Islamischer Antisemitismus - die vergessenen Juden
To my English speaking visitors: Welcome!
This article is mainly dedicated to a "Letter from a Forgotten Jew" which I quote in full length in its German translation. It is one of the best articles I have ever read about Islamic anti-Semitism. Here is the original letter in English.
Politically Incorrect hat in einem bemerkenswerten Artikel antijüdische islamische Hetze zusammengestellt, die der Nazi-Hetze erschreckend gleicht. In diesem Artikel wird darauf hingewiesen, dass der moderne Dschihad gegen die Juden die Weiterführung des Nationalsozialismus ist. Ich sehe das auch so, obwohl ich es vielleicht so präzisieren würde, dass der moderne Dschihad äußerlich Elemente des nationalsozialistischen Judenhasses angenommen hat. Manche anderen Publikationen - wie zum Beispiel von dem ansonsten von mir hochgeschätzten Matthias Küntzel - gehen etwas weiter, benutzen konsequent im Zusammenhang mit islamischem Antisemitismus das Kunstwort "Islamismus", das suggeriert, es wäre etwas anderes als Islam - etwas, das von Nationalsozialisten beeinflusst und von einigen modernen Bösewichtern aus der islamischen Welt importiert worden wäre. Ich zweifle die Bosheit dieser "Importeure" nicht an und ich zweifle erst recht nicht die Bosheit der Nationalsozialisten an, ich zweifle nur an, dass Moslems den Nationalsozialismus brauchten, um ihren Dschihad gegen die Juden führen. Das würden sie auch ohne tun - wenn natürlich auch teilweise mit etwas anderer Wortwahl.
Erstaunlicherweise wurde es Matthias Küntzel untersagt, diese Rede in Leeds zu halten, man fürchtete wohl negative Reaktionen von islamischer Seite. Solche Reaktionen würde ich jetzt keineswegs nur deshalb von der Hand weisen, weil dieser Artikel, wie Gudrun Eussner belegt, eine ideale Weißwäsche der islamischen Religion ist und die antijüdischen Anteile als eine moderne Verirrung gesehen werden, die dem Islam von Europäern aufgedrängt wurden. Islamische Aggression ist nicht immer logisch, sie hätte sich dennoch daran entzünden können. Davon abgesehen ist die Rede aber, was die Verflechtungen von Islam und Nationalsozialismus angeht, außerordentlich aufschlussreich und auf jeden Fall wert, gelesen zu werden. Gudrun Eussner hat in einem hervorragenden Artikel alles dazu geschreiben, was dazu zu sagen ist: Sie schreibt zum Beispiel:
Hitler´s Legacy: Islamic Anti-semitism in the Middle East, da drehen sich vom Propheten Mohammed (pbuh) bis Haj Amin al-Husseini (pbuh) die Judenhasser im Grabe um. Sollen sie denn gar nichts selbst erfunden haben, ist wirklich alles immer aus dem dar al-harb? (…)
"Zu unterstellen, dass es eine direkte Verbindung zwischen dem Islam und dem Antisemitismus gibt, ist nicht nur eine Pauschalisierung, sondern auch eine irrige Annahme, die kein Quäntchen Wahrheit enthält." lesen wir bei Liza einen der empörten Email-Schreiber. Das ist Taqiyya pur.
Der Muslim liegt mit seiner Erklärung voll auf der Linie des Matthias Küntzel, der gerade darüber referieren will. Warum nur läßt er ihn nicht, warum aktiviert er die Universitätsbeamten, die Angst haben, daß sich ein neuer Karikaturenstreit entfachen könnte? Billiger hätten die Muslime keinen Persilschein für ihre seit 1400 Jahren verübten Verbrechen an den Juden bekommen können; denn Matthias Küntzel schreibt wie der protestierende Muslim, daß der Antisemitismus nichts mit dem Islam und seiner Tradition zu tun habe, daß er erst durch Nazi-Propaganda über sie gekommen sei, von 1937 bis 1945, die Auslöser seien die Muslimbrüder und der Mufti Haj Amin al-Husseini, die mit deutscher Hilfe diese Bewegung in den Nahen Osten gebracht hätten.
Selbstverständlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass der moderne Islam antijüdische Argumentationen von den Nazis übernommen hat, sie betreffen aber nur die oberflächliche Gestaltung der antisemitischen Hetze, der Inhalt war lange vor der Nazizeit im Islam vorhanden. Der Islam ist nicht kreativ. Er zieht das Böse aus anderen Kulturen und Ideologien an und baut es ein.
Die Nazis sind übrigens nicht die einzigen, bei denen der Islam bezüglich Antisemitismus abgekupfert hat. Sie haben auch christliche Elemente übernommen (die Blutlegende, Juden würden moslemische Kinder für ihr rituelles Gebäck schlachten, ist nicht ursprünglich islamisch sondern mittelalterlicher christlicher Natur), sie haben insbesondere im Kampf gegen Israel auch sozialistische Elemente, die dessen nationalistische und internationalistische Variante gemeinsam haben, übernommen (Imperialismus) sowie "gutmenschliche". Moderne Dschihadisten hören sich in ihrem Judenhass gelegentlich an wie 70er-Jahre-Gutmenschen in Reinform. Es wird einem schlecht von ihrem Friedens- und Unterdrückungsgefasel. Diese Elemente des modernen Dschihad gegen die Juden empfinde ich im Westen (!) als deutlich schlimmer als die nationalsozialistischen - denn sie sprechen den Mainstream an, während die nationalsozialistsichen im Westen eher ungern gehört werden, aber durchaus in der islamischen Welt Eindruck machen.
Durch die Lektüre des Artikels auf Politically Incorrect habe ich mich an den eindrucksvollen Brief eines vergessenen Juden erinnert, den die Botschaft des Staates Israel auf ihrer Seite veröffentlicht hat. Er ist schon älter, hat aber nichts von seiner Aktualität verloren und ich möchte ihn hier in voller Länge einstellen, weil ich ihn für eines der traurigsten Dokumente halte, die ich je gelesen habe und weil er darüber hinaus auch eine gelungene Mischung aus tiefer Emotion und glasklarer Information in besonderer sprachlicher Schönheit ist:
Brief eines vergessenen Juden
Von David A. Harris
Geschäftsführer des American Jewish Committee4. März 2003
(übersetzt von Joachim Rohloff, Berlin, den 28.08.03 ):
Ich bin ein vergessener Jude.
Meine Wurzeln reichen fast 2600 Jahre zurück, meine Vorfahren erbrachten bedeutende Beiträge zur Zivilisation der Welt, und meine Gegenwart war spürbar von Nordafrika bis zum Fruchtbaren Halbmond – aber heute existiere ich kaum. Denn ich bin ein Jude aus Arabien. Aber nein, das stimmt nicht ganz. Ich bin in eine semantische Falle geraten. In nahezu jedem Land, in dem ich lebte, kam ich der arabischen Eroberung zuvor. Als die arabischen Eindringlinge beispielsweise Nordafrika eroberten, war ich schon seit sechs Jahrhunderten da.
