterliche Europa, dass es islamische Invasionen bekämpfen musste, während das moderne, säkulare Europa das nicht weiß. Eine der blutigsten Seeschlachten der Geschichte war die Schlacht von Lepanto im Jahr 1571, die ausgefochten wurde, um das Ottomanische Reich an der Invasion Italiens und der Umwandlung des Petersdoms in eine Moschee zu hindern. 

Nach der Sichtweise Herrn Perrys

"liegt die Schwächung Europas nicht an den christlichen Tugenden, sondern daran, dass einige dieser Tugenden in verzerrter Weise fortgeführt werden, während andere vollkommen fehlen, ganz speziell das tiefe und durchdringende Wissen um die Natur des Bösen, das beinhaltet, dass dieses oftmals eben nicht mit Worten, internationalen Institutionen oder Diplomatie bekämpft werden kann. (…) Historisch gesehen profitierte das westliche Christentum von der Art und Weise, wie es sich ausbreitete. Der Kontakt mit griechischem Gedankengut machte es hellhörig für Ideen, mit denen sich Juden kaum befassten. Der Kontakt mit Rom lehrte es, wie man mittels strukturierter Regierungen und der Herrschaft des Gesetzes mit großen, komplexen, verstädterten Gesellschaften umgeht (Israel war klein und ländlich). Und schließlich half der Kontakt mit den Heldenepen Nordeuropas, es Individualismus und die Notwendigkeit, für Freiheit zu kämpfen, zu lehren. Man sieht das bei Tolkien, der ein frommer Katholik war."

Tolkien war ein zutiefst westlicher Schriftsteller. Von Beruf Linguist war er fasziniert von den Sprachen der keltischen Stämme auf den britischen Inseln, vor allem vom Walisischen, aber auch vom Finnischen, einer nicht-indoeuropäischen Sprache, die sich radikal von allen anderen Sprachen unterschied, mit denen er vertraut war, und von der Kalevala, dem Nationalepos Finnlands . Er vertiefte sich in die Periode der britischen Geschichte zwischen dem Niedergang der römischen Herrschaft in der Provinz Britannien im 5. Jahrhundert und der normannischen Eroberung im 11. Jahrhundert. Während der Zeit der großen Völkerwanderungen wanderten germanische Stämme aus dem Osten in großer Zahl in Britannien ein. Das epische Gedicht Beowulf, dem Tolkien beträchtliche Zeit widmete, beschreibt diese Kultur des 8. und 9. Jahrhunderts in einer Zeit, als das Christentum sich gerade ausbreitete, und erwähnt Stämme aus den heutigen Ländern Dänemark und Schweden. Das Königreich Rohan in "Der Herr der Ringe" ist eindeutig von dieser angelsächsischen Kultur und ihren skandinavischen Wurzeln beeinflusst. 

Die Namen der Charaktere wie zum Beispiel Gandalf, der Zauberer, können von skandinavischen Vorbildern kommen, zum Beispiel aus der Sage von Halfdan dem Schwarzen, der Ragnhild, die Tochter von Harald Goldbart heiratete und gegen König Gandalf kämpfte. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn, Harald, der Halfdan um 860 als Herrscher folgte und später den Beinamen Harald Schönhaar bekam. Nach einem abgelehnten Heiratsantrag schwor er, sein Haar so lange nicht zu schneiden, bis er König des ganzen Landes war. Er wird traditionell als Norwegens erster nationaler König angesehen. Sein Nachfolger Erik Blutaxt tötete später seine Brüder, um sich seiner Rivalen zu entledigen. Das stammt aus der Heimskringla, der Sage der norwegischen Könige, wie sie vom isländischen Schreiber Snorri Sturluson überliefert wurde. 

Ein hochinteressantes Vermächtnis aus der römischen Ära ist die Grenze zwischen England, das zusammen mit Wales Teil des Römischen Reiches war, und Schottland, das nicht dazu gehörte. Diese Grenze ist über zwei Jahrtausende hinweg mehr oder weniger stabil geblieben. Der Hadrianswall in Nordengland wurde 122 n.Chr. von Kaiser Hadrian erbaut, nachdem sein Vorgänger Trajan so viele neue Territorien erobert hatte, dass das Reich seine größte territoriale Ausdehnung erreichte, und sein Nachfolger gezwungen war, die Herrschaft Roms zu festigen. Die Schnittmenge aus römischen, christlichen und germanischen Einflüssen hatte eine entscheidende und tiefe Einwirkung auf die die jeweilige Geschichte von England, Frankreich und Deutschland. 

