Thank you, Irish friends!
Die Iren haben den EU-Vertrag abgelehnt.

Das ist eine sehr gute Nachricht. Natürlich ist es vermutlich eine Illusion, zu glauben, das würde das Ermächtigungsgesetz von Lissabon stoppen, aber es ist zumindest ein massiver Tritt in die Weichteile der EU-kraten und das ist schön. Der Reformvertrag wird immer mit dem Makel behaftet sein, dass das einzige Volk, das überhaupt gefragt wurde, NEIN dazu gesagt hat, so wie auch die Franzosen und Niederländer zu seinem Vorläufer NEIN gesagt haben.
Und es liegt auch an uns, dafür Sorge zu tragen, dass dieser Makel nicht vergessen wird.
Und es wird sich hoffentlich auch in den 26 anderen Ländern endlich die Frage stellen: Warum hat man eigentlich uns nicht gefragt? Im Grunde müssten sich diese Frage auch diejenigen stellen, die den EU-Vertrag befürworten, wenn sie es nicht aus dem Grund tun, eine totalitäre Herrschaft zu wollen, sondern aus dem Grund, weil sie zwar Demokraten sind aber irrigerweise annehmen, der Vertrag wäre positiv.
Die EU-kraten werden darauf so deutlich antworten müssen, wie es Barroso bereits getan hat:
Referenden machen den Zustimmungsprozess zu europäischen Verträgen immer komplizierter und weniger vorhersehbar,”
[Ich rate]“jeden Mitgliedsstaat, es sich zweimal zu überlegen, ein Referendum in Betracht zu ziehen”
“Ich war als Premierminister für ein Referendum, aber es macht unser Leben mit 27 EU-Mitgliedsstaaten schwieriger. Wenn über die Schaffung der Europäischen Gemeinschaft oder die Einführung des Euro ein Referendum abgehalten worden wären, denken Sie, dass das durchgegangen wäre?”
Wir können jetzt vielleicht die EU zwingen, solche Dinge immer lauter und deutlicher zu sagen. Und vielleicht wird es endlich auch einmal zur Kenntnis genommen, wie elitär-besserwisserisch und offen antidemokratisch diese Organisation ist.
Wie wird es jetzt weitergehen?
Aus Frankreich kommen sehr widersprüchliche Reaktionen. Der französische Premierminister spielt den “guten Bullen”, der sich demokratisch gibt:
Es wird keinen Lissabonner Vertrag mehr geben, wenn die Iren ihn im Referndum ablehnen.
Ist das glaubwürdig?
Im Hintergrund werkeln aber schon die “bösen Bullen”, z.B. sinniert der französische EU-Staatssekretär hingegen über eine “juristische Lösung” und einen “Dialog mit dem irischen Volk”, was sich für mich anhört wie “mal ein ernstes Wörtchen mit den Iren reden”, wobei ihnen klargemacht wird, wie gut die EU ein kleines Land am Rande Europas wirtschaftlich schikanieren kann, wenn sie will. Tatsächlich gehört Irland nämlich zu den Mitgliedsländern, die von der EU wirtschaftlich und finanziell mit am meisten profitiert haben. Dennoch haben viele Iren die politische Freiheit und die Souveränität ihres schönen Landes wirtschaftlichen Leckerlis vorgezogen. Hut ab!
Merkel und Sarkozy haben schon im Vorfeld - neben der Äußerung, dass “wir alle” (wer eigentlich?) auf ein Ja hoffen, klargestellt,
dass man davon ausgehen kann, dass es eine gemeinsame Reaktion von Deutschland und Frankreich zu jeder Art des Abstimmungsausgangs gibt. (Merkel)
und
“wie immer die Iren sich auch entscheiden mögen ‑ wir hoffen natürlich, dass Irland, das gezeigt hat, dass es eine moderne Wirtschaft auf die Beine stellen kann, indem es auf Europa zurückgreift, zustimmen wird ‑, wird es eine deutsch-französische Initiative dazu geben.” (Sarkozy)
Irgendwie hört sich das etwas bedrohlich an.