Heute finden Sie fast nirgendwo in dieser Gegend noch eine Spur von mir.
Versuchen Sie doch einmal, mich im Irak aufzuspüren, in einem Land, das vermutlich sehr bald von vielen Ausländern besucht werden wird! [Anm.: Man beachte bitte, dass der Brief kurz vor dem Irakkrieg geschrieben wurde]
Erinnern Sie sich an den Auszug der Juden ins babylonische Exil, nach der Zerstörung des ersten Tempels im Jahr 586 v. Chr.? Erinnern Sie sich an die lebhafte jüdische Gemeinde, die dort entstand und den babylonischen Talmud schuf?
Wissen Sie, dass wir Juden im Irak im neunten Jahrhundert unter muslimischer Herrschaft gezwungen wurden, einen gelben Fleck zu tragen – einen Vorläufer des schändlichen gelben Abzeichens, das uns später die Nazis anhefteten -, und noch anderen diskriminierenden Maßnahmen ausgesetzt waren? Oder dass wir im elften und im vierzehnten Jahrhundert hohe Steuern, die Zerstörung mehrerer Synagogen und strenge Unterdrückung erdulden mussten?
Und ob Ihnen wohl der Farhud bekannt ist, der Zusammenbruch von Gesetz und Ordnung in Bagdad im Juni 1941? Ein Experte des American Jewish Committee schrieb darüber:
"In einem Ausbruch ungezügelter Gewalt wurden 170 bis 180 Juden getötet und mehr als 900 verletzt, und 14 500 Juden erlitten materielle Verluste durch die Plünderung und Zerstörung ihrer Läden und Wohnungen. Obwohl die Ordnung von den Behörden schließlich wiederhergestellt wurde (…), wurden die Juden aus dem Staatsdienst gedrängt und teilweise vom Schulbesuch ausgeschlossen. Unter dem oft nicht sehr stichhaltigen Vorwurf, einer der zwei verbotenen Bewegungen oder gleich beiden anzugehören, wurden Juden zu Haft- oder Geldstrafen oder zum Verlust ihres Eigentums verurteilt. Denn Kommunismus und Zionismus wurden in den gesetzlichen Bestimmungen oft gleichgesetzt. Im Irak brauchte man nur einen Brief von einem Juden aus Palästina (vor 1948) zu erhalten, um verhaftet oder enteignet zu werden."
1948 erreichten wir die Zahl von 135 000 Juden im Irak, und wir waren ein sehr wichtiger Faktor in jedem Bereich des gesellschaftlichen Lebens. Zur Hervorhebung unserer Bedeutung mag dienen, was die Encyclopedia Judaica über das irakische Judentum schrieb:
"Im Verlauf des 20. Jahrhunderts leisteten jüdische Intellektuelle, Schriftsteller und Dichter mit ihren zahlreichen Büchern und Essays einen wichtigen Beitrag zur Literatur und zur Sprache Arabiens."
1950 wurde anderen irakischen Juden und mir die Staatsbürgerschaft entzogen, unser Vermögen wurde einkassiert, und es gab öffentliche Hinrichtungen. Im Jahr zuvor hatte der irakische Ministerpräsident Nuri Sa’id dem britischen Botschafter in Amman von dem Plan erzählt, die gesamte jüdische Gemeinde zur israelisch-jordanischen Grenze zu deportieren. Der Botschafter gab diese Episode später in seinem Erinnerungsbuch wieder: "Auf Abruf. Memoiren aus Amman, 1947-1951".
1951 konnten 100 000 von uns dank israelischer Hilfe mit kaum mehr als den Kleidern an ihrem Leib aus dem Irak fliehen. Die Israelis nannten diese Rettungsaktion "Esra und Nehemia".
Diejenigen von uns, die im Land blieben, lebten fortan in ständiger Angst vor Gewaltausbrüchen und weiteren öffentlichen Hinrichtungen, und tatsächlich wurden am 27. Januar 1969 unter dem wilden Jubel hunderttausender Iraker neun Juden im Zentrum Bagdads aufgrund erfundener Anklagen gehängt. Die von uns immer noch übrig waren, verließen den Irak nun auf verschiedenen Wegen; so auch einige meiner Freunde, die sich im Iran in Sicherheit bringen konnten, als dort der Schah regierte.
Jetzt gibt es im Irak so gut wie keine Juden mehr, und auch keine Denkmäler, Museen oder anderen Zeugnisse unserer Gegenwart, die sechsundzwanzig Jahrhunderte dauerte.
Werden unsere einstige Anwesenheit oder unser wertvoller Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft und der Kultur in heutigen irakischen Schulbüchern auch nur erwähnt? Nicht die Spur. Zweitausendsechshundert Jahre sind gelöscht und ausradiert, als ob es sie nie gegeben hätte. Können Sie sich in meine Lage versetzen und den entsetzlichen Schmerz des Verlusts und der Unsichtbarkeit nachempfinden?
Ich bin ein vergessener Jude.
Wie der jüdische Historiker Josephus im ersten Jahrhundert n. Chr. berichtete, wurden wir in der Gegend, die heute Libyen heißt, vom ägyptischen Herrscher Ptolemäus Lagos (323 – 282 v. Chr.) angesiedelt. Meine Vorfahren lebten für zwei Jahrtausende in diesem Land, unsere Reihen wurden von Berbern verstärkt, die zum Judentum übertraten, von spanischen und von portugiesischen Juden, die vor der Inquisition fliehen mussten, sowie von italienischen Juden, die das Mittelmeer überquerten.
Ich bekam es mit der judenfeindlichen Gesetzgebung der faschistischen italienischen Besatzer zu tun. 1942 erduldete ich die Inhaftierung von 2600 Juden in einem Lager, das von den Achsenmächten eingerichtet wurde. Im selben Jahr überstand ich die Deportation von zweihundert Juden nach Italien. Während des Krieges musste ich in Libyen Zwangsarbeit leisten. In den Jahren 1945 und 1948 wurde ich zum Zeugen muslimischer Unruhen, in deren Verlauf fast 150 Juden getötet und hunderte verletzt wurden und tausende ihr Obdach verloren.
In bedenklicher Stimmung schaute ich zu, als Libyen im Jahr 1951 unabhängig wurde. Ich fragte mich, was mit den 6000 von uns geschehen würde, die immer noch da waren, mit den letzten jener 39 000 Juden, die einst eine stolze Gemeinde gebildet hatten. Das fragte ich mich, bis der Aufruhr diese Menschen verjagte und viele von ihnen in den eben gegründeten Staat Israel flohen.
Die gute Nachricht lautete, dass die junge libysche Nation den Schutz ihrer Minderheiten in der Verfassung garantierte. Die schlechte Nachricht lautete, dass er nur auf dem Papier bestand.