Der fränkische Herrscher Karl Martell gründete, nachdem er 732 die islamische Invasion in der Schlacht von Tours zurückgeschlagen hatte, das Karolingerreich, das seinen lateinischen Namen trägt: Carolus. Er legte auch die Grundlagen für das feudalistische System und formte somit große Teile des Mittelalters. Sein Enkel Karl der Große wurde im Jahr 800 vom Papst zum Kaiser gekrönt. Das Karolingerreich, das ein gezielter Versuch war, das Römische Reich im Westen wiederzubeleben, umfasste zu jener Zeit Frankreich, Deutschland und große Teile Mitteleuropas einschließlich Italiens bis hinunter nach Rom, wurde aber 843 in drei Teile geteilt. Das östliche Drittel mit seinem Herzstück im heutigen Deutschland wurde später als das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen bekannt und überdauerte auf die eine oder andere Art weitere tausend Jahre. Das birgt eine gewisse Ironie in sich, weil der größte Teil Deutschlands niemals zum ursprünglichen Römischen Reich gehört hatte. Nachdem die römischen Legionen im Jahre 9 n.Chr. bei der Schlacht im Teutoburger Wald von germanischen Stämmen massakriert worden waren, unternahmen die Römer nie wieder ernsthafte Versuche, die Länder nördlich des Rheins zu erobern. 

In England und Frankreich verschwand die Erinnerung an die Jahrhunderte unter der zentralistischen römischen Herrschaft niemals vollständig, was erklären könnte, warum es den Engländern und Franzosen gelang, im Mittelalter vereinte Staatswesen zu erschaffen, während Deutschland erst unter Bismarck im späten 19. Jahrhundert vereint wurde. Das könnte man im Fall Englands teilweise auch auf die Geographie zurückführen, aber es ist schwieriger, zu erklären, warum Frankreich und Deutschland, die beide Teil des Karolingerreiches waren, so unterschiedliche Wege gingen, wenn man das römische Vermächtnis außen vor lässt. 

Die Einheit Deutschlands wurde auch durch einen religiösen Konflikt im 11. und 12. Jahrhundert, in einer Zeit, als das Papsttum seine Macht festigte, vereitelt. Papst Urban II rief 1095 zum Ersten Kreuzzug auf. Der Investiturstreit, in dem es um das Recht, Kirchenoffizielle einzusetzen ging, brach die Macht des deutschen Königs. Der Dreißigjährige Krieg im 17. Jahrhundert schuf ein zusätzliches Durcheinander. Danach existierte das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen nur noch als Name. In dem Stück Faust, das am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde, spottet der deutsche Dichter Goethe flüchtig über seine Machtlosigkeit, aber formal abgeschafft wurde es erst in den Napoleonischen Kriegen. Nach deutscher Tradition mussten Kaiser gewählt werden und Konzessionen machen, um Wohlwollen zu erlangen, was ihre Autorität schwächte. Dennoch dominierten manche Familien wie zum Beispiel das Haus Habsburg die Liste der Kaiser Jahrhunderte lang. Sie dominierten auch den Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen, Österreich, das später in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn aufging und nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst wurde. 

Wie diese Beispiele zeigen, haben uns die Erinnerung und das Vermächtnis des Römischen Reiches bis in moderne Zeiten hinein niemals verlassen. Der Islam wurde zur Weltreligion, indem er ein Imperium durch Kriege erschaffen hat. Das Christentum wurde zur Weltreligion, weil es in ein bereits existierendes Imperium hineingeboren wurde und darin wuchs. Das Christentum war von seinen ersten Anfängen an von der Zivilisation Roms beeinflusst und wäre wahrscheinlich ohne sie auch nicht möglich gewesen. Ich sehe durchaus potentielle Probleme mit dem Christentum als solchem. Doch weil es flexibel ist, wird es von anderen Impulsen, mit denen es in Verbindung steht, beeinflusst und deshalb stimme ich auch nicht mit denen überein, die sagen, dass wir das Christentum loswerden müssen, um zu überleben. Realistisch gesehen enthält es potentielle Schwächen, die mit einem nationalen Zugehörigkeitsgefühl eingedämmt und mit der ausgleichenden Kraft nicht nur griechischer Logik sondern auch römischer Strategiekunst ausbalanciert werden müssen. 

Der Westen war schon immer eine zusammengesetzte Zivilisation, die aus einer komplexen Mischung verschiedener Impulse bestand. Wir werden alle von ihnen brauchen, um zu überleben. Wenn wir uns nur auf einen davon verlassen, reicht das nicht. Wir brauchen Rom und Jerusalem, sowohl die griechisch-römischen als auch die jüdisch-christlichen Stränge des Westens, aber vielleicht müssen wir ein neues Gleichgewicht zwischen den beiden aufstellen. Die alles entscheidende Frage ist die, ob das Christentum in Westeuropa bereits dermaßen geschwächt und diskreditiert ist, dass es als bestimmender Faktor ausfällt.

 

P.S.: Wenn man Zivilisationen und Religion betrachtet, stellt China auch ein interessantes Beispiel dar. Nach dem Gelehrten Thomas T. Allsen "wanderten zusätzlich zu den Handelsgütern, vor allem Seide, die westwärts kamen, vielerlei Kulturgüter von folkloristischen Motiven über Alphabete bis hin zu Religionen ostwärts. Fast alle der wichtigen religiösen Bewegungen, die ihren Ursprung im Nahen Osten hatten - Zoroastrismus, Judentum, Christentum, Manichäismus und Islam - erreichten China, während die ideologischen Systeme Chinas im Westen nicht Fuß fassten. Dieses verblüffende und hartnäckig fortdauernde Muster, das niemals erklärt wurde, hat sich offensichtlich schon recht früh etabliert." 

