Warum ist der Sozialismus nicht tot?

von Eisvogel um 19:11 am 17. April 2008

Den unten stehenden Artikel von Lee Harris habe ich schon vor einiger Zeit in einem Link in einem der Fjordman-Artikel gefunden und gespeichert. Weil kürzlich in der Diskussion mehr und mehr das Thema aufkam, dass erstaunlicherweise die internationalistischen Bestrebungen großer Firmen und ihrer politischen Unterstützer einerseits und ausgemachte Sozialisten andererseits die Masseneinwanderung und die political Correctness fördern und daher beide zu einer Entwicklung beitragen, die vielen bedrohlich erscheint, habe ich ihn jetzt vollkommen übersetzt.

Sozialisten beantworten Kritik, die sich auf das hoffnungslose Scheitern ihrer Ideologie bezieht, bekanntermaßen damit, dass dies (z.B. in der Sowjetunion) ja keineswegs der wahre Sozialismus gewesen sei, dieser erst noch verwirklicht werden müsse, dann aber tatsächlich eine gute Sache sei. Man neigt dazu, nur noch den Kopf über so viel Dummheit zu schütteln. Allerdings ist mir durch den untenstehenden Artikel erstmals aufgefallen, dass sie vielleicht nicht vollkommen unrecht haben.

Unrecht haben sie darin, dass der Sozialismus wünschenswert ist, recht haben sie aber damit, dass der Sozialismus nach Marx - der so genannte wissenschaftliche Sozialismus - tatsächlich noch nicht realisiert worden ist. Marx war der Ansicht, Kapitalismus sei eine wünschenswerte und notwendige Vorstufe zum Sozialismus, und dieser könne erst erfolgreich eingeführt werden, wenn der Kapitalismus seinen maximalen Reifegrad erreicht hat und innerlich von selber zusammenbricht. Er fand es daher möglich, dass der Sozialismus aus der Demokratie ohne Revolution entstehen kann, wenn - wie ich es verstanden habe - der Kapitalismus zum Exzess getrieben wird. Insbesondere die USA schienen ihm für eine solche Entwicklung geeignet, allerdings wurde die Idee auch von Europäern übernommen. Harris sieht die Sozialdemokratie, insbesondere die deutsche vor dem 1. Weltkrieg (aber möglicherweise auch die heutige, die schon weit in die CDU hineingewuchert ist), als Vertreterin dieser Schule.

Sorel hingegen verwarf diesen Ansatz und vertrat den utopischen Sozialismus, der religionsähnliche Züge hat und von einem Mythos lebt, dessen Verwirklichung irrelevant ist - Hauptsache revolutionäre Gesinnung. Diese Sorte Sozialisten sind uns wohlbekannt. Lee Harris geht zwar vorwiegend auf ihre Ausprägung in Ländern der Dritten Welt insbesondere Südamerika ein, wo ich noch nachvollziehen kann, warum die dort lebenden bitter armen Menschen auf Rattenfänger reinfallen, die ihnen schnelle Auswege aus ihrer Not versprechen. Aber es gibt sie auch hier und sie werden mehr anstatt weniger. Warum?

Sehen wir, wenn linke Chaoten gegen den G8-Gipfel demonstrieren, in Wirklichkeit einen Kampf utopischer Sozialisten gegen wissenschaftliche Sozialisten, die - sicher zum Teil nicht vorsätzlich - den Kapitalismus zum Exzess treiben und damit dem reinen Marxismus näher kommen als diejenigen, die an den Mythos glauben und steinewerfend den schnellen revolutionären Weg gehen wollen?

Was ist mit der EU-Gorbatschow-Connection, die schon vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion bestand, insbesondere in Gestalt italienischer Sozialisten und deutscher Sozialdemokraten? War der Zusammenbruch der Sowjetunion vielleicht gar keine Abkehr vom Sozialismus sondern nur die Rückbesinnung auf die reine Lehre von Marx und dessen Ansicht, dass funktionierender Sozialismus die “Ochsentour” über einen Kapitalismus gehen muss, der keine Grenzen mehr kennt und sich schließlich selbst vernichtet, um im Sozialismus zu enden?

Harris geht auf diese Fragen nicht ein, er befasst sich ausschließlich mit dem viel auffälligeren utopischen Sozialismus und wie man ihm entgegentreten kann. Aber ich finde sie hochinteressant. Insbesondere der von Freie Welt und Serbian Girl verlinkten Artikel von Johan Laughland, in dem dieser seinen eigenen Meinungswandel der letzten zehn Jahre beschreibt, beschreibt auch eine merkwürdige und ihm unangenehme Nähe der totalitären Rücksichtslosigkeit des globalen Kapitalismus und Sozialismus. Ich sympathisiere keineswegs mit den so genannten “Globalisierungsgegnern”, ich frage mich nur: Sind das nur ungeduldige utopistische Revolutionäre, die letztendlich exakt jene bekämpfen, die (manche vorsätzlich, manche unwissentlich) auf dasselbe Ziel zusteuern wie sie selber - und nur einen langsameren Weg wählen? Einen Weg, den Marx persönlich als den einzig erfolgversprechenden zum Sozialismus ausgeführt hat?

Hier ist der ganze Artikel:

Warum ist der Sozialismus nicht tot?

von Lee Harris

Original vom 6. Mai 2006: Why Isn’t Socialism Dead?

Der Präsident Boliviens Evo Morales feierte den 1. Mai [2006], indem er Tuppen sandte, um die natürlichen Erdgasfelder des Landes zu besetzen. Der Zweck dieser Übung war nicht militärischer sondern ökonomischer Natur: Morales hatte gefordert, dass alle ausländischen Firmen, die auf diesen Gasfeldern fördern, einen Vertrag mit Bolivien unterzeichnen müssen, in dem ihnen zugestanden wird, 18% ihrer Produktion zu behalten, während der Rest an die staatliche Ölgesellschaft Boliviens fallen soll. Das 18-Prozent-Zugeständnis an die ausländischen Firmen war keine Großzügigkeit seitens Morales, sondern schlicht und einfach Pragmatismus: Bolivien braucht diese Firmen, um seine natürlichen Gasvorkommen zu fördern, weil es zumindest derzeit unfähig ist, es selber zu tun.

Morales, ein feuriger Populist, der in einem erdrutschartigen Sieg gewählt wurde, folgt ganz offensichtlich den Fußspuren von Venezuelas hitzköpfig populistischem Präsidenten Hugo Chavez. Darüber hinaus trafen sich Morales und Chavez letzte Woche mit Fidel Castro, wobei sie eine Art sozialistisches Love-Festival feierten, im Rahmen dessen sie ein Partnerschaftsabkommen unterzeichneten, das darauf abzielt, ein Netz von Allianzen in Südamerika aufzubauen, um den tückischen Verlockungen des freien Handels amerikanischen Stils zu widerstehen - sein ultimatives Ziel soll die ökonomische Autarkie der Region sein, frei von ausländischer Kontrolle.

Zusätzlich zum Einsatz von Truppen, setzt Morales auch eine ganze Menge flammender Rhetorik ein. Wenn er von den ausländischen Firmen spricht, die Boliviens natürliche Rohstoffe fördern, bezeichnet er das als “Ausplünderung”, und dass er seine Truppen am 1. Mai, dem traditionellen sozialistischen Feiertag, losschickte, war sicher kein Zufall. In einer ähnlichen Stimmung predigte Morales’ Mentor Hugo Chavez, dass Reichtum Niedertracht bedeute und Armut Tugend - und wenn er auch die Heilige Schrift zur Unterstützung seiner Argumente zitieren mag, kann doch kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass der Populismus in der Art von Chavez schlicht und einfach Sozialismus mit südamerikanischem Akzent ist.

Und das führt mich zu der Frage, auf die ich eingehen will: Warum ist der Sozialismus nicht tot?

Der peruanische Wirtschaftswissenschaftler Hernando de Soto hat in seinem Buch The Mystery of Capital ausgeführt, dass die Fehlschläge der verschiedenen sozialistischen Experimente des 20. Jahrhunderts die Menschheit mit nur einer einzigen rationalen Wahlmöglichkeit für das Wirtschaftssystem zurückgelassen hat, und das ist der Kapitalismus. Sozialismus ist, wie er ausführt, dermaßen diskreditiert worden, dass jeglicher weitere Versuch, ihn wieder zu beleben, pure Irrationalität bedeuten würde. Doch wenn das der Fall ist - und ich persönlich denke, das ist so - warum werden wir dann Zeuge von etwas, das ganz offensichtlich ein Wiederaufleben sozialistischer Rhetorik und sogar sozialistischer Pseudolösungen ist, wie zum Beispiel die Verstaatlichung ausländischer Firmen?

Man sollte festhalten, dass de Soto nicht behauptet, dass nach den sozialistischen Fehlschlägen des 20. Jahrhunderts der Kapitalismus historisch unvermeidbar geworden ist und dass er sich daher wie ein imaginäres Panzerschiff ohne die Notwendigkeit einzugreifen selbst seinen Weg zur Verbreitung schaffen würde. Im Gegenteil: De Soto ist sich der enormen Hindernisse bei der Verbreitung des Kapitalismus insbesondere in Regionen wie Südamerika vollkommen bewusst, und sein Buch ist voll von trostlosen Statistiken, in denen der mühselige Kampf gegen das rote Klebeband der Bürokratie aufgezeigt wird, wenn man in vielen Drittweltländern einen Gewerbeschein haben möchte oder auch nur ein Haus kaufen will. Aber auch hier kommt wieder die Frage auf: Wenn der Kapitalismus die einzige vernünftige Alternative für die Menschheit ist, warum machen es dann die Regierungen von Drittweltländern Privatpersonen so außerordentlich schwer, die ersten kleinen Schritte auf dem Weg zum freien Unternehmertum zu gehen?

Für de Soto liegt die Lösung darin, das Kapital zu demokratisieren. Die staatliche Intervention zu minimieren. Das rote Klebeband abzureißen. Es einfach zu machen, eine Firma zu gründen. Wege zu finden, wie es den Armen möglich wird, aus ihrem bescheidenen Hab und Gut Kapital zu schlagen. Wenn jemand in den USA für sein 200.000 Dollar teures Haus eine Hypothek bekommen kann, warum sollte dann ein viel ärmerer Mensch keine anteilsmäßige Hypothek auf seine 2.000 Dollar Hütte bekommen?

Das alles sind vernünftige Ideen; sie basieren alle auf de Sotos Glauben daran, dass der einzige Weg, den Armen in der Dritten Welt zu helfen, der ist, ihnen den aufgeblähten bürokratischen Staat vom Hals zu schaffen und es ihnen zu ermöglichen, ihre eigene kreative Initiative so einzusetzen, wie das in unserer Vergangenheit so viele arme Einwanderer in den USA getan haben - als Kleinstunternehmer anfangen und sich zu Wohlstand und manchmal sogar märchenhaftem Reichtum hocharbeiten. Aber wir kommen wieder auf dieselbe Frage zurück, wenn auch in etwas anderer Form: Warum hören die Menschen in Bolivien und Venezuela so begeistert auf den sozialistischen Sirenengesang von Evo Morales und Hugo Chavez anstatt die ausgezeichneten und vernünftigen Ratschläge von Hernando de Soto zu beherzigen? Warum schreien sie danach, dem Staat immer noch mehr Macht und Kontrolle zu geben anstatt danach zu streben, sich selber von exakt dem Hindernis zu befreien, das den Weg zu jedem echten wirtschaftlichen Fortschritt versperrt?

Wenn Hernando de Soto sagt, dass der Kapitalismus die einzige vernünftige Alternative ist, die der Menschheit bleibt, dann meint er damit, dass Kapitalismus die Alternative ist, die Menschen annehmen sollten, weil es rational ist, das zu tun. Aber was Menschen tun sollten und was sie tatsächlich tun, sind oft zwei grundverschiedene Dinge. Denn Menschen handeln oft sehr irrational und ohne jegliche Beachtung dessen, was Wirtschaftswissenschaftler ihr “aufgeklärtes Eigeninteresse” nennen. Und in diesem Licht müssen wir das Problem angehen: Warum ist der Sozialismus nicht tot?

Die Rolle von Mythen

Um die Antwort zu dieser Frage zu finden, möchte ich auf Georges Sorel zurückgreifen.

Jonah Goldberg vom National Review brachte in seiner Antwort auf meinen früheren Artikel über Sorel den ausgezeichneten Punkt auf, dass ich in meiner Abhandlung etwas ausgelassen habe, was zweifellos das Herzstück von Sorels Denken war, nämlich sein Konzept der Mythen und dabei insbesondere seine Vorstellung des revolutionären Mythos’. Darüber hinaus führte Jonah aus, dass Sorels Mythos eine Zurückweisung dessen war, was Marx “wissenschaftlichen Sozialismus” genannt hatte.

