Google-Spielchen: Was gibt es und was gibt es nicht?

von Eisvogel um 17:19 am 31. Dezember 2007

Schön wär’s… nur leider stimmt’s nicht.

 

Jeder kennt’s und Google bestätigt’s:

Den Islam gibt es nicht.

Es ist der Satz, den man immer wieder von erschöpften Gutmenschen hört, wenn man irgendetwas über den Islam erzählt. Die schönste Antwort darauf ist natürlich:

“Echt? Du meinst, der Islam ist sowas wie der Weihnachtsmann, das Monster auf dem Dachboden, der Rentenanspruch für Leute, die heute unter 50 sind, und die Piemont-Kirsche aus der MonCheri-Werbung?”

Nun, man weiß natürlich, dass dieser ernsthaft vorgetragene Satz nicht so gemeint ist - die Betonung lastet tiefgründig vorwurfsvoll schwer auf dem ersten Wörtchen:

DEN Islam gibt es nicht!

und soll uns das Maul stopfen und uns das hochheilige “Differenzieren” lehren.

Ich habe mir die Mühe gemacht und den Satz bei Google eingegeben: “Den Islam gibt es nicht” ergibt stolze 5.230 Suchergebnisse. Offenbar besteht ein starkes Bedürfnis, Menschen, die glauben, den Islam gäbe es (gaaaanz böses Vorurteil!) aufzuklären, dass sie sich umsonst Sorgen machen und einem üblen xenophoben Generalverdacht nachhängen. Man sollte vielmehr aus der Tatsache, dass es sich bei 1.5 Millarden Moslems nicht um Klone handelt, schließen, dass man sich umsonst Sorgen macht und keinesfalls denken sollte, dass diese Leute alle einer Ideologie anhängen, die unseren Tod fordert, wenn wir uns ihrem Gesetz nicht unterwerfen (und wenn sie in der Lage sind, ihren Kopf durchzusetzen). Fein. Wir wissen leider selber, dass Moslems nicht in der Moslemfabrik hergestellt werden, sondern dass es sich dabei um Individuen handelt, die sich häufig gegenseitig spinnefeind sind:

Aber warum das die Ideologie selber weniger gefährlich oder gar überhaupt nicht existent machen sollte, wird nicht näher erläutert. Das müssen wir einfach glauben. 5.230 Webseiten können nicht irren.

Nun, vielleicht gibt es ja überhaupt keine Religionen, habe ich mir gedacht, und die Probe aufs Exempel gemacht. Bei dem Versuch “das Christentum gibt es nicht” liefert Google ganze 9 Suchergebnisse. Heißt das, dass 2 Milliarden Christen alle gleich sind? Ganz offensichtlich fühlen sich nämlich nur 9 deutschsprachige Webseiten genötigt, über den Unterschied zwischen einem Mormonen aus dem amerikanischen Biblebelt und einem deutschen Staatschristen, zwischen einem Einsiedlermönch im Katharinenkloster und einer lesbischen Pfarrerin aus Skandinavien aufzuklären. Lediglich 5 Webseiten fühlen sich laut Googlesuche berufen, der Welt mitzuteilen, dass es das Judentum nicht gibt, immerhin noch 7 meinen, es gäbe den Buddhismus nicht und abgeschlagen auf dem vorletzten noch mit Punkten bedachten Platz rangiert der Hinduismus mit ganzen 3 Webseiten, die meinen, es gäbe ihn nicht. Den letzten unter den Platzierten nimmt der Atheismus mit 2 Webseiten ein. Agnostizismus und Shintoismus: Zero points.

Nun, habe ich mir gedacht, dann probieren wir es mal mit den richtig bösen Sachen. Scientology - 4 Ergebnisse, Satanismus - 5 Ergebnisse, Nationalsozialismus scheint es wirklich zu geben, denn die Suche ergibt nur 2 identische Seiten, die aber beide nicht wirklich verbreiten, es gäbe ihn nicht, sondern der Ansicht sind, es gäbe keine bösartigere Ideologie als ihn. Der Kommunismus bietet 5, der Sozialismus 4, auch die political Correctness kommt mit läppischen 3 Seiten, die ihre Existenz bezweifeln, nicht einmal annäherend an den Islam heran.

Was lernen wir daraus?

Alle aufgezählten religiösen und ideologischen Gemeinschaften scheinen offenbar monolithische Blöcke zu bilden - eine Ansammlung sturer ideologisch verbohrter Böcke, die sich alle gleichen wie ein Ei dem anderen - es gibt sie! Es gibt sie nicht nur als Individuen, sondern als Gemeinschaft. Als Gemeinschaft, über die man kollektive Aussagen treffen darf, ohne angeraunzt zu werden, dass es diese Gemeinschaft “so und als solche” gar nicht gibt.

Bloß der Islam ist anders. Der ist so bunt und vielfältig, dass 5.250 deutschsprachige Webseiten uns erklären müssen, es gäbe ihn nicht. Und jeder, der glaubt, es gäbe ihn, ist ein böser Islamophob. Nun gut. Ich glaube, das sagt wenig über den Islam aus und sehr viel über die Diskussion über ihn, in der so viele verzweifelt vermeiden möchten, dass erkannt wird, welche Bedrohung er ist.

