Islam, die Griechen und die wissenschaftliche Revolution - Teil 2

von Eisvogel um 15:59 am 21. Oktober 2007


Orignial vom 27. September 2007: Islam, the Greeks and the Scientific Revolution - Part 2

Gemäß der Gelehrten Lynda Shaffer “führte Francis Bacon (1561-1626), ein früher Verfechter der empirischen Methode, auf der die wissenschaftliche Revolution basierte, den rasanten Aufstieg Europas während der frühen Neuzeit speziell auf drei Dinge zurück: Buchdruck, Kompass und Schießpulver. Bacon hatte keine Ahnung, woher diese Dinge kamen, aber heute wissen Historiker, dass alle drei in China erfunden wurden. Da China im Gegensatz zu Europa diesen rasanten Aufstieg auf dem Pfad von der wissenschaftlichen zur industriellen Revolution nicht erlebt hat, fragen sich einige Historiker heute, warum diese Erfindungen in Europa so revolutionär waren und in China ganz offenbar nicht.”

Die Song-Dynastie, die vom 10. bis zum 13. Jahrhundert andauerte, war wohl die dynamischste Periode in der chinesischen Geschichte. Obwohl der Buchdruck “von buddhistischen Möchen in China erfunden wurde und zuerst dem Buddhismus zu Gute kam, stellten die Buchdruckereien ab der Mitte des 10. Jahrhunderts unzählige Kopien des konfuzianischen Korpus [Textsammlung] her.”

Nach Shaffer “kann der Ursprung des Systems der staatlichen Beamtenprüfungen bis zur Han-Dynastie zurückverfolgt werden, aber in der Song-Dynastie wurden von der Regierung durchgeführte Beamtenprüfungen zum wichtigsten Weg zu politischer Macht in China. Fast tausend Jahre lang (ausgenommen die Zeit der Mongolenherrschaft) wurde China von Männern regiert, die an die Macht gekommen waren, weil sie sich in Beamtenprüfungen über den neokonfuzianischen Kanon hervorgetan hatten. Bei jeder dieser Gelegenheiten lernten Tausende von Studenten für diese Beamtenprüfungen und es wurdend dafür Tausende von preiswerten Büchern benötigt Ohne Buchdruck wäre ein solches System nicht möglich gewesen.”

Wie sie erläutert, “entwicklete China die größte und technisch am höchsten entwickelte Handels- und Kriegsmarine der Welt.” Die Chinesen “hätten die beschwerliche Reise um die Südspitze Afrikas auf sich nehmen und in portugiesische Häfen segeln können, sie hatten jedoch keinen Grund, das zu tun. Obwohl die westeuropäische Wirtschaft blühte, bot sie nichts, was China nicht auch wesentlich näher der Heimat und zu wesentlich geringeren Kosten erwerben konnte.”

Im Gegensatz dazu versuchten die Portugiesen, die Spanier und andere Europäer, die Gewürzinseln, das heutige Indonesien, zu erreichen. “Es war der Gewürzmarkt, der Columbus von Spanien aus westwärts lockte und Vasco da Gama um Afrika herum in den indischen Ozean zog.” Nach Shaffers Ansicht hatten Erfindungen wie Schießpulver und Kompass auf China einen anderen Einfluss als auf Europa und es ist “unfair zu fragen, warum die Chinesen nicht zufällig über die westliche Hemisphäre (Amerika) stolperten, während sie auf der Suche nach dem Wollemarkt Spaniens nach Osten segelten.”

Ja, Asien war in jenen Zeiten die blühendste Weltgegend. Die Europäer traten in ihr Zeitalter der Forschungsreisen exakt aus dem Grund ein, um die reichen Länder Asiens zu erreichen (und dabei islamische Mittelsmänner zu umgehen). Das ist der Grund, aus dem Christoph Columbus und seine Männer irrtümlich annahmen, sie wären in Indien gelandet, als sie Amerika erreichten. Die Asiaten hatten kein vergleichbares Bedürfnis, Europa zu erreichen. Aber das erklärt immer noch nicht, warum die Chinesen nicht in die letzte und entscheidende Phase der industriellen Revolution eintraten, wie es der Westen tat: Die Nutzbarmachung der Dampfmaschine und den Gebrauch fossiler Brennstoffe, um stärkere und effizientere Maschinen, schnellere Schiffe und schließlich Eisenbahnen, Autos und Flugzeuge zu bauen.

Buchdruck und Alphabetisierung verbreiteten sich massiv während der Song-Dynastie, das erste gedruckte Papiergeld (Banknoten) wurde eingeführt, ein Kanalisationssystem und Straßen wurden gebaut, und all das schuf die Voraussetzungen für ein beispielloses Bevölkerungswachstum. Eisenherstellung und der Gebrauch von Kohle vervielfachte sich mehrmals, als China ein Stadium erreichte, das manchmal als “proto-industriell” bezeichnet wird. Und doch brachte China keinen Thomas Savery, keinen Thomas Newcomen und keinen James Watt hervor, die erfolgreiche Dampfmaschinen entwickelten, sowie auch keinen George Stephenson, der Eisenbahnlinien baute und auch keinen Karl Benz, der das erste benzinbetriebene Auto konstruierte. Obwohl in vielen Ländern rund um den Globus Experimente mit Fliegerei gemacht wurden, war das Flugzeug nur durch die Erfindung moderner Maschinen möglich, und das ist der Grund dafür, dass China die Wright-Brüder nicht hervorbrachte.