Für Marx hatte wissenschaftlicher Sozialismus nichts mit dem zu tun, was er utopischen Sozialismus nannte; tatsächlich rühmte sich Marx sogar, dass er der erste sozialistische Denker sei, der den Verlockungen der Fantasie entronnen ist, die vor ihm als sozialistisches Denken galt. Utopische Sozialisten lieben es, sich ideale Schemata zu erträumen, nach denen sie das menschliche Leben organisieren; sie ergehen sich in einer Politik des Wunschdenkens und entwerfen allerlei äußerst unpraktikable wenn auch theoretisch perfekte Gesellschaftssysteme, von denen keines auch nur den Hauch einer Chance hat, jemals in der Realität verwirklicht zu werden. Marx hingegen sah die Notwendigkeit, den Sozialismus aus seinem Wolkenkuckucksheim heraus zu holen und ihn fest am Boden zu verankern. Somit widmete sich Marx anstatt über imaginäre Utopias zu schreiben dem Versuch, zu beweisen - und zwar nichts weniger als wissenschaftlich - dass der Sozialismus nicht nur wünschenswert sondern historisch unvermeidbar sei. Der Kapitalismus, so argumentierte er, sei eine gute Sache gewesen; ein notwendiger Schritt, den die Menschheit machen musste, um vorwärts zu kommen; jedoch - so Marx - würde der Kapitalismus letztendlich einen inneren Zusammenbruch erleiden. Er würde schlicht und einfach aufhören, Waren zu produzieren. Wie der Feudalismus zuvor sei der Kapitalismus unausweichlich dazu verdammt, als lebensfähiges Gesellschaftssystem zu vergehen, und dann, und zwar nur dann, würde der Sozialismus triumphieren.

Doch was für eine Rolle spielt in dem Fall der Revolutionär? Für Marx ergab es keinen Sinn für Revolutionäre, den Kapitalismus zu stürzen, bevor er sein historisches Schicksal erfüllt hat; ganz im Gegenteil erachtete er es als kontraproduktiv, den Kapitalismus zu stürzen, bevor er nicht intern kollabiert ist: die Vorbedingung für einen lebensfähigen Sozialismus war daher ein voll ausgereiftes kapitalistisches System, das die Welt durch seine erstaunliche Fähigkeit, die Arbeitskraft zu organisieren, Rohstoffe optimal einzusetzen, Industrie und Handel zu internationalisieren und enormen Wohlstand zu schaffen, bereits revolutionär verändert hat. Daher sah Marx keinerlei Sinn in einer Revolution als Selbstzweck. Stattdessen sollte der Möchtegern-Revolutionär lernen, Geduld zu haben; er sollte warten, bis das kapitalistische System von selber ausgespielt hat, und nur dann würde er in der Lage sein, seine historische Rolle zu spielen.

Und selbst hier wäre die Rolle des Revolutionärs eng begrenzt; es würde nur dann eine Notwendigkeit zu revolutionärer Gewalt bestehen, wenn die dahinschwindende Klasse der Kapitalisten selber bereit wäre, Gewalt anzuwenden, um ihre eigene politische Vorherrschaft zu verteidigen. Das erklärt, warum Marx gegen Ende seines Lebens die Ansicht vertrat, dass in den USA, die er als die fortschrittlichste Nation der Welt sah, der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus tatsächlich ohne jegliche Notwendigkeit einer gewaltsamen Revolution vonstatten gehen könnte - der ganze Prozess, so sagte er, könnte demokratisch und ohne Blutvergießen herbeigeführt werden.

Die marxistische Schule, die von Eduard Bernstein vertreten wurde, übernahm diese Herangehensweise bezüglich aller fortschrittlichen kapitalistischen Nationen Europas, insbesondere Deutschland. Bekannt geworden unter dem Begriff “Revisionismus” begann diese Form des Marxismus alle sozialistischen Parteien Europas vor dem 1. Weltkrieg zu dominieren, insbesondere die deutschen Sozialdemokraten, die ihre Ablehnung revolutionärer Gewalt damit unter Beweis stellten, dass sie im deutschen Parlament vertreten waren, in dem sie einen enormen Block bildeten. Für sie existierte ein friedlicher und demokratischer Weg zum Sozialismus. Der Sozialismus war für sie nicht nur in sich selbst rational, er würde sich auch auf rationale Weise entwickeln, und zwar ohne jegliche Notwendigkeit, auf die Barrikaden zu gehen oder den Staatsapparat gewaltsam zu übernehmen.

Es war genau diese Herangehensweise, die Sorel vollständig verwarf. Jonah Goldberg schreibt: “Sorel empfand Verachtung für Sozialisten, die ihre Sache mit Fakten und Vernunft vertreten wollten. Sorel nannte den bekannten italienischen Sozialisten Enrico Ferri ‘einen jener zurückgebliebenen Leute, die an die unumschränkte Macht der Wissenschaft glauben’ und die glauben, der Sozialismus könne bewiesen werden, wie ‘man das Gesetz des hydrostatischen Gleichgewichts beweist’. Wahre Revolutionäre sollten ‘rationalistische Vorurteile’ zugunsten der Macht von Mythen aufgeben.”

Doch warum verwarf Sorel, der ein ausgebildeter Ingenieur war und wissenschaftliche Kenntnisse hatte, den wissenschaftlichen Sozialismus? Ich vermute, die Antwort ist, dass Sorel argwöhnte, dass Sozialismus in der Praxis ganz einfach niemals funktionieren würde. Jonah Goldberg führt aus, dass Sorel gegenüber der Frage, ob ein Generalstreik zum Sozialismus führen würde, “bestenfalls agnostisch” blieb; aber ich würde noch weiter gehen: Sorel selbst war nicht nur skeptisch, was die Frage der Effizienz eines Generalstreiks anging, sondern auch was den Sozialismus als lebensfähiges Wirtschaftssystem anging.

Zum Beispiel schreibt Sorel im Vorwort zu Reflections on Violence, dass der französische Denker Renan “sehr überrascht darüber war, dass Sozialisten weit entfernt davon sind, entmutigt zu sein.” Dann zitiert er Renans Äußerungen über die unermüdliche Beharrlichkeit der Sozialisten: “Nach jedem gescheiterten Experiment fangen sie mit ihrer Arbeit von vorne an: Die Lösung wurde bis jetzt noch nicht gefunden, aber sie wird gefunden werden. Die Idee, dass überhaupt keine Lösung existieren könnte, kommt ihnen niemals in den Sinn, und darin liegt ihre Stärke.” (Kursive Hervorhebung von Lee Harris)

Sorels Antwort auf Renans Äußerungen ist nicht: “Renan hat unrecht; es gibt eine sozialistische Lösung und eines Tages werden wir sie finden.” Stattdessen richtet er seinen Fokus auf die Tatsache, dass Sozialisten ihre Stärke exakt aus ihrer Weigerung gewinnen, anzuerkennen, dass es keine sozialistische Lösung gibt. “Kein Fehlschlag ist irgendein Beweis gegen den Sozialismus, weil dieser ein Werk der Vorbereitung (für die Revolution) ist; wenn man es genau untersucht, dann ist es nur ein Beweis dafür, dass die Lehrzeit noch unvollständig ist; sie müssen sich mit noch mehr Mut, Ausdauer und Zuversicht an die Arbeit machen als zuvor…” Aber was ist der Grund, aus dem Sorel sich weigert, die wiederholten historischen Fehlschläge des Sozialismus zu akzeptieren? Auch hier weigert sich Sorel wieder einmal, die orthodoxe Position sozialistischen Optimismus’ einzunehmen; er sagt nicht: “Versucht es wieder und wieder und wieder, denn eines Tages wird der Sozialismus obsiegen.” Stattdessen argumentiert er, dass man nur dadurch zu einem “wahren Revolutionär” werden kann, indem man sich weigert, die Fehlschläge des Sozialismus zu akzeptieren. In der Tat besteht für Sorel der Mythos der sozialistischen Revolution nicht darin, dass die menschliche Gesellschaft eines Tages in ferner Zukunft umgestaltet wird, sondern darin, dass Individuen, die ihr Leben diesem Mythos widmen, in der Gegenwart zu Genossen und Revolutionären umgewandelt werden. Kurz gesagt, die Revolution ist für ihn kein Mittel, um ein Ziel zu erreichen, sondern vielmehr ist der Mythos des Sozialismus eine nützliche Illusion, die normale Menschen zu Genossen und Revolutionären macht - zu einer Bruderschaft sozusagen.

Sorel, für den die Religion bedeutsam war, zog einen Vergleich zwischen einem Christen und einem sozialistischen Revolutionär. Das Leben des Christen wird dadurch verändert, dass er den Mythos akzeptiert, dass Christus eines Tages wiederkehren und das Ende der Zeit einleiten wird; das Leben des sozialistischen Revolutionärs wird dadurch verändert, dass er den Mythos akzeptiert, dass der Sozialismus eines Tages triumphieren wird und dass Gerechtigkeit für alle herrscht. Was Sorel in beiden Fällen bedeutsam fand, war nicht, ob der Mythos, an den jemand glaubt, wissenschaftlich gesehen wahr oder falsch ist, sondern das, was der Mythos im Leben dessen bewirkt, der ihn akzeptiert und sich weigert, sich von den wiederholten Fehlschlägen seiner apokalyptischen Erwartungen beirren zu lassen. Wie oft waren Christen in den vergangenen zweitausend Jahren überzeugt, dass die Wiederkunft Christi kurz bevor stand, nur um bitter enttäuscht zu sein - und doch hat keine dieser Enttäuschungen sie jemals davon abgebracht, an ihrem großen Mythos festzuhalten. Und so, argumentiert Sorel, wird auch der Mythos des Sozialismus so lange trotz zahlloser Fehlschläge sozialistischer Experimente Macht haben, wie Revolutionäre unwillig sind, ihren großen Mythos preiszugeben. Deshalb lehnte er den wissenschaftlichen Sozialismus ab - wenn es nur um Wissenschaft ginge, dann würde die Macht einer Religion fehlen, die das Leben von Individuen verändert. Daher gab es für Sorel “eine … Analogie zwischen Religion und revolutionärem Sozialismus, dessen Ziel die Lehrzeit und die Vorbereitung ist, und sogar die Neuformung des Individuums - eine gigantische Aufgabe.”

Man sollte hier betonen, dass sich Renan, wenn er von den Fehlschlägen sozialistischer Experimente sprach, auf die ziemlich bescheidenen und in kleinem Umfang realisierten Experimente bezog, die von verschiedenen utopistischen Sozialisten des 19. Jahrhunderts unternommen worden waren. 1906 konnten weder er noch Sorel wissen, dass es in dem anbrechenden Jahrhundert Experimente geben würde, die weit über das Maß der Brook Farm oder der Owenschen Kommunen hinausgehen sollten. Sie konnten sich kaum vorstellen, dass ganze Nationen in die Hand der Menschen fallen sollten, die sich selber als engagierte Revolutionäre sahen - erklärte Kommunisten wie Lenin, Trotzki, Stalin, Mao und Ho Chi Min, aber auch erklärte Faschisten wie Mussolini und Hitler. Die Nazis sahen sich selber als echte Revolutionäre, und sie nannten sich auch Revolutionäre, wie sie auch ihre Übernahme des deutschen Staates immer als ihre Revolution bezeichneten: für die Nazis stellte ihre Revolution und nicht die bolschewistische Revolution den wahren Sozialismus dar - den Nationalsozialismus.

Kann der Sozisalismus sterben?

Im Lichte des Horrors, den der revolutionäre Mythos des Sozialismus im 20. Jahrhundert über die Welt brachte, ist es leicht, mit jenen zu sympathisieren, die glauben, dass die Menschheit unmöglich versucht sein könnte, das sozialistische Experiment ein weiteres Mal auszuprobieren. Wenn der liberale Rationalist Renan schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstaunt darüber war, dass Sozialisten “weit davon entfernt sind, entmutigt zu sein”, um wie viel mehr erstaunt müssen seine heutigen Gegenstücke erstaunt sein, zu erkennen, dass der Sozialismus auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch weit davon entfernt ist, entmutigt zu sein. Und doch scheinen Evo Morales und Hugo Chavez unter der Führung ihres Mentors Fidel Castro entschlossen zu sein, uns diese Lektion zu lehren.