In den ersten zehn Jahren der Unabhängigkeit meines Heimatlands durfte ich nicht wählen, kein öffentliches Amt ausüben, nicht in der Armee dienen, keinen Pass beantragen, keinen weiteren Besitz erwerben, nicht Mehrheitseigentümer eines neuen Unternehmens werden und mich nicht an der Aufsicht über die Geschäftsführung unserer Gemeinde beteiligen.
Im Juni 1967 waren die Würfel gefallen. Die von uns noch übrig waren und noch immer nicht die Hoffnung verloren hatten, in diesem Land, dem wir so eng verbunden waren und das manchmal sogar gut zu uns gewesen war, könnten sich die Dinge vielleicht doch zum Besseren wenden, hatten nun keine andere Wahl mehr als die Flucht. Der Sechstagekrieg erzeugte eine explosive Stimmung auf den Straßen. Achtzehn Juden wurden getötet, Häuser und Läden in jüdischem Eigentum wurden niedergebrannt.
4000 andere Juden und ich verließen das Land, auf welchem Weg auch immer; die meisten von uns konnten nur einen Koffer mitnehmen und den Gegenwert von ein paar Dollar.
Ich durfte nicht zurückkehren. Trotz aller Versprechungen der Regierung wurde mir mein Vermögen, das ich in Libyen zurückgelassen hatte, nie ersetzt. In Wirklichkeit wurde alles gestohlen: Häuser, Möbel, Läden, Einrichtungen der Gemeinde usw. Noch schlimmer aber war, dass ich die Gräber meiner Verwandten nie besuchen durfte. Das schmerzte mehr als alles andere. Schließlich hörte ich, dass die jüdischen Friedhöfe unter Oberst Gaddafi, der 1969 an die Macht kam, planiert und die Grabsteine zum Straßenbau verwendet wurden.
Ich bin ein vergessener Jude.
Meine Erfahrungen, die guten wie die bösen, sind in meinem Gedächtnis aufbewahrt, und ich bemühe mich, sie an meine Kinder und Enkel weiterzugeben. Aber wie viel können sie verstehen? Wie sehr können sie sich mit einer Kultur identifizieren, die immer weiter in eine ferne und unerreichbare Vergangenheit zurückzuweichen scheint? Zwar wurden zwei oder drei Bücher und Zeitungsartikel über meine Geschichte geschrieben, aber sie waren nicht gerade erfolgreich.
Können diese Bücher überhaupt etwas ausrichten gegen den systematischen Versuch der libyschen Führung, alle Spuren meiner zweitausendjährigen Gegenwart zu beseitigen? Können diese Bücher es mit einer Welt aufnehmen, die das Ende meiner Existenz einfach nicht bemerken wollte?
Wenn Sie in das Jahresregister der New York Times von 1967 schauen, können Sie selber herausfinden, in welchem Umfang diese Zeitung über den tragischen Untergang einer uralten Gemeinde berichtete. Aber ich kann Ihnen die Mühe ersparen: Diese Geschichte war nur ein paar armselige Zeilen wert.
Ich bin ein vergessener Jude.
Ich bin einer von hunderttausenden Juden, die ehemals in Ländern wie Irak und Libyen lebten. 1948 waren wir fast 900 000. Heute sind wir weniger als fünftausend und leben hauptsächlich in zwei gemäßigten Ländern, in Marokko und Tunesien.
Einst bildeten wir lebhafte Gemeinden in Aden, Algerien, Ägypten, im Libanon, in Syrien, im Jemen und in anderen Ländern. Unsere Wurzeln reichten zweitausend oder noch mehr Jahre zurück. Heute gibt es dort so gut wie keinen von uns mehr.
Warum spricht niemand über uns und unsere Geschichte? Warum spricht die Welt ohne Unterlass und geradezu mit Besessenheit von den Palästinensern, die 1948 und 1967 während der Kriege im Nahen Osten fliehen mussten. Sie wurden vertrieben – das sollte man nicht vergessen – von Kriegen, die ihre eigenen arabischen Brüder begonnen hatten. Und warum schweigt die Welt von den jüdischen Flüchtlingen der Jahre 1948 und 1967?
Warum wird in der ganzen Welt der Eindruck erweckt, es gebe im arabisch-israelischen Konflikt oder, genauer gesagt, im Konflikt der Araber mit Israel nur eine Sorte Flüchtlinge, obwohl es doch zwei Sorten gibt und die unsere an Zahl ein wenig größer ist als die palästinensische?
Mit dem Versuch, diese Ungerechtigkeit zu begreifen, habe ich viele schlaflose Nächte verbracht.
Soll ich mir selbst die Schuld geben?
Vielleicht haben wir Juden in den arabischen Ländern unser Schicksal zu geduldig ertragen. Vielleicht haben wir die Gelegenheit, unsere Geschichte zu erzählen, vorübergehen lassen. Schauen Sie sich die europäischen Juden an! In Zeitungsartikeln, Büchern, Gedichten und Theaterstücken, mit Gemälden und Filmen haben sie ihre Geschichte dargestellt. Sie schilderten die Zeiten der Freude und der Tragödie auf eine Weise, die auch viele Nichtjuden anzurühren vermochte. Vielleicht war ich zu fatalistisch, vom Krieg zu sehr erschreckt, meiner künstlerischen und literarischen Talente zu ungewiss.
Aber das kann nicht der einzige Grund sein, warum ich ein vergessener Jude bin. Immerhin habe ich ein wenig Lärm gemacht. Ich habe Versammlungen organisiert, Petitionen verfasst, Ausstellungen veranstaltet, mich an die Vereinten Nationen und an Vertreter fast aller westlichen Regierungen gewandt. Aber das Ergebnis entspricht bei weitem nicht meinen Bemühungen. Nein, das ist noch zu freundlich. In Wahrheit habe ich immer nur taube Ohren gefunden.
Wenn ich versuchte, mit Diplomaten, gewählten Politikern oder Journalisten über die Juden aus den arabischen Ländern zu reden, so hatte ich oft das Gefühl, ich könnte ihnen ansehen, dass sie mir nicht glaubten.
Nein, ich sollte nicht mir die Schuld geben, obwohl ich um der Geschichte und der Gerechtigkeit willen immer noch ein bisschen mehr tun könnte.
Denn es gibt noch eine viel wichtigere Erklärung.
Als Einschüchterung, Gewalt und Diskriminierung uns Juden aus der arabischen Welt zu einem hastigen Aufbruch zwangen, sammelten wir die Bruchstücke unseres zerstörten Lebens auf und zogen weiter.
Die meisten von uns gingen nach Israel, wo man uns willkommen hieß. Die Jahre nach unserer Ankunft waren nicht immer einfach, wir mussten ganz unten anfangen und uns allmählich emporarbeiten. Als wir kamen, waren wir von unterschiedlicher Bildung und verfügten über wenig handgreiflichen Besitz. Aber wir hatten etwas anderes, das uns den schwierigen Prozess der Anpassung durchstehen ließ: unseren unermesslichen Stolz als Juden, unseren tief verwurzelten Glauben, unsere verehrten Rabbiner, unsere Gebräuche und unsere Hingabe an Israels Überleben und Wohlergehen.