Tausende von Jahren waren Menschen dadurch beschränkt, dass sie nur Muskelkraft von Menschen und Tieren einsetzen konnten. Später wurde das mit Windmühlen, Wassermühlen und ähnlichen Erfindungen erweitert, die wichtig sein konnten, allerdings nur in begrenztem Ausmaß. Der Einsatz von Dampfkraft für Motoren und Maschinen war eine Revolution, welche die Grundlage für enorme Verbesserungen bezüglich Ertrag und Effizienz legte. Aus irgendwelchen Gründen ging China diesen letzten Schritt nie, und obwohl das Land über Jahrhunderte hinweg blühte, kamen spätere Dynastien niemals wieder ganz an die Dynamik unter der Song-Dynastie heran. Die Betonung wurde auf kulturelle Kontinuität gelegt, und China erlebte keine kulturelle Flutwelle oder irgendein anderes Ereignis, das der Renaissance, der Reformation oder der Aufklärung in Europa vergleichbar wäre. China sah sich selber als Reich der Mitte. Es hatte ein paar lästige Barbaren an seinen Grenzen, aber keine unmittelbaren Nachbarn, die als Rivalen für seine Größe und Macht zählen konnten, und somit wenig Anreiz für Neuerungen. Das Ergebnis war eine relative (wenn auch nicht unbedingt absolute) wissenschaftliche Stagnation. China konnte es sich leisten, selbstzufrieden zu werden und das geschah auch. Im Gegensatz dazu hatten die Europäer, die in zahlreiche kleinere Staaten aufgespalten waren und in ständiger Rivalität untereinander standen, anstatt einen großen vereinten Staat zu bilden, stärkere Anreize für Erfindungen, einschließlich Waffentechnologie.

Die mongolische Invasion, die das Ende der Song-Dynastie besiegelte, wird manchmal für den Antriebsverlust verantwortlich gemacht. Nach der Eroberung Pekings im Jahr 1215 war der Boden monatelang von menschlichem Blut getränkt. Nach Dschingis Khan “ist es die größte Wonne, seine Feinde zu bezwingen und vor sich her zu jagen, sie ihres Wohlstands zu berauben und diejenigen, die sie lieben, tränenüberströmt zu sehen, ihre Pferde zu reiten und ihre Frauen und Töchter in die Arme zu schließen.” Er glaubte daran, dass man praktizieren muss, was man predigt. DNS-Untersuchungen haben ergeben, dass er möglicherweise 16 Millionen heute lebende Nachkommen hat.

Die Mongolen waren für ihre Brutalität berüchtigt, aber sie hatten eine ganz besondere Abneigung gegen Moslems. Hulagu Khan war der Anführer der Mongolenkrieger, als sie im Jahr 1258 Bagdad vollkommen zerstörten, und damit dem, was vom Abbasidenkalifat noch übrig war, ein Ende setzten. Die christliche Gemeinschaft wurde weitgehend verschont, was angeblich der Fürsprache von Hulagus christlich nestorianischer Ehefrau zu verdanken ist.

Die Ironie dabei ist, dass viele Mongolen bald darauf den Islam als ihren bevorzugten Glauben annahmen. Möglicherweise war die kriegerische Natur dieser Religion reizvoll für sie. Es ist durchaus möglich, Mohammed und Dschingis Khan zu vergleichen. Temüjin, der sich den Titel Khan zulegte, als er im Jahr 1206 das Mongolenreich gründete, glaubte, dass er den göttlichen Auftrag habe, die Welt zu erobern, und er baute eine eindrucksvolle Militärmacht durch nichts weiter auf als dadurch, dass er zerstreute Stämme vereinigte und ihre aggressiven Energien nach außen lenkte. Er schuf eine mongolische Nation, wo es zuvor keine Nation gegeben hatte, ähnlich dem, was Mohammed mit den Arabern machte. Der Unterschied ist, dass die Mongolen keine eigene Religion in ihrem Imperium gründeten, die ihre Herrschaft überdauerte. Wir sollten dafür wahrscheinlich dankbar sein, denn sonst würde die Organisation der Mongolischen Konferenz heute den größten Stimmenblock in den Vereinten Nationen darstellen, in unseren Schulen würden wir über die glanzvolle mongolische Wissenschaft und Toleranz belehrt und unsere Medien würden uns ständig vor den Gefahren der Dschingisophobie warnen.

In Europa haben die mongolischen Eroberungen in der Ukraine und Russland den dauerhaftesten Einfluss hinterlassen. Die Stadt Kiew würde verwüstet, während von Moskau aus langsam ein neuer russischer Staat wuchs. Iwan der Große expandierte den russischen Staat im 15. Jahrhundert und schüttelte das tatarische Joch ab, wie die zwischenzeitlich islamisierten Turkmongolen der Goldenen Horde genannt wurden. Die Mongolen fielen in Osteuropa ein und griffen im Lauf weniger Jahre Ungarn, Polen, Litauen, Bulgarien und Serbien an. 1241 waren sie sogar bis nach Wien vorgedrungen, als der Große Khan überraschend starb und die Heerführer umkehren mussten, um einen neuen Anführer zu wählen.

Der Schwarze Tod, die große eurasische Pestpandemie verbreitete sich entlang der Seidenstraße durch das Mongolenreich und erreichte das Mittelmeer und den Nahen Osten in den 1340er Jahren. Die Seuche, die mindestens ein Drittel der Bevölkerung tötete, in manchen Gebieten sogar mehr als 70%, erreichte Europa vermutlich, nachdem die Goldene Horde biologische Kriegsführung während einer Belagerung des Schwarzmeerhafens Caffa anwandte und pestinfizierte Leichen in die Stadt katapultierte. Sie wurde dann von den fliehenden genuesischen Händlern in den europäischen Kontinent getragen. Die Mongolen sind in Westeuropa zwar nicht eingefallen, aber zumindest haben sie uns die Pest gebracht.