Wie Allen ausführt, "setzen wir zu oft politische und wirtschaftliche Überlegenheit mit kultureller Dominanz gleich. Es gibt viele gegenteilige Beispiele. Wie Braudel ausführt, stieg England im 18. Jahrhundert zur beherrschenden politischen Kraft auf, während Frankreich seinen kulturellen Einfluss behielt und sogar noch ausbaute. Es trifft auch auf die kulturelle Abhängigkeit Roms vom Griechischen und des Achämenidischen (Persischen) von Mesopotamien zu. Konsequenterweise ist es daher auch keine Anomalie, dass die Mongolen des 13. und 14. Jahrhunderts gewiss im politischen und militärischen Sektor dominierten, aber kaum im kulturellen." 

China hat trotz seines Rufes, eine stolze Zivilisation zu sein, im Lauf der Geschichte bewiesen, dass es bereitwilliger nicht-chinesische Religionen annahm als umgekehrt. Das Christentum ist in Europa auch nicht beheimatet, es kam aus dem Nahen Osten. Aber es war wenigstens ein Teil des Imperiums und der politischen Einheit jener Zeit, so dass es immer noch eine "römische" Religion war. Der Buddhismus war in keiner Weise in China beheimatet. Seide war den Römern bekannt und die Seidenstraße mit Rom wuchs ab der Regentschaft des Augustus schnell. Der chinesische Handel mit dem Iran und Indien wurde sogar noch früher aufgenommen. Doch trotz der Beliebtheit der chinesischen Waren und trotz der Tatsache, dass China eine der ältesten ununterbrochenen Zivilisationen auf Erden darstellt und über mehrere Jahrtausende hinweg auch die reichste und technologisch fortschritllichste war, hatten seine Religionen und Philosophien niemals außerhalb Ostasiens einen größeren Einfluss. 

Warum? 

Ich weiß es nicht, aber es ist eine faszinierende Frage.

Abgelegt unter: Übersetzungen - Fjordman

7 Kommentare »

  • 1

    Kommentar von Kreuzritter

    13. Juli 2007 @ 0:23

    http://www.gruene-pest.de/showthread.php?t=240059

    Wir werden islamisiert

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    Wenn wir überleben wollen müssen wir uns verändern , mit der heutigen christlichen Gesinnung werden wir es nicht schaffen .
    Wir sind nicht wie die Kreuzritter die mit einem lächeln auf den Lippen ihren Gegnern die Streitaxt ins Gesicht schlugen und den Ueberlebenden einer Schlacht die Kehlen durchschnitten , wir sind verweichlicht erzogen worden , uns wurde beigebracht niemanden zu verletzen und wenn er noch so böse ist. Die Kreuzritter hatten kein schlechtes Gewissen ihre Gegner samt Frau und Kind zu töten , wir bringen es nicht mal fertig einen brutalen Mörder hinzurichten . Wir können die Islamisierung Europas mit Gesetz und Politik nicht mehr abwenden , höchstens hinauszögern . Im besten Falle ist Europa erst im Jahr 2050 islamisiert . Mir soll mal ein Gutmensch erklären wie wir ohne Krieg und Verteibung der Musels die Herren im Land bleiben sollen. Jedes Jahr wächst die Zahl der Muslime um 6,6% , die Zahl wird aber drastischer steigen da Millionen von Flüchtlingen aus islamischen Ländern nach Europa wollen . Mit unseren Gesetzen und der UNO im Nacken werden wir die Moslems nicht mehr los . Auch wenn wir es schaffen das die Moslems noch 10 Jahre still halten , irgendwann kommt erst die Anpassung und danach die Uebernahme Europas durch den Islam .

    Ich habe viele Zukunftsmodelle durchgespielt , mit Anstand und Nächstenliebe werden wir die Islamisierung nicht stoppen können . Noch vor 100 Jahren hätte Europa problemlos dem Islam Herr werden können da Vaterland und Ehre noch einen Wert hatten , jedes Mittel wäre Recht gewesen um das Vaterland zu erhalten . Seit der Sozialismus in die Kirchen einzog haben unsere Kirchenvertreter und Mitglieder jegliche Aggression und Kampfeswille verloren .

    Sagt mir wie wir die Islamisierung friedlich abwenden können , ich sehe keine Möglichkeiten mehr die Islamisierung zu stoppen , da wir jeglichen Kampfeswillen verloren haben .
    Kommt mir jetzt nicht wir sollten oder müssten , denn das wird garantiert nicht getan.

    In Deutschland schätzt man , hat es ca. 36000 Islamisten dazu kommen garantiert zehn mal soviele Sympatisanten , Deutschland hat sehr viele kriminelle Moslem , man ist nicht bereit oder in der Lage die Extremisten auszuweisen noch die Kriminellen . Sagt mir wie wir so noch eine Chance haben sollen .