Einige von uns, ungefähr ein Viertel oder ein Drittel, entschieden sich, woandershin zu gehen.
Juden aus den französischsprachigen arabischen Ländern zog es nach Frankreich oder Quebec. Juden aus Libyen gründeten Gemeinden in Rom und Mailand. Ägyptische und libanesische Juden schwärmten über ganz Europa und Nordamerika aus, einige ließen sich in Brasilien nieder. Syrische Juden emigrierten in die Vereinigten Staaten, vor allem nach New York, ebenso wie nach Mexiko City und Panama City. Und die Geschichte ging weiter.
Wo immer wir uns wiederfanden, legten wir uns ins Zeug und schufen uns eine neue Existenz. Wir lernten die Landessprache, wenn wir sie nicht ohnehin schon beherrschten, suchten uns eine Anstellung, schickten unsere Kinder zur Schule, und sobald wir dazu in der Lage waren, bauten wir unsere Gemeinde auf, um die Gebräuche und Riten zu pflegen, die unserer Tradition eigentümlich waren.
Man soll zwar nicht prahlen, aber ich glaube, dass wir uns überall, wohin wir kamen, bestens bewährt haben. Ich möchte die Schwierigkeiten nicht unterschätzen oder jenen ein Unrecht tun, die wegen ihres Alters, ihrer beschädigten Gesundheit oder ihrer Armut erfolglos blieben, aber im Großen und Ganzen haben wir in kurzer Zeit unglaublich viel erreicht, sowohl in Israel wie andernorts.
Doch was geschah den Palästinensern, den anderen Flüchtlingen im Konflikt der Araber mit Israel? Sie hatten ein ganz anderes trauriges Schicksal, und ich glaube, dass darin die Ursache zu suchen ist, warum die beiden großen Flüchtlingslegenden so unterschiedlich aufgenommen werden.
Als wir zu einem neuen Leben aufbrachen, verschwanden wir vom Radarschirm der Welt, sofern wir überhaupt jemals auf ihm sichtbar gewesen waren. Die Palästinenser verschwanden nicht. Teils aus eigener Schuld, teils wegen des Zynismus einiger arabischer Politiker, teils wegen des Verhaltens einiger wohlmeinender, aber kurzsichtiger unbeteiligter Dritter, aus verschiedenen Gründen jedenfalls wurde den Palästinensern nicht dieselbe Möglichkeit gegeben, ein neues Leben zu beginnen. Stattdessen wurden sie manipuliert und für fremde Zwecke benutzt.
Die Palästinenser wurden in Flüchtlingslager gesteckt und dazu ermuntert, über Generationen dort zu bleiben. Dabei half ihnen die UNRWA, eine Organisation der Vereinten Nationen, die vor einem halben Jahrhundert nicht etwa zu dem Zweck gegründet wurde, sie umzusiedeln, sondern sie mit verschiedenen sozialen Diensten zu versorgen und sie so in den Lagern zu halten.
Übrigens kommt der Löwenanteil des Geldes, das der UNRWA zur Verfügung steht, nicht aus arabischen Ländern, von denen einige sogar überhaupt nichts beitragen, sondern aus dem Westen. Die Staaten Arabiens bestreiten tatsächlich nur einen geringen Anteil des jährlichen Budgets. So viel zu den Krokodilstränen des Mitleids und der Solidarität, die regelmäßig im arabischen Raum vergossen werden.
Die UNO unterhält gleichzeitig das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR), zuständig für 22 oder 23 Millionen Flüchtlinge in der ganzen Welt, die heute außerhalb ihres Heimatlandes leben und nicht zurückkehren können. Die UNHCR bemüht sich, diese Menschen in Einwanderungsländern anzusiedeln oder ihnen anderweitig beim Aufbau einer neuen Existenz zu helfen. Eine Ausnahme bilden aber die Palästinenser, für sie ist die UNHCR nicht zuständig. Warum?
Die Antwort liegt auf der Hand. Wie auch immer die offizielle Erklärung lauten mag, der Bestand der Lager sorgt dafür, dass der Krieg gegen Israel fortgesetzt werden kann. Denn wenn man diesen Flüchtlingen wie uns die Möglichkeit gäbe, irgendwo ein neues Leben zu beginnen, könnte ihr Groll auf Israel, was der Himmel verhüten möge, sich womöglich zerstreuen und ihre Bereitschaft, in terroristischen Aktionen immer wieder "Märtyrer" zu schaffen, könnte nachlassen.
Ich habe überall nach einer anderen einleuchtenden Erklärung gesucht, aber ich konnte partout keine finden. Die traurige Wahrheit lautet, dass die Führer der arabischen Welt das Flüchtlingsproblem überhaupt nicht lösen wollten. Sie hielten es am Leben, damit es im Zentrum der Aufmerksamkeit blieb und sie ihre Beschwerden über Israel vor der Weltöffentlichkeit immer gut begründen konnten.
Und siehe da, viele Menschen schluckten den Köder und beschäftigten sich leidenschaftlich mit der Not der palästinensischen Flüchtlinge, ohne jemals die wirklich interessanten Fragen aufzuwerfen oder auch nur eine Sekunde lang an uns zu denken, an die Juden aus Arabien. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Hätten diese Diplomaten, Politiker, Journalisten und Menschenrechtler je die bohrenden Fragen gestellt, hätte es ihnen womöglich gedämmert, dass das palästinensische Flüchtlingsproblem nur deshalb entstehen konnte, weil die arabische Welt 1947 den Teilungsplan der UNO ablehnte und 1948 dem jungen Staat Israel den Krieg erklärte, dass unter all den arabischen Staaten, die immer wieder ihre Sorge um die Palästinenser bekundeten, einzig Jordanien ihnen die Staatsbürgerschaft und einen neuen Anfang bot, und dass die arabischen Staaten, sobald es in ihrem Interesse lag, die Palästinenser auf zynische Weise benutzten, sie ansonsten aber ihrem Schicksal überließen oder ihnen sogar noch Schlimmeres antaten.
Und wenn sie ihre Urteilskraft nicht längst eingebüßt hätten, müssten diese internationalen Akteure sich doch einmal fragen, warum es in Städten wie Jenin immer noch Flüchtlingslager gibt.
Das Osloer Abkommen von 1993 sah den Rückzug der israelischen Armee aus allen größeren Städten der Westbank vor und deren Unterstellung unter direkte palästinensische Verwaltung. Es ist doch erstaunlich, dass die Flüchtlingslager nicht aufgelöst wurden, selbst als sie der uneingeschränkten Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde unterlagen. Hat irgendwann jemand gefragt, warum?
