Die Unvermeidbarkeit von Doppelstandards
Ich möchte nicht wissen, wie viele E-Mails Claudia Roth bekommt. Einige davon kenne ich, weil die Schreiber sie im Kommentarbereich von Politically Incorrect veröffentlicht haben. Sie befassen sich alle mit derselben Frage: "Warum? Warum empören Sie sich jedesmal, wenn bei einer Auseinandersetzung Ausländer oder ethnische Minderheiten zu Schaden kommen, und warum empören Sie sich nicht gleichermaßen, wenn Deutsche zu Schaden kommen? Warum wenden Sie solche Doppelstandards an?"
Aber seien wir ehrlich: Es ist nicht nur Claudia Roth, die das tut. Sie ist lediglich das Covergirl derer, die’s tun. Sie hat sich den schönen innoffiziellen Titel "Bundesempörungsbeauftragte" erarbeitet und als solche ist sie dafür zuständig, öffentlich der Empörung Ausdruck zu verleihen, die keineswegs ausschließlich ihre eigene ist sondern Staatsdoktrin. Manchmal tut sie mir fast leid. Sie ist zusammen mit einigen ihrer Parteigenossen das rote Warnlämpchen. Wenn sie unter der Burka in Saudi-Arabien verschwinden würde - was viele offenbar wünschen - wäre das, als ob man die Birne bei einem roten Warnlämpchen rausschraubt und denkt, das Problem wäre damit gelöst. Sie ist ein öffentliches Anzeigelämpchen für Doppelstandards, sie verursacht sie nicht alleine. Die Frage "Warum?" wird sie übrigens in solchen E-Mails explizit niemals beantworten. Das müssen wir selber tun. Und wenn wir das getan haben, werden wir vielleicht erkennen, dass sie es implizit durchaus tut.
Lawence Auster schreibt in einem 2004 bei FrontPageMagazin erschienenen Artikel:
Während Konservative sich endlos (und man könnte sogar sagen langweilig) über die Doppelstandards beklagen, haben sie jedoch eklatant dabei versagt, sie zu verstehen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die heutige Linke sich selber als "liberal" bezeichnet, eine Fiktion, die Konservative nur allzu bereitwillig übernommen haben.
Konservative haben das teilweise aus Naivität getan und teilweise aus dem Wunsch heraus, nicht zu polarisieren, weil es ihr grundlegendstes Bedürfnis als Konservative ist, die Harmonie und den Zusammenhalt der bestehenden Ordnung zu wahren. Wenn sie Linke als "liberal" sehen, sind sie ständig überrascht und halten es für einen Skandal, wenn "Liberale" engstirnige Intoleranz zeigen. Sie betrügen sich selber, indem sie political Correctness und Doppelstandards als etwas ansehen, das dem Liberalismus fremd ist, als einen Fehler oder einen dummen Exzess oder als bedauerliche Heuchelei, von der sich die "Liberals" schon distanzieren werden, wenn es ihnen erstmal bewusst gemacht worden ist.
Offensichtlich funktioniert das nicht.
Warum ist das so? Kann man das mit Dummheit erklären? Ist das einfach nur ein blöder Denkfehler, den sie aus Gutmütigkeit machen. Lawrence Auster denkt nein. Und seine Argumentation hat etwas für sich. Anstatt sich endlos in nutzlosen Klagen über Doppelstandards zu ergehen, die nie zu etwas führen, wäre es sinnvoll der Sache auf den Grund zu gehen und den Gedanken aufkommen zu lassen, dass diese Doppelstandards kein logisches und/oder moralisches Defizit sind sondern Folge der Doktrin, der die Linken und Gutmenschen anhängen, was sie auch üblicherweise nicht bestreiten. Der Doktrin, dass alle Menschen gleich sind.
Sie behaupten zwar nicht, dass alle Individuen gleich sind. Die Existenz gewalttätiger und unangenehmer Indivuduen bestreiten sie natürlich nicht. Aber die Doktrin lehrt die Gleichheit aller Gruppierungen von Individuen (obwohl sie in manchen Fällen inkonsequent sind, zum Beispiel, was die Gruppe der Kritiker ihrer Doktrin angeht, die sind durchweg böse), insbesondere die Gleichheit aller Kulturen und Religionen. "Überall gibt es kriminelle Einzelpersonen" ist ihr Credo - Binsenweisheiten als bahnbrechende Erkenntnis zu verbreiten und dann empört so zu tun, als ob der Diskussionsgegner sie anzweifeln würde, ist sowieso eines der beliebten Argumentationsmuster von Demagogen und verblendeten Ideologen. Klassiker: "Nicht alle Moslems sind Terroristen."
Aber weil sie besessene Prozentfreaks sind, geben sie sich natürlich nicht mit der Binsenweisheit zufrieden, der Anteil der kriminellen Einzelpersonen in allen Gruppierungen muss gleich hoch sein, damit ihr Götze der Gleichheit zufriedengestellt ist. Wenn die Realität anders aussieht, muss zumindest der Anschein gewahrt bleiben, es wäre so. Und das erreicht man mit Doppelstandards. Sie sind dafür unerlässlich.
Die Tatsache, dass von islamischen Migranten eine überproportional hohe Gewaltneigung - insbesondere auch "gruppenbedingte" Gewaltneigung gegen Einheimische ausgeht - ist nicht wegzulügen. Damit die Doktrin gewahrt bleibt, von allen Gruppierungen ginge gleichermaßen viel Gewalt aus, müssen Fälle gewalttätiger Deutscher, bei denen ein Migrant das Opfer ist, medial gepuscht werden. Es ist dabei relativ gleichgültig, von wem die Gewalt urprünglich ausging (Potsdam), ob es sich überhaupt um rassistische Gewalt handelte oder ob überhaupt schon geklärt ist, dass ein Verbrechen und kein tragischer Unfall vorlag (Sebnitz). Die beobachteten Doppelstandards liegen einzig dazu, dass in der Öffentlichkeit das gefühlte Bild gewahrt bleibt, von allen Gruppierungen ginge gleichermaßen viel Gewalt aus und es gäbe diesezüglich keine kulturellen Unterschiede.
Die traditionelle christlich-jüdische Moral, die von Gleichheit der Maßstäbe ausgeht, erodiert und wird zu einer Moral der Gleichheit in der Ergebniswahrnehmung pervertiert. Gruppen werden nicht ergebnisoffen anhand gleicher Maßstäbe beurteilt sondern das Ergebnis steht bereits fest : Alle sind gleich. Um Ungleiches gleich zu messen, braucht man zwingend unterschiedliche Maßstäbe.