Viele Historiker messen den mongolischen Eroberungen im großen historischen Zusammenhang große Bedeutung zu. Sie hatten gewiss einen zerstörerischen Einfluss, und die Spur der Verwüstung, die sie hinter sich ließen, entvölkerte ganze Regionen von China über Korea, Iran und Irak bis nach Osteuropa. Sie setzte der dynamischen Song-Dynastie ein Ende, allerdings gab es auch schon vor der mongolischen Eroberung nur wenige Anzeichen dafür, dass eine Entwicklung hin zum Maschinenzeitalter in China stattfinden würde. Japan, das stets viel von China gelernt hat, blieb unversehrt. Eine Reihe von Taifunen, die von den Japanern Kamikaze oder “göttlicher Wind” genannt werden, retteten das Land 1274 und 1281 vor der mongolischen Flotte, aber sie entwickelten auch keine vollentwickelte Industrie, bevor sie während der Meiji-Restauration im späten 19. Jahrhundert das westliche Modell übernahmen.

Darüber hinaus sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, dass die Westeuropäer, auch wenn sie von den Mongolen verschont geblieben waren, in der jüngeren Vergangenheit Jahrhunderte der politischen Zerrüttung und des Bevölkerugnsrückganges durchlebten, und zwar länger als in jeder Periode der mehrere Jahrtausende dauernden chinesischen Geschichte. Europa sah sich auch einem wesentlich länger andauernden Angriff des Islam gegenüber. Der belgische Gelehrte Henri Pirenne vertrat in seiner Arbeit Mohammed und Karl der Große die Behauptung, dass der maßgebliche Bruch zwischen der klassischen Welt und dem Mittelalter im Westen nicht der Fall des Römischen Reiches war, welcher der Teilung im Jahr 395 folgte, sondern die islamischen Eroberungen im 7. Jahrhundert.

Nach Pirennes Ansicht war Westeuropa, obwohl germanische Stämme den Zusammenbruch des (Weströmischen) Reiches im 5. Jahrhundert verursachten, nicht vollkommen vom Oströmischen Reich abgeschnitten. Das Mittelmeer, das Mare Nostrum oder “Unser Meer”, wie die Römer es nannten, war immer noch ein christlicher Binnensee. Das änderte sich entscheidend während des 7. Jahrhunderts, als Nordafrika und die iberische Halbinsel unter islamische Herrschaft fielen. Obwohl die arabischen Eroberer von den Streitkräften Karl Martells 732 in der Schlacht von Tours in Frankreich, die vermutlich die wichtigste Schlacht in der westlichen Geschichte ist, aufgehalten wurden, dauerten die islamischen Attacken über weitere Jahrhunderte hinweg an, weil der Dschihad eine permanente Verpflichtung ist und in regelmäßigen Intervallen ausgetragen werden sollte. Dschihad-Piraterie, Sklavenhandel und Beutezüge quer über das Mittelmeer, begleitet von Vorstößen ins Binnenland, telweise sogar bis in die Schweizer Alpen hinein, erschwerten die normale Kommunikation zwischen dem christlichen Westen und dem christlichen Osten erheblich. Tatsächlich blieben die Dschihad-Piraterie und die Sklaverei, die von Nordafrika ausgingen, mehr als tausend Jahre lang sogar bis ins 19. Jahrhundert hinein eine ernsthafte Bedrohung für Europäer. Wie der Historiker Ibn Khaldun, ein frommer Moslem und damit antichristlich, verkündete: “Die Christen konnten im Meer kein Floß mehr zu Wasser lassen.”

Auf den Westen traf das zweifellos zu, allerdings hielten die Byzantiner ihre Stellung in der Ägäis immer noch. Das Oströmische Reich wurden von arabischen Moslems bereits in den 630er Jahren angegriffen und verlor in schneller Folge Syrien, Palästina und Ägypten, schaffte es aber, zu überleben. Nur einige Jahre zuvor war die offizielle Sprache von Latein zu Griechisch geändert worden. Es hat sich eingebürgert, den kleiner gewordenen und hellenisierten Staat als das Byzantinerreich zu bezeichnen.

Das Karolingerreich, dessen Namen auf Karl Martell (Carolus auf lateinisch) zurückgeht, war “das Gerüst des Mittelalters.” Obwohl es nicht lange überdauerte, formten die Strukturen, die Karl Martell und sein Enkel Karl der Große einführten, Westeuropa über Jahrhunderte hinweg. Während die Zivilisation Europas bis dahin ihren Mittelpunkt am Mittelmeer hatte, verlagerte sich jetzt das Machtzentrum auf die Nordseite der Alpen. Die Hauptstadt des Karolingerreiches war Aachen im heutigen Deutschland, weil Moslems den Zugang zum Meer erschwerten. Karl der Große wurde im Jahr 800 von Papst Leo III im Petersdom zum Kaiser gekrönt, aber bereits im Jahr 846 plünderten die Moslems Rom und stahlen alles Silber und Gold aus dem Petersdom. Die Araber besetzten auch mehrere Jahrhunderte lang Sizilien und griffen Neapel, Capua, Kalabrien und Sardinien wiederholt an. Pirenne weiter: “Die Küste entlang des Golfs von Lyon und hin bis zur Tibermündung, von Krieg und Piraten verwüstet, gegen die die Christen, die keine Flotte hatten, machtlos waren, war jetzt nur noch eine Einöde und Beute für die Piraten. Die Häfen und Städte waren verlassen. Die Verbindung zum Osten war unterbrochen, und mit der sarazenischen (islamischen) Küste gab es keinerlei Kommunikation. Es gab nichts außer Tod. Das Karolingerreich war das krasse Gegenteil des Byzantinerreichs. Es war eine reine Inlandsmacht, denn es hatte keinen Zugang zum Meer. Die Mittelmeerterritorien, die zuvor die aktivsten Teile des Reiches gewesen waren und auf deren Schultern das Leben des Ganzen geruht hatte, waren jetzt die ärmsten, die desolatesten, diejenigen, die ständig bedroht waren. Zum ersten Mal in der Geschichte verlagerte sich die Achse der abendländischen Zivilisation gen Norden und verblieb über viele Jahrhunderte hinweg zwischen Seine und Rhein. Und die germanischen Völker, die bislang nur die negative Rolle der Zerstörer gespielt hatten, waren nun aufgerufen, positiv zum Wiederaufbau der europäischen Zivilisation beizutragen.”