Es mag sehr gut möglich sein, dass der Sozialismus deshalb nicht tot ist, weil er nicht sterben kann. Wie Sorel ausführt, gedeiht der revolutionäre Mythos ähnlich der Religion in den “tieferen Regionen unseres geistigen Lebens”, in jenen Gefilden, die der reinen Vernunft und Argumentation nicht zugänglich sind, und wo selbst hundert Beweise für Fehlschläge nicht ausreichen, uns von jenen urtümlichen Illusionen zu entwöhnen, von denen wir so verzweifelt wünschen, sie mögen wahr sein. Wer möchte nicht sehen, wie die Niederträchtigen und Arroganten auf ihren Platz verwiesen werden? Wer von den Geknechteten und Habenichtsen kann der Versuchung widerstehen, sich von der Verheißung einer Welt, in der alle Menschen gleich sind und jeder das hat, was er braucht, aufhetzen zu lassen?

Hier haben wir das Problem, dem jene gegenüberstehen, die wie Hernando de Soto glauben, dass der Kapitalismus die einzige rationale Alternative ist, die nach dem desaströsen Zusammenbruch so vieler sozialistischer Experimente bleibt. Ja, der Kapitalismus ist die einzige Methode, voranzukommen; aber reicht der bloße Appell an die Vernunft aus, die große Masse der Männer und Frauen und dabei insbesondere diejenigen, die arm und ausgestoßen sind, dazu zu bringen, ihre Ohren gegenüber jenen zu verschließen, die ihnen die sozialistische Apokalypse versprechen, insbesondere wenn die Menschen, die diese Versprechungen machen, charismatisch und verführerisch sind und sich bereit zeigen, in revolutionärem Trotz gegen ihre Unterdrücker aufzustehen?

Der kluge und realistische florentinische Staatsmann und Denker Guicciardini gab einmal den Rat: “Kämpfe niemals gegen die Religion … dieses Konzept hat zu viel Macht über die Köpfe der Menschen.” Und wenn man das dahingehend ausweitet, dass auch Sozialismus eine Religion ist, dann könnten diejenigen, die ihn mit reiner Vernunft und Argumentation bekämpfen wollen, sich schnell in einer verlorenen Schlacht wiederfinden. Darüber hinaus ist es, da Populismus überhand nimmt, unvermeidlich, dass der Mythos des Sozialismus unter denjenigen Menschen an Stärke gewinnen wird, die am wenigsten Veranlassung haben, mit ihrem Platz in der kapitalistischen Weltordnung glücklich zu sein, und die naturgemäß hocherfreut ihren Glauben auf diejenigen richten werden, die ihnen eine schnelle Lösung für ihre Armut und ein Ende ihres Leidens versprechen.

So werden sich im kommenden Jahrhundert diejenigen, die für den Kapitalismus eintreten, möglicherweise mit einer “Mythos-Lücke” konfrontiert sehen. Diejenigen, die wie Chavez, Morales und Castro die alte Religion des Sozialismus predigen, könnten sehr wohl in der Lage sein, auf etwas Tieferes und Urtümlicheres als reine Vernunft und Argumentation zuzugreifen, während diejenigen, die den rationaleren Weg des Kapitalismus vertreten, feststellen werden, dass sie unter denen, die sie am meisten erreichen müssen, nur sehr wenige Zuhörer finden - dem Volk. Schlimmer noch, das Volk hat historisch gesehen bewiesen, dass es in einer populistischen Demokratie die Neigung hat, diejenigen als Führer zu wählen, die am besten und effizientesten an ihrer Vernunft vorbeiargumentieren können - Demagogen, die tiefe urtümliche und leider oft auch ganz und gar irrationale Instinkte ansprechen können. Das war schließlich der dienstbare Geist jedes großen populistischen Führers der Vergangenheit, und es beweist sich auch als der dienstbare Geist jener populistischen Führer, die zur Zeit überall auf der Welt, von Bolivien bis in den Iran aus dem Boden sprießen.

Deshalb ist der Sozialismus nicht tot und deshalb kann er in diesem unserem Jahrhundert sehr wohl machtvoll und vital zurück ins Leben springen und diejenigen schockieren, die ihn aus gutem Grund als nicht mehr lebensfähig bezeichnet haben. Das ist auch der Grund, aus dem Georges Sorel heutzutage vielleicht relevanter ist als vor hundert Jahren. Er wusste, dass es hoffnungslos ist, die Menschen alleine mit Vernunft und Argumenten zu leiten. Menschen brauchen Mythen - und solange der Kapitalismus nicht mit einem eigenen Umgestaltungsmythos herauskommt, kann es sehr gut möglich sein, dass viele Menschen es vorziehen werden, ihre Mythen da zu suchen und zu finden, wo sie sie schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts suchten und fanden - im Mythos des revolutionären Sozialismus.

Das ist die Herausforderung, der sich der Kapitalismus in der heutigen Welt gegenübersieht - ob er sich der Herausforderung gewachsen sieht, ist die dringlichste Frage unserer Zeit, und jene, die sich weigern, sich dieser Herausforderung zu stellen, tun der Vernunft, der Menschenwürde und der Freiheit keinen Gefallen. Schlechte Mythen können nur mit besseren Mythen ausgetrieben werden, und wenn der Kapitalismus keinen besseren Mythos liefern kann als der Sozialismus, wird der letztere wieder obsiegen.

(Lee Harris ist der Autor von Civilization and Its Enemies )

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133 Kommentare »

  • 1

    Kommentar von Friedel B.

    17. April 2008 @ 23:27

    Menschen brauchen Mythen - die Wahrheit dieses Satzes ist nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch im Alltag in allen Richtungen zu beobachten, in die sich der Blick wenden mag. Leute schicken ihre Kinder in Waldorfschulen, obgleich das ihnen dort vermittelte faktische Wissen völlig unzureichend ist; sie vertrauen der Homöopathie oft mehr als der verachteten (aber rationalen) “Schulmedizin”; sie lassen sich für viel Geld Nadeln in “Kreuzungspunkte von Energieströmen” pieksen; sie bezahlen Unsummen für völlig wirkungslose psychotherapeutische Scharlatanerien; sie glauben, sie könnten durch den Gebrauch von Quecksilberdampflampen oder durch die Verwendung von Biosprit das globale Klima (das bekanntlich ein reines Abstraktum ist) beeinflussen; sie halten völlig absurde Weltanschauungen für realistischer als die Anschauung der Welt selbst. Dagegen ist kein Kraut gewachsen; jemand, der an etwas glaubt, ist gegenüber Argumenten völlig gefeit. Und ich weiß nur zu genau, dass ich auch selbst immer wieder in die Mythenfalle stolpere, ja, mich oft nur allzu gern von ihrem Zauber gefangen nehmen lasse. Es ist eine bittere Erkenntnis für alle, die sich der Rationalität verschrieben haben, dass sich eine Idee, ein Glaube nicht durch Argumente, sondern offenbar nur durch eine andere Idee bekämpfen lässt.

  • 2

    Kommentar von Thatcher

    18. April 2008 @ 4:29

    Mir will diese Idee absolut nicht einleuchten. Marx hat geschrieben, dass die Geschichte notwendig im Sozialismus endet. Seine Apologeten hören seither nicht auf, alles Bestehende als Vorform des Sozialismus und Ausgangsbasis für eine Revolution zu interpretieren.

    Ich werde dabei stets misstrauisch, genau wie ich bei dem Wortgeklingel von Soziologen und Psychoanalytikern misstrauisch werde: es gibt anscheinend gar keinen Sachverhalt und keine Form menschlichen Verhaltens, das sich nicht auf irgendeine Weise ins Begriffsraster dieser Lehren einpassen ließe. Die “Erklärkraft” von Soziologie und Psychoanalyse sind unbegrenzt. Doch genau dadurch hören sie auf, wissenschaftlich zu sein, denn sie machen gar keine Hypothesen mehr, die auf rationale Art widerlegt werden könnten. Solcherart pseudowissenschaftliches Wortgeklingel hat wenig Substanz, beeindruckt aber die Menschen und verführt sie - genau wie jene findige Kampange, die Bürger davor warnte, dass Obstbäume mit Dihydrogenmonoxid* gespritzt werden.

    Warum sollen ausgerechnet diejenigen, die den größten Nutzen aus der kapitalistischen Weltordnung ziehen, in Wirklichkeit Protagonisten einer schleichenden Umsetzung des wissenschaftlichen Sozialismus sein, der ja trotz seines Wissenschaftlichkeitsanspruchs weiterhin die “Vergesellschaftung”, also Enteignung der Produktionsmittel zur Absicht hat? Wenn Du da mal nicht zu tief in verschwörungstheoretisches Denken eingestiegen bist, Eisvogel!

    Meiner Auffassung zufolge ist der Hauptgrund für den immer zeitgleich mit der Einführung der sozialistischen Gesellschaftsordnung erfolgenden wirtschaftlichen Niedergang im Sozialismus folgender: Nicht mehr die selbstinteressierten, auf Gewinnsteigerung zielenden Praktiker, sondern politische Utopisten ohne nennenswerte betriebswirtschaftliche Kenntnis wirtschaften die Betriebe ganz banal herunter. Jemand, der einen Betrieb erfolgreich leiten kann, so dass nicht nur er, sondern auch seine Arbeiter Wohlstand erlangen können, weiß, warum der Sozialismus nicht funktioniert, und lehnt ihn deshalb ab. Die immer wiederkehrenden Krisen des Kapitalismus zeigen lediglich, dass die Umkehrung dieses Satzes nicht gilt.

    Ich habe selbst einmal, als ich durch Schulkameraden kurzzeitig “sozialistisch verführt” war, mit dem Gedanken gespielt, dass die Chefs der großen Konzerne mit ihrer radikal utilitaristischen und nutzenmaximierenden Rationalität eigentlich die wahren Marxisten seien. Seitdem bezweifle ich den Zwang, der von marxistischer Weltsicht zu revolutionären Absichten führen soll. Die marxistische Weltsicht ist pragmatisch, materialistisch, schnörkellos - und auch für Kapitalisten nützlich. Irgendwelche Imperative ergeben sich aus ihr aber nur, wenn man selber einer der Elenden, Zukurzgekommenen, Besitzlosen oder politisch Verführten ist - oder über die Verführung der Massen an die politische Macht will.

    Und der Grund für die fortdauernde Begeisterungsfähigkeit für sozialistische Ideen ist auch ganz banal: Sozialisten machen utopische Versprechungen, ohne sie einlösen zu müssen, denn wenn sie erst einmal, dank der verführten “elenden Massen”, an der Macht sind, können sie die (in Wahrheit von ihnen selbst zu verantwortenden) Missstände ganz schlicht dem “Klassenfeind”, dem “Konterrevolutionär” oder dem “Agenten der Bourgeoisie” in die Schuhe schieben.

    Genau wie die Prediger der Religionen sind Sozialisten Obskurantisten, die nicht aufhören, absichtlich schlecht definierte Schlagworte wie “Gerechtigkeit”, “Menschenrechte”, “strukturelle Gewalt”, “Verantwortung gesellschaftliche Zustände” u.Ä. unter die Menschen zu werfen, von denen die meisten notwendigerweise nicht über die rationale Disziplin und die wirtschaftlichen Kenntnisse verfügen, diese Schwarzkunst als das zu entlarven, was sie ist. Es ist dabei bedeutungslos, ob die Sozialisten selbst an ihre Utopie glauben oder ob sie in Wahrheit wissen, dass sie Humbug ist, der Weg zur Macht in der Demokratie aber nur über die Verführung der ungebildeten Mehrheit führt. Die Neigung und Fähigkeit von Menschen, an irgendetwas zu glauben, ist als Motivationsquelle für die Anführer diverser Machtbewegungen definitiv von höherem pragmatischen Nutzen als ihr Intellekt oder ihr Freiheitsdrang, welche bei vielen offensichtlich unterentwickelt sind. Ob das in Aussicht gestellte Endziel ein jenseitiges oder ein diesseitiges Paradies ist, das “gerechte Gesellschaftsordnung” genannt wird, ist doch völlig egal, da seine Erreichung irrelevant wird, sobald die Sozialisten an der Macht sind.

    Der Sozialismus ist, egal ob utopisch oder mit wissenschaftlichem Mäntelchen, in etwa dasselbe wie der Islam: eine Machtbewegung skrupelloser und fanatischer Obskurantisten, die sich auf die ungebildeten und/oder elenden, die persönliche Freiheit gering achtenden Massen berufen und vorgeblich in deren Interesse handeln, um, wenn sie erst an der Macht sind, alle Verantwortlichkeit von sich auf das Feindbild abzuwälzen. Wenn aber die ganze Welt sozialistisch werden würde, müsste sich der sozialistische Staat in Ermangelung der Sündenböcke auf die schiere Gewalt stützen, um sich zu halten (wie dies das chinesische Regime praktiziert), oder er würde vollends zur Religion werden.
    _________

    *Falls der Leser jetzt in Panik ist: Dihydrogenmonoxid ist auch unter dem Trivialnamen “Wasser” bekannt.