    Fazit:

    Wir werden islamisiert werden , wieviele Terroristen oder Islamisten in Europa sind spielt keine Rolle . Moslems haben eine Wachstumsrate von 6.6% pro Jahr . In Zukunft werden noch Millionen Flüchtlinge aus humanitären Gründen aufgenommen , was die Islamisierung noch beschleunigt
    Moslems müssen nicht gewalttätig werden , sie müssen nur weiter poppen und abwarten .

    Gruss Kreuzritter

  • 2

    Kommentar von Eisvogel

    13. Juli 2007 @ 14:13

    Das ist ein sehr deprimierender Text, Kreuzritter.

    Leider glaube ich, dass er wahr ist.

    Ich habe viele Zukunftsmodelle durchgespielt

    Ich auch. Wann immer ich mich dabei auf meinen Verstand verlassen habe, bin ich zum gleichen Resultat gekommen. Lediglich ein Das darf nicht passieren, deshalb muss es einen Weg geben-Gefühl bringt Hoffung.

    Der Artikel, aufgrunddessen ich auf Fjordman aufmerksam wurde und anfing, ihn zu übersetzen, war Der zweite Fall Roms, in dem auch er Zukunfstmodelle durchspielt - meiner Ansicht nach erschöpfend. Ich wüsste nicht, welches er ausgelassen haben könnte.

    Er hat auch ein optimistisches dabei. Leider beruht es auf Voraussetzungen, für die ich keinerlei Anzeichen sehe.

    Ich sehe auch, dass viele zur Zeit aufwachen. Das halten die meisten für ein positives Zeichen. Ist es sicher auch. Ich frage mich nur: Was ist anders, wenn wir wach sind?

    Und manchmal frage ich mich auch -trotz meiner ganzen Wut auf die Politiker : “Was könnten sie tun?” Alles, was effektiv wäre, würde in hässliche Gewalt münden. Noch leben wir in einem weitgehenden Idyll. Zeigt mir den demokratischen Politiker der es auf sich nimmt, ein Idyll in einen Bürgerkrieg zu verwandeln.

    Allerdings kommt der irgendwann auch von selber - oder eben die stille Hinnahme der Islamisierung.

    Kenan Kolat hat bereits gedroht:

    „Wenn das Zuwanderungsgesetz in der geplanten Form durchkommt, dann habe ich die [Türken] nicht mehr unter Kontrolle. Die fühlen sich dann so zurückgewiesen, da kann ich dann auch für nichts mehr garantieren“.

    Und das wegen einer lächerlichen und wirkungslosen Lappalie! Die Erhöhung des Nachzugsalters auf 18 (was die meisten sowieso sind!) behindert den Zuzug von Importbräuten effektiv überhaupt nicht.

    Was werden sie tun, wenn ein Gesetz kommen würde, das dem Ziel der Eroberung wirklich schadet?