Pirennes These wird schon seit Generationen diskutiert, und seit er sie in den 1930er Jahren veröffentlicht hatte, wurde neues archäologisches Beweismaterial entdeckt. Ich persönlich denke, dass er das Ausmaß, in dem die Zivilisation nach den germanischen Überfällen zusammenbrach, unterschätzt, aber dass er Recht damit hat, dass das Mittelmeer danach immer noch offen war und Kommunikation ermöglichte, und dass sich dies nach den arabischen Eroberungen dramatisch änderte. Doch obwohl in diesem Zeitraum die Kontakte zwischen Byzanz und Westeuropa eingeschränkt waren, sollten wir uns daran erinnern, dass sie niemals gleich null waren. Funde aus Wikingergräbern weisen darauf hin, dass es selbst zu jener Zeit Handelsbeziehungen zwischen der Ostee und Konstantinopel gab, aber der Handel hatte sich im Vergleich zu früheren Zeiten drastisch verringert.

Der Grund, aus dem der christliche Westen Jahrhunderte lang keinen leichten Zugriff auf die klassischen Lehren des christlichen Ostens hatte, war der, dass die Moslems und der Dschihad das Mittelmeer unsicher machten. Es ist der Gipfel der Absurdität, den Zugriff auf etwas zu blockieren und dann für sich in Anspruch zu nehmen, man habe es überliefert, und doch tun die Araber genau das. Als im Westen langsam stärkere Staaten aufkamen, wurde der Kontakt mit den östlichen Cousins schrittweise wieder aufgebaut, ausgehend von den Stadtstaaten Italiens. Und sobald der direkte Kontakt aufgebaut war, erlangten die Westeuropäer Zugriff auf die Originale der griechisch-römischen Schriften, die in Konstantinopel aufbewahrt worden waren. Sie hatten es nicht nötig, sich auf die begrenzten Übersetzungen aus dem Arabischen zu verlassen, die ohnehin von denselben byzantinischen Manuskripten angefertigt worden waren, und zwar häufig von Christen. Darüber hinaus haben Moslems mehr als tausend Jahre darauf verwendet, systematisch die griechische Kultur in der Mittelmeerregion auszulöschen, ein Prozess, der in Zypern noch bis ins 21. Jahrhundert andauert, wodurch es offenkundig lächerlich ist, wenn sie heute damit prahlen, wie viel wir ihnen dafür verdanken, dass sie “das griechische Erbe bewahrt” haben. Die Leistung der Araber wird meiner Ansicht nach gleichermaßen überschätzt wie die des Byzantinerreiches unterschätzt wird.

Johannes Argyropoulos, der 1415 in Konstantinopel geboren wurde und 1487 in Italien starb, war ein byzantinischer Experte für griechische Geschichte, der eine wichtige Rolle beim Wiederaufleben der klassischen Lehre im Westen spielte. Er lehrte an den Universitäten von Florenz und Rom. Unter seinen Studenten war Lorenzo der Prächtige aus der einflussreichen Familie der Medici, die Leonardo da Vinci, Michelangelo und anderen förderten. Sandro Botticelli arbeitete unter dem Mäzenat der Medicis, als er 1480 Die Geburt der Venus malte. Durch die Mythologie der Griechen und Römer inspirierte heidnische Motive waren in jener Zeit in weiten Kreisen populär. Allem Anschein nach besuchte auch Leonardo da Vinci die Vorlesungen von Argyropoulos. Das Universalgenie interessierte sich leidenschaftlich für die klassische Lehre, möglicherweise ganz besonders bezüglich Wissenschaft und mechanischer Ingenieurskunst, ein Gebiet, auf dem er zahllose Erfindungen machte. Er war mit Sicherheit vertraut mit den Zehn Büchern über Architektur des römischen Ingenieurs Vituvius, dem einzigen großen Hauptwerk über Architektur und Technologie, das aus der griechisch-römischen Welt überlebt hat, und das auch eine lebensnotwendige Inspiration für die Architekten der Renaissance Brunelleschi and Alberti war. Leonardos berühmte Zeichnung Der vitruvianische Mensch wurde von den Schriften des Vitruvius über Architektur und deren Beziehung zu den Proportionen des menschlichen Körpers inspiriert.

In den Worten von Deno Geanakoplos, Professor für byzantinische Geschichte “wissen wir, dass bis zum 9. Jahrhundert der Schutzheilige Venedigs nicht Markus war sondern der Grieche Theodor und dass der Doge im 11. Jahrhundert byzantinische Handwerker anforderte, um die Markuskirche zu verschönern und möglicherweise sogar vollständig zu erbauen. Die Kontakte zwischen Venedig und Byzanz weiteten sich im 12. Jahrhundert aufgrund der großen venezianischen Handelsniederlassung in Konstantinopel aus.” Diese Kontakte dauerten das ganze Hochmittelalter hindurch bis in die Renaissance hinein an und “in dem runden halben Jahrhundert vor dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 gab es einen stetig anwachsenden Flüchtlingsstrom von Osten nach Westen. Venedig, als Herrscher über wichtige Gebiete im griechischen Osten, insbesondere über die Insel Kreta, und als der wichtigste Entladehafen Italiens, nahm den Großteil dieser Flüchtlinge auf. Dieser Flüchtlingsstrom nahm nach 1453 rasant zu.”

Er hebt hervor, dass es ein Irrtum ist, zu glauben, dass nach dem Fall Konstantinopels alle griechischen Texte heraus gerettet worden waren. Die meisten Flüchtlinge, die vor dem türkischen Dschihad flohen, konnten nur wenige Besitztümer mit sich nehmen. Der Prozess der Übermittlung klassischen griechischen Wissens in den Westen zog sich über Generationen, ja sogar Jahrhunderte, hin, und wurde schließlich massiv durch die Druckerpresse mit beweglichen Lettern gestützt, die Johannes Gutenberg 1450 in Mainz, Deutschland, einführte.