Der sozialismuskritische österreichische Ökonom Friedrich Hayek schrieb in seinem 1944 in England erschienen Buch Der Weg zur Knechtschaft:
“Aus der Tatsache, dass Menschen sehr unterschiedlich sind, folgt, dass - wenn wir sie gleich behandeln - das Ergebnis eine Situation der Ungleichheit ist, und dass der einzige Weg, sie in eine gleiche Situation zu bringen, der ist, sie ungleich zu behandeln. Gleichheit vor dem Gesetz und materielle Gleichheit sind daher nicht nur etwas ganz anderes sondern stehen sogar in Konflikt miteinander, und wir können nur das eine oder das andere erreichen, aber nicht beides gleichzeitig.”
Das ist die Grundlage von Doppelstandards. Und wenn man das einmal begriffen hat, wird auch vieles andere klarer: Zum Beispiel der desinteressierte Umgang mit Antisemitismus und Gewalt gegen Homosexuelle, insbesondere wenn die Täter von der islamischen Seite kommen, aber auch bei angeblichen oder tatsächlichen Rechtsradikalen werden ausländerfeindliche Taten weit mehr beachtet. Warum? Nun, Juden und Homosexuelle sind - auch unter Antisemiten und Homophoben - nicht für übermäßige Gewaltneigung bekannt. Im Gegenteil. Es besteht also kein Grund, durch übertriebene Berichterstattung eine befürchtete Verletzung des Gleichheitsdogmas auszugleichen. Jüdische Friedhöfe, Synagogen sind regelmäßg Ziel von Schmierereien etc. Es ist bekannt, aber entsteht keine laute, öffentliche Empörung. Man stelle sich vor, das würde mit einem islamischen Friedhof oder einer Moschee passieren!
Ich möchte mir das hysterische Geschrei lieber nicht ausmalen.
Und wenn man jetzt den Blick von Kriminalität im Inneren auf die Weltpolitik weitet, stimmt es auch. Erinnern wir uns an das Theater, das um Abu Ghraib gemacht wurde? Das haben sich die Amerikaner damit verdient, dass ihre Soldaten fast immer fair und diszipliniert sind, während die Gegenseite aus grausamen, amoralischen Verbrechern besteht und damit das Dogma der Gleichheit beider Seiten verletzt wird. Wären sie genau so brutal und hinterhältig wie die so genannten "Widerstandskämpfer", niemand hätte sich für Abu Ghraib interessiert. Selbst bei Kriegen, an denen eigene Soldaten beteiligt sind, muss das Dogma gewahrt bleiben. In den USA und bei uns auch. Die Totenkopffotos der deutschen Soldaten in Afghanistan lösten tagelange Skandalberichterstattung und peinliche Entschuldigungen und Unterwerfungsgesten seitens der Politiker aus, die Ermordung eines deutschen Ingenieurs hingegen wurde heruntergespielt. Wie irr ist eigentlich ein Land, das Krieg führt und der Ansicht ist, beide Seiten wären gleich?
Wenn man der Ansicht ist, sollte man es lassen. Achja, stimmt. Der Ansicht sind viele der üblich Verdächtigen ja auch. Das ist durchaus konsequent. Inkonsequent sind nur die so genannten Konservativen, die in dieses von Doppelstandards geprägte Geschrei einstimmen und dennoch den Einsatz in Afghanistan befürworten.
Daher interessiert sich auch keiner für die zahllosen brutalen Konflikte in Afrika. Da sich beide Seiten üblicherweise grausam verhalten oder da es sich um Konflikte zwischen Menschen handelt, die aus europäischer/amerikanischer Sicht keinen unterschiedlichen Gruppierungen angehören, besteht kein Grund zur hysterischen Gegenreaktionen darauf, dass eventuell der Eindruck entstehen könnte, eine Gruppierung wäre grausamer als die andere und daher auch kein Bedarf zur Empörung oder auch nur Berichterstattung.
Es betrifft aber nicht nur Ungleichheit in der Gewaltneigung, es betrifft auch andere Ungleichheiten wie Bildung, Erfolg, wissenschaftliche Leistungen. Lawrence Auster schreibt weiter:
Gleichermaßen zwingt der Glaube an die Gleichheit Linke der westlichen Kultur gleichgültig oder gar feindselig gegenüberzustehen - und zwar unabhängig von ihren Tugend - und nicht-westliche Kulturen zu entschuldigen und zu loben - und zwar unabhängig von ihren Fehlern - weil die westliche Kultur derzeit die erfolgreiche und "dominante" Kultur ist. In der Tat muss unter der verdrehten Moral der Linken eine Kultur, je rückständiger und primitver sie ist umso mehr positiv aufgebauscht werden, ihre Sünden müssen vertuscht und die Schuld für ihre Katastrophen muss uns angelastet werden.
Diesbezüglich tun sich übrigens auch Feministinnen beiderlei Geschlechts hervor. In einem amerikanischen Blog habe ich amüsierte Kommentare über das "BFJ-Syndrom" in Anwaltsserien und Krimis gelesen. Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Fast alle Richter sind ältere schwarze Frauen. Es ist das Black Female Judge-Syndrom, das dazu dient, im zwei-in-eins-Verfahren Schwarze und Frauen in einer gehobenen Position zu zeigen. Das geschieht so häufig, das ist kein Zufall.
Islam und Christentum? Die Hoheprieter der Gleichheitsdogmas werden nicht müde, die Fehler des Christentums aufzuzeigen, auch wenn sie sich dazu mehrere Jahrhundert in die Vergangenheit begeben müssen und selbst dort nichts finden, was auch nur ansatzweise mit dem Dschihad zu vergleichen ist. Das Zwangsgebühren-Volkserziehungs-Fernsehen bringt Reportagen über angeblich gemeingefährliche fundamentalistische Christen, mit dem Satz "alle Religionen sind gleichermaßen schlimm, wenn sie extrem ausgelebt werden" macht man nie was verkehrt und als "Beweis" stellt man knapp 10.000 tödlichen Terrorattacken im Namen des Islam eine Attacke auf eine Abtreibungsklinik durch Christfundamentalisten gegenüber. Das muss für die Gleichheit genügen. Mehr hat man nicht. Aber man kann es wenigstens aufbauschen.
Und richtig pervers wird es beim Thema Israel.