  • 3

    Kommentar von ohneland

    25. Juli 2007 @ 16:02

    Das Christentum und die Zukunft Europas

    Charles Peguy meinte über die Philosophie von Immanuel Kant: „Die kant`sche Philosophie hat reine Hände, aber sie hat keine Hände“. Henry de Lubac führte diesen Gedanken weiter, indem er sagte: :Ohne Gott wird die Wahrheit selbst zum Idol und die Gerechtigkeit nicht minder. Und diese Idole sind zu blaß, zu rein, angesichts der Götzen aus Fleisch und Blut, die heute wieder aufstehen. Diese Ideale sind zu abstrakt angesichts der großen kollektiven Mythen, die die mächtigen Urinstinkte wecken So hat denn der Laizismus dieser modernen Gesellschaft, wenn schon oft wider Willen, den großen revolutionären Systemen, die jetzt lawinenartig niederdonnern, den Weg bereitet“.
    Die fatale Konsequenz der kant`schen Philosophie, in der Kritik der reinen Vernunft grundgelegt, besteht darin, dass von da an nur noch als wissenschaftlich anerkannt wurde, was der naturwissenschaftlichen Methode zugänglich ist. Gott hat Kant an die praktische Vernunft überwiesen, er hat ihn nur noch postuliert, damit auf der Welt die Moral nicht zusammenbricht. Damit war der in der ganzen Neuzeit sich ankündigende Bruch zwischen Vernunft und Glauben praktisch besiegelt.
    Hegel kritisiert an Kant, dass dieser aus dem dreieinigen, lebendigen und geschichtsmächtigen Gott der Bibel ein jenseitiges Gespenst, ein Gähnemaul gemacht habe und er meinte geradezu programmatisch, dass es darauf ankomme Gott nicht an das Ende sondern wieder an den Anfang zu stellen. Hegel kritisiert die moderne Welt, dass sie die im Christentum angelegte Freiheit zwar realisiert habe – worin ihre Größe besteht – gleichzeitig aber das Christentum, die bleibende substanzielle Voraussetzung der Freiheit eliminiert hat. So wurde aus Gott ein höheres Wesen ohne konkreten Inhalt, zuständig für die Moral. Dies hat zu der bis zum heutigen Tag katastrophal nachwirkenden Moralisierung des Christentums geführt. Dann wurde die Moral abgelöst von der Rede von den Werten. In der Wertphilosophie ist dann Gott eventuell noch der höchste Wert, aber in seiner Existenz jedenfalls abhängig von der ihn als Wert setzenden, oder auch nicht setzenden Subjektivität. Vor mehr als hundert Jahren hat Nietzsche dann gerade in der Durchsetzung der Wertphilosophie die Heraufkunft des Nihilismus erkannt. Der Nihilismus ist nach Nietzsche eine Zeit des großen Wertens, des permanenten Wertewandels. Alle bekennen sich zu Werten, zu christlichen, zu humanistischen, zu sozialistischen, zu kapitalistischen, zu liberalen, usw. Aber es ist ein Antagonismus eingetreten zwischen den Werten die man schätzt, und der Wirklichkeit die man erkennt. Die Werte sind ohne Wirklichkeit, und die Wirklichkeit ist ohne Wert. Und nachdem die Wirklichkeitslosigkeit der Werte durchschaut sind, werden die Werte nicht gestrichen, sondern in sehr praktischer Weise für die Durchsetzung individueller Interessen und von Gruppeninteressen instrumentalisiert. Damit hat Nietzsche den heute herrschenden Nihilismus auf den Begriff gebracht. So glaubt heute zb natürlich kein Mensch mehr an die 68-Ideale, aber die Grünen sichern sich damit immer noch Macht und Geld. Das nennt Nietzsche dann den durch nichts mehr restringierten Willen zur Macht, wir nennen das heute auch Faschismus.
    Die mit Kant in der Philosophie durchgesetzte Depotenzierung, oder Futurisierung Gottes hat letzte Endes zu seiner Eliminierung, zumindest in Europa geführt. Gott ist tot, weil er seine Wirklichkeit in den Köpfen und Herzen der Menschen verloren hat.
    Islam in Europa heißt, Gott ist wieder da, aber anders als wir uns das vorgestellt haben. Es ist ein jenseitiger Gott, der strukturell mit dem Gott der modernen Welt übereinstimmt, nur er ist kein Gähnemaul, sondern ein tatkräftiger, ein allmächtiger und Unterwerfung heischender Gott. Max Weber nennt den Islam eine Kriegerreligion. Jedenfalls aber ist der Islam eine Spaßbremse, denn mit fröhlichem Multikulti und ausgelassenen Loveparades scheint es für das Erste zu Ende zu gehen.
    Hegel nennt das Christentum die absolute Religion, weil im Christentum der Begriff der Religion, die Einheit von Gott und Mensch realisiert ist: Gott ist Mensch geworden. Die Manifestation Gottes ist ein Moment, das in den manigfachsten Gestalten durch alle Religionen hindurchgeht, aber nur im Christentum finden wir die Einheit von Gott und Mensch. Gott ist Mensch geworden bis hinein in die endlichste Endlichkeit des Todes. Aber der unsterbliche Gott hat in der Auferstehung den Tod getötet und so die, die ihm nachfolgen hinein genommen in sein todloses, ewiges Leben. Die Hineinnahme des Menschen in das göttliche Leben ist der Ausweis seiner Unendlichkeit und Einzigartigkeit und der Gleichheit aller Menschen vor Gott. Unter der Voraussetzung der Negation seiner bloß endlichen Zwecke ist der Mensch, die endliche Subjektivität ein Moment im Leben Gottes selbst geworden. Trinität bedeutet, dass der Glaubende im gegenwärtigen, lebendigen Gott selbst lebendig ist, dass seine stets prekäre Freiheit nun selbst befreit ist zu angstfreiem rationalen Denken und pragmatischen Handeln. Der Mensch hat so seine Einheit mit Gott im Geist und als Geist, Gott ist im Geist und in den Geistern. Die Entwicklung der Trinität führt dann dazu, dass der Mensch nicht mehr nur Kind Gottes ist, nicht mehr nur kindlich unreflektiert glaubt, sondern die Trinität bedeutet das Hervortreten selbstbewusster Subjektivität. In der trinitarischen, das heißt geistigen Einheit von Mensch und Gott ist dann die Religion, der Glaube die Weise in der der Mensch Gott wissend Gott um sich selbst weiß. So sagt Hegel ganz am Beginn seiner Religionsphilosophie:“ Der Punkt des Geistes entfaltet sich zu vielfachen Gebilden, und alle davon ausgehenden Unterschiede der Wissenschaften, Künste und der unendlichen Verschlingungen der menschlichen Verhältnisse, die Interessen seines politischen Lebens, Gewohnheiten und Sitten, Tätigkeiten und Geschicklichkeiten, Genüsse und alles was Wert und Achtung hat bei uns….. alles findet den letzten Mittelpunkt in der Religion, in dem einen Gedanken, Bewusstsein, Gefühle Gottes“. Die analogielose geistige Dynamik Europas hat Europa mit dem Verlust des trinitarischen, des geistigen Gottes verloren. Und verharrend in hektischem Konsum und in hektischer Produktion, also auf den Stoffwechsel reduziert, auch in dem was einst Liebe war, sind wir im Begriff einem Gott anheim zu fallen, der die - von uns missbrauchte und verspielte - Freiheit nicht kennt. Warum vom islamischen Gottesgedanken her die Freiheit nicht möglich ist, das hat Hegel als innerste Konsequenz des Islam beschrieben. Das Problem ist der Gedanke der exklusiven Einzigkeit Gottes, das heißt dieser Gott ist der Eine indem er der Einzige ist. Auch der christliche Gott ist der Eine, aber nicht als Einziger, sondern als trinitarischer, als ein in sich Beziehungsreicher und Lebendiger. Die exklusive Einzigkeit Allahs bedingt aber, dass von allem abgesehen wird was nicht einzig ist. Daher die islamische Einheit von Politik, Religion und Wirtschaft, daher der Auftrag alles Allah zu unterwerfen. Deshalb wird die Religionsfreiheit in der Türkei nur zum Schein gewährt, deshalb gehört auch Deutschland Allah. Der Islam ist welt-totalitär katexochen. Kommunismus und Nationalsozialismus hatten ein politisches Versprechen als Fassade ihrer Totalität, der Islam eine Religion. Die Friedensrhetorik ist allen gemeinsam. Der Eroberungskrieg ist so nicht irgendwie ein Missbrauch von Extremisten, sondern die Offenbarung des Wesenskerns des Islam. Der Menschenüberschuß ist die Waffe des Eroberungskrieges, des Dschihad. Wenn sich radikale Moslems hinter Frauen und Kindern verbergen, so deswegen weil Westler Hemmungen haben. Im Vollzug von Allahs Willen sind Frauen und Kinder nur Waffen. Hegel spricht von den Orientalen als von Weggeworfenen ohne dass sie sich weggeworfen haben. Hin und her geworfen zwischen Fatalismus und Fanatismus sind sie dazu da für Allah zu sterben. Das den Christen konstituierende ist sein in – Gott – sein, seine Einzigartigkeit und Unendlichkeit, seine Freiheit, aber eben auch die Freiheit sich wegzuwerfen. In der Möglichkeit sich selbst wegzuwerfen liegt aber unendlich mehr Menschenwürde als sie irgendeinem Moslem eingeräumt ist.