Das Europaparlament hat bereits lange im Vorfeld mit 499 zu 129 Stimmen (bei 33 Enthaltungen) die Verpflichtung abgelehnt, das irische Referendum anzuerkennen.
Trotz alledem: Danke Irland. Danke von Herzen. Dieses Votum wird nicht bedeutungslos bleiben. Wenn es vielleicht auch nichts ändert, wird es zumindest die EU ein Stückchen mehr als antidemokratisch entlarven.





Kommentar von tape
13. Juni 2008 @ 15:46
Das ist doch mal eine gute Nachricht.
Auf die Reaktionen von Merkel und Co bin ich wirklich sehr gespannt.
Kommentar von Sceadugenga
13. Juni 2008 @ 16:07
Die lobenswerte Entscheidung der Iren wird keinerlei Signalwirkung haben, denn das “NEIN” wird von den “Eliten” wie ueblich, so erklaert werden, dass 1., der Vertrag dem dummen Volk nicht richtig erklaert wurde, 2., die “Nein”-Waehler sich damit ausserhalb der Gemeinschaft der Demokraten und der Kraefte des Fortschritts stellen. Zweiteres ist Grund genug, den Vertrag trotz (oder gerade wegen) des irischen “Nein” durchzuziehen, denn gerade diese Entscheidung, fuer den Vertrag und gegen das Volk, ist “eigentliche” Demokratie. You follow?
Es ist zwar Volkes Wille, aber da der Poebel ja kein Verantwortungsgefuehl hat, muss man auch seine Entscheidungen nicht respektieren.
Ausserdem sind die Iren sowieso dauernd besoffen.
In ihrer Suche nach und ihrem Erfolg bei der Erkennung der “Wahrheit” und ihrem daraus resultierenden reinen Gewissen sind die Iren also ein wenig wie Eisvogels Salonloewen: Cogito ergo sum, bis der Arzt kommt.
Devise fuer heute:
Mens sana in Campari Soda!
Kommentar von Eisvogel
13. Juni 2008 @ 16:29
…so erklaert werden, dass 1., der Vertrag dem dummen Volk nicht richtig erklaert wurde…
Das sollen sie ruhig sagen!
Denn das fällt auf sie selber zurück.
Warum haben sie denn den Vertrag dann nicht richtig erklärt?
Und warum muss man einen Vertrag überhaupt erklärt bekommen, wenn man ihn auch lesen kann?
Ach, man kann ihn nicht lesen, weil er entweder nicht vorlag oder zu kompliziert ist?
Na denn. Sollen sie sich eben mal die Mühe machen, einen Vertrag abzufassen, den ein durchschnittlich intelligenter und leicht unterdurchschnittlich intelligenter Mensch lesen und VERSTEHEN kann - mit mäßigem Zeitaufwand. Das Grundgesetz ist so und die amerikanische Verfassung auch.
Wichtiges, grundlegend unsere Welt Veränderndes unter einem Wust von Belanglosigkeiten und verwirrender Sprache zu verstecken, ist nämlich die klassische Vorgehensweise der EU. Sie “langweilen das Volk in die Unterwerfung.”
Ich weiß auch, dass das noch lange kein Sieg ist. Aber es ist eine gewonnene Schlacht.
Kommentar von Sceadugenga
13. Juni 2008 @ 17:03
So funktioniert aber PR und Massenpsychologie nicht! Beides hat weder mit Vernunft, noch mit Wahrheit zu tun. Wenn die fetten Politschweine und die Propagandamedien das so darstellen, dass es ja nur dieses besoffene, ingezuechtete Inselvolk war und dass die einfach zu daemlich sind, das zu kapieren, dann ist das zwar nicht die Wahrheit, aber es wird zur gefuehlten Realitaet. Und das ist (leider) das einzig Relevante.
Eisvogel, ich moechte an dieser Stelle noch sagen, wie herausragend ich Deinen Blog, Deine Gedanken und Deine Art, selbige zu “Papier” zu bringen, hochachte. Sie haben mich in der Vergangenheit oft weitergebracht.