Es gibt viele Theorien für die Ursache von Antisemitismus. Beim modernen Antisemitismus/Antizionismus kann man durchaus vermuten, dass den Israelis unter anderem ihre Humanität zum Verhängnis geworden ist. Das Dogma zum Nahostkonflikt ist ebenfalls das der Gleichheit und es kommt in Begriffen wie "beiden Seiten müssen aufeinanderzugehen", "es sind immer beide Schuld", "Unmenschlichkeiten auf beiden Seiten", "Gewaltspirale" "Terrorismus gegen Staatsterrorismus" etc. auch stets zum Ausdruck. Die Vorstellung eines Konfliktes zwischen Gut und Böse, zwischen Richtig und falsch, ist out. Wer daran festhält, gilt im besten Fall als altmodischer Idiot und im schlimmsten als gefährlicher Ketzer.
Die Israelis und Palästinenser verstoßen aber eklatant gegen diese Gleichheit, vermutlich in einem Ausmaß, das einzigartig ist. In der Tat kommt mir der Konflikt um Israel selbst oft so unfassbar einseitig vor, dass ich - die ich nicht an das Gleicheitsdogma glaube - es dennoch kaum fassen kann, wie extrem die Unterschiede sind. Auf einen Gleichheitsfanatiker muss das so unerhört wirken wie eine satanische Orgie auf dem Altar des Petersdoms auf den Papst wirken würde. Auf einer Seite ist das Recht, die Humanität, die Stärke, die Freiheit, die Tüchtigkeit, Würde in der Trauer und berechtigter Stolz - auf der anderen nur Unrecht, Brutalität, Erbärmlichkeit, Unfreiheit, Versagen, Selbstmitleid und unberechtigter, dreister Überlegenheitswahn.
Nichts verstößt gegen das Dogma der Gleichheit mehr als der Nahostkonflikt. Und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass nirgends so viele und so verrrückte Doppelstandards angewandt werden wie in Israel. Es geht nicht nur um Israel - obwohl es vielen Antisemiten auch darum geht - es geht auch um das Überleben der linken Doktrin von der Gleichheit aller Gruppen. Ideologen tun sehr viel für das Überleben ihrer Ideologie. Menschenleben oder die Weiterexistenz eines kleinen Staates sind für wahnhafte Ideologen ein Preis, den sie bereitwillig zahlen. Leider tun es mehr und mehr auch Politiker des bedrohten kleinen Staates. Götzen brauchen Opfer. Und der Gleichheitsgrundsatz ist ein Götze.
Die israelische Polizei hat am Montag in Judäa einen palästinensischen Sicherheitsmann vor einem Lynch bewahrt. Dadurch stießen sie beim jüdischen Siedlerverband auf Kritik, weil sie eine erfolgversprechende Entführungsaktion vereitelt hätten.
Der Offizier war unbewaffnet und in Uniform unterwegs. Er bog versehentlich falsch ab und geriet in eine jüdische Siedlung. Er wurde mit einem Steinhagel empfangen und vom jüdischen Mob aus seinem Fahrzeug gezerrt. Der Wagen wurde verbrannt. Doch schon nach wenigen Sekunden erschienen israelische Polizisten und retteten den Palästinenser. Sie brachten ihn in ein Regierungsgebäude, von wo es er abgeholt werden konnte.
In einer Mitteilung des Siedlerverbandes hieß es nach dem Vorfall: "Wir hatten erfolgreich einem palästinensichen Offizier eine Falle gestellt. Wir waren sehr überrascht, als die Polizei unsere Bemühungen durchkreuzte, indem sie uns umringte und den Soldaten in ihren Schutz nahmen. (…) Die Gruppe fügte hinzu, die israelische Polizei solle bei ihrer Arbeit "die Israelis beschützen und nicht Terroristen".
Am Dienstag berichtete Radio Palästina, der Offizier habe gegen die Regeln verstoßen. Laut Protokoll dürfe er auf dieser Straße nur in einem Konvoi unterwegs sein. "Er hat großes Glück gehabt, denn das hätte ganz anders ausgehen können". (…)
Mahmoud Abbas lobte den Einsatz Israels und bedankte sich.
Sie glauben das nicht? Herzlichen Glückwunsch. Sie haben Recht.
Denn wenn es wahr wäre, hätten Sie natürlich bereits auf allen Nachrichtenkanälen davon gehört. Es wäre allerdings weniger um den Einsatz der israelischen Polizei gegangen, die gerade noch das schlimmste verhindern konnte und dafür kritisiert und beschimpft wurde. Es wäre um den Lynchmob gegangen. Die Welt wäre in Aufruhr. In 20 Jahren müsste man sich das noch als Beispiel unendlicher israelischer Grausamkeit anhören und Mahmoud Abbas hätte sich sicher nicht bedankt, sondern getobt. Allerdings vermutlich nicht ganz so schlimm wie die UNO, die EU, europäische Gutmenschen … und vor allem die Israelis selber. Die Entschuldigungsorgie hätte gar nicht mehr aufgehört.
Endlich wäre endlich etwas geschehen, was dem Gleichheitsgötzen huldigt.
Die Geschichte hat sich umgekehrt zugetragen. Es war ein israelischer Offizier in Dschenin und bedankt hat sich die israelische Außenministerin Livni. Hier kann man es nachlesen.
Es hat keinen Sinn, Anhänger der Gleichheitsreligion auf Doppelstandards hinzuweisen, weil man glaubt, sie würden es nicht merken, dass sie welche anwenden und sofort damit aufhören, wenn sie sich dessen bewusst werden. Sie wissen es, sie halten es für richtig, es ist Teil ihrer Ideologie und sie geben es offen zu. Es ist die Liturgie, mit der sie ihrem Götzen dienen.
Es ist eine Liturgie der Zirkelschlusslogik und der Verachtung der Vernunft. Die Argumentation geht ungefähr so: Gruppe A ist böse und Gruppe B ist gut. Deshalb muss man an Gruppe A wesentlich niedrigere Maßstäbe anlegen als an Gruppe B. Wenn man das in ausreichendem Maß macht, kommt heraus, dass Gruppe A und Gruppe B gleichermaßen gut bzw. böse sind. Man hat also aus der Bosheit einen Rechtsanspruch auf mildere Maßstäbe abgeleitet. Häufig hört diese Maßstabsverschiebung jeoch nicht einmal bei der Gleichheit auf sondern wird so weit übertrieben, dass am Ende Gruppe A gut und Gruppe B böse ist. Und alles glasklar "logisch" aus der exakt umgekehrten Voraussetzung abgeleitet.