Es war ein großer und wichtiger historischer Glücksfall - ein religiöser Mensch würde wahrscheinlich sagen, dass es göttliche Fügung war - dass der Buchdruck in Europa exakt zu dem Zeitpunkt neu erfunden wurde, als das letzte Überbleibsel des alten Römischen Reiches an die Moslems fiel. Die Texte die von den Byzantinern tausend Jahre lang nach dem Niedergang Roms bewahrt worden waren, konnten jetzt für immer gerettet werden anstatt still und leise für immer zu verschwinden. Das stellte sicher, dass die Renaissance einen dauerhaften Einfluss griechisch-römischen Wissens auf westliches Gedankengut hatte und nicht nur einen vorübergehenden.

Die Historikerin Elizabeth L. Eisenstein schreibt in ihrem gefeierten Buch The Printing Press as an Agent of Change: “Die Ausgaben der Klassiker, Wörterbücher, Grammatiken und Literaturführer, die von den Druckereien hergestellt wurden, ermöglichten die Aneignung beispielloser Meisterlichkeit in alexandrinischer Gelehrsamkeit und sogar die Grundsteinlegung für eine neue Art dauerhafter griechischer Wiedergeburt im Westen (…) Wir neigen heute dazu, es als Selbstverständlichkeit anzusehen, dass das Studium der alten Griechen weiterblühte, nachdem die Zentren der wichtigsten griechischen Manuskripte in fremde Hände gefallen waren, und versäumen es daher, zu schätzen, wie bemerkenswert es war, dass Homer und Plato nicht erneut begraben wurden sondern im Gegenteil für immer exhumiert worden waren. Wenn die osmanischen Vorstöße vor der Erfindung des Buchdrucks stattgefunden hätten, wäre das mit Sicherheit eine Katastrophe gewesen. In der näheren Umgebung verstreute Texte und Gelehrte hätten vielleicht das Studium der alten Griechen etwas verlängert, aber nur vorübergehend.”

Nach Deno Geanakoplos “konnte im späten 15. Jahrhundert nur eine Stadt in Italien - Vendig - all die komplexen Voraussetzungen für eine griechische Druckerpresse erfüllen. Venedig besaß eine Klasse, die reich genug für den Kauf gedruckter Klassiker war und auch Müßiggang genug hatte, sie zu lesen. Venedig war dem Druck des Papstes weniger ausgesetzt als andere italienische Städte. Wichtig in den Augen des [Druckers] Aldus muss auch gewesen sein, dass die Venezianer aus der Hinterlassenschaft von Bessarion im Besitz einer wertvollen Sammlung griechischer Schriften waren - Manuskripte, die ihm als Vorbilder für seine Drucke dienen konnten. Und kaum weniger bedeutsam muss für ihn die Anwesenheit einer großen und lebhaften griechischen Gemeinde gewesen sein (…) Als Aldus im Jahr 1515 starb, hatte seine Druckerpresse der Welt praktisch alle wichtigen griechischen Autoren der klassischen Antike gegeben.”

Der Historiker Bernard Lewis schreibt in seinem Buch What Went Wrong?: “In der großen Bibliographie der Schriften, die im Mittelalter aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt wurden, finden wir keine Poeten, keine Dramatiker, ja nicht einmal Historiker. Diese waren nicht nützlich und stießen daher nicht auf Interesse, sie passten nicht in die Übersetzungsprogramme. Das war ganz klar eine kulturelle Ausmusterung: man nimmt von den Ungläubigen, was nützlich ist; aber man muss sich ihre absurden Ideen nicht anschauen oder versuchen, ihre minderwertige Literatur zu verstehen oder ihre bedeutungslose Geschichte zu studieren.”

Moslems, die Übersetzungen aus dem Griechischen oder aus anderen nicht-islamischen Werken wünschten, waren in erster Linie an Themen wie Medizin, Astronomie, Mathematik und Philosophie interessiert. Wie Lewis sagt, ignorierten sie normalerweise Stückeschreiber und Dramatiker wie Sophokles und Euklid, Historiker wie Thucydides und Herodot und Dichter wie Homer. Dieser ganze Bereich der Literatur konnte nur durch die griechischen Originale gerettet werden, die in Konstantinopel aufbewahrt worden waren. Darüber hinaus gingen die Moslems nicht nur sehr selektiv bezüglich griechischer Werke vor, sondern zeigten auch nur wenig Interesse an lateinischen Autoren wie zum Beispiel Cicero. Es gab somit ein sehr weites Feld griechisch-römischer Lehren und wertvoller Literatur, die niemals auf arabisch vorlagen.

Es ist richtig, dass eine Reihe griechischer Werke ins Arabische übersetzt wurden, insbesondere im 9. Jahrhundert, als eine Gruppe von Moslems, die sogenannten Mutaziliten, ohne dauerhaften Erfolg versuchten, den Islam mit der Logik auszusöhnen. Ibn Warraq schreibt über sie:

“Es ist jedoch heute klar, dass die Mutaziliten in erster Linie und vor allem Moslems waren, die im Dunstkreis islamischer Ideen lebten und von religiösen Belangen motiviert waren. Es gab keine Anzeichen eines vollkommen freien Denkens oder ein Streben - wie [der ungarische Orientalist] Goldziher es ausdrückt - ‘ die scheuernden Fesseln abzulegen und der orthodoxen Weltsicht Schaden zuzufügen’. Außerdem, weit davon entfernt, Liberale zu sein, stellten sie sich als überaus intolerant heraus und waren an der Minha, der islamischen Inquisition unter den Abbasiden beteiligt. Dennoch haben die Mutaziliten durchaus ihre Bedeutung, da sie die griechischen philosophischen Ideen in die Diskussion der islamischen Dogmen einführten.”