Übrigens: Nur 2 Webseiten meinen, dass es keine Außerirdischen gibt und keine einzige vermeldet die absolut wichtige Weisheit, dass es an Tankstellen keine Dosenöffner gibt.

Erst wenn das letzte Kaufhaus geschlossen hat
erst wenn Du auf den letzten Drücker die Bowle machen willst
erst wenn Dir klar wird, dass das kleine Rädchen,
das Du kürzlich gefunden und weggeworfen hast,
ein tragendes Teil und kein Schrott war,
erst dann wirst Du erkennen,
dass Aral an Silvester keine Dosenöffner verkauft.

Die Ananas-Bowle steht auf dem Balkon zum Kühlen. Ich hab’s mit Schraubenzieher und Hammer geschafft.

 

Zeigen wir’s den Sektverächtern aus dem Morgenland und den Klimadeppen aus dem Abendland heute Nacht, wo der Hammer hängt!

Vom Bowle-Ansetzen schon ganz leicht beschwipst wünsche ich allen Lesern und vor allem den Kommentatoren einen wahlweise fröhlichen oder besinnlichen Silvesterabend und ein frohes und glückliches Neues Jahr 2008.

Abgelegt unter: Eigene Beiträge

10 Kommentare »

  • 1

    Kommentar von D. N. Reb

    31. Dezember 2007 @ 18:09

    Wünsche ich Dir auch. Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

  • 2

    Kommentar von Bokito

    31. Dezember 2007 @ 19:46

    Na solche Texte les ich gern von Dir Eisvogel ! … so, ich bin auf dem Sprung zur Sylvesterparty … guten Rutsch Leute :smile:

  • 3

    Kommentar von Time

    31. Dezember 2007 @ 21:04

    Klasse, Eisvogel, hihihi - Let’s roll!

    Time

  • 4

    Kommentar von Neo

    1. Januar 2008 @ 1:58

    Besten Dank Eisvogel. So faengt das neue Jahr zumindest mit einem Lacher an.

    Ist also doch nur ein boeser Traum…

  • 5

    Kommentar von Steppenwolf

    1. Januar 2008 @ 2:32

    Wünsche allen, ein FROHES NEUES JAHR.
    Vielleicht der Beginn einer neuen Aufklärung im 21. Jahrhundert.

  • 6

    Kommentar von Transatlantic Conservative

    1. Januar 2008 @ 16:54

    Allen Freunden hier und vor allem Dir, liebe Eisvogel, ein gutes und kaempferisches Jahr 2008.

    Moege das Jahr im Zeichen des Briefes der Saporoger Kosaken und des darauffolgenden Sieges ueber den Sultan stehen!

  • 7

    Kommentar von Eisvogel

    1. Januar 2008 @ 17:03

    Danke für die lieben Neujahrswünsche. Ich hoffe, Ihr habt alle keinen zu heftigen Kater
    Cocktail

    Der Brief der Saporoger Kosaken ist einfach nur klasse, TC! Ich stelle mir eben vor, wie der auf jemanden wirkt, der sich schon bei uns zahmen Häschen über “beleidigende Sprache” oder bei Roland Koch über “Volksverhetzung” empört.

    Vielleicht würden ja ein paar Drähte im Hirn durchschmoren, wenn man solche Leute bitten würden, einen Artikel darüber zu schreiben????

  • 8

    Kommentar von vorian

    2. Januar 2008 @ 1:31

    Ein frohes, neues Jahr, wünscht Dir vorian.
    Schaffensreich sollte es werden, von mir durchaus im egoistischen Sinne gewünscht, denn Deine Arbeit, liebe Eisvogel, schätze ich sehr.

    Hab auch mal gegoogelt. Unter “Eisvogel blog” bist Du an zweiter Stelle. Laß uns dafür sorgen, dass wir nicht vergoogelt werden.

  • 9

    Kommentar von Steppenwolf

    2. Januar 2008 @ 1:47

    Ich bin ein alter Mann, der als er noch jung war, vom “Jahr 2000″ die idealistischsten Vorstellung hatte.

    Leider sind die Menschen im Bezug gesellschafts-philosophischen Denken dümmer, als es die Menschen in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren. Alle Erkenntnisse, die unsere Altvorderen hatten, und mit denen sie ihr Leben im Griff hatten, werden negiert.

    Es ist zu befürchten, daß das 21. Jahrhundert in die Geschichte eingehen wird, als das Jahrhundert der EIFERER.

    Religions-
    Klima-
    Gesundheits-
    Weltrettungs-
    usw.

    Eiferer, egal welcher Couleur waren schon immer ein Verderben für die Menschheit.

    Ihre Blindwütigkeit, die keine andere Meinung zuläßt, hat 100 ten von Millionen Menschen das Leben gekostet.

  • 10

    Kommentar von acelya

    25. Februar 2008 @ 12:13

    Wer bist du eigentlich der so

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