Sie geben das sogar zu. Es kommt in dem Wort "positive Diskriminierung" zum Audruck und bei der "Kritik" an Israel und den USA in der Äußerung "Man muss doch an eine Demokratie andere Maßstäbe anlegen als an eine Diktatur". oder "Man muss doch an eine Armee andere Maßstäbe anlegen als an Terroristen."
Nein, muss man nicht!
Gleiche Maßstäbe führen zwar zu krass unterschiedlichen Ergebnissen, dennoch sind sie richtig. Und diejenige, die diese krass unterschiedlichen Ergebnisse aussprechen, sind keine Rassisten und Fremdenfeinde und Heuchler. Sie sind Menschen, die die von Ideologie ungeschönte Wahrheit sagen. Weiter nichts. Ergebnisse sollten die Grundlage der Meinungsbildung sein. Linke Ideologen vertehen das nicht. Ihre Meinung - alle sind gleich und es sind immer beide Schuld - steht bereits fest. Wenn die Realität etwas anderes aussagt, werden Doppelstandards angewendet, bis das Bild passt. Zweifel daran betrachten sie als Rassismus, das moderne Äquivalent der Ketzerei.
Es wird nie von Erfolg gekrönt sein, diese Ideologen auf die Fehlerhaftigkeit der Liturgie - die Doppelstandards, die Zirkelschlusslogik etc. - hinzuweisen, mit der sie ihren Gleichheitsgötzen anbeten und zu hoffen, dass sie diese aufgeben, während sie ihren Götzen behalten dürfen. Das funktioniert nicht bei religiösen Fanatikern. Nein: Der Ketzer muss den Götzen direkt angreifen, wenn er eine Chance auf Erfolg haben will. Er muss sagen:
Euren Gleichheits-Götzen gibt es nicht. Kulturen, Religionen und Konfliktpartner sind nicht gleich. Und sie sind auch nicht gleichwertig. Es gibt Gut und Böse, es gibt Richtig und Falsch. Und wir haben die gott- oder naturgegebene Fähigkeit und Pflicht, es zu erkennen - aber nur wenn wir gleiche Maßstäbe anwenden.





Kommentar von Feuervogel
2. September 2007 @ 12:35
Da gibt es einige Blogger in Deutschland, die mittels Israelsolidarität auf außenpolitischer Ebene ihre Doppelstandards überwinden haben können.
Auf innenpolitischer Ebene sind viele von ihnen aber erst ganz am Anfang …
Kommentar von Eisvogel
2. September 2007 @ 13:30
Wenn man beim Nahostkonflikt auf Doppelstandards verzichtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass es in diesem Konflikt eine gute und eine böse Seite gibt und dass das Dogma “Es sind immer beide Schuld”, das man verinnerlicht hat, eine Lüge ist. Man kommt platt gesagt zu dem Schluss, dass Israelis bessere Menschen als Palästinenser sind. Das verstößt gewaltig, gegen alles, was man gelernt hat.
Das ist schon schwer genug.
Wenn man bei dem Verhalten von islamischen Einwanderern und Einheimischen auf Doppelstandards verzichtet, kommt man zu dem Schluss, dass wir in jeder Hinsicht (Bildung, Geetzestreue, Gewaltneigung) besser sind.
Das ist noch unerhörter und verstößt noch eklatanter gegen alles, was wir gelernt haben. Es ist sehr schwer.
Unsere westliche Kultur ist besser als der Islam.
Als Berlusconi das aussprach, war ganz Europa im Aufruhr. Es ist aber wahr und es ist eine sehr merkwürdige Situation. Früher war es schwer, zu erkennen, dass andere Kulturen eventuell in manchen Dingen besser sind. Heute hat man das Gefühl, eine Todsünde zu begehen, wenn man sich eingesteht, dass die eigene Kultur deutlich und unmissverständlich besser ist als eine bestimmte andere.
Wenn wir das nicht zugeben, können wir dem Islam nichts entgegensetzen. Denn warum sollte man etwas verteidigen, das nicht besser ist?
Kommentar von Feuervogel
2. September 2007 @ 13:41
hier ein explizites Dankeschön für deine gedankliche Klarheit!
Kommentar von Eisvogel
2. September 2007 @ 14:09
Danke Feuervogel
Ich bin aber noch am Üben. Die Übersetzungen der Fjordman-Artikel haben mir sehr viel dabei geholfen, meine Gedanken zu ordnen und vor allem auch den Mut zu finden, aus verinnerlichten Denkverboten auszubrechen.
In letzter Zeit habe ich auch viel bei Lawrence Auster gelesen, auf den ich durch einen Link von Fjordman gekommen bin. Er hat teilweise Ansichten, die ich nicht teile, aber er ist ein wirklich großer Denker und Logiker, der den Dingen auf den Grund geht. Er befasst sich viel mit Doppelstandards. Auch mit solchen, für die die obige Erklärung vermutlich nicht ganz ausreicht.
Hier zum Beispiel
Isn’t it amazing that the Jews, who have not, with the exception of a couple of local revolts and wars of national survival, been a warlike people since the days of the Maccabees 2200 years ago, and whose religion is insular rather than crusading, have been said from Roman times to our own day to be a people at war with mankind; while the Muslims, who are commanded in the strictest terms by their religion to wage jihad against all non-Muslims and strike off the heads of all non-believers until the whole of humanity is subordinated under the totalitarian rule of Islam, are not said to be at war with mankind? Instead, the Muslims have been consistently romanticized—the Bedouin sheikh, the exotic mysteries of the seraglio, the Golden Age of the Abbadids, the Tolerant Pluralist Paradise of Muslim Spain, the Religion of Peace….
How did these world-crushing barbarians, of whom the historian J.B. Bury said they were undesirable either as friends or foes, get such a good rep? Would someone explain this to me?
Kommentar von Wired
2. September 2007 @ 14:10
Das Dogma der Gleichheit ist auch Teil der modernen Theorie des gerechten Krieges, welche auch durch insbesondere Linke Theoretiker propagiert wurde und wird. Es wird dort natürlich nicht “Dogma der Gleichheit” genannt, aber die Auswirkungen sind vergleichbar, vor allem da diese Theorie auch innerhalb der militärischen Kreise in den letzten 25 Jahren ihre Anhänger gefunden hat (wie viel davon politischem Druck gedankt ist, ist natürlich eine andere Frage).