Aber es gibt noch eine andere Sache, die mich aufregt.
Manchmal habe ich den Eindruck, als hielte die Welt das palästinensische Flüchtlingsproblem für das einzige seiner Art.
Aber leider hat es in der Geschichte hunderte Millionen von Flüchtlingen gegeben, vielleicht sogar noch mehr. Früher oder später fanden fast alle eine neue Heimat und begannen ein neues Leben. In der Folge von Kriegen und territorialen Veränderungen hat es umfangreiche Bevölkerungsverschiebungen gegeben. Millionen Menschen mussten sich in beiden Richtungen auf den Weg machen, als Großbritannien 1947 Indien und Pakistan teilte; und zwischen Griechenland und der Türkei gab es schon früher einen erheblichen Bevölkerungsaustausch.
Die Tragödie der Enteignung und der Vertreibung soll hier auf keinen Fall verharmlost werden. Ich weiß darüber Bescheid, ich war selbst davon betroffen. Mein Mitgefühl gilt jedem Flüchtling. Aber warum werden die Palästinenser so behandelt, als wären sie die einzigen bemitleidenswerten Flüchtlinge, und warum stimmen so viele ansonsten gutwillige Institutionen und Personen mit dieser Auffassung überein?
Und da ich nun einmal dabei bin, ein wenig Dampf abzulassen, möchte ich noch eine weitere Sache erwähnen, die mich beunruhigt.
Arabische Sprecher erheben sich, setzen ein ehrliches Gesicht auf und behaupten, es gebe in der arabischen Welt keinen Antisemitismus. Denn schließlich, sagen sie, seien die Araber ja selber Semiten und könnten also schwerlich Antisemiten sein. Ich habe genug davon. Bei solchem Gerede handelt es sich um pure Sophisterei. Es sollte allgemein bekannt sein, dass der Begriff "Antisemitismus" 1879 in Deutschland von Wilhelm Maar geprägt wurde, der nicht gerade ein Freund der Juden war, und zwar allein zu dem Zweck, eine hasserfüllte und feindselige Einstellung gegenüber den Juden und dem Judentum zu beschreiben.
Aber die arabischen Sprecher hören an diesem Punkt noch nicht auf.
Sie behaupten, dass die Juden in arabischen Gesellschaften immer gut behandelt wurden, und weisen darauf hin, dass der Holocaust schließlich im christlichen Europa stattfand. Das ist wohl wahr, der Holocaust ereignete sich tatsächlich im christlichen Europa; und ebenso wahr ist, dass es in der arabischen Welt auch relativ ruhige und harmonische Zeiten gab. Aber die Diskussion muss doch noch ein wenig weiter geführt werden. Wenn wir für einen Moment von der hemmungslosen Begeisterung absehen, mit der einige politische und religiöse Führer Arabiens nicht nur Hitler, sondern auch die "Endlösung der Judenfrage" bejubelten, so bedeutet das Ausbleiben eines Holocaust doch nicht, dass die Juden immer fair und gerecht behandelt wurden, sondern nur, dass ihre Diskriminierung und Verfolgung nie solche Ausmaße annahm wie in Europa während des Krieges.
Gewiss machten die Juden vom achten bis zum zwölften Jahrhundert in Andalusien mit der muslimischen Herrschaft gute Erfahrungen, und gewiss ließ sich der weise Maimonides im zwölften Jahrhundert in Ägypten nieder. Aber das sind nur Erinnerungen an eine entrückte hoffnungsfrohere Zeit. Die arabischen Sprecher unterstreichen nur die Schwäche ihrer Argumentation, wenn sie hunderte von Jahren zurückschauen, um solche lobenswerten Beispiele der Toleranz und der Harmonie zu finden, denn in jüngerer Zeit lässt sich nichts auch nur annähernd Vergleichbares entdecken.
Schließlich beteuern sie, dass die Juden in den arabischen Ländern überhaupt keine Probleme gehabt hätten, wenn es Israel nicht gäbe. Nach dieser Logik sollte es auch nicht eine Million arabischer Bürger in Israel geben, aber selbstverständlich gibt es sie. Diese Araber, die nach 1948 in Israel blieben, erhielten die Staatsbürgerschaft, das Wahlrecht, die Religionsfreiheit und die Gelegenheit, ihre Kinder in arabischsprachige Schulen zu schicken. So funktionieren Pluralismus und Demokratie, auch wenn das System seine Fehler hat. Obwohl der Staat Israel immer den kriegerischen oder terroristischen Angriffen seiner arabischen Nachbarn ausgesetzt war, ließ er seine arabischen Bürger doch nie den Preis dafür bezahlen. Die arabischen Staaten hingegen verlangten einen sehr hohen Preis von ihren jüdischen Gemeinden. Ich bin der lebende Beweis.
Ich mag ein vergessener Jude sein, aber meine Stimme wird nicht länger stumm bleiben. Sie darf nicht schweigen, denn sonst würde sie zur Komplizin der historischen Lüge und des Revisionismus.
Ich werde sprechen, weil ich es meinen Vorfahren schuldig bin.
Ich werde sprechen, weil meine ruhmreiche uralte Tradition mich dazu berechtigt.
Ich werde sprechen, weil ich es nicht zulassen kann, dass der Konflikt der Araber mit Israel aus der Perspektive einer Flüchtlingsgruppe allein, nämlich der palästinensischen, dargestellt wird.
Ich werde sprechen, weil das mir zugefügte Unrecht ein für allemal anerkannt und bei seinem Namen genannt werden muss, wie lange auch immer dieser Prozess dauern mag.
Ich werde sprechen, weil das, was mir geschah, nun auch einer anderen Minderheit in dieser Gegend, den Christen, mit schauriger Selbstverständlichkeit angetan wird und weil die Welt schon wieder ihren Blick abwendet, als wäre ein Problem jemals gelöst worden, indem man es leugnete.
Ich werde sprechen, weil ich mich weigere, ein vergessener Jude zu sein.





Kommentar von Paulchen
31. Juli 2007 @ 23:15
„Obwohl der Staat Israel immer den kriegerischen oder terroristischen Angriffen seiner arabischen Nachbarn ausgesetzt war, ließ er seine arabischen Bürger doch nie den Preis dafür bezahlen.“
Die „palästinensischen“ (moslemischen) Bürger Israels haben gar nichts aus der furchtbaren Geschichte Deutschlands aus der Hitlerzeit gelernt. Deutschlands Faschisten haben in dieser Hitlerzeit die Juden durch den Holocaust, durch einen barbarischen Plan (Endlösung) gänzlich vernichten wollen.
Die Folge: Deutschland wurde für 40 Jahre geteilt, nachdem es in zwei verschiedene (kapitalistische - BRD bzw. kommunistische - DDR) Lager zerfiel.