Gemäß dem Schriftsteller Patrick Poole “entwickelte sich die rationale Tradition des westlichen Christentums im Mittelalter ganz allgemein als Folge der unverblümten Ablehnung des Irrationalismus, welcher der islamischen Philosophie innewohnt, und nicht aus dessen Annahme mit offenen Armen”. Seinen Ausführungen nach “begann sich unter der Interpreationsschule der Mutaliziten eine rationalistische Philosphie zu entwickeln, die sich für einen geschaffenen Koran im Gegensatz zu dem unerschaffenen aussprach. Aber Kalif al-Mutawakkil [Herrschaft von 847-861] verdammte die Mutalizitische Schule, was die Tür für die rivalisierende Asharitische Interpretation, die von al-Ash’ari (+935) gegründet wurde, öffnete, schließlich die Vorherrschaft im sunnitischen Islam zu übernehmen. Der Rationalismus fand sich auch aufgrund der Sichtweise Allahs als unberechenbare und launenhafte Gottheit in einer ungleichen Schlacht wieder. Denn “nur Allah handelt wirklich effektiv; alle scheinbar natürlichen Beobachtungen der Ursachenforschung sind lediglich Manifestationen von Allahs Gepflogenheiten, denn Allah erschafft nach seinem freien Ermessen im selben Augenblick sowohl Ursache als auch Wirkung. Diese Sichtweise wird am deutlichsten von Al Ghazali (1059-1111) in dessen Buch The Incoherence of the Philosophers ausgedrückt, den [Tariq] Ramadan zitiert.”

Der Koran ist, strukturell gesehen, zutiefst zusammenhanglos und für den Durchschnittsleser fast unverständlich. In einem Vers wird etwas gesagt und der nächste Vers widerspricht dem. Die Vorstellung, dass Allah dem Verständnis nicht zugänglich ist und keinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung liefert, hat einen folgenschweren Einfluss auf die empirischen Wissenschaften in der islamischen Welt. Im Gegensatz dazu hat Gott aus der Sicht von Juden und Christen das Universum im Einklang mit einer gewissen Logik erschaffen, die beschrieben und vorhergesagt werden kann. Kepler glaubte fest daran, dass das Sonnensystem nach Gottes Plan erschaffen wurde, den er zu entschlüsseln suchte. Sir Isaac Newton war leidenschaftlich an Religion interessiert und schrieb ausgiebig darüber. Sogar Albert Einstein, der sicher kein orthodoxer, religiöser Jude war, bewahrte sich immer noch einige Überreste der Vorstellung, dass das Universum anhand einer Logik erschaffen worden war, die zu einem gewissen Ausmaß auch der menschlichen Vernunft begreifbar und zugänglich ist: “Ich glaube an Spinozas Gott, Der Sich in der gesetzmäßigen Harmonie der Welt offenbart, nicht an einen Gott, Der Sich mit dem Schicksal und den Taten der Menschheit beschäftigt.”

Kalif al-Ma’mun (Herrschaft von 813 - 833), der von der Mutaziliten-Bewegung beeinflusst war, schuf das Haus der Weisheit, das aus Bücherei und Übersetzungsbüro bestand. Die Abbasiden-Dynastie, die ihren Mittelpunkt in Bagdad hatte und im Jahr 750 die Umayyaden-Dynastie mit Mittelpunkt in Damaskus ablöste, stand der persischen Kultur näher und war vermutlich von der sassanidischen Praxis des Übersetzens großer Werke und der Schaffung großartiger Bibliotheken beeinflusst. Alkindus (Al-Kindi) wurde dazu ernannt, an der Aufgabe mitzuwirken. Philosophische und wissenschaftliche Texte wurden aus persischen und indischen (Sanskrit) Quellen, vor allem aber aus griechischen Quellen, ins Arabische übersetzt. Es wurden große Anstrengungen unternommen, wichtige griechische Werke und Manuskripte von den Byzantinern zu kaufen und zu sammeln und sie übersetzen zu lassen.

In seinem Buch How Greek Science Passed to the Arabs, schreibt De Lacy O’Leary “Das Studium des Aristoteles begann eigentlich mit Abu Yusuf Ya’qub ibn Ishaq al-Kindi (gestorben nach 873), der im allgemeinen als ‘Philosoph der Araber’ bezeichnet wird. Es ist bezeichnend, dass fast alle großen Wissenschaftler und Philosophen der Araber als Aristotelianer einzuordnen sind, deren intellektuelles Erbe auf al-Kindi und al-Farabi zurückgeht.”

Im Herzen dieser Bemühungen stand ein nestorianischer (assyrischer) Christ namens Johannitius ((Hunayn ibn Ishaq). Er hatte Griechisch studiert, während er in den Ländern Griechenlands lebte, vermutlich im Byzantinerreich, und wurde im Haus der Weisheit mit der Aufgabe des Übersetzens betraut. Schon bald hatten er, sein Sohn und sein Neffe Galens medizinische Abhandlungen auf arabisch und syrisch zur Verfügung gestellt, sowie auch die von Hippokrates und Texte von Aristoteles, Plato und anderen. In manchen Fällen hat er offenbar eine Arbeit ins Syrische übersetzt und sein Sohn Ishaq übersetzte es dann weiter ins Arabische. Alle späteren wichtigen Ärzte in der islamischen Welt, einschließlich Avicenna und Rhazes, waren von diesen Übersetzungen aus der griechischen Medizin beeinflusst.