Kommentar von Eisvogel
2. September 2007 @ 14:29
Das ist interessant, Wired.
Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob ich genau verstanden haben, was mit dem “gerechten Krieg” gemeint ist. Das, was zum Beispiel die Kreuzfahrer damit meinten, ist es nicht, oder?
Ist es das, was auch schon mit “Krieg als Sozialarbeit” bezeichnet wurde? Oder meinst Du ein anderes Konzept?
Kommentar von Wired
2. September 2007 @ 14:44
Die Idee des gerechten Krieges in der heutigen Form geht auf Thomas von Aquin zurück. Der Grundlegende Gedanke ist die Limitierung von Gründen, die einen Krieg erlauben, und die Einschränkung von Aktionen, die während des Krieges erlaubt sind.
Eigentlich ist es ein sehr moralisches und sinnvolles Konzept, und der Hauptvertreter der modernen Variante ist der linke amerikanische Philosoph Michael Walzer (Hauptwerk: “Just and unjust Wars”, 1977). Problematisch wird es da allerdings - wie bei den meisten Dingen - im Detail. So ist eine “Regel”, die erfüllt werden muss, die proportionale Reaktion auf Aktionen des Gegners, also alles zu vermeiden, was zu einer Eskalation führen könnte. Das bestehen auf dieser Forderung haben wir letzten Sommer ja sehr schön beim medialen Aufschrei der versammelten Gutmenschenkamerilla während des Libanonkrieges gesehen: Gejammer aufgrund der israelischen “disproportionate response” allenthalben. Es gibt eine ganze Menge Punkte in dieser Theorie, die zwar auf den ersten Blick sehr schön sind, aber einer Examination, die sich an der Realität des Krieges der Politik und des Krieges orientiert, nicht standhalten. Lass mich an dieser Stelle nur soviel sagen: die Theorie des gerechten Krieges ist eine, die der Realität der asymmetrischen Kriegführung nicht gewachsen ist, da sie in ihren moralischen Ansprüchen absolut ist.
Wenn du möchtest, kann ich gerne nachher noch mehr dazu schreiben, wenn ich meine Gedanken etwas gesammelt habe. Momentan leide ich noch unter den Nachwirkungen meiner Nachtschicht in einer bekannten Fastfood-Franchise.
Kommentar von Wired
2. September 2007 @ 14:48
u “Krieg als Sozialarbeit”: In der Tat befasst sich ein nicht gerade kleiner Teil von Walzer’s Theorie mit gerade solchen Interventionen. Militärische Interventionen sind dann “gerecht”, wenn der primäre Zweck ihrer Durchführung ist, Unrecht beseitigen. Soldaten sind angehalten, für sich selbst überproportionale Risiken einzugehen, um “Unschuldige” zu schützen. Interventionen sind nicht legitim, wenn es um die Durchsetzung nationaler Interessen geht.
Kommentar von Feuervogel
2. September 2007 @ 15:12
@ Wired
Das finde ich interessant.
Ich habe den Eindruck, daß man gerade dann am stärksten auf die “Einhaltung von Regeln” pocht, wenn es an einem ‘übergeordneten Geist’ bzw. einem Geist, der es versteht, Dinge moralisch richtig einzuordnen, fehlt.
Kommentar von Eisvogel
2. September 2007 @ 15:14
Vielen Dank für die Information, Wired. Ich bin Dir sehr dankbar, wenn Du es noch weiter ausführst. Das ist hochinteressant.
Ich finde es immer erschreckend und faszinierend gleichzeitig, wenn man erkennt, dass bestimmte Verhaltensmuster (wie zum Beispiel das Gutmenschen-Gekreische beim Libanonkrieg) nicht einfach so aus den Menschen kommen, sondern Folge einer Doktrin sind, die sich unbemerkt in die öffentliche Meinung eingeschlichen hat.
Lass Dir aber Zeit und erhol Dich erst von der Nachtschicht. Es läuft uns ja nicht weg und hier rutschen die Artikel aufgrund meiner Schreibfaulheit nicht so schnell ab.
Kommentar von tape
3. September 2007 @ 9:05
Sehr gut geschrieben, Eisvogel. Direkt danach las ich das folgende. Eigentlich hat es nichts mit deinem Text zu tun, irgendwie geht es aber auch um Double Standards. Obwohl also offtopic füge ich es mal an. Wenn du es daneben findest, lösche es einfach.
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Die Kaempfe des Sommers
von Dr. Bernd Niquet
“Die Politik befindet sich in Klausur und entwickelt grosse Wuerfe”, sagt die Frau, die an meinem Tisch sitzt, “doch die Wirklichkeit sieht doch ganz anders aus.”
Was meinen Sie?” frage ich sie: “Auslaenderhatz? Ueberbordende Jugendkriminalitaet?”
“Nein!”, entgegnet sie, “keine Medienphaenomene. Nicht die grossen Dinge, sondern das Kleine, der ganz normale Alltag. Soll ich Ihnen mal meine Woche schildern? Dann werden Sie ploetzlich ein ganz anderes Bild von unserer Zukunft sehen.”
Natuerlich will ich das. Ich nicke heftig und sage: “Ja, ich brenne darauf!”
“Am Wochenende sind wir von der ‘Hohen Duene’ zurueckgekommen.
Vielleicht kennen Sie die neue Ferienanlage an der Ostsee, direkt gegenueber von Warnemuende. Sehr edel, Doppelzimmerpreise zwischen 210 und 720 Euro. Fuer Kinder gibt es einen Kinderclub, doch im Grunde genommen sind Kinder dort unerwuenscht. Ins Schwimmbad duerfen sie nur zwei Mal am Tag -zwischen 10 und 11 Uhr und zwischen 15 und 16 Uhr.
Was sich da fuer Szenen abgespielt haben. Erboste Eltern mit Nazi-Terminologie auf den Lippen. Kinderlandverschickung und so. Abends im Speisesaal fast eine Schlaegerei zwischen Eltern und den kinderlosen Reichen, die sich gestoert fuehlen.
Und das Personal voellig ueberfordert: “Da kann ich leider auch nichts machen.”
Wieder in Berlin nutze ich die letzte Ferienwoche und mache eine Radtour mit meinem Sohn. Ein schoener See in einem Aussenbezirk. Lange sind wir nicht mehr da gewesen. Wir stellen die Raeder ab und gehen ins Wasser. Ploetzlich haben wir einen grossen Kampfhund neben uns im Wasser.