Das neu erfundene moslemisch „palästinensische“ Volk, versucht nun auch seit Jahren die Juden in Israel (und in der Welt) durch Terrormord (Stufen- bzw. Phasenplan) ins „Meer“ zu treiben. Nun hat auch sie das „Gericht“ erreicht. Sie sind in zwei verschiedene Lager (Hamas bzw. Fatah) zerfallen, und haben inzwischen getrennte „Regierungen“, und religions - politisch getrennte Gebiete.
Aber sie sind zu blind, um es als „Gerichtshandlung“ durch eine übernatürliche Macht einzustufen.
Und so kann es Allen (ob EUROPA oder USA) ergehen, die das abgesonderte Volk Gottes, die Juden, antasten.
Paulchen
Kommentar von Eisvogel
2. August 2007 @ 0:11
@Paulchen: Ich bin nicht religiös. Ich erinnere mich daran, dass ein Pfarrer bei uns im Religionsunterricht mal gesagt hat, dass “Glauben” mehr ist als “für wahr halten”. Da stimmst Du mir wahrscheinlich zu. Aber “für wahr halten” ist trotzdem ein notwendiger Bestandteil von “glauben”, oder? Ich halte die christliche Überzeugung nicht für wahr, ich finde es unwahrscheinlich, dass es so ist. Ich war auf unzähligen Veranstaltungen, bei denen man im Kreis saß und nacheinander erzählte, wie man “Jesus erfahren” hat. Ich habe das auch getan. Ich habe das nicht gern getan, ich fand das immer entsetzlich peinlich und habe wenig gesagt, und das wenige war … nunja vielleicht nicht WIRKLICH gelogen, aber schon leicht in die Richtung und von an-den-Haaren-herbeigezogen und mit-krampfiger-Überzeugung-für-eine-religiöse-”Erfahrung”-gehalten…. aber der Punkt ist: ich habe Jesus nicht “erfahren”. Ich habe nichtmal den Ansatz einer Vorstellung davon, was das ist.
Und ich empfand es (und emfinde es immer noch) als höchst befreiend und beglückend, dass ich da nicht mehr hingehe und auch nicht mehr hingehen will.
Dennoch. Die Prophezeihungen der Bibel sind frappierend. Auch ich als Mathematik-Freak sehe, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie zufällig stimmen, zwar durchaus gegeben aber nicht sonderlich hoch ist.
Ich lese viel in der Bibel. Ich finde sie literarisch schön und voller Weisheit.
Was ich nicht verstehe: Die “Strafe” für das deutsche Volk, wenn sie denn eine war, ist nicht angemessen. 6 Millionen Juden industriell bestialisch ermorden, viele andere Juden quälen und seelisch fertigmachen, einen Krieg anzetteln, bei dem 50 Millionen Menschen ihr Leben lassen und fast ein ganzer Kontinent aus den Fugen gerät -
und dafür 40 Jahre Teilung?
Mich hat die deutsche Teilung nicht im geringsten gestört.
Das war keine Strafe, Paulchen.
Und deshalb glaube ich auch nicht, dass das Gezänk zwischen Hamas und Fatah eine Strafe für die selbsternannten Palästinenser ist.
Nein, ich glaube, wenn es einen gerechten Gott gibt, dann kommt das Schlimme erst noch.
Ich glaube, man kann es manchmal sehen und vor allem fühlen… aber ich weiß nicht. Ich spinne manchmal auch ein bisschen.
Pingback von Islamischer Antisemitismus - die vergessenen Juden « Gegen Faschismus und Islamismus
2. August 2007 @ 2:18
[...] Islamischer Antisemitismus - die vergessenen Juden Verweis auf Acht der Schwerter [...]
Kommentar von Paulchen
4. August 2007 @ 23:01
@ Eisvogel
Ja, der „lebendige“ Glaube ist mehr, als “für wahr halten” und ist mehr, als „religiös“ sein. Hebräer Kapitel 11 beschreibt auch die Früchte eines Lebens im Glauben. Ich kenne auch solche verkrampften Zeugnisse im Zwang. Auch ich habe manchmal „Durststrecken“, wo ich nichts zu sagen habe.
„50 Millionen Menschen ihr Leben lassen“ deutet an, daß Du nicht die Juden damit meinst.
Bedingt durch die Erwählung Israels, in Abraham, durch den Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hatte, besteht eine bedingungslose Verheißung, die nur Israel, und damit den Juden gilt (s. 1.Mose 12, Verse 1-3):
„3. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (s. auch 2.Mose 23,22)
Sacharja 2, Verse 12, aber besonders -13 betonen die Konsequenzen für solche Übergriffe:
13. Denn siehe, ich will meine Hand über sie schwingen, daß sie eine Beute derer werden sollen, die ihnen haben dienen müssen. - Und ihr sollt erkennen, daß mich der HERR Zebaoth gesandt hat.
Das besondere Verhältnis Gottes zu Israel, erkennt man auch in dieser Geschichte: Israel war nach einigen Generationen versklavt, der Pharao wollte sie nicht ziehen lassen, Mose und sein Bruder Aaron wurden mit dieser Botschaft zu ihm geschickt (2.Mose 4, 22-23):
22. Und du sollst zu ihm sagen: So spricht der HERR: Israel ist mein erstgeborener Sohn;
23. und ich gebiete dir, daß du meinen Sohn ziehen läßt, daß er mir diene. Wirst du dich weigern, so will ich deinen erstgeborenen Sohn töten.
Das geschah dann.
Hosea 11 beschreibt dieses besondere Verhältnis Gottes zu Seinem Volk. Doch wie die Geschichte uns lehrt, auch Gottes Volk hat konsequenterweise Gericht erfahren, das Exil dauerte deutlich mehr als 40 Jahre, es waren ca. 1900 Jahre.
Es kommt noch schlimmer, wie Du sinngemäß schreibst. Stichpunkte: die „große Trübsal“, Antichrist und Harmagedon bestätigen Deine Andeutung. Und man kann es sehen und fühlen, wie Du schreibst, denn die „Spirale“ der endzeittypischen Ereignisse dreht sich immer schneller.
Paulchen
Kommentar von Eisvogel
5. August 2007 @ 0:04
Und man kann es sehen und fühlen, wie Du schreibst, denn die „Spirale“ der endzeittypischen Ereignisse dreht sich immer schneller.
Ich kann das auch erkennen, Paulchen. Was mir vor allem zu schaffen macht, ist der um sich greifende Irrsinn. Das Verhalten der so genannten “Weltgemeinschaft” gegenüber Israel ist nicht nur ein bisschen ungerecht und ein bisschen irrational, es ist so unfassbar verdreht, dass es mir immer schwerer fällt, dagegen zu argumentieren, weil ich nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll.
Es ist aber nicht nur direkt am Verhalten gegenüber Israel erkennbar - ich habe das Gefühl, dass die Wahrheit insgesamt verschwindet.