    Die pazifistische Versuchung ist eine, die das Christentum praktisch von Anfang an begleitet. Wenn aus der Bergpredigt ein politisches Programm gemacht wird, dann ist für die Existenz der Gemeinwesen Feuer am Dach. Luther hat geraten in politischen und ökonomischen Dingen eher bei den Heiden Aristoteles und Cicero Rat zu suchen, als in der Bibel.
    Der Althistoriker Egon Flaig schildert in seinem Essay „Der Islam will die Welteroberung“ wie Kaiser Nikephorus Phokas vor dem Fall von Konstantinopel das oströmische Konzil eindringlich bat, die im bevorstehenden Kampf fallenden Soldaten zu Märtyrern zu erheben. Aber der Patriarch stellte sich gegen den Kaiser“ Kein kirchliches Konzil sei imstande, Gottes Ratschluß zu antizipieren. Eine welthistorische Schlüsselszene, wie Flaig ausführt. Christliche Märtyrer imitieren das Leiden Jesu, erleiden passiv Folter und Tod; muslimische Märtyrer sind aktive Kämpfer. Die Würfel waren gefallen – gegen Byzanz. Die Westkirche änderte die Situation, als Pabst Urban II. zum Ersten Kreuzzug aufrief und den christlichen Kriegern den Erlaß der Sünden versprach.
    Wenn es aber den feministischen und pazifistischen rotgrünen Multikulturalisten mittlerweile gelungen ist dem Volk das Mark aus den Knochen zu saugen, dann ist das nicht im Christentum begründet, sondern in dem antichristlichen Versuch das angeblich gescheiterte Christentum an Güte und Friedfertigkeit zu überbieten. Von da rühren die unüberbietbaren Eigendünkel und die Hybris der Gutmenschen. Von daher ist es zu verstehen, dass sie Anatolien auch leer räumen würden um das Christentum in Europa zu zerstören. Die vielen Christen die da sich mitengagieren sind nur ahnungslose Mitläufer die ihren lebendigen Glauben verloren haben.