“Der tut nichts”, sagt die Besitzerin. Ich nehme meinen Sohn auf den Arm. Er ruft: “Mami, ich habe Angst.” Der Hund springt an uns hoch.
“Nehmen Sie bitte Ihren Hund an die Leine”, sage ich entschieden. “Da kann ich leider auch nichts machen”, entgegnet die voellig ueberforderte Besitzerin. “Ausserdem ist hier Hundeauslaufgebiet.” Ich entgegne: “Auslaufgebiet ja, aber sehen Sie nicht, dass das Kind Angst hat. Und ich will auch keine Hundeschnauze in meinem Schoss.”
Ich sage der Frau: “Wenn sie ihn von draussen nicht an die Leine bekommen, muessen sie eben ins Wasser kommen”, und deute an, sie ins Wasser zu ziehen.
“Wenn Sie das machen, zeige ich Sie an”, entgegnet die Hundefrau patzig. In diesem Moment wird mir ploetzlich alles klar!
Genau so ist er, der Rechtsstaat. Jetzt habe ich mitten im Wasser ploetzlich den Rechtsstaat begriffen! Zum Glueck wird der Hund dann von anderen Hunden abgelenkt. Zehn oder zwoelf riesige Exemplare, jeder fuer sich fast so gross wie ein Mensch, tummeln sie sich jetzt im Wasser. Wir entschliessen uns, lieber ins Freibad zu gehen.
Gleich hinter dem Eingang zum “Strandbad Wannsee” befindet sich eine Wiese, um die als Absperrung eine Leine gespannt ist.
“Betreten verboten” steht auf einem Schild. Mein Sohn
trottet den Weg entlang. Ploetzlich knallt es, er fliegt regelrecht in die Hoehe, faellt dann um und schreit. “Was ist?” will ich wissen.
“Ich weiss nicht”, antwortet er und weint.
Wenige Meter weiter sehe ich Transformatoren stehen. Der Zaun ist elektrisch geladen. Ohne Warnzeichen. Ich kenne so etwas von Kuhweiden. Doch was fuer ein Menschenbild steht dahinter, wenn man in oeffentlichen Baedern Wiesen mit Elektroschocks gegen Menschen schuetzt?
Erbost gehe ich zur Kasse. Die Kassiererin sagt mir nur den mir schon allzu gut bekannten Satz: “Da kann ich leider auch nichts machen.” Ich nehme mein Handy und rufe die Polizei.
Anschliessend gehen wir baden. Wir wollen uns den letzten schoenen Sommertag nicht noch mehr verderben. Doch mein Kopf wird nicht wirklich frei. Das Strandbad Wannsee war eines von Adolf Hitlers grossen Renommierprojekten. Und der See vorher
ein bevorzugtes NS-Wohngebiet. Anscheinend hat ein grosses Stueck des damaligen Geistes die Zeit relativ unbeschadet ueberstanden.”
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Der letzte Satz trifft mE nicht zu, aber ansonsten finde ich es gut beobachtet.
Grüße
tape
Kommentar von Ratio
3. September 2007 @ 23:25
test
Kommentar von Ratio
3. September 2007 @ 23:27
Hoch interessanter und gut erläuterter Erklärungsversuch für ein wahrlich haarsträubendes Phänomen, Eisvogel.
Ich habe die jeden Verstand beleidigenden Doppelstandards bisher immer auf die Verlogenheit, hilfsweise abgrundtiefe Dummheit psychopathologischer linker Ideologen zurückgeführt.
Schön erkannt, daß gleiche Maßstäbe bei ungleichen Sachlagen zur Ungleichbehandlung führen müssen und daß Gleichbehandlung oder Gleichbewertung in diesen Fällen notwendig einen unkontrollierten Wechsel der normativen Maßstäbe und damit subjektive Beliebigkeit, Willkür, krasse Ungerechtigkeit impliziert.
Klugen und dummen Schülern unabhängig von ihren Leistungen dieselben Schulnoten zu erteilen, wäre auch so ein Fall. Das ist aber so krass, daß das sogar jeder Dummkopf durchschauen würde. Auf Noten würden linke Gleichheitsfetischisten daher am liebsten ganz verzichten.
In komplexeren Zusammenhängen wie im Nahostkonflikt, im Verhältnis Männer/Weiber usw. ist das zwar das gleiche Problem, aber weniger evident, weswegen man hier munter so verfährt wie von Dir beschrieben. Die Bösen werden hochgejubelt und die Guten madig gemacht, nur um die Fiktion der Gleichheit krass wahrheitswidrig und eklatant ungerecht aufrechtzuerhalten.
Was nicht gleich ist, gehört nach Ansicht der Linken nicht nur propagandistisch gleichgemacht. Vornehmlich im Verhältnis Arm/Reich kommt überall Gewalt mit bisher 300 Millionen Leichen und Milliarden ausgeplünderter Menschen ins Spiel. Hier bezweilfe ich ernsthaft ob der Götze der Gleichheit wirklich noch Pate steht und nicht vielmehr nur ein Vorwand ist, um Neid, Mißgunst und totalitäre Herrschsucht zu “rechtfertigen”.
Gerechtigkeit heißt dieselben normativen Maßstäbe anzulegen und somit Gleiches gleich und - von Linken gern “übersehen”, aber logisch zwingend - Ungleiches ungleich zu behandeln. Täte man das nicht, würde man Ungleiches gleich behandeln. Ein Widerspruch in sich.
Über das tertium comparationis (gleich/ungleich in welcher Hinsicht?), also den konkreten Inhalt der normativen Maßstäbe, ist damit allerdings nichts gesagt.
Einiges hier erinnert an diese Diskussion:
http://acht-der-schwerter.freehostia.com/2007/08/05/das-geheime-wissen-der-gutmenschen/#comment-348
Übrigens habe ich Dir im PI - reichlich spät - noch mal geanwortet.
http://www.politicallyincorrect.de/2007/08/italien-moslem-mauert-schutzmadonna-zu/#comment-99409
Kommentar von Eisvogel
4. September 2007 @ 10:10
@tape: Vielen Dank für den interessanten Bericht. Ja, man sieht nicht auf den ersten Blick, dass es hier zum Thema passt, aber es tut’s wirklich. Es hat sich in alle Bereiche eingeschlichen. (Wäre auch egal gewesen, wenn’s nicht passen würde, mir ist das egal, wenn wir vollkommen OT diskutieren, solange es nicht um meinen angeblichen Bedarf nach Gutmenschen-Psychotherapie geht
).