Ich habe aber in meinem Leben erfahren muessen, dass die Suche nach der “Wahrheit” und der einen, einzig richtigen Loesung, oftmals in eine endlose Kreisbewegung fuehrt. Das ist ok, wenn es das ist, was man will, aber ab einem bestimmten Punkt ist es eben eitler, akademischer Diskurs fuers Feuilleton!
Nein ich denke nicht, dass 8dS so ist. Ich sehe es mehr als Knotenpunkt. Aus vielen Richtungen zu erreichen und in viele Richtungen weisend. Aber der potentiellen Gefahr, in diesem irrsinnigen Kreisverkehr zu landen, sollte sich jeder bewusst sein.
Ich werde mich ab und an hier aufwaermen, wenn ich darf.
Most Likely You Will Go Your Way (& I’ll Go Mine)
Kommentar von Eisvogel
13. Juni 2008 @ 17:13
Ein paar Politikerreaktionen!
Besonders gefallen hat mir Trittin:
Statt drei Millionen sollten also seiner Ansicht nach ein paar Hundert entscheiden.
Gut zu wissen.
Und es wäre natürlich auch interessant zu erfahren, welche “Konsequenzen” er sich da vorstellt.
Es gibt genau zwei Konsequenzen, die demokratisch sind:
1. Der Vertrag wird in die Tonne gekickt.
2. Die anderen 500 Mio stimmen auch ab.
Natürlich. Mit dem größten Vergnügen.
Ich bin Dir auch dankbar für Deine Warnungen, sie sind berechtigt.
Es geht aber nicht nur darum, selber die Wahrheit zu finden, es geht vor allem darum, anderen zu zeigen, dass es richtig ist, das zu versuchen. Und dass wir es dürfen und müssen.
Wie anders sollen wir die Macht der Massenpsychologie wenigstens bei einigen brechen?
Wir sind nicht laut genug für eine Gegenhypnose - davon abgesehen, dass ich z.B. das auch gar nicht will.
Kommentar von tape
13. Juni 2008 @ 17:15
#2 Sceadugenga
Mein Gespanntsein bezieht sich nicht auf eine Hoffnung, dass das Nein der Iren etwas bewirkt, sondern wirklich nur darauf, wie unsere “Politeliten” damit umgehen.
Werden sie den Oberlehrer raushängen lassen und die Medien einspannen, um das Nein in ein Ja umzuinterpretieren? Oder werden sie den Mantel des Schweigens darüber breiten, neben der Erklärung, man dürfe solche unterbelichteten Inselaffen nicht allzu ernst nehmen?
Danke Irland. Dieses Nein und der Umgang damit wird uns viel Neues lehren.
Grüße
tape
Kommentar von stary arbat 1683
13. Juni 2008 @ 17:25
Grün ist die Hoffnung, und das am Freitag dem 13. - DANKE IRLAND - auch für diese wunderschöne Hymne:
http://de.youtube.com/watch?v=Jg9QekmZ-iM&feature=related
Die geht unter die Haut, das ist der passende Song für eine Freiheits-Hymne - hoffentlich knutsche ich nicht vor lauter Begeisterung deustche Polizisten, die haben so schöne-irische Uniformen an. (teilweise noch-oder ?, war länger nicht bei euch da drüben..)
Schade das das Wort mit Grünen und Islam - grüne Pest so negativ beladen ist - IRISH GREEN - wonderfull.
Kommentar von Eraser
13. Juni 2008 @ 19:19
Die Nachrichtenschwätzer der ARD meinten zu den möglichen Konsequenzen, dass seitens der EU eine Rückbesinnung auf das EU-Kernland ins Auge gefasst werden soll.
Darausfolgernd: Der EU-Reformvertrag wird weiter munter ratifiziert werden und neben der eigentlichen EU ein weiteres transnationales Bündnis auf Basis dieses Reformvertrages gegründet werden. Ähnlich der vor kurzem entstandenen Mittelmeerunion…
Auch im Gespräch soll wohl sein, mittels 26 Ratifizierungen von 27 Mitlgiedsstaaten, Druck auf den einen Ausläufer auszuüben…
Argumentativ ist heute trotzdem ein Feiertag.