    Nach Hegel ist es das Signum der Moderne, daß nur in die Gesinnung eingehen kann, was durch den Gedanken gerechtfertigt ist. Von Kant, von der modernen Wissenschaft her ist eine Rechtfertigung des Christentums durch den Gedanken ausgeschlossen. Aber eine Religion, die sich in ihrer Vernunft nicht rechtfertigen kann ist, zumindest in Europa, nicht mehr als eine Verlegenheit. Hegel überschreitet auf dem mit Kant gewonnenen Niveau des formalen Gedankens, aber gegen Kant, durch die Unterscheidung von Vernunft und Verstand den kant`schen Dualismus von Vernunft und Glauben und überbietet auch die mittelalterliche Lösung des Problems bei Thomas von Aquin – der Glaube ist nicht gegen die Vernunft, sondern über die Vernunft hinaus – indem er praktisch entwickelt, dass das Christentum vernünftig ist weil es trinitarisch ist. Das Christentum ist damit nicht nur vernunftkompatibel sondern verfügt mit dem Gedanken der Trinität über den privilegierten Schlüssel zur Erklärung der Wirklichkeit als Ganzes. Der weltjenseitige Gott der sich zur Schöpfung der Welt als Natur und Geist entschließt und sich im Geiste wieder mit sich selbst zusammenschließt. Im Innesein in der von Gott selbst wieder hergestellten Einheit und so erfüllt von Gottes Geist hatte Europa seinen großen Lauf. Nun aber ist alles in der Schwebe.
    Prof. Günter Rohrmoser dem die Interpretation des christlichen Hegel zu verdanken ist, schildert immer wieder die Begebenheit von Archimedes, der angesichts einer brennenden Stadt nicht mit Wasereimern gelaufen ist, sondern der festgestellt hat, dass es bei so einer Katastrophe an der Zeit sei neu über die Hydraulik nachzudenken.
    Europa ist im Pragmatismus befangen, braucht aber eine völlige Revolution seiner geistigen Basis. Ohne Erneuerung des Geistes wird es weder die Einsichten, noch die Energien für die Bewältigung der immensen Herausforderungen unserer Gegenwart geben. Die Wurzel des Geistes aber ist die Religion. Am See von Tiberias geraten die Jünger in einen fürchterlichen Seesturm. Mit im Boot ist Christus der sich ausruht. Die Jünger sind hilflos und voller Angst und geraten in Panik. Aber sie vermögen es den schlafenden Gott zu wecken, der dann den Elementen gebietet.

  • 4

    Kommentar von Muslim

    14. Dezember 2007 @ 20:15

    @ohneland

    der große und bekannte Islam Gelehrte Ibn Qayyim Al-Jawziyya (ra) hat ein berühmtes Gedicht an die christenheit verfasst in der er die christen fragen stellt:

    http://www.youtube.com/watch?v=tWKQioVNtnY

    bis heute kamen noch keine befriedigenden antworten darauf,
    vielleicht schaffst du das ja.

  • 5

    Kommentar von Eisvogel

    14. Dezember 2007 @ 20:56

    Sorry für den widerlichen Spam, der hier stand und der mir erst aufgefallen ist, nachdem Muslims neues Posting da war.

    Akismet fängt das meiste ab und klassifiziert leider manchmal auch sehr willkommene Kommentatoren falsch und lässt manchmal hässlichen Dreck durch.

    @Muslim: Deine Frage war an ohneland gerichtet und ich maße mir - nicht nur deshalb, sondern auch weil ich mich nicht befugt fühle, für Christen zu sprechen - keine Antwort an.

    Mir ist aber die Antwort vollkommen klar, so klar, dass mir die Frage auf den ersten Blick kindlich vorkommt, womit ich nicht sagen will, dass ich den Fragesteller für einen Idioten halte. (kindliche Fragen können sehr intelligent und unbeantwortbar sein, im Gegensatz zu kindischen Fragen)

    Ich glaube, DAS ist es, was uns trennt und immer trennen wird. Dass den einen (Christen und christlich geprägte Agnostikern) die Frage merkwürdig vorkommt und die anderen (Moslems und harte Atheisten) die Antwort nicht verstehen.

  • 6

    Kommentar von Muslim

    14. Dezember 2007 @ 22:37

    @Eisvogel

    Das Gedicht beginnt mit den Wörtern

    Oh ihr Anbeter des Messias,
    Wir möchten eine sinnvolle (verständige klug weise) antwort auf unsere Frage.

    Oh Christ worshippers! We want an answer to our question from your wise.

    Die Betonung liegt auf “wise”

    Die Fragen sind ganz einfach gestellt (was du mit „kindlich“ meintest) und dazu noch in wunderschönen arabischen reimen gehalten.
    Ibn Qayyim Al-Jawziyya gehört sicherlich zu den Genies und ganz großen Gelehrten des Islams, also zu alledem was ohneland wahrscheinlich über einen Kant und Hegel denkt. Und wie du sehen kannst kommen diesem sehr intelligenten Mann die ganz einfachen Fragen in den sinn die er in ein gedicht zusammenfasste, die auch mit den Ausführungen ohnelands über Hegel nicht geklärt sind, sondern dort nur noch mehr in einer Unverständlichkeit ihren ganzen „unwise“ zu verbergen sucht.

    Die Wahrheit ist einfach, verständlich für jedermann, für den ungebildeten analphabetischen Ziegenhirten, genauso wie für den Kernphysiker. Es ist kein Elitäres wissen das nur zugänglich ist für eine kleine Gruppe die sich deshalb auch für eine Geistes Elite hält.
    Was ist das für ein Glaube der nur einer philosophisch gebildeten und deshalb kleinen schicht zugänglich ist ?