Ich habe Dir bei PI geantwortet, Ratio. Ich fürchte aber, Du bist nicht zufrieden
. Es ist noch etwas unausgereift, ich bekomme das noch nicht richtig in Worte gefasst. Es hat aber übrigens sehr viel damit zu tun, dass ich Fjordman übersetze, dass ich mir diese Gedanken um das verlorene Christentum mache. Von Religiösen lässt man sich so etwas, wenn man selber nicht religiös ist, nicht so gerne sagen. Aber er ist auch nicht religiös, wie er schreibt.
Das Rumhacken auf dem Christentum war/ist eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Waffe der Gramscianer und 68er zur Kulturzerstörung. Und zwar kein Nebeneffekt wie von anständigen Atheisten, denen es nur um die Vernunft geht, wie Dir. Sondern vorsätzlich, weil sie die Kraft des Christentums als Widerstand gegen die sozialistische Utopie erkannt haben.
…“hatte Gramsci die Vision eines langen Marsches durch die Institutionen der Gesellschaft, einschließlich Regierung, Justiz, Militär, Schulen und Medien. (…) Er kam auch zu dem Schluss, dass, so lange die Arbeiter eine christliche Seele haben, sie dem Ruf der Revolution nicht folgen werden.” (aus “Political Correctness - die Rache des Marxismus”)
Übrigens sind es Menschen wie z.B. tape und Heplev und viele andere - u.a. auch der Papst und Lawrence Auster - die mich dazu gebracht haben, zu überlegen, dass das Christentum nicht im Gegensatz zu einem vernünftigen wissenschaftlich-logischen Weltbild steht.
Klugen und dummen Schülern unabhängig von ihren Leistungen dieselben Schulnoten zu erteilen, wäre auch so ein Fall.
Selbst das ist übrigens nicht vollkommen unrealistisch. Als mein Sohn in der Grundschule war (in einem Multikulti-Viertel) war die Klasse in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe hatte zwei Wochenstunden mehr (Förderunterricht in Rechnen und Schreiben, was sie natürlich Mathematik und Deutsch nannten). Vor Klassenarbeiten kam diese Gruppe eine Stunde früher in die Schule, das Diktat wurde geschrieben und gemeinsam korrigiert. Dann kam die andere Gruppe. Dann wurde das exakt gleiche Diktat als Klassenarbeit geschrieben. Zu gleichen Noten führte es dennoch nicht… es wurde nur die größte Katastrophe vermieden, dass mehr als die Hälfte der Klasse sitzenbleibt.
Beim Elternabend hat uns die Lehrerin erklärt, dass sie vorsätzlich die “schwächere” Gruppe “Gruppe A” nennt und die andere “Gruppe B”, weil man gewöhnt ist, dass A z.B. bei Eiern die bessere Güteklasse ist und sie somit das Selbstbewusstsein der Schwächeren stärke. Wie das auf die besseren Schüler gewirkt hat (es waren kleine Kinder und sie sollten eigentlich ein Recht hahen, auf gute Schulleistungen stolz zu sein), war egal. Dass es für mittelmäßige Kinder, die gerade noch zu “Gruppe B” gehörten, eine schreiende Ungerechtigkeit war, offenbar auch.
Kommentar von aufgeschreckter Gutmensch
4. September 2007 @ 20:44
Liebe Eisvogel!
Ich möchte mich für alle Augenblicke entschuldigen, in denen ich Dir Verletzungen zugefügt habe. Es war unwesentlich ob ich dabei im Recht war.
Ich habe Dir noch einen Link herausgesucht, der nur von Dir gelesen werden sollte.
Ich trete ein letztes Mal in Deinem Blogbereich auf. Mein Angebot, das Du Dich bei mir per e-mail melden kannst, wenn Dir danach ist, bleibt für alle Zeit bestehen.
Alles Gute!
http://www.paulvereshack.com/german/helpme/kapitel8.htm
Kommentar von Wired
4. September 2007 @ 22:02
So, es hat lange gedauert, aber ich halte meine Versprechen:
Michael Walzer’s Theorie des gerechten Krieges
Die im Laufe der Jahrhunderte zuerst von christlichen Theologen, später auch von säkulären Philosophen entwickelte Lehre vom gerechten Krieg besteht aus drei Teilen: dem ius ad bellum (Recht zum Krieg), ius in bello (Recht im Krieg) und dem ius post bellum (Recht nach dem Krieg). Die drei Kategorien sind logisch voneinander unabhängig: Es ist durchaus denkbar, dass ein gerechter Krieg [Kriegsgrund] ungerecht ausgetragen wird oder dass ein ungerechter Krieg sich strikt an die Regeln hält (Walzer: Gibt es den gerechten Krieg: 48). Damit ein Krieg moralisch gerechtfertigt ist, müssen die Kriterien in allen drei Bereichen erfüllt sein. Alle drei Kategorien besitzen weitere Unterpunkte, die zur Beurteilung des gerechten Krieges herangezogen werden sollten.
Die Idee des ius ad bellum baut auf der Annahme auf, dass Kriege zwar generell als falsch und moralisch verwerflich angesehen werden, einen Krieg zu führen unter bestimmten Voraussetzungen dennoch gerecht sein kann.
Aus welchem Grund, auf welcher rechtlichen Basis und mit welchem Ziel wird der Krieg begonnen, oder anders formuliert: Existiert ein gerechter Kriegsgrund? Wird der Krieg durch einen rechtmäßige Autorität, und mit einer gerechten Absicht erklärt erklärt? Andere Kriterien sind u.a. die Erfolgswahrscheinlichkeit des Waffengangs, die Verhältnismäßigkeit der kriegerischen Aktion im Vergleich zum zugefügten Unrecht, und letzten Endes, dass der Krieg an sich das letzte zur Verfügung stehende Mittel ist.
Beim ius in bello kommen natürlich andere Kriterien zum tragen. Halten sich die kriegführenden Parteien an die internationalen Vereinbahrungen zu Waffenverboten? Gewährleisten sie ihr möglichstes, um die Immunität der Zivilbevölkerung aufrecht zu erhalten? Wahren sie das Kriegsgefangenerecht und führen keinerlei Vergeltungsmaßnahmen durch. Und – wie auch im ius ad bellum – sind ihre Aktionen von einer Verhältnismäßigkeit ggü. den Aktionen ihrer Gegner geprägt? Walzer’s Hauptkriterium ist hier die absolute Respektierung der Immunität der Zivilisten.