Im Jahr 431 wurde Nestorius, ein christlicher Patriarch, wegen Häresie aus Konstantinopel vertrieben. Die so genannte Assyrische Ostkirche spaltete sich somit von der Byzantinischen Kirche ab. Ihre Anhänger fanden eine neue Heimat in der syrischsprachigen Welt und wurden vom persischen Sassanidenreich, dem Rivalen von Byzanz, willkommen geheißen. Sie brachten eine Sammlung griechischer Texte mit sich, darunter die Werke von Galen und Hippokrates. Es waren diese Texte, zusammen mit anderen Manuskripten, die später von Konstantinopel gekauft und erworben wurden, welche die Grundlage für die Übersetzungen vom Griechischen ins Arabische bildeten. Die Anhänger der Ostkirche, die im Westen üblicherweise als Nestorianer bezeichnet werden, bildeten in weiten Teilen des Irak, Iran und Zentralasien Gemeinden und genossen Respekt für ihre medizinischen Fertigkeiten.

Der Gelehrte Thomas T. Allsen schreibt: “Die Nestorianer im Osten waren eng mit dem Ärztestand verknüpft. Ein beträchtlicher Teil der syrischen medizinischen Literatur, manche davon im Oringinal und manche übersetzt, wurde in Zentralasien entdeckt. Das ist wenig überraschend, da die Ostchristen einen wichtigen und festen Bestandteil in der westasiatischen Medizin darstellten.” Die westliche Medizin in Yuan, im von Mongolen beherrschten China, die oft als “islamisch” bezeichnet wird, lag fast ausschießlich in den Händen von Nestorianern, eine Situation, die westliche Reisende erwähnenswert fanden.”

Syrisch ist ein Dialekt des Aramäischen, der Sprache Jesu. Sie war einstmals die Verkehrssprache des Nahen Ostens und unter Christen weit verbreitet, aber auch unter Arabern und auch teilweise unter Persern. Sie hatte einen beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung des Arabischen, durch das sie später in Folge der islamischen Eroberungen ersetzt wurde. Die Nabatäer, ein semitisches Volk, das mit der berühmten Felsenstadt Petra nahe dem Toten Meer im heutigen Jordanien in Verbindung gebracht wird, waren stark vom Aramäischen beeinflusst und das arabische Alphabet entwickelte sich aus ihrem Alphabet. Unorthodoxe Gelehrte behaupten gar, dass die islamische Religion selbst sich möglicherweise eher in der Nähe dieser Region an den nördlichen Rändern Arabiens entwickelt hat und nicht um Mekka in Zentralarabien.

Manche Forscher glauben, dass das Syrische, oder Syrisch-Aramäische auch die Wurzel des Korans war. Als er entstand, war das Arabische als geschriebene Sprache noch nicht voll entwickelt. Das Syrische hingegen war damals in der Region weit verbreitet. Ibn Warraq schätzt, dass bis zu 20% des Korans sogar für gebildete Araber unverständlich sind, weil Teile davon ursprünglich in einer anderen verwandten Sprache geschrieben wurden und zwar vor der Geburt Mohammeds. Ein deutscher Professor für Altsemitische und Arabische Sprachen schreibt unter dem Pseudony Christoph Luxenberg über das Thema. Wenn man Luxenberg glaubt, sind die Kapitel oder Suren des Korans, die man üblicherweise der Mekkanischen Periode zuschreibt und die am tolerantesten und gewaltlosesten sind und damit im Gegensatz zu den viel härteren und gewalttätigeren Kapiteln der Medinesischen Periode stehen, überhaupt nicht “islamisch” sondern christlich:

“In seinem Ursprung ist der Koran ein syrisch-aramäisches Liturgiebuch, mit Hymnen und Auszügen aus der Heiligen Schrift, das möglicherweise in christlichen Gottesdiensten benutzt wurde. (…). Seine soziopolitischen Teile, die in keinem besonderen Zusammenhang mit dem ursprünglichen Koran stehen, wurden später in Medina hinzugefügt. Anfänglich wurde der Koran nicht als Gründungsschrift einer neuen Religion betrachtet. Er setzt den Glauben an die Heilige Schrift voraus und fungierte somit lediglich als Mittel zum Eindringen in die arabische Gesellschaft.”

[Anm. d.Ü: Kewil hat auf Fakten & Fiktionen auch über Luxenbergs Forschung berichtet]

Monte Cassino ist ein Kloster im südlichen Italien, das im 6. Jahrhundert vom Heiligen Benedikt gegründet wurde und das im Jahr 883 die Araber bei einem ihrer zahllosen Dschihad-Überfälle auf Westeuropa plünderten und niederbrannten und die Mönche töteten. Es wurde später wieder aufgebaut und dort übersetzte der Mönch Konstantin der Afrikaner im 11. Jahrhundert die medizinischen Texte aus dem Arabischen ins Lateinische , einschließlich der von Johannitius in Bagdad angefertigten Texte von Hippokrates und Galen. Konstantin übersetzte auch die auf arabisch verfassten medizinischen Abhandlungen des ägyptischen Juden Isaac Israeli ben Solomon. Er war von Hippokrates , Galen, Aristoteles und Plato beeinflusst.

Es ist leicht, zurückzuverfolgen, wie arabische Übersetzungen griechischer Texte von byzantinischen Manuskripten, die oft von Christen angefertigt worden waren, ihren Weg vom islamischen Osten bis in den islamischen Westen auf der iberischen Halbinsel machten, wo manche von ihnen von Christen ins Lateinische rückübersetzt wurden, zum Beispiel in der mehrsprachigen Stadt Toledo in Zentralspanien. Es ist wahr, dass einige griechische Texte über das Arabische, manchmal auch noch über den Umweg des Syrischen oder Hebräischen, wieder im Westen eingeführt wurden, aber das basierte schlussendlich immer auf Manuskripten aus dem Byzantinerreich.