    „Die Hineinnahme des Menschen in das göttliche Leben ist der Ausweis seiner Unendlichkeit und Einzigartigkeit und der Gleichheit aller Menschen vor Gott. Unter der Voraussetzung der Negation seiner bloß endlichen Zwecke ist der Mensch, die endliche Subjektivität ein Moment im Leben Gottes selbst geworden. Trinität bedeutet, dass der Glaubende im gegenwärtigen, lebendigen Gott selbst lebendig ist, dass seine stets prekäre Freiheit nun selbst befreit ist zu angstfreiem rationalen Denken und pragmatischen Handeln. Der Mensch hat so seine Einheit mit Gott im Geist und als Geist, Gott ist im Geist und in den Geistern.“

    Was soll das bloß heißen?

    Was auch immer das bedeuten soll (dass mehr mit dem Pantheismus von Plotin zu tun hat als mit Monotheisten wie Jesus (as), vorallem der letzte satz) zweifelsohne sind die ganz einfachen fragen eines sehr intelligenten Mannes wie Ibn Qayyim Al-Jawziyya der in seiner ganzen Weisheit einfach bleibt sehr entlarvend für jeden der mit sich selbst tatsächlich kämpfen muss und dabei in die tiefsten tiefen der unverständlichen Rhetorik verschwindet, um etwas erklären zu wollen was tatsächlich nicht so einfach zu erklären ist. Es sind genau diese “kindlichen”, einfachen Fragen die dem christentum zu schaffen macht und die zu klären wären, anstatt ins unverständliche, unweise, unkluge mit hegel auszuweichen und sich vielleicht noch einzubilden das wäre die klugheit, intelligenz,..etc

  • 7

    Kommentar von Eisvogel

    14. Dezember 2007 @ 23:28

    Danke, Muslim, dass Du richtig verstanden hast, was ich mit “kindlich” (und nicht “kindisch”) gemeint habe und dass es Dich nicht beleidigt hat.

    Ich kann kein arabisch, glaube aber, dass das Originalgedicht sehr schön ist. Ich finde zum Beispiel die Frage kindlich, wer in den 3 Tagen, in denen Jesus im Grab lag, die Erde beherrscht hat. Niemand natürlich! Wie sonst auch. Sie läuft von selber. Wie eine Maschine, bei der ein intelligenter Konstrukteur einmal den An-Knopf gedrückt hat oder wie bei einem Computer-Simulations-Spiel, das man laufen lässt, während man das Geschirr abspült.

    Und warum sich Jesus nicht gegen die Kreuzigung gewehrt hat? Nun, er konnte es nicht. Er hat sich freiwillig in eine Situation gebracht, in der er das nicht kann.

    Meine ganz persönliche Antwort darauf ist aber eine andere: Ich lese in der Bibel von ihm und ich MAG ihn.

    Meine Tante sagt mir immer, wenn ich ihr von meinen Sorgen erzähle, dass ich mit IHM reden soll - das nervt ein bisschen. Ich mache das manchmal, wenn es mir ganz dreckig geht. Ein bisschen bin ich wie der jüdische Atheist aus dem Witz, den mir ein jüdischer Freund mal erzählt hat:

    Ein Jude beschloss, Atheist zu werden. Eines Tages kam sein Sohn aus der Schule nach Hause und sagte: “Papa, Papa, die Kinder in der Schule sagen, Gott hat einen Sohn und dieser Sohn ist auch Gott.”

    “Quatsch” sagt der Papa “Es gibt nur einen Gott, aber wir glauben nicht an ihn” :wink:

    Jesus ist am Kreuz gestorben, weil er das so wollte. Er wollte das und er litt dennoch. Das ist die Antwort.

    Weißt Du, was mir im Umgang mit Moslems am meisten aufgefallen ist? Dass wir (christlich Geprägte) eine Strategie zur Deeskalation von potentiellen Streitsituationen haben und die immer automatisch anwenden: sich selber ein bisschen schlecht machen. Teilweise berechtigt und teilweise auch übertrieben.

    Das klappt ganz gut und man ist das gewöhnt und wendet es natürlich auch auf Moslems an. Und beißt auf Granit und steht fassungslos da.

    Man macht sich selber ein bisschen schlecht und wartet darauf, dass umgekehrt auch ein bisschen “naja, wir machen auch Fehler” kommt. Kommt aber nicht. Es kommt eine Mischung aus Erstaunen über so viel Blödheit und Triumph und “Wenn die das schon selber OFFEN zugeben, wie vekommen sie sind, wie verkommen müsssen die dann WIRKLICH sein?”

    Wir möchten wie Jesus sein, auch wenn wir keine offen bekennenden Christen sind. Ihr möchtet wie Mohammed sein.

    Das trennt uns.

    Redest Du mit Allah, wenn Du Sorgen hast, so wie Du als kleines Kind mit Deiner Mama geredet hast, wenn Du traurig warst?

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