  • 3

    Kommentar von Dox

    18. April 2008 @ 5:43

    Das wird eine interessante Diskussion. Wollen wir doch gleich erst einmal festhalten, was Kapitalismus ist. Er ist nichts anderes als Marktwirtschaft. Er funktioniert wie der Wochenmarkt, Bauernmarkt, Jahrmarkt und er funktioniert am besten unter folgenden drei Bedingungen.
    1. Schutz des Eigentums - Ein Bauer kann seine Kartoffeln nur dann zum Verkauf auf dem Wochenmarkt bringen, wenn sie ihm nicht geklaut werden, also sein Eigentum geschützt wird.
    2. Gewerbefreiheit - Jeder muß jede Ware herstellen und zum Verkauf anbieten dürfen, so dass es einen Wettbewerb um die besten und preiswertesten Waren gibt.
    3. Vertragsfreiheit - Ein Bauer braucht Landarbeiter, mit denen er Arbeitsverträge abschließt und es muß ihm überlassen sein, wen er zu welchem Lohn anstellt.
    Das ist Kapitalismus, nichts anderes. Einfach nur Marktwirtschaft. Aber es gibt sie nirgendwo und es gab sie noch nie. Es gab schon immer Kräfte, die sich ihr entgegenstellten. Da sind beispielsweise die Zünfte, die sich gegen die Gewerbefreiheit stemmen. Da sind die Gewerkschaften, die Vertragsfreiheit behindern. Und da ist der Staat mit seinen Steuern, der das Eigentum der Bürger nicht schützt sondern raubt. Andererseits gibt es einen weltweiten Wettbewerb auch unter den Märkten, so dass dort am meisten investiert wird, wo die drei Marktregeln am weitesten umgesetzt werden. Denn dort ist am meisten zu verdienen. Noch nie ging das so schnell wie heute durch das Internet. Es ist das Ende der Mythen. Völker, die an Chavez, Castro, Morales, Mugabe oder an andere Marktfeinde glauben, werden verarmen, dann noch mehr an Marktfeinde glauben, noch mehr verarmen und entweder irgendwann die Kurve kriegen oder wie die Moslems in Elend verharren. Der größte Marktfeind ist der Islam. Der Koran setzt alle Marktregeln außer Kraft. Hätten die Moslems nicht das Glück gehabt, daß man unter ihren Wüsten Erdöl fand, wären ihre Scheichs nicht Milliardäre, sondern Kameltreiber und ihre Mullahs Tagelöhner in Israel.

    Dass Lee Harris eine Wiederbelebung der Mythen erkennt, ist mir angesichts der weltweiten Entwicklung unverständlich. Das Christentum schrumpft katastrophal und dem Sozialismus brachen ganze Erdteile weg.

    Friedel B.

    Menschen brauchen Mythen? Du meinst Einfaltspinsel oder? Sie bestimmen aber nicht den Verlauf der Geschichte. Und mag ihre Anzahl den Schlitzohren auch tausendfach überlegen sein. Die lateinamerikanischen Indios befinden sich genauso wie die europäischen Sozialisten auf einem aussichtslosen Kriegspfad. Mit den Moslems, die sich mittels ihrer Ölmilliarden an die Spitze der Bewegung stellen, geht es nur umso schneller bergab. Chavez und Ahmadinedschad werden von den gerade erwachten Chinesen im Handstreich hinweggefegt. Ihr Ein-Parteien-System verkündet, werdet reich und läßt dem Markt in noch nie dagewesenem Maße freien Lauf. Die Mönche von Tibet protestieren unter dem Beifall des Westens. Es wird beiden nichts nützen. Da helfen alle Heilpraktiker nichts, Friedel. Das Kapital ist die Moral. Und das ist gut so, weil sie sonst beliebig wäre

  • 4

    Kommentar von Eisvogel

    19. April 2008 @ 7:51

    Ich schreibe später noch etwas dazu, bin übers Wochenende nicht da.

    Schönen Sonntag an alle :smile:

  • 5

    Kommentar von Manfred

    19. April 2008 @ 22:08

    Möglicherweise sind Kapitalismus und Sozialismus gar nicht die Gegensätze, für die wir sie halten. Marx’ Argumentation lautete ja ungefähr so: Wenn die gesellschaftliche Arbeitsteilung nur weit genug fortgeschritten ist, wenn die ganze Welt in das kapitalistische Marktsystem einbezogen und alle nicht- oder vorkapitalistischen Bindungen zerstört sind, dann wird Produktion in jeder Hinsicht zur gesellschaftlichen Produktion; man muss dann nur noch die funktionslos gewordenen Kapitalisten enteignen, und schon hat man den Sozialismus. Dass man sich damit zugleich einen totalitären Staat einhandelt, konnte und wollte er nicht sehen.

    Die logische Konsequenz, die freilich kein Sozialist ziehen wollte, musste lauten, dass eine sozialistische Revolution Unfug ist, dass es vielmehr darauf ankommen muss, den Kapitalismus in Reinkultur zu verwirklichen.

    Genau dies ist aber Inhalt eines radikal auf die Spitze getriebenen Neoliberalismus. Wenn die typische linke Argumentationskette, durch die man sie als linke erkennen kann, lautet, dass der Mensch eigentlich gut ist, dass er nur durch die Strukturen und gesellschaftlichen Verhältnisse böse gemacht wird, und das deswegen die Zerstörung dieser Verhältnisse den Weg zum irdischen Paradies weist, dann ist der Neoliberalismus (immer in seiner radikalen Variante der Zerstörung aller nichtmarktwirtschaftlichen Strukturen) eine LINKE und keine RECHTE Utopie.

    Sogar strukturell ist diese Ideologie dem Sozialismus verwandt: So wie die Sozialisten ihr regelmäßiges Scheitern damit erklären, dass es eben nicht der “wahre” Sozialismus gewesen sei, so erklärte der IWF jahrzehntelang das Scheitern etlicher seiner marktradikalen Rosskuren damit, dass sie eben nicht radikal genug gewesen seien, weil ja nicht die Gesamtheit aller gesellschaftlichen Strukturen auf das Marktprinzip umgestellt wurde. Eine solche Theorie, die von einer Utopie ausgeht, die gar nicht verwirklicht werden kann,ist gegen jede rationale Widerlegung strukturell gefeit und gerade daran als totalitäre Ideologie erkennbar.

    Diese Ideologie läuft auf die vollständige Vernichtung aller bestehenden gesellschaftlichen Solidaritätsbeziehungen hinaus und ähnelt darin dem Kommunismus (zu dessen Programm ja ebenfalls die Zerstörung vorrevolutionärer Bindungen an Familie, Nation und Religion gehörte, die Zerstörung überkommener Produktionsstrukturen sowieso). Da eine Gesellschaft auf dieser Basis nicht existieren kann, wird die Rekonstruktion des gesellschaftlichen Zusammenhangs von oben, das heißt mit den Mitteln der Diktatur, und somit die Errichtung eines totalitären Regimes zur Notwendigkeit.

    Es könnte sein, dass Marx mehr Recht hatte, als er selbst ahnte.

  • 6

    Kommentar von steppenwolf

    20. April 2008 @ 1:54

    Es ibt eine Ideologie die noch schlimmer ist, als der Sozialismus.
    Das Gutmenschentum ist eine Ideologie.
    Und PC ist ist die Waffe mit der alle Andersdenkenden niedergeknüppelt werden.

    Sie wird als solche nicht wahrgenommen, weil sie perfide ist und schleichend daher kommt.
    Es gibt kein Buch, daß Regeln vorschreibt oder ihren Anhängern Vorgaben macht.
    Sie beruht nur darauf, den Hochkulturen ein schlechtes Gewissen zu vermitteln.
    Dieses schlechte Gewissen wird benutzt um Mrd.-Summen für vermeintlich gute Zwecke zu bewegen.
    Dieser Geldfluß ist nicht zu kontrollieren.
    Das ist der springende Punkt!
    Zudem vermittelt diese Ideologie den Menschen das Gefühl auf der guten, intellektuell überlegenen Seite zu stehen.
    Wer möchte das nicht?
    Somit wird diese Ideologie zum Selbstläufer.

    Diese Ideologie ist Dekadenz in letztem Stadium.
    Menschen, die diese Ideologie verinnerlicht haben, begreifen nicht, daß Völker die um ihre Existenz und nicht um Luxusgüter kämpfen, ihr nicht folgen können. Sie begreifen auch nicht, daß die Völker sich auf verschiedenen Kulturstufen befinden und nicht miteinander zu vergleichen sind. Sie glauben durch entsprechende Schulung z.B. einen Pygmäen innerhalb kürzester Zeit mit einem Computer konfrontieren zu können.
    Die Ideologie des Gutmenschentums können sich nur Völker leisten, die im Überfluß leben und somit glauben den Frieden auf Erden durch Wohltaten zu erkaufen und damit der Gewalt abschwören zu können.
    Es ist unmöglich Kulturen, die den Weltraum erobern wollen, mit Steinzeitideologien, wie den Islam auf eine Stufe zu stellen.
    Diese Ideologie, die sich nach dem Schrecken des 2. WK in den westlichen Kulturen entwickelt hat ist natürlich ideal für Kräfte, die diese hervorragend für ihre Zwecke einsetzen können.
    Unsere Politiker merken nicht, daß sie auch nur benutzt werden.
    Sie sind zu sehr damit beschäftigt ihre eigenen Pfründe zu sichern.
    Abgesehen davon sind sie in der Regel auch zu dumm dazu.
    Gutmenschentum ist die Ideologie der Dummheit, die im Glauben an die Gewaltfreiheit den Untergang des freien Menschen den Weg ebnet.
    Millionen von Sozialarbeitern und Therapeuten werden diesen beschleunigen.
    Nicht zu vergessen, daß diese für ihre dümmlichen Theorien von der geringen Anzahl der Bevölkerung, die noch zum BSP beiträgt, gut alimentiert werden.
    Sie sind eine Säule dieser Ideologie.

  • 7

    Kommentar von Time

    20. April 2008 @ 16:06

    Hallo allerseits,

    zur Zeit von Karl Marx war die (ja eigentlich immer) äußerst stürmische Entwicklung des Kapitalismus in Europa mit Massenelend, Landflucht, extremen Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit usw. verbunden, was schon damals ganz offenbar durch das (damals relativ neue) Wirtschaftssystem verursacht war. Humanistische Gesinnung mag die Auffassung begünstigt haben, dass es der Verbesserung der elenden Lebensumstände (sehr) vieler Menschen förderlich sei, wenn dieses (wilde) Wirtschaftssystem wissenschaftlich verstanden und damit lenkbarer würde.

    Dabei darf mE nicht vergessen werden, dass entscheidende wissenschaftstheoretische Erkenntnisse NOCH nicht vorlagen, mithin die Erwartungen in “DIE Wissenschaft” vielleicht größer waren als heute: “Wissenschaft” war ein viel allgemeinerer und viel ungenauer gefaßter Begriff als heutzutage. Wie Thatcher in #2 aufzeigt, nennen sich Soziologie oder Psychologie “Wissenschaften” (so aber zB auch die “Informatik” ), aber sie sind doch etwas ganz anderes als NATURwissenschaften, insofern sie nicht empirisch falsifizierbar, also überprüfbar sind: Es scheint kein Verhalten, keine Situation, keinen Gegenstand zu geben, der die diesen Disziplinen entstammenden Theorien widerlegen könnte, sie können vielmehr ALLES erklären, sind irgendwie irgendwann irgendwo IMMER zutreffend. Was passiert zB., wenn man seine Kinder schlägt? Werden diese zu Schlägern oder schlagen sie ihre eigenen Kinder? Das ist gut möglich, MUSS aber nicht sein… (Ich könnte mir denken, dass dieser Unterschied zu den NATURwissenschaften auch darin begründet ist, dass der Gegenstand dieser Wissenschaften der Mensch, sein GEIST und seine Schöpfungen sind: Aber der menschliche Geist ist sehr groß und sehr schnell (Gott hat uns eben nach SEINEM BILD gemacht…), und so entzieht sich DIESER Gegenstand vielleicht prinzipiell völliger und allgemeingültiger Erkenntnis) Es ist also mE einerseits verfehlt, den Human-, Geistes oder Wirtschaftswissenschaften JEDE Wissenschaftlichkeit ABzusprechen, zumal, da sie allesamt ua. naturwissenschaftliches Intrumentarium, Empirie, Experiment, Statistik, Mathematik usw. einsetzen. Es geht auch ihnen um Verständnis und Wissenserweiterung. Es ist aber (ebenso) verfehlt, ihnen denselben (Absolutheits- oder) Gültigkeitsgrad ZUzusprechen wie den NATURwissenschaften… Aber genau DIES geschieht ständig (zB im Kampf um Fördermittel)…

    In Bezug auf DEN Sozialismus gesehen (wobei manche meinen, es gäbe so viele Sozialismen, wie es Sozialisten gäbe) ist das “wissenschaftliche Mäntelchen”, wie es Thatcher nennt (und gemeint ist von den Sozialisten das NATURwissenschaftliche) mE in der Tat ein Instrument zur MACHTergreifung. Dieses Instrument wird nicht zufällig zur Zeit von Marx relevant, denn mit dem rasanten Aufstieg des Kapitalismus erfolgt auch der rasante Aufstieg der Wissenschaften und Naturwissenschaften und der technischen Umsetzung der neuen Erkenntnisse. Für Gott wurde es eng auf der Erde und auch im Himmel, er zog sich (quasi) aus der konkreten Sphäre der Menschen zurück und trat seinen Platz an “DIE Wissenschaft” ab. Wenn Führer ihren Herrschaftsanspruch in früheren Zeiten religiös legitimierten, wobei der Begriff des “Wunders” eine große Bedeutung hatte, geschah dies nunmehr durch “DIE Wissenschaft” mit dem Zentralbegriff des “Wissens”. Der Sozialismus (aber auch alle zeitgleich konkurrierenden Ideologien) präsentierte sich jetzt quasi als “Naturwissenschaft”, die nunmehr auch die “Berechnung” der Menschheit und ihrer Zukunft erlauben sollte. “Lesen lernen”, “die Welt erkennen”, “Wissen erweitern” sind wesentliche propagandistische Schlagworte der Sozialisten, die (aber auch) fortschrittlich-emanzipatorische Wirkung entfalten konnten: Kein sozialistisches Land ohne Alphabetisierungsquote von 95% oder mehr. Oder die Frauenfrage, vergleichen Sie die unerträgliche Lage der Frauen im Mohammedanismus mit der der Frauen im Sozialismus.