Das letzte der drei Kriterien ist indes das ius post bellum, das Recht nach dem Krieg. Gelten noch die gleichen, gerechten Gründe für den Krieg? Wird – von beiden Seiten – begangenes Unrecht bestraft und das Recht wieder hergestellt, und findet dies in aller Offenheit statt? Steht die Behandlung des besiegten Staates in einem sinnvollen Verhältnis zu den Akten der Aggression, die zum Kriegsausbruch geführt haben? Wird die staatliche Gemeinschaft im Einklang mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker wieder hergestellt? Walzer’s primärer Sorge gilt hier der Errichtung einer gerechten Nachkriegsordnung (auch über den Willen des Besiegten hinweg).
Das sind in etwa die Grundprinzipien der Theorie. Es ist schwer, stärker ins Detail zu gehen, da Walzer’s Buch “Just and Unjust Wars” in der deutschen Übersetzung die 400-Seiten Marke bricht, deswegen werde ich mein eigenes Fazit anhängen. Wenn trotzdem Fragen bestehen: ich tue mein Bestes, sie zu beantworten.
Mein Problem mit Michael Walzer’s Theorie des gerechten Krieges ist, dass sie meiner Meinung nach den Anforderungen des zeitgenössischen Kriegsgeschehens nicht mehr gerecht wird, und zu oft die Moral der Handlung über die Moral des Zieles stellt.
Kann Unmoral nicht auch gerechtfertigt sein, wenn sie zu einem moralischen Ergebnis führt? Walzer zeigt dies selbst unwissentlich in „Gibt es den gerechten Krieg“ auf, indem er das Beispiel mit General Sherman und Atlanta bringt, dessen Zerstörung für Walzer ein Verbrechen darstellt. Und dennoch war es gerade dieser Akt der Zerstörung gepaart mit dem Marsch durch Georgia, die zu einem schnellen Ende des zu diesem Zeitpunkt schon 4 Jahre dauernden Bürgerkrieges führte, indem er den Konföderierten die Versorgungsgrundlage entzog. Vor der Zerstörung Atlantas waren die Truppen der Konföderierten nicht entscheidend geschlagen – nach der Zerstörung dauerte der Krieg nur noch wenige Monate. Kann es nicht auch „moralisch“ sein, das Verbrechen (hier die Zerstörung Atlantas) zu begehen, wenn man dadurch den Tod Hunderttausender verhindern kann? Walzer sagt nein. Ähnlich sieht es mit dem Kampf gegen Terroristen und Aufständische aus: wenn diese substanzielle Unterstützung durch die Bevölkerung erhalten, sollte der Krieg beendet werden. Und doch negiert die Theorie des gerechten Krieges die Folgen, die aus einem solchen Rückzug entstehen können, Folgen, die zu weitaus größerem Unrecht führen können als dies ein Bruch der Regeln des ius in bello vielleicht wäre, denn der Anschein von Schwäche lockt Aggression an: Als die USA sich aus Somalia zurückzogen, bemerkte Osama bin Laden, dass wenn Menschen ein starkes und ein schwaches Pferd sähen, würden sie sich natürlich für das starke entscheiden. Der Abzug der USA mochte zwar dem Willen vieler Somalis entsprochen haben, er öffnete jedoch Anschlägen Tür und Tor, die das Leben Tausender beenden würden. Die Theorie funktioniert empirisch gut bei der Auseinandersetzung zwischen Staaten. Bei der asymmetrischen Kriegsführung indes werden ihre Schwächen deutlich. Bei der Beurteilung von Folgen greift die Theorie des gerechten Krieges deswegen meiner Meinung zu kurz, und wirft deshalb für die Fragen auf: Was, wenn Regelkonformität jetzt zu einem noch größeren Regelbruch später führt? Was, wenn ein Regelbruch jetzt zu einem weitaus besseren und schnelleren Ende des Krieges und damit zu einer Begrenzung der Opferzahlen insgesamt führt? Die Theorie des gerechten Krieges spricht sich wahrscheinlich gegen diese Regelbrüche aus – aber ist das noch den veränderten Gegebenheiten angepasst?
Kein Land kann es sich langfristig leisten, einfach vor Konflikten davonzurennen. Somalia war hier das Fanal für das Ende der unangetasteten Vormachtstellung der USA, keine 5 Jahre nach dem Ende des kalten Krieges. Es liegt in der Natur der modernen “liberalen” Demokratien oberflächlich zu sein. Auch deswegen hat sich die Theorie des gerechten Krieges so machtvoll aus ihrem Dornröschenschlaf nach dem 2. Weltkrieg erhoben. Der gute Schein ist wichtiger als substanzielle Erfolge. Es gibt natürlich auch andere Gründe, die zum Versagen der westlichen Streitkräfte beitragen. Ideologisch ist die Theorie des gerechten Krieges aber ganz weit vorne mit dabei.
Kommentar von tape
4. September 2007 @ 22:04
ich habe auch nicht angeclickt, ehrlich.
Grüße
tape
Kommentar von Eisvogel
5. September 2007 @ 19:48
Vielen Dank für die Mühe, wired. Das ist hochinteressant. Man lernt nie aus.
Mir ist auch aufgefallen, dass ein etwas merkwürdiges Verhältnis zum Krieg aufgekommen ist. Ich bin der Ansicht, man muss ihn so gut wie irgendwie möglich vermeiden. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann muss man ihn führen. Und dann muss man sich bewusst machen, dass man ihn gegen einen Feind führt. Und dass es keine Polizeiaktion gegen Kriminelle ist sondern etwas sehr Hässliches. Wenn man das nicht will, muss man’s lassen.
Ich habe den Eindruck, dass die eigenen Soldaten (und sogar die eigenen Zivilisten wie bei den Ingenieuren) als erschreckend wenig wert eingeschätzt werden.
Dass eine Ideologie dahintersteckt, habe ich nicht gewusst. Danke dass Du darauf hingewiesen hast.
Kommentar von Wired
5. September 2007 @ 19:55
Das Widerliche ist, dass Anhänger der Theorie darauf bestehen, dass eigene Soldaten jedes nur erdenkliche Risiko auf sich nehmen sollen, um Zivilisten der Gegenseite zu schützen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: unsere Soldaten sollen sich bewusst in unnötige Gefahr bringen, um Menschen zu schützen, aus denen sich nicht nur der Feind rekrutiert, sondern die den Feind moralisch und materiell unterstützen!