Ich freu mich schon auf die “Weltbürger”, die mir vor diesem Hintergrund was von mehr demokratischer Mitbestimmung auf Landesebene durch die EU erzählen wollen.
Kommentar von Eisvogel
13. Juni 2008 @ 19:41
Und noch mehr wahre Demokraten. Zum Beispiel:
Das geht in die gleiche Richtung wie das, was Du in der Tagesschau gehört hast, Eraser.
Ich schließe daraus, dass er nicht vorhat, die Bürger aus “Deutschland, Frankreich und einigen Kernstaaten” zu befragen, ob sie zur “künftigen EU” gehören wollen oder nicht. Das gilt lediglich für renitente demokratische Randnationen.
Dennoch ist es ein guter Tag.
@stary arbat: Das Video ist wunderschön
Kommentar von Sceadugenga
13. Juni 2008 @ 21:12
“Danny Boy” war fuer mich schon immer DAS irische Lied.
Vorhang auf fuer die Leprechaun Brothers!
I love you, guys!
Kommentar von Thatcher
13. Juni 2008 @ 21:20
Wie kann man sich auf Irisch bedanken?
Natürlich wird die “kleptokratische Elite” (Raddatz) sich jetzt allerhand Argumente zurechtlegen, um wie gehabt weiterzumachen:
- Jetzt Augen zu und durch.
- Das Volk ist wieder mal zu blöd gewesen, zu verstehen, was gut für es ist.
- Die “No!”-Kampagnen waren zu uneinheitlich und daher nicht ernstzunehmen.
- Jedes Argument, das für die Ablehnung des Lissabon-Vertrages spricht, ist ganz böser Populismus.
- Wie beim Annan-Plan (Zypern): Die Iren haben zwar abgelehnt, aber die 26 Nationen, die schon ratifiziert haben, sollen nicht darunter “leiden”.
Zum dritten Mal hat ein europäischer Souverän die bürokratische Machterschleichung (erst Verfassung, dann Lissabonvertrag) mit schallender Ohrfeige zurückgewiesen. So stupide und manipulierbar, wie man anscheinend glaubt, sind die Europäer nicht! Jetzt wissen die freimaurerischen Mafiadespoten von Brüssel immerhin, dass sie jedes Volk gegen sich haben werden, wenn sie einfach immer weitermachen. Ihre Pläne werden sie in Zukunft immer weniger mit verlogener Scheindemokratie, sondern mit immer stärkerem Despotismus und mit autoritären Mitteln durchsetzen müssen. Und wenn die EU dieses, ihr wahres Gesicht zeigt, wird sich der Widerstand erheben, auf den wir warten. Ob es dann allerdings unblutig bleibt, kann niemand sagen.
Wo finde ich im Postleitzahlenbereich 49… einen Irish Pub, um zu feiern?
Slainté!
Kommentar von stary arbat 1683
13. Juni 2008 @ 21:20
Falls jemand hier zu Besuch ist oder kommt - kann es sein, dass als erster Racheakt PI schon mal ausgeschaltet wurde, oder habe nur ich das Problem seit Stunden, die Seite ist auf meine Schirm TOT.?!?
@ DOX vergass zu danken, für den guten Witz, habe wirklich herzlich gelacht, hoffentlich sind wir bald wieder bei 10 Kommentaren angelangt.
@ ALLE - danke für sehr viel gute Beiträge heute !
Bitte keine Spenden an mich - der Dank ist ehrlich gemeint.
Kommentar von Friedel B.
13. Juni 2008 @ 21:31
@Eisvogel:
Merkwürdig, dass Trittin offenbar nicht bemerkt, dass die von ihm geäußerte Kritik auf ihn selbst und Seinesgleichen zurückfällt, denn die Damen und Herren PolitikerInnen und FunktionärInnen sind es doch, die für das krasse Missverhältnis 3 Millionen zu 500 Millionen verantwortlich sind (ganz abgesehen davon, dass das Abstimmungsverhalten der 3 Millionen Wahlberechtigten möglicherweise durchaus repräsentativ für das der 500 Millionen zum Schweigen Verurteilten war).