    Vor der wissenschaftlichen Revolution und ausserhalb Europas war bzw. ist das “Wunder” ein Machtinstrument hohen Ranges. Die Pharaonen konnten sich durch ihr astronomisches Geheimwissen bei Sonnenfinsternissen als Herrscher über Tag und Nacht inszenieren, und die Bibel ist voller Wundergeschichten. Letztere können aber vor allem auch als eingebauter Schutz bestimmter Inhalte verstanden werden, die dadurch, dass sie mit einem Wunder (also Gott direkt) verbunden werden, gegen Gegeninhalte immunisiert werden. Was immer ein Mensch gegen die Autorität der Bibel vortragen oder durchsetzen will, wird so nur gehört, wenn er mindestens ein Wunder vollbrigen kann. Diesem Problem trug Jesus Rechnung, und dies mußte auch Mohammed, der sich in einem von jüdisch-christlichen Vorstellungen durchsetzten Gebiet etablieren wollte. Jedoch bestand beim ANTI-Christen das WUNDER natürlich zB. darin, dass es KEIN Wunder gab. Ein Zeichen von Allah waren weiterhin Tag und Nacht und natürlich der Kloran. Erleben Sie also jetzt mal den dreckigen Mo, wie er sich dreht und windet und ganz viel über Zeichen und Wunder redet und sie für sich in Anspruch nimmt, ohne dass je ein klitzekleines geschehen wäre:

    „Und HÄTTEN wir auf dich herabgesandt eine SCHRIFT auf Pergament, und hätten sie sie mit ihren Händen berührt, wahrlich, gesprochen hätten die Ungläubigen: „Dies ist nichts als offenkundige Zauberei.“ Und sie sprechen: „Warum ist denn kein Engel zu ihm herabgesandt?“ Aber wenn wir einen Engel hinabgesandt HÄTTEN, so wäre die Sache entschieden gewesen, und dann wäre er nicht mit ihnen verzogen.“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 7+8; Recl. S. 130)

    „Sprich: „Was ist das größte Zeugnis?“ Sprich: „Allah ist Zeuge zwischen mir und zwischen euch, und offenbart ward mir DIESER KORAN… .“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 19; Recl. S. 131)

    “… Und sie (die Ungläubigen; T.) sprechen: „Wenn nur ein Zeichen auf ihn herabgesandt würde von seinem Herrn!“ Sprich: „Siehe, Allah ist mächtig, ein Zeichen hinabzusenden, jedoch würde die Mehrzahl von ihnen es nicht WISSEN.“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 33 bis 37; Recl. S. 132/133)

    „Schau, wie wir die Zeichen geben, sie aber WENDEN sich ab!“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 46; Recl. S. 134)

    „Jene aber, die unsere Zeichen der Lüge zeihen, treffen wird sie die Strafe für ihre Freveltaten.“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 49; Recl. S. 134)

    „Sprich: „Er hat die Macht dazu, auf euch eine Strafe zu senden von über euch oder von unter euren Füßen und euch in Sekten zu verwirren und dem einen des anderen Gewalt zu schmecken zu geben.“ Schau, wie wir die Zeichen klarmachen!“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 65; Recl. S. 136)

    „Und nicht bewerten sie Allah mit richtigem Wert, wenn sie sprechen: „Nicht hat Allah auf einen Menschen etwas herabgesandt.“ Sprich: „Wer hat hinabgesandt das Buch, das Moses brachte als ein Licht…“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 91; Recl. S. 139)

    „Siehe, Allah läßt keimen das Korn und den Dattelkern, hervor bringt er das Lebendige aus dem Toten und hervor das Tote aus dem Lebendigen. Das ist Allah, und wie seid ihr abgewendet? Anbrechen läßt er den Morgen, und bestimmt hat er die Nacht zur Ruhe und Sonne und Mond zur Berechnung der Zeit. Das ist die Anordnung des Mächtigen, des Wissenden. Und er ist’s, der für euch die Sterne gemacht hat, daß ihr von ihnen geleitet werdet in den Finsternissen zu Land und zu Meer! Deutlich haben wir die Zeichen nunmehr erklärt für einsichtige Leute. Und er ist’s, der da hinabsendet Wasser, und wir bringen heraus durch dasselbe die Keime aller Dinge; und aus ihnen bringen wir Grünes hervor, aus dem wir dichtgeschichtetes Korn hervorbringen; und aus den Palmen aus ihrer Blütenscheide niederhängende Fruchtbüschel; und Gärten von Reben und Oliven und Granatäpfeln, einander ähnlich und unähnlich. Schaut nach ihrer Frucht, wenn sie sich bildet und reift. Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen für gläubige Leute.“
    (6. Sure „Das Vieh“, Vers 95 bis 99; Recl. S. 140 u.v.ä.m.)

    „Gekommen sind nunmehr zu euch Beweise von euerm Herrn…“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 104; Recl. S. 141)

    „Und also machten wir die Zeichen klar, und damit sie sagen: „Du hast studiert“, und damit wir ihn (den Koran; A.S.) für Leute von Verstand deutlich machen.“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 105; Recl. S. 141)

    „Und geschworen haben sie bei Allah den heiligsten Eid, daß, wenn ein Zeichen zu ihnen käme, wahrlich, dann würden sie daran glauben. Sprich: „Allein bei Allah sind die Zeichen…“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 109; Recl. S. 142)

    „So esset das, worüber Allahs Name gesprochen ward, so ihr an seine Zeichen glaubt.“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 118; Recl. S. 143)

    „Und so ein Zeichen zu ihnen kommt, sprechen sie: „Nimmer glauben wir, ehe nicht zu uns kommt, was zu den Gesandten Allahs kam.“ Allah weiß sehr wohl, wem er seine Sendung gibt. Wahrlich, treffen wird die Sünder Entehrung bei Allah und strenge Strafe für ihre Ränke. Und wen Allah leiten will, dem weitet er seine Brust für den Islam, und wen er irreführen will, dem macht er die Brust knapp und eng, als wollte er den Himmel erklimmen. Also straft Allah die Ungläubigen. Und dies ist der rechte Weg deines Herrn. Nunmehr haben wir unsere Zeichen Leuten, die beherzigen, ausgelegt.“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 124/126; Recl. S. 143)

    „Und wer ist sündiger, als wer Allahs Zeichen der Lüge zeiht und sich von ihnen abkehrt? Wahrlich, lohnen werden wir jene, die sich von unsern Zeichen abkehren, mit schlimmer Strafe; dafür daß sie sich abwendeten.“ (6. Sure „Das Vieh“, Vers 158; Recl. S. 148)

    „Siehe, diejenigen, die unsere Zeichen der Lüge zeihen… nicht gehen sie ein ins Paradies, ehe ein Kamel durch ein Nadelör geht; und also belohnen wir die Missetäter. Ihnen sei Dschehennam der Pfühl und über ihnen seien Decken aus Feuer.“ (7. Sure „Der Wall“, Vers 38/39; Recl. S. 153)

    „Diejenigen aber, welche unsere Zeichen der Lüge zeihen, wollen wir Stufe für Stufe strafen, von wannen sie’s nicht wissen. Und verziehe ich auch mit ihnen, siehe, meine List ist sicher.“ (7. Sure „Der Wall“, Vers 181+182; Recl. S. 169)

    „Und wenn du kein Zeichen zu ihnen bringst, sprechen sie: „Warum hast du es nicht eingesammelt?“ Sprich: „Ich folge nur dem, was mir von meinem Herrn offenbart ward.“ Dies sind klare Beweise von deinem Herrn und eine Leitung… für gläubige Leute.“ (7. Sure „Der Wall“, Vers 202; Recl. S. 171)

    „Und sei auch nicht von jenen, welche Allahs Zeichen der Lüge zeihen, sonst bist du einer der Verlorenen. Siehe, diejenigen, wider welche das Wort deines Herrn gefällt ist, werden nicht glauben, auch wenn alle Zeichen zu ihnen kämen, bis sie die schmerzliche Strafe sehen.“ (10. Sure „Die Reue“, Vers 95 bis 97; Recl. S. 207)

    „Und Allah sendet vom Himmel Wasser hinab und belebt damit die Erde nach ihrem Tod. Siehe, hierin ist wahrlich ein Zeichen für hörende Leute.“ (16. Sure „Die Bienen“, Vers 67; Recl. S. 257)

    Während sich der Pisslahm vergangener Tage also noch intensiv mit dem “Wunder” zu verbinden trachtete, hat er sich heutzutage auch “die Wissenschaft” vorgenommen, Mohammed erscheint als der größte Wissenschaftler aller Zeiten und Mammut-Gardinenstange, der iranische Räuberhauptmann, bezeichnet sich ja auch gerne als Professor.

    Einen umgekehrten Weg wiederum scheint der von HARRIS analysierte SOREL dem von ihm gedachten Sozialismus anempfehlen zu wollen, indem er das ganze “wissenschaftliche” Getue verwirft und durch die der Religion entliehenen Begriffe (denn richtig religiös konnte er innerhalb der sozialistischen Bewegung natürlich nicht argumentieren) von Mythos oder Heldenhaftigkeit ersetzt. “Sorel, für den die Religion bedeutsam war, zog einen Vergleich zwischen einem Christen und einem sozialistischen Revolutionär” heißt es bei Harris. Dabei machte Sorel aus der pragmatisch-taktischen Ausrichtung seiner Gedanken, aus seinem puren Machtwillen, wie diesen Thatcher bereits konstatiert hat, offenbar kein Hehl: “… wird auch der Mythos des Sozialismus so lange trotz zahlloser Fehlschläge sozialistischer Experimente Macht haben, wie Revolutionäre unwillig sind, ihren großen Mythos preiszugeben. Deshalb lehnte er den wissenschaftlichen Sozialismus ab - wenn es nur um Wissenschaft ginge, dann würde die Macht einer Religion fehlen.” Interessanterweise wurde er dann letztlich offenbar eher ein Impresario der politischen Rechten, konkret des Faschismus, wie Wiki feststellt: “Wie Henri Bergson oder Ernst Jünger ging es Sorel nach Lenk um die Ausrufung eines permanenten Ausnahmezustandes : „Stets geht es letztlich um eine Entscheidung zwischen Untergang oder Rettung durch irgendwelche heroische Taten“. Im Zentrum von Sorels Denken steht daher der Krieg: „Das Ethos, das dem revolutionären Mythos entspricht, ist kriegerisch. Es sind die Tugenden des Soldaten, die Sorel hervorhebt: Mut, Tapferkeit, Selbstbeherrschung und Selbstverzicht, Opferbereitschaft.“ Auf Sorel beriefen sich viele Intellektuelle des revolutionären Syndikalismus, von denen die Mehrzahl zum Faschismus übertrat. Auch Mussolini bezog sich direkt auf Sorel.”