Es gibt Hass unter den Menschen - auch pauschalen gegen ein ganzes Volk oder eine religiöse Gemeinschaft - das ist nicht richtig, aber er hat immer einen Grund. Der Hass gegen Israel hat keinen Grund. Es lässt sich auch nicht mit finanziellem Interesse (Öl) alleine erklären. Die Menschen, mit denen man über das Thema diskutiert, machen nicht den Eindruck, es ginge ihn eiskalt rational nur um billiges Öl. So einfach ist das nicht.
Antisemitismus ist was anderes als der übliche Hass unter Menschen.
Ich sehe das auch alles, Paulchen. Ich unterhalte mich gern mit Christen, weil es erfahrungsgemäß die einzigen Menschen sind, die es auch erkennen, und weil ich mich dann nicht so als Außenseiter fühle.
Ich kann aber nicht an einen persönlichen Gott glauben. Dass Israel etwas Besonderes ist, sehe ich aber auch.
Kommentar von tape
5. August 2007 @ 0:05
Hallo Eisvogel,
schau wie “flach” deutsche Empfindungen sind, bzgl. Freude, Glück, Trauer, Weinen, Lachen usw. und vergleiche das nur mal mit Israel, sehr anschaulich jedesmal, auch gestern, wenn Tiqvah bei PI Bilder einstellt. So kann Strafe auch aussehen, ganz abgesehen davon, sind ja auch zahlreiche dt. Städte zerstört worden und 100tausende von Frauen haben in der Nachkriegszeit keinen Mann finden können, mangels Masse, und waren somit ihrer göttlichen Verheißung beraubt, Leben schenken zu können.
Und da die dt. Einstellung gegenüber den Juden und Gott sich seitdem nicht geändert hat, laufen wir geradewegs in das nächste Strafgericht hinein.
Jer 2,19 Deine Bosheit ist schuld, dass du so geschlagen wirst, und dein Ungehorsam, dass du so gestraft wirst. Und du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und ihn nicht zu fürchten, spricht Gott, der HERR Zebaoth.
Auch im persönlichen, individuellen Bereich gibt es dafür (Gottesferne) ein schönes Beispiel:
Wie liebe ich die Texte von H.M. Broder. Ich schätze seinen Intellekt und seine Gabe, die Dinge auf den Punkt zu bringen.
Aber wenn du sein Tagebuch aus Amerika verfolgt hast, dann sieht man, dass er wie ein Getriebener vor sich selbst und seiner Beziehung zu Gott wegläuft.
Da hält er an jedem shoppingcenter an, um irgendwelchen Ramsch zu kaufen, getrieben davon nichts zu verpassen. In Polen kauft er rotbeleuchtete Marienfiguren und anderen Kitsch, schreibt darüber selbstverständlich durchaus vergnügliche Geschichten, auch mit der nötigen Selbstironie.
Dann schrieb er aber auch mal, über das “Phänomen”, dass selbst wenn es im Nahen Osten nur wenige Tote gibt und in anderen Regionen weltweit Abertausende (Darfur , Nordkorea usw), er nicht verstehen könne, dass 99% der Berichterstattung über Israel/Palästina stattfindet.
Ja, wie verstockt/blind kann man sein? Die Antwort gibt Gott in der Bibel. Das ist doch offensichtlich.
Alle Nationen (UN) werden sich gegen Israel erheben.
Wir stehen da erst am Anfang, vll. dauert es auch noch ein paar hundert Jahre, aber einfach mit einem Friedensvertrag (menschengemacht) wird dort gar nichts geregelt werden.
2Kor 5,20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Dies soll kein Missionierungsversuch v. Herrn Broder sein, zum Christentum überzutreten, aber sich mit Gott zu versöhnen gibt der Seele Frieden.
Teils merkwürdige Attitüden von Christen, wie ihr sie oben beschrieben habt, sind nicht nötig:
1.Tim 1,5 Das Endziel des Gebotes aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.
Das mich viele jetzt viele aufgrund dieses Kommentars für verrückt erklären werden…egal.
Grüße
tape
Kommentar von Paulchen
5. August 2007 @ 17:19
„Ich kann aber nicht an einen persönlichen Gott glauben.“
Die Freiheit hast Du Eisvogel, noch ist Gnadenzeit, jeder wählt seinen Weg, mit allen Konsequenzen (5.Mose 30). Ich wünsche Dir Gottes Segen bei Deiner Arbeit für die Wahrheit und für Israel.
Paulchen
Kommentar von Eisvogel
5. August 2007 @ 18:46
Ich halte Dich ganz bestimmt nicht für verrückt, tape.
Und ich erkenne auch, dass die Prophezeihungen der Bibel auf eine frappierende Weise zuzutreffen scheinen. Zumal die Bibel von “Völkern” spricht und die Vereinten Nationen sich selber als Vertreter aller Völker sehen.
Auch das mit dem Taumelbecher, das sicher für viele Menschen früherer Zeiten etwas war, was sie sich nur schwer vorstellen konnten (wie auch die Vereinten Nationen übrigens!) scheint zu stimmen. Wahrscheinlich haben sie gedacht, dass es schwer vorstellbar sind, dass alle Welt “besoffen” ist. Man hat mehr und mehr den Eindruck, dass so viele Menschen auf eine Weise verrückt sind (und eben Du gerade nicht), die sich vor hundert Jahren vermutlich noch niemand hätte vorstellen können - insbesondere aber nicht nur, wenn das Thema auf Israel kommt.
Die Entstehung Israels war auch Ende des 19. Jahrhunderts noch ein kühner Traum … 50 Jahre vorher nicht einmal das. Und jetzt gibt es das Land, es ist schön, es ist fruchtbar, es hat tatsächlich bisher rund die Hälfte aller Juden angezogen, es liefert nicht einen einzigen Grund für Feindseligkeit - und doch hassen die Völker es wie kein anderes.
Ich sehe das alles auch.
Mit normaler menschlicher Aggressivität und Kriegslust und nationaler und ethnischer Feindseligkeit hat das nichts zu tun. Wohl nicht einmal mit Habgier und Gier nach Land. Den Arabern war das Stück Land komplett egal, , es war dünn besiedelt und verwahrlost, bevor sich Juden darauf ansiedelten.
Ich glaube schon, dass wir nicht nur in einem materiellen sondern auch in einem geistigen Kampf stehen. Aber man muss nicht zwangsläufig christlich sein, um das zu sehen.
Ein Gottesbeweis ist es auch nicht. Aber es gibt ja keinen, kann keinen geben.
Kommentar von haenel
13. Januar 2008 @ 22:37
Sehr geehrte Damen und Herren,
habe Ihre Kommentare mit viel Aufmerksamkeit gelesen und möchte gerne an einer Diskussion teilnehmen.
Um zu wissen, wie meine Einstellung zu Israel ist, bitte ich Sie, die österreichische Online- Zeitung der Standard (www.derstandard.at) aufschlagen und dort meine Postings abrufen.