Die Arbeit unter der Leitung von Johannitius in Bagdad bewahrte einige von Galens Arbeiten, deren griechische Originale verlorengingen, auf Arabisch. Der griechische Arzt Galen, der im 2. vorchristlichen Jahrhundert wirkte, systematisierte das medizinische Wissen der griechisch-römischen Welt und erweiterte es mit eigener Forschung. Er beklagte sich darüber, dass er keine Sektionen an menschlichen Leichen vornehmen konnte, aber das war während der Römerzeit nicht erlaubt, und daher stütze er seine Studien der menschlichen Anatomie auf Sektionen an Tieren wie Hunden, Affen und Schweinen. Das ist witzig, wenn man damit vertraut ist, welchen niedrigen Status Hunde, Affen und Schweine im Islam haben, und gleichzeitig weiß, dass alle darauffolgende Medizin in der islamischen Welt von Galen inspiriert war. Da die Sektion menschlicher Leichen auch in der islamischen Welt tabu war, hatten Galens Irrtümer über Jahrhunderte hinweg bis zur Renaissance im christlichen Europa unangefochten Bestand. Leonardo da Vinci fertigte zahlreiche akkurate anatomische Zeichnungen an, teilte aber sein Wissen kaum mit Zeitgenossen. Der endgültige Durchbruch kam mit dem Anatomen Andreas Vesalius aus Brüssel, der sein auf Autopsien basierendes Buch De humani corporis fabrica (Vom Aufbau des menschichen Körpers) im Jahr 1543 veröffentlichte. Er wird in der westlichen Welt als Vater der modernen Anatomie betrachtet.

Teil 1

Teil 3

Abgelegt unter: Übersetzungen - Fjordman

12 Kommentare »

  • 1

    Kommentar von Eisvogel

    21. Oktober 2007 @ 16:01

    Wer es am Stück lesen will, der 3. und letzte Teil ist bereits übersetzt, muss “nur” noch korrekturgelesen und formatiert werden und wird heute noch veröffentlicht.

    Viel Spaß. Es lohnt sich wirklich, ich habe extrem viel gelernt während der Übersetzung.

  • 2

    Kommentar von Shahirrim

    21. Oktober 2007 @ 19:23

    :eek:

    Selbst du lernst noch dazu?!? Du hast doch schon soviel von ihm übersetzt.

  • 3

    Kommentar von Bokito

    22. Oktober 2007 @ 0:51

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kalasha_%28Chitral%29

  • 4

    Kommentar von Eisvogel

    22. Oktober 2007 @ 1:35

    Selbst du lernst noch dazu?

    Und wie!

    Dieser Dreiteiler war die schwerste Übersetzung, die ich jemals gemacht habe, und sie brachte mich teilweise an Grenzen, wo ich dachte, dass “Fach-Übersetzer” eben doch ein gelernter Beruf ist, den nicht jeder ausführen kann, der es möchte :wink:

    Ich habe an fraglichen Stellen recherchiert und mir Wissen angeeignet, von dem ich niemals wusste, dass ich es wissen will (und dann doch interessant fand), um das korrekte deutsche Wort für einen Sachverhalt zu finden. Ich glaube, dass es mir gelungen ist und bin mir weitgehend sicher, dass keine grundlegenden Fehler drin sind - da, wo technologische Details beschrieben werden, hatte ich gelegentlich erstmal Bedenken, dass ich das jemals kapieren könnte. Aber mittels Nachforschung konnte ich alles so klären, dass ich es verstanden und hoffentlich auch verständlich rübergebracht habe.

    Thx Bokito, für den interessanten Hinweis. Ich komme immer mehr zu der Ansicht, dass wir sehr vieles, was wir wissen sollten, nicht wissen.

  • 5

    Kommentar von Bokito

    22. Oktober 2007 @ 1:49

    Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch. Friedrich Hölderlin, 1802#

    Es gibt etwas, das kann man aus dem Fjordman Artikel herauslesen, wenn man will: das ist die Beschleunigung der Informationsverbreitung!

    Das ist ein Ass in unserem Ärmel gegenüber dem Islam. Der Islam konnte seine Völkermorde in der Geschichte begehen, weil andere Erdteile nichts davon wussten.
    als Beispiel: die Vernichtung der buddhistischen Kultur Zentralasiens. Davon hat in Europa niemand erfahren. Lest hierzu mal “René Grousset - Die Reise nach Westen” erschienen im Diederichs Verlag …

    Ich geb hier lieber Lesetips, als fertige Meinungen ab. Aber wenn irgendjemand mal die Bücher liest …

  • 6

    Kommentar von Bokito

    22. Oktober 2007 @ 2:08

    bei Wikipedia kann man noch die Stichworte eingeben:
    “Kafiristan”
    “Tocharer”
    “Kushan”

    “Xuanzang”
    “der König der Affen”

    … viel Spaß beim Stöbern …

  • 7

    Kommentar von Shahirrim

    22. Oktober 2007 @ 15:30

    @ Eisvogel

    Gibt es auch Fjordman auf Norwegisch? Wenn ja, dann hätte ich gern einen Link, denn Norwegisch kann ich besser als Englisch.

    Kannst den Link auch gern auf meine e-mail schicken.

  • 8

    Kommentar von Eisvogel

    23. Oktober 2007 @ 10:07

    Gibt es auch Fjordman auf Norwegisch?

    Ich weiß es nicht, Shahirrim, aber ich werde gelegentlich nachfragen und Dir dann Bescheid geben.

  • 9

    Kommentar von time

    23. Oktober 2007 @ 15:55

    @Shahirrim/7

    Hallo Shahirrim,

    ich finde es sehr großzügig und liebenswürdig von Dir, dass Eisvogel Dir Fjordmans Links per E-Mail schicken darf. Ich hoffe, dass ich Dir irgendwann auch mal zu Diensten sein darf.

    In freudiger Erwartung,

    Time

  • 10

    Kommentar von Shahirrim

    23. Oktober 2007 @ 22:12

    Danke!

  • 11

    Kommentar von TIME

    24. Oktober 2007 @ 0:22

    cool…

  • 12

    Kommentar von lilo

    24. Februar 2008 @ 20:37

    :smile: wirklich sehr gut und sehr informativ! Danke

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