    Insofern es in Südamerika also leider eine unerwartete Renaissance sozialistischer Ideen gibt, ist die Aufforderung von Harris mE richtig, diese Ideen nicht nur auf ihren “wissenschaftlichen”, sondern auch auf ihren “religiösen” bzw. “religiösoiden” Gehalt zu untersuchen. Eine ganze Reihe von Autoren haben zudem schon darauf hingewiesen, dass zu dieser Mischung auch noch Maya- oder Inkatraditionen kommen könnten (Morales definiert sich zB. eindeutig und stark als Indio). Den Sozialismus jedoch auf diesen Aspekt zu reduzieren, halte ich auch für falsch. Wenn Harris fragt: “Warum hören die Menschen in Bolivien und Venezuela so begeistert auf den sozialistischen Sirenengesang von Evo Morales und Hugo Chavez anstatt die ausgezeichneten und vernünftigen Ratschläge von Hernando de Soto zu beherzigen? Warum schreien sie danach, dem Staat immer noch mehr Macht und Kontrolle zu geben anstatt danach zu streben, sich selber von exakt dem Hindernis zu befreien, das den Weg zu jedem echten wirtschaftlichen Fortschritt versperrt?”.. dann wäre meine Antwort: “Weil das, was sie aktuell haben, und was sie als unzureichend empfinden (zB weil es sie hungrig läßt), sich kapitalistisch nennt. Also setzen sie auf den Sozialismus, da dieser sich als Gegenentwurf zum Kapitalismus platziert.” Mit anderen Worten, der Sozialismus ist mE durchaus noch nicht als Wirtschaftstheorie bzw. “Wissenschaft” erledigt, er erscheint denen, die gar nichts haben, natürlicherweise attraktiv, er (bzw. diese oder jene Richtung) erscheint bei jeder Krise des Kapitalismus als erneut überdenkenswerte Alternative.

    Ich wundere mich daher, wenn Harris rhethorisch fragt: “Ja, der Kapitalismus ist die einzige Methode, voranzukommen; aber reicht der bloße Appell an die Vernunft aus, die große Masse der Männer und Frauen und dabei insbesondere diejenigen, die arm und ausgestoßen sind, dazu zu bringen, ihre Ohren gegenüber jenen zu verschließen, die ihnen die sozialistische Apokalypse versprechen, insbesondere wenn die Menschen, die diese Versprechungen machen, charismatisch und verführerisch sind und sich bereit zeigen, in revolutionärem Trotz gegen ihre Unterdrücker aufzustehen?” Hier wäre es doch logisch, da Harris die Adressaten der Sozialisten kennt, nämlich die Armen und Ausgestoßenen, diese aus ihrer Armut und Ausgestoßenheit zu befreien, anstatt ihnen die Theorien von Professor de Soto vorzutragen. Oder ist Armut und Ausgestoßenheit ein unabänderliches Schicksal? Sollten nicht GRADE vernünftige, rationale, wirtschaftswissenschaftlich fundierte usw. Maßnahmen getroffen werden? “(Der) Mythos des revolutionären Sozialismus. Das ist die Herausforderung, der sich der Kapitalismus in der heutigen Welt gegenübersieht - ob er sich der Herausforderung gewachsen sieht, ist die dringlichste Frage unserer Zeit… Schlechte Mythen können nur mit besseren Mythen ausgetrieben werden, und wenn der Kapitalismus keinen besseren Mythos liefern kann als der Sozialismus, wird der letztere wieder obsiegen.” Sollen wir gegen die Scharia etwa eine Gegenscharia errichten? Welcher Mythos könnte für Arme und Ausgestoßene denn so attraktiv sein, dass sie dafür auf eine Mahlzeit, die ihnen die Sozialisten spendieren, verzichten würden? Überhaupt ist es doch vielleicht auch eher so, dass die westliche Lebensweise sich grade samt ihrer durch die Popkultur transportieren westlichen Mythen global durchsetzt. Die o.g. SCHLUSSFOLGERUNG von Harris halte ich mithin für kompletten Unfug.

    Mit freundlichen Grüßen

    von Time

  • 8

    Kommentar von Eo

    21. April 2008 @ 1:30

    {>!<}
    Wer sich vom Sozialismus, dieser unmenschlichen Gleichheits-Utopie sein Heil verspricht, sollte vielleicht davon träumen, in seim nächsten Leben als ameise wiedergeboren zu werden. Denn diese Form von Sozialismus (im Insektenstaat) funktioniert wenigstens. Aber selbst da ist die Gleichheit nicht total; im Ameisensozialismus gibt’s ja noch ne Königin. Und Drohnen, die nichts arbeiten, und nur für Lust und Liebe zuständig hat es außerdem.
    Der Sozialismus mitsamt dem ganzen Gleichheitswahn ist und bleibt ein unmögliches und unerfüllbares Versprechen. Und wenn mun irgendwelche Hitzköpfe daran gehen, diese Idiologie in die Tat umzusetzen, werden schnell viele Verbrechen daraus. Im Grunde ist der Sozialismus ein diffuser Glaube, der der Wirklichkeit nur sehr unzureichend gerecht wird. Da fühl ich mich immer an an einen Aphorismus erinnert, einen Sinnspruch also, der mir vor etwa 20 Jahren zu Ohren gekommen ist: Nachdem wir das Ziel gänzlich aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.
    Aber ob der Kapitalismus dazu wirklich die Alternative sein soll mit der Vernutzung und Verzifferung von allem und jedem und 24 Stunden am Tag Konkurrenz global rund um die Uhr, wage ich zu bezweifeln. Und was die Konflikte dieser Zeit angeht auf der Hauptbühne Hypermoderne vs. Archaiker und auf der Nebenbühne die Gleichheitsfanatiker gegen die Tradionalisten, ist alles doch gar sehr verwickelt. Und zu allem Übel kommt noch dazu, daß der Mensch (als Spezies) durch sein exponenzielles Wachstum und seine Änderungswut (der Gedanke, die ganze Welt als Rohstoff und Verfügungsmasse betrachten zu können), inzwischen, wie es den Anschein hat, die gesamte Natur gegen sich aufgebracht hat. So toll die Erfolge der Wissenschaft sein mögen, die Sicherheit der Völker ist (auf längere Sicht) nicht gerade gestärkt worden, stattdessen wurde eine unkontrollierbare Dynamik entfacht, die mehr an einen verantwortungslosen, unbedarften Knaben, einen Zauberlehrling eben denken läßt.
    Nach meim Gefühl ist da eine ziemliche Hybris im Spiel oder am Werk, die uns schwer auf die Füße fallen wird. Um diesen Gedanken zu untermauern, hier ein Zitat von Ernst Jünger: „Die grauenvollste Aussicht ist die der Technokratie - einer kontrollierenden Herrschaft,
    die durch verstümmelte und verstümmelnde Geister ausgeübt wird
    “. Und wenn ich mich selber auf diesem Tableau einordnen soll, dann am ehesten bei den Traditionalisten. Bin ja Kelte oder Keltogermane.

  • 9

    Kommentar von Dox

    21. April 2008 @ 3:48

    Time 7

    Ihr Ansatz ist schon falsch:
    “Zur Zeit von Karl Marx war die stürmische Entwicklung des Kapitalismus in Europa mit Massenelend, Landflucht, extremen Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit usw. verbunden, was durch das neue Wirtschaftssystem verursacht war.”
    Nun, das Elend war vor der Industrialisierung viel größer. Die von Engels beschriebene Lage der Industriearbeiter war gegenüber ihrer vorherigen Lage als Bauern, Tagelöhnern und Knechte schon eine derartige Verbesserung, dass es beispielsweise keine Hungersnöte mehr gab. Vorher wohnten sie in Lehmhütten und Erdlöchern. Ihre schäbigen Arbeitersiedlungen waren schon ein großer Fortschritt.
    Industrialisierung hat nirgendwo vorhandenes Elend anwachsen lassen. Auch in China wächst das Elend nicht durch den eingeführten Kapitalismus. Es wird in den Medien so dargestellt als ob der Reichtum auf Kosten der Armen ginge. Das ist Blödsinn. Da werden die armen Wanderarbeiter ins Feld geführt und so getan als ob sie vorher reicher gewesen wären. Wenn jemand zum Wanderarbeiter wird und sein Dorf verlässt, dann doch nur deshalb, weil er auf dem Land noch schlechter dran ist. Genauso war es in England.
    Warum sollen Soziologie und Wirtschaftswissenschaft nur deshalb keine ernstzunehmenden Wissenschaften sein, weil sie nicht so streng logisch wie Naturwissenschaften sind? Wissen Sie wie ahnungslos die Atomphysiker waren als sie die Kernspaltung erfanden? Sie wissen bis heute noch nicht, was hinter den Quanten steckt, erzielen aber tolle Ergebnisse. Einstein knurrte zunächst “Gott würfelt nicht” und sagte später: “Man muss die Welt nicht verstehen. Man muss sich nur in ihr zurechtfinden.”

    Eo 8

    “Aber ob der Kapitalismus dazu wirklich die Alternative sein soll mit der Vernutzung und Verzifferung von allem und jedem und 24 Stunden am Tag Konkurrenz global rund um die Uhr, wage ich zu bezweifeln.”

    Sie bezweifeln also, dass Gewerbefreiheit, Vertragsfreiheit und Eigentumsschutz sinnvoll sind? Es stört Sie, dass diese Regeln rund um die Uhr überall auf der Welt gelten sollen? Was genau stört Sie daran?

    Thatcher 2

    “Wenn aber die ganze Welt sozialistisch werden würde, müsste sich der sozialistische Staat in Ermangelung der Sündenböcke auf die schiere Gewalt stützen, um sich zu halten (wie dies das chinesische Regime praktiziert)”

    China ist keine westliche Demokratie, aber es ist keine sozialistische Diktatur. Es hindert keinen seinen Bürger daran Unternehmer zu werden. Es ist viel einfacher in China ein Restaurant zu eröffnen oder ein Stahlwerk zu errichten als in Deutschland. Lediglich mit der politischen Meinungsfreiheit hat die Einheitspartei noch ein Problem. Bedenkt man aber, welche Wandlung die einst kommunistische Partei durchgemacht hat, kann man auch diesbezüglich zuversichtlich sein.

  • 10

    Kommentar von Time

    21. April 2008 @ 11:57

    Hallo allerseits,

    der Papst rechfertigte (FAZ-Titel/190408) vor der UNO “humanitäre INTERVENTIONEN”:

    “… hat am Freitag in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen die universale und absolute Geltung der Menschenrechte sowie, daraus abgeleitet, das Recht der Vereinten Nationen zu humanitären Interventionen verteidigt…/…/… heißt es, die Menschenrechte seien “gültig für alle Zeiten und für alle Völker” und müssten gegen ideologische Relativierung und Schwächung aus politischen Gründen geschützt werden. Das Gemeinwohl der internationalen Völkerfamilie im friedlichen Zusammenleben der Nationen und die Würde und Freiheit des Einzelnen in der Gesellschaft und in der Familie seien unverletzliche Prinzipien… Jeder Staat”, sagte der Papst, “hat zuerst die Pflicht, die eigene Bevölkerung vor schweren und dauernden Verletzungen der Menschenrechte zu schützen, wie auch vor den Folgen humanitärer Krisen, mögen sie von der Natur oder vom Menschen hervorgerufen worden sein.” Wenn jedoch - so begründete Benedikt ein internationales Interventionsrecht “die Staaten nicht imstande sind, diesen Schutz zu garantieren, muss die internationale Gemeinschaft mit den rechtlichen Mitteln eingreifen, die in der UN-Charta und anderen internationalen Dokumenten niedergelegt sind”. Dies stelle keine Einmischung oder Verletzung der Souveränität dar; Gleichgültigkeit sei vielmehr schädlich. Vor den Delegierten von 192 Staaten knüpfte Benedikt an die Reden seiner Vorgänger vor den Vereinten Nationen an, Pauls Vl. im Oktober 1965 sowie Johannes Pauls 11. 1979 und 1995. Es gelte nach wie vor, was der Völkerrechtler Francisco de Vitoria im 16. Jahrhundert aus dem “lus gentium” als “Schutzverantwortung der Regierenden gegenüber den Regierten” abgeleitet und was der Kirchenlehrer Augustinus in der Antike gelehrt habe: “Tue nichts anderen, was Du nicht willst, dass es Dir getan wird.” Diese Maxime könne “in KEINER Weise variieren, je nachdem, wie man es jeweils und in verschiedenen Kulturen verstehen will”.”