Meine wichtigsten Kampfpunkte hinsichtlich Israel sind die folgenden:
A) warum wird immer nur vom Holocaust in Europa berichtet und aber nie über die Verbrechen der Araber an den Juden ? (Warum wird so wenig davon berichtet wie viele Juden aus den arabischen Ländern rausgeschmissen worden sind. Die Araber lachen sich nämlich einen Ast über die ewigen einseitigen Selbstgeißelungen der Europäer. Das lenkt von ihren Verbrechen ab und gestattet ihnen zu sagen: ja gebt’s doch den Juden ein Land bei Euch…Es wäre wichtig, dass man in der Weltpresse den Arabern ihre Verbrechen den Juden gegenüber genauso oft unter die Nase reibt wie man es mit den Europäern macht. Es wäre gut, dass man die Zahlen hinsichtlich der aus dem Nahen Osten rausgeschmissenen Juden Raum genau so oft schreibt, wie jene der in Europa ermordeten Juden.
B) Der Palestinenserstaat für die Araber ist ein allmähliches von den Medien gefördertes Entwicklungsprodukt, der nur dazu dient, um die Juden wieder ins Meer zu schmeißen. (Die heute so genannten Palestinenser sind ganz einfach Araber, wie auch die aus Syrien, Jordanien, dem Irak usw… und keine eigene Nation)
Als beste Waffen dazu benutzt man eben den Terror und die Mutterbäuche. .Nirgendwo im arabischen Raum haben sich die Araber so vervielfacht wie in Israel. Und außerdem, warum sollten die Leute aus Gaza näher verwandt sein mit den Arabern aus Samaria oder Juda als mit den Arabern aus Ägypten ? Warum wird der Gazastreifen nicht einfach an Ägypten angeschlossen ?
C) Wo gibt es sonst in der Welt Flüchtlinge der 4.Generation ? Wo sind die Flüchtlinge aus Ostpolen, die ungefähr um die gleiche Zeit aus Ostpolen flüchten mussten ? Wieso verlangen die keine Rückkehr ? Gibt noch viele andere Beispiele.
D) Früher haben Araber und Juden überall in dem Raum gelebt. Heute haben die Araber ca 3 Mio km² und die Juden 30 000 km² und selbst das ist den Arabern noch zuviel…
E) Warum wird nirgendwo gesagt, dass die arabischen Staaten auch nur ca 20 Jahre älter sind als Israel ? Im Osmanischen Reich gab’s kein Syrien, keinen Irak, kein Saudi-Arabien….Warum wird nie über den Wortbruch von Faisal gegenüber Weizman berichtet ?
Alles nur wegen dem Erdöl ?
Würde mich freuen, bald von Ihnen zu lesen.
Noch was: ich bin kein Jude und finde dass Religion eine individuelle Sache ist und keine kollektive. Was die Juden betrifft, so finde ich allerdings, dass es für die politische Stabilität der Welt viel besser ist, dass es einen jüdischen Staat gibt als keinen. Wenn dem nämlich nicht so wäre, dann gäb’s bald wieder Pogrome und andere Auschwitze.
Kommentar von Eisvogel
15. Januar 2008 @ 11:07
Hallo Haenel,
Ihre Ansicht zu Israel wird hier voll geteilt. Ich habe mich sehr lange mit dem Thema beschäftigt und auch fast ausschließlich darüber diskutiert. Es ist zur Zeit ein bisschen in den Hintergrund geraten - aus vielerlei Gründen, zu denen der, dass ich es nicht mehr für wichtig halte, nicht gehört.
Der Holocaust wirkt aufgrund seiner unfassbaren Schrecklichkeit naturgemäß wie eine Blendlaterne, neben dem jeder andere Antisemitismus verblasst. In der Tat haben Moslems etwas Vergleichbares den Juden nicht angetan. Es liegt nur teilweise daran, dass sie nicht die technischen und organisatorischen Möglichkeiten dazu hatten, es liegt schon eher daran, dass der islamische Antisemitismus (wie auch der islamische Antichristianismus) nicht unbedingt auf Vernichtung angelegt ist, sondern auf Unterdrückung.
Während Christen große starke Nationen bildeten, die der islamischen Expansion immer wieder entgegentraten - oft auch erfolgreich - waren Juden eigentlich die ganze Geschichte hindurch Dhimmis-de-luxe, die aufgrund ihrer Lage als kleine verstreute Minderheiten und ohne eigenen Staat keine andere Wahl als Unterwerfung und Anpassung hatten. Ich vermute, Moslems hatten Juden einfach nicht als Gegner auf dem Radarschirm, sondern nur als Opfer, deren Intelligenz und Kreativität man ausbeuten kann.
Das änderte sich durch Israel - schon vor Schaffung des Staates. Juden wurden von vernachlässigbaren und harmlosen Dhimmis zu rebellischen Dhimmis. Zu sehr erfolgreichen rebellischen Dhimmis. Das war ein Schock für die islamische Welt und vermutlich der Grund, warum der islamische Judenhass inzwischen den islamischen Christenhass noch übersteigt.
Ich teile die These von Matthias Küntzel nicht, dass der islamische (oder wie er es nennt: islamistische) Judenhass ein modernes Phänomen ist, das von den Nazis abgekupfert wurde. Das ist Unsinn, er ist viel älter, so alt wie der Islam. Sie haben aber wirklich Elemente übernommen - z.B. die Verschwörungstheorien und ihr Haltung gegenüber Juden hat sich von verächtlich-überlegen zu fürchtend-unterlegen entwickelt.
Wirklich tödlicher Hass entsteht wohl immer nur von Unterlegenen (oder vermeintlich Unterlegenen) gegenüber Überlegenen. Das ganze Herrenmenschengetue der Nazis sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie den Judenmord nicht planten, weil sie Juden wirklich für “Untermenschen” hielten, sondern weil sie sie für eine Art gefährliche Übermenschen hielten. So ist das inzwischen bei den Moslems auch.
Es ist stark zu vermuten, dass der Staat Israel nur deshalb noch existiert, weil ihn die islamische Welt nicht vernichten kann, nicht weil sie es nicht will.
Um etwas zu tun, muss man es können UND wollen. Um etwas zu unterlassen, reicht es, wenn eines von beidem nicht gegeben ist.
Ich sehe wenig Chance, die Araber und den Iran davon abzuhalten, Israel nicht mehr vernichten zu wollen. Leider ist das dennoch Inhalt vieler Strategien (oder Pseudostrategien, die es im Grunde gar nicht verhindern wollen, sondern nur einen guten Eindruck machen wollen?) des Westens.
Aber die Chance, dass sie es weiter nicht können, ist da. Man sollte sich mehr darauf konzentrieren. Egal, ob sie das “beleidigt” oder “noch wütender” macht. Wo der Hass bereits bis an die Decke lodert, ist das gleichgültig. Er wird sich nicht besänftigen lassen, er kann höchstens langfristig in der Resignation, keine Chance zu haben, verkümmern.