    Heute verdeutlicht ein Kommentar von Matthias Rüb (Titel) die große Sympathie, die der katholische Papst im überwiegend evangelischen Amerika erfährt:

    “Im Garten des Weißen Hauses bezeugte Benedikt XVI. seine Freundschaft mit Amerika, seinen Respekt vor der “großen pluralistischen Gesellschaft” der Vereinigten Staaten und seine Hochachtung für jene ungezählten Amerikaner, die “ihr LEBEN für die Verteidigung der Freiheit daheim und im Ausland GEOPFERT haben”. In der wachsenden paneuropäischen Säkularkirche muss solche Huldigung an das “Land der Freien” als Häresie gelten. Dass der Papst und Präsident Bush in nahezu identischer Diktion die Freiheit als Geschenk des Schöpfers an alle Menschenkinder beschreiben, dass sie sich gemeinsam zum Platz des Glaubens in der Öffentlichkeit bekennen, dass sie die Möglichkeit der Harmonie von Glaube und Vernunft bekräftigen - das macht sie im zunehmend gottfernen Europa gleichermaßen zu Außenseitern. Nicht in den Vereinigten Staaten,”dem innovativsten, kreativsten und dynamischsten Land der Erde - das zugleich zu den religiösesten gehört” (Bush). Tatsächlich schien sich der Papst bei seiner Visite in Amerika daheim zu fühlen. Sichtlich genoss er Respekt und Zuneigung. Das eine wie das andere wurde ihm auch vom nichtkatholischen Amerika entgegengebracht: Das evangelische Amerika, also die Mehrheit der Bevölkerung, empfing den Papst mit offenem Herzen.”

    Auf PI gibt es ein Video vom Besuch des Papstes ( http://www.pi-news.net/2008/04/video-des-tages-papst-benedikt-am-ground-zero/ ). Es ist so gesehen ziemlich langweilig, aber grade das ist mE das Gute daran, die Ruhe, Unaufgeregtheit, Uninszeniertheit, Nüchternheit.

    Bleibt mir noch, mich als Verehrer von George W. Bush wie auch Papst Benedikt XVI. zu outen.

    Mit freundlichen Grüßen

    vom evangelischen Time

  • 11

    Kommentar von steppenwolf

    21. April 2008 @ 17:49

    Ich stelle hier nocheinmal etwas anders formuliert, meine Gedanken zur Gutmenschentumideologie ein (siehe Beitrag 6). Ich mache mir über diese Ideologie(wie ich sie nenne) erst seit kurzem Gedanken. Ich würde mich freuen andere Meinungen dazu zu erfahren.

    Gutmenschentum ist eine Ideologie, die ein Selbstläufer geworden ist.

    Die dümmste und für die Menschheit gefährlichste, die es je gegeben hat.
    Entstanden nach den fürchterlichen Kriegen der Kulturnationen im 20. Jahrhundert.

    Es gibt niemanden, der sie schriftlich fixiert hat. Sie hat sich in das Denken der Kulturnationen aus einem schlechten Gewissen heraus geschlichen.

    Das Gutmenschentum, das intellektuell unangreifbar ist und ihre Träger befriedigt, sozusagen unangreifbar macht.

    Wer möchte nicht ein guter Mensch sein?

    Zumindestens in den westlichen Hochkulturen.

    Ist aber nur eine Form des Überlegenheitsdenkens, daß bei anderen als Rassismus gegeißelt wird.

    Der Gutmensch ist der Überzeugung mit sozialen und therapeutischen Mitteln alle Menschen ins Gutmenschenschema pressen zu können.

    Eine Ideologie die verkennt, daß Völker , die geistig, kulturell noch Jahrhunderte zurückliegen, dem geistig nicht folgen können und somit nicht therapierbar sind.

    Sondern mit Verachtung auf die Gutmenschen (die sich so überlegen fühlen) herniederblicken.

    Kulturen, die aus einem Überlegenheitsgefühl nicht mehr in der Lage sind, ihre Identität mit Gewalt zu verteidigen sind, verlieren den Kampf gegen die Barbaren.

    Die Ideologie des Gutmenschentums lehnt die Gewalt ab, vergißt aber dabei, daß diese Ideologie nur in einer gutmenschlichen Gesellschaft funktionieren würde.

    Mit Sozialarbeitern und Therapeuten läßt sich diese Gutmenschengesellschaft nur in den westlichen Gesellschaften erzwingen.

    Bei anderen Kulturen würde es Gewalt brauchen.

    Für Gutmenschen undenkbar.

    Die Diktatur der Gutmenschen wird nicht vom Militär, sondern von einem Millionenheer von Sozialarbeitern, Therapeuten und sonstigen Mitgliedern der Gesellschaft, die sich von dieser alimentieren lassen geschützt

    Wer möchte schon einen Arbeitsplatz, für den man außer dummes Geschwätz keine andere Qualifikation braucht, verlieren?

  • 12

    Kommentar von Deep Roots

    21. April 2008 @ 18:59

    Eine Erklärung für die Wiederbelebung des Sozialismus im 21. Jahrhundert kann man auch darin sehen, daß die Mentalität bzw. kulturelle Prägung vieler – wenn nicht aller – Dritte-Welt-Völker proto-sozialistische Züge hat – siehe dazu auch den von Eisvogel übersetzten Artikel „Neid und die Angst vor Neid“ von Jack Wheeler.

    In solchen von Neiddenken geprägten Gesellschaften ist es naheliegend, die Schuld an der eigenen Armut auf „die Reichen“ zu schieben und sich eine „höhere Macht“ zu wünschen, die den Reichen ihren Reichtum nimmt und ihn „gerecht“ auf alle verteilt.
    Ob diese Macht jetzt die Schwarze Magie ist, an die z.B. Afrikaner glauben, oder die Scharia oder eine marxistische Gesellschaftsordnung – ihre Verkünder finden leicht Anhänger unter solchen Leuten, wenn sie nur dreist genug auftreten und möglichst viel versprechen.

    Daß die Armut solcher Gesellschaften gerade aus dieser Erwartungshaltung resultiert, „die anderen“ mögen gefälligst etwas abgeben (bei Zurückhaltung hinsichtlich eigener Leistungserbringung), sowie aus anderen, in der Dritten Welt verbreiteten Faktoren, als da wären:

    - die volkswirtschaftsschädigende Neigung zur Korruption
    - die in jahrtausendelang praktizierter Sklaverei begründete Verachtung für Arbeit
    - die einstellungsmäßige Bildungsferne
    - der Sippen- und Stammesegoismus, etc.,

    das will man nicht wahrhaben, und das sagt ihnen klugerweise auch niemand, der ihre Unterstützung will.

    Und der heutige PC-UNO-NGO-Zirkus fördert all das, was die Drittweltler wollen, wertet deren Bedürfnisse zu Weltanliegen auf und schürt Schuldgefühle auf unserer Seite.
    Ein Beispiel dafür ist die neueste Sau, die durchs globale Dorf getrieben wird: die Beschwörung der „globalen Hungerkrise“.

    Da heißt es, „wir tanken den Ärmsten der Armen die Nahrung weg“, oder „wir füllen den Regenwald in unsere Tanks“, oder „wir sind (wegen des durch uns verursachten Klimawandels) schuld an Ernteeinbußen in der Dritten Welt“, und was es da noch so alles an PC-Mea-Culpa gibt.

    Abgesehen davon, daß der Klimakatastrophismus sowieso Mumpitz ist:

    1) Erst redet man uns ein, daß die Klimakatastrophe droht und daß wir unbedingt was dagegen unternehmen müssen (vorzugsweise Zahlungen an Drittweltländer sowie Maßnahmen, die unsere wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit zugunsten von Schwellenländern beeinträchtigen), und wenn dann tatsächlich die Biotreibstoffproduktion angekurbelt wird, sind wir angeblich wieder schuld, wenn die Nahrung knapp und teuer wird;

    2) Wer hat sich denn seit der Mitte des 20. Jahrhunderts so stark vermehrt, daß die Weltbevölkerung sich seitdem mehr als verdoppelt hat? Das waren alles nicht wir!
    Wenn die Weltbevölkerung heute noch bei 3 – 3,5 Milliarden läge, ginge sich leicht Nahrung und Biosprit aus. Und der stark steigende Nachfragedruck vor allem aus China, Indien und Südostasien trägt viel mehr zum Preisanstieg bei Nahrungsmitteln bei als das (vergleichsweise) bißchen Biospriterzeugung;

    3) Warum sind die Reispreise in Haiti um 50 % gestiegen – aber nicht in der benachbarten Dominikanischen Republik, oder bei uns?
    Warum sind die Brotpreise in Ägypten um 35 % gestiegen – aber nicht in Libyen oder Tunesien – oder bei uns?
    Da werden wohl eher einheimische Ursachen vorliegen - aber die linke globale Politmafia nutzt das sofort, um uns ein schlechtes Gewissen einzureden.

    Leider fällt auch auf, daß bei uns selbst akademisch gebildete Wirtschaftstreibende zwar aus wirtschaftlichem Eigeninteresse keinen Sozialismus wollen, aber davon abgesehen doch Kulturlinke sind und die ganze Gutmenschelei unterstützen.
    Das liegt wohl einerseits daran, daß so ziemlich jeder, der in den letzten Jahrzehnten irgend etwas studiert hat, besonders lange der 68er-Indoktrination ausgesetzt war (und daß selbst die nunmehrigen Geschäftsleute darunter oft noch mit „linken“ Studienkollegen befreundet sind, vor denen sie nicht als solche dastehen wollen, die „dumpf-populistischen“ Ansichten anhängen).
    Zum anderen liefert auch dieser Absatz aus Jack Wheelers „Neid und die Angst vor Neid“ eine gute Erklärung:

    „Das kann man am einfachsten an den Kindern wohlhabender Eltern erkennen. Erfolgreiche Geschäftsleute zum Beispiel, die ihren Wohlstand selbst erarbeitet haben, haben normalerweise einen gewissen Respekt für ihre eigenen Anstrengungen und das Wirtschaftssystem, das Erfolg ermöglicht.
    Ihre Kinder, die nicht dafür arbeiten mussten, sind einfachere Zielscheiben für die Schuldeinredereien der Neidischen. Somit nehmen sie eine Haltung gutmenschlichen Mitgefühls als Neidabwehrschild ein: ‚Bitte beneidet mich nicht wegen des Geldes meines Vaters - schaut doch all die linken Anliegen und sozialen Regierungsprogramme an, die ich unterstütze!’”

    Und all das gibt einem „Weltsozialismus“ Auftrieb, der danach trachtet, Neid gegen uns zu schüren und unseren wohlverdienten Reichtum zugunsten der globalen Minderleister bzw. Leistungsverweigerer „umzuverteilen“.
    Ob hierbei eher die Ideologie von Marx das Rennen macht, oder doch die von Mohammed – das wird die Zukunft zeigen.

    Und wenn wir keinen „Reboot“ unserer westlichen Zivilisation schaffen – in Form einer erneuerten Demokratie, ohne den ganzen Ballast von PC und Multikulti – dann sieht’s finster aus.

    Anläßlich des Todes von Albert Einstein gab es seinerzeit einen Cartoon, der die durchs All sausende Erdkugel darstellte, mit einer Gedenktafel darauf: „Einstein lebte hier.“
    Eine zukünftige Version davon wäre (hoffentlich nicht): „Hier existierte einst die Westliche Zivilisation“.

    Deep Roots

  • 13

    Kommentar von Bokito

    21. April 2008 @ 21:39

    das trifft wohlt gut zu, Deeproots, wenn ich über den Sozialismus nachdenke, kommt mir auch zunächst der Artikel”Neid und die Angst vor Neid” in den Sinn.

    Zu Marx kann ich nicht viel sagen, ich habe von ihm nichts gelesen. Was ich über Marx gelesen habe, deutet darauf hin, daß er ja heute fast ein Vordenker der Ultra-Wirtschaftsliberalen sein könnte :wink:

    Aber man kann nur Angst haben, vor dem, was aus Neid erwächst.
    Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Genozid in Ruanda 1994. Eine der Hauptursachen war der Neid der Hutu-Volksgruppe auf die Minderheit der Tutsi, die, warum auch immer, besser gebildet war und die bessern Jobs hatte.

    hier ein Trailer zu dem Film “shooting Dogs”, der gestern auch auf ARTE lief:
    http://www.youtube.com/watch?v=cp0RG9p1_lw&feature=related

    und hier eine der schrecklichste Szenen:
    http://www.youtube.com/watch?v=fwqBZfDVf60

    Der Film ist sehr gut gemacht, ohne die üblichen Erklärungsmuster der Gutmenschen, aber mir standen die Tränen in den Augen, als ich das gesehen habe.

    Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und Zeugenaussagen sowie originalem Filmmaterial.

    Ich weiss nicht, was man tun kann, um so etwas in Europa künftig zu verhindern..

  • 14

    Kommentar von Dox

    22. April 2008 @ 1:34

    Time 10,

    Sie finden es also toll, dass die UNO, deren Vertreter zu 75 % aus menschenrechtsverachtenden Diktaturen kommen, vom Papst ermutigt wird, zugunsten der Menschenrechte weltweit einzugreifen, während er dasselbe Recht den USA verweigert? Bush wurde von ihm nämlich wegen des Irakkrieges vor der gesamten Weltöffentlichkeit getadelt. ARD und ZDF haben diesen Teil seiner Rede genüßlich zitiert. Time, Sie zerspringen förmlich vor Freude, dass die UNO, welche pausenlos perfide Resolutionen gegen Israel verfasst, vom Papst als kompetenter in Sachen Menschenrechte erachtet wird als die USA.
    Time, ich bin über Ihren Mangel an Vernunft entsetzt. Genau das, was Sie am Papst loben, kritisiere ich an ihm. Ohne die USA gäbe es keinen Papst mehr. Er wäre schon in den 50-er Jahren von der Mehrheit der Kommunisten in der UN-Weltgemeinschaft zum Teufel gejagt worden und er würde heute von der Mehrheit der UN-Moslems zum Teufel gejagt, wenn es die USA nicht gäbe. Sich dann vor das Weiße Haus zu stellen, den Präsidenten der Vereinigten Staaten vor aller Welt wie einen dummen Jungen abzuwatschen und die Heuchler in der UNO über den grünen Klee zu loben, werde ich ihm nie verzeihen. Dass er den Koran geküßt hat, war schon ein Schock für mich. Aber das, was er sich in den USA geleistet hat, diesen Verrat eines Freundes und Beschützers, war zutiefst niederträchtig und macht ihn für mich verabscheuenswürdig.
    Dieser Papst wird Europa beim Kampf gegen den Islam keine Hilfe sein. Und Sie, Time, würden sich als deutscher Christ in US-Kirchen befremdlich fühlen. Sie predigen dort den Kapitalismus. Sie ermuntern ihre Gläubigen Unternehmer zu werden, Gewinn zu machen und sich vor Reichtum nicht zu scheuen. Ganz anders in Deutschland. Hier predigen die Pfaffen Demut und bei jeder Gelegenheit kommen sie mit der Warnung: Eher kommt eine Kamel durch ein Nadelöhr als eine Reicher!
    Time, es tut mir leid. Sie sind bei mir ähnlich durchgefallen wie der Papst. Trotz meiner Skepsis gebe ich Ihnen und Benedikt noch eine Chance zur Wiedergutmachung. Aber glauben Sie mir, einfach wird es für Sie beide nicht werden.

  • 15

    Kommentar von Time

    22. April 2008 @ 2:39

    Hahaha, Dox,

    gaaanz ruhig, schalten Sie am besten mal einen Gang runter und werden Sie vielleicht - wie ich es selbst versuche: zum NACHdenker - anstatt ständig auf einen VORdenkerposten zu spekulieren. Benedikt hat grade den Koran geküßt? Genauso wie sein Vorgänger, der Pole? Zum Kloranküssen in die USA zu reisen, das fände ich in der Tat zunächst auch recht verfehlt. Habe aber bisher nichts davon gehört - das muss ich also (morgige FAZ) abwarten - Kloranküssen, ist das evtl. eine neue atlantische Disziplin? Oder verwechseln Sie das was? “Bush wurde von ihm nämlich wegen des Irakkrieges vor der gesamten Weltöffentlichkeit getadelt”, hey, it’s RnR - it’s business as usual. George ist ein global Player, der kann ne F16 fliegen, der ist RICHTIG cool. Der wußte doch schon zwei Tage vorher, was sein Kumpel Ratzie sagen würde… Für die Kröten sagt der DAS, was die KRÖTEN hören wollen, aber für die TIMEs ist er absolut (ABSOLUT, genau wie George W.!) TIMISCH! Vielleicht lesen Sie generell mal etwas mehr zwischen den Zeilen - und vielleicht besonders sensibel meine #7, hähä (…naja, die ist allerdings recht lang geworden - und da haben Sie mE. auch einiges verwechselt…). Dass Sie mir noch eine Chance geben, finde ich aber total klasse, dafür gebe ich Ihnen sogar ZWEI Chancen von mir!

    Übrigens: FÜR den Kapitalismus zu sein, muss nicht bedeuten, die Widrigkeiten und Probleme in der Vergangenheit seiner Entwicklung (und Zukunft) auszublenden. Wir HATTEN nämlich immer wieder GRAVIERENDE Probleme (Sklaverei, Kinderarbeit usw.), und wir werden auch in Zukunft gravierende Probleme haben, aber wir werden sie ALLE IMMER WIEDER ANGEHEN UND AUCH LÖSEN, und so werden wir auch unser mE derzeitiges Hauptproblem, den Mohammedanismus BEERDIGEN (und dann alle auf sein Grab PINKELN). So wie die Demokratie nach Churchill “die am wenigsten schlechte Regierungsform” ist, so könnte man mE den Kapitalismus als die “am wenigsten schlechteste Wirtschaftsordnung” sehen, die Skala ist bekanntermaßen nach oben hin offen!

    Bis bald Dox, Sie alter Sack!

    Ihr Time

  • 16

    Kommentar von Dox

    22. April 2008 @ 3:07

    Time

    “George ist ein global Player, der kann ne F16 fliegen, der ist RICHTIG cool.”

    Sie haben gerade ihre zweite und letzte Chance vergeben. Eine dritte kriegen Sie nicht. Die gebe ich nur jemanden, der mal eine F16 geflogen hat und damit gezeigt hat, dass er lernfähig und mutig ist. Bis an mein Lebensende werde ich keinen Kommentar mehr von Ihnen lesen. Sobald irgendwo “Time” darüber steht, werde ich zum nächsten Kommentar gehen. Vielleicht kriegen Sie ja noch die Kurve und meine Enkel schwärmen eines Tages von einem gewissen Time, so dass ich auf dem Sterbebett liegend die Stirn runzle und röchle: “Time…? Time…? Hab ich noch nie gehört… Klärt mich auf… Wer ist das?”

  • 17

    Kommentar von Time

    22. April 2008 @ 10:36

    Hallo Doxie-Duck,

    Sie haben bei MIR immer noch EINE Chance… die könnten Sie aber durchaus auch an TC abtreten, dann hätte der… mhmmhm, jetzt noch genau 17 Chancen bei mir! Jedenfalls bin ich dagegen, dass SIE aus dem interessanten Mohammedanismus- und EU- und zeitkritischen Blog 8dS einen Timekritischen Blog machen. Aber bei der Permanenz, mit der Sie sich an meine Beiträge heften und diese grob und flach schulmeistern, wäre mir eine Mißachtung Ihrerseits durchaus angenehm, unsere Schizophrenie reicht uns nämlich, da wollen wir nicht auch noch paranoid werden.

    Ganz allgemein gesprochen halte ich nichts davon, ein Faß aufzumachen und lauter gute Konservative von G. Bush über Benedikt zu Merkel dort hineinzusperren und dort “Sozialismus” draufzuschreiben. Machen Sie es, und öffnen Sie ein Faß rechts davon, schreiben Sie “der einzig wahre Konservatismus” drauf. Sie können sich aber nicht mal drin ertränken, weil es null Substanz enthält, ausser Ihrer Übellaunigkeit, die sich gegen alle richtet und vermutlich sogar gegen Sie selbst.

    Womit Sie aber fest rechnen können: Wo TIME draufsteht, da ist auch TIME drin.

    Gruß, Time

  • 18

    Kommentar von Eisvogel

    22. April 2008 @ 11:27

    Ich wollte hier keine Verschwörungstheorie verbreiten. Beim Übersetzen des Artikels kam mir nur plötzlich der Gedanke in den Kopf, dass Kapitalismus zum Extrem getrieben (vor allem international) möglicherweise tatsächlich zwangsläufig sozialistische Züge annehmen könnte, so wie Manfred (#5) das erklärt hat.

    Im Grunde ist doch eine sozialistische Gesellschaft eine, in der es nur ein großes “Unternehmen” gibt - den Staat. Dieser Staat ist ja von der Absicht her auch bestrebt, so gut wie möglich zu wirtschaften - dass es nicht klappt, liegt ja nicht daran, dass die Sozialisten das nicht wollen, sondern dass sie es nicht hinkriegen.

    Jetzt agieren große Firmen doch zunehmend wie Staaten, beeinflussen die Politik bestehender Staaten und führen “Kriege” gegen Konkurrenzunternehmen. AGs sind eine Art “Vergesellschaftung” des Kapitals, oder?

    Umgekehrt agieren Staaten zunehmend wie Wirtschaftsunternehmen, d.h. sie betrachten die Bevölkerung als Personal. Wenn Personalmangel herrscht, versucht man “Fachkräfte” von anderen Unternehmen (Staaten) abzuwerben. Andererseits sind die Steuern in den so genannten kapitalistischen Systemen extrem hoch

    Ich überblicke das noch nicht, das ist noch sehr chaotisch in meinem Kopf, aber mir kam tatsächlich der Gedanke, dass Marx in dem Punkt recht haben könnte. Nicht, dass ich seine Vision wünsche oder auch nur glaube, dass es auf eine Weise funktioiert, dass die Menschen frei sind und Wohlstand schaffen können. Nein, das nicht. Sondern nur dahingehend, dass Kapitalismus ab einem gewissen Punkt automatisch in Sozialismus übergeht…?

    Wenn wir mal gar nicht Südamerika betrachten, sondern uns auf hierzulande konzentrieren, auch hier wird alles linker, und es liegt nicht nur an einem deutschen Sozialismus-Gen, es ist in allen Industriestaaten ungefähr dasselbe: Hohe Steuern, hohe Staatsabhängigkeit, Rückgang von Kleinfirmen und Tendenz hin zu international agierenden Riesenfirmen, die letztendlich fast die Größe von Staaten haben.

    Ich stimme auch Friedel B. absolut zu. Es kann einem gefallen oder nicht gefallen, man kann die Mehrheit der Menschheit als Schwachköpfe sehen oder nicht: Die Sehnsucht nach Mythen ist einfach da. Die ganz große Mehrheit interessiert sich nunmal eher für “Gerechtigkeit”, “Menschenrechte” und den “Weltfrieden”, als für staubtrockene kapitalistische Abhandlungen über Volkswirtschaftslehre. Das ist ein Problem der (kapitalistischen) Rationalen: Sie haben recht, aber sie werden nicht gehört, weil sie die Begeisterungsfähigkeit nicht ansprechen.

    Eine Religion deckt diese Sehnsucht. Auch allerlei privater Unsinn kann diese Sehnsucht erfüllen, allerdings vermutlich viel weniger, weil das Element des gemeinschaftlichen Mythos (wie bei einer großen Religion) fehlt. Gefährlich wird es nur, wenn politische Mythen aufkommen. Der Islam ist einer, aber der Klimahype ist auch einer, das Gutmenschentum ist ebenfalls einer.

    @Steppenwolf: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Gutmenschentum von unten nach oben entstanden ist, dass also kleine Leute, die alles hatten, danach strebten, jetzt auch noch gute Menschen sein zu wollen. Das spielt sicher eine große Rolle, aber political Correctness wurde auch von oben nach unten propagiert - sie wird es ja sogar heute immer noch.

  • 19

    Kommentar von F. Hoffmann

    22. April 2008 @ 16:54

    Hallo!
    Habe zugegebenermaßen nur die Kommentare überflogen.
    Aber kurz zu den verwendeten Begriffen:
    Ist “Kapitalismus” nicht ein Begriff der sozialistischen/marxistischen Doktrin, also eher ein ideologischer als ein wirtschaftlicher Begriff?
    Volkswirtschaftlich gibt es doch die 2 gegensätzlichen Systeme “Marktwirtschaft” und “Planwirtschaft”.
    Als mögliche weitere Variante evtl. noch “informelle” Wirtschaftssysteme (Vetternwirtschaft).
    Das Wirtschaftssystem einer sozialistischen GESELLSCHAFT ist die Planwirtschaft.
    Das System der freiheitlichen (liberalen) Gesellschaften die Marktwirtschaft.
    Wenn also ein Herr Bisky den Systemwechsel fordert, schließt das die Abschaffung der Marktwirtschaft ein.
    Was heute fehlt, ist der unmittelbare Vergleich der Effizienz der Systeme. Als die Mauer noch stand, war es recht klar erkennbar, welches System wie gut funktioniert. Natürlich gab es auch hierzulande Fans der DDR. Freiwillig rübergegangen ist praktisch keiner.
    Vom unbeschwerten Leben in freier Natur träumt man am besten, wenn man auf einem bequemen Sofa im Trockenen sitzt.
    Leider hat sich hierzulande, vor allem in den Medien, ein Menschenschlag herausgebildet, deren Traumberuf “Revoluzz