Soeben lese ich übrigens unter
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/855/180302/
dass die Iren “in einer Mischung aus politischer Engstirnigkeit und Politikverdrossenheit so nebenbei die Demokratisierung der EU verhindert” hätten. Wir erfahren also nicht nur, dass sogar aus Sicht der SZ eine Demokratisierung der EU bitter notwendig wäre, sondern auch, dass es ausschließlich niedrige Motive sowie völlige Unmündigkeit und Unreife sein können, die den angeblichen Souverän dazu veranlassen, den Vorgaben seiner weisen Führung den schuldigen Gehorsam zu verweigern.
Kommentar von Eisvogel
13. Juni 2008 @ 21:40
Bei mir funktioniert PI, stary arbat.
Ja, Friedel B., es ist unglaublich, wie sich die Politkasper einer nach dem anderen entblößen.
Es bleibt nur die Frage: Wie viele Menschen sind in der Lage, es wahrzunehmen?
Kommentar von Bokito
13. Juni 2008 @ 22:10
“Es bleibt nur die Frage: Wie viele Menschen sind in der Lage, es wahrzunehmen?”
Oh ja … die Szenerie erinnert mich ein wenig an den Herbst 1989. Erinnert ihr euch auch noch an die verwirrten SED-Funktionäre, die keine Erklärung für die demonstrierenden Massen hatten?
Allerdings: es hat auch in der DDR 1.0 vierzig Jahre gedauert …
Wann wachen die Menschen in der DDR 2.0 auf?
Ich hoffe bald - die dämlichen Widersprüche, in die sich unsere Politiker gerade verstricken, werden ihren Beitrag zum allgemeinen Aufwachen sicher beitragen.
Vielleicht verläuft es ähnlich dem Karikaturenstreit: es kommt kein grosser Durchbruch, kein Stalingrad; aber es werden noch einige Leute zusätzlich aus ihren Illusionen geweckt.
So wächst die Gegenbewegung langsam, aber stetig.
Warten wir ab.
Kommentar von Bokito
13. Juni 2008 @ 22:12
Achso - in diesem Zusammenhang ein Link zum aktuellen Kommentar vom ef-magazin:
http://www.ef-magazin.de/2008/06/13/317-eu-verfassung-iren-sagen-nein
Ein Schmankerl aus dem lesenswerten Kommentar:
“Dreimal wurde ein europäisches Volk zur Gründung einer „EUdSSR“ (so der ehemalige Sowjet-Dissident Wladimir Bukowski über die EU) befragt. Dreimal gab es ein Nein. Man fragt sich, welchen Teil von „Nein“ die Eurokraten nicht verstehen.”
Kommentar von Thatcher
13. Juni 2008 @ 22:24
Durch den “leider plötzlich verstorbenen” Lissabonvertrag wäre nicht die EU demokratisiert, sondern das bisschen Demokratie, das die einzelnen Nationen noch haben, beseitigt worden.
Das Verständnis der EU von “Demokratie” geht offenbar so: Wenn unter einer Grundgesamtheit von 27 plus X großenteils korrupten Regierungschefs und Präsidenten eine Mehrheit zustandekommt, dann ist die Entscheidung demokratisch. Dass sich das Wort Demokratie von demos, “das Volk” ableitet, kommt im Griechischunterricht der elitären Europaschulen (oder wo solche Kleptokraten sonst herangezüchtet werden) wohl nicht dran. Das Prinzip der “doppelten Mehrheit” ändert an dieser Sprachpanscherei gar nichts, denn wenn der französische Präsident und der spanische und der rumänische Ministerpräsident den deutschen Bundeskanzler überstimmen, sollte das eigentlich nicht zu für das Deutsche Volk gravierenden Entscheidungen führen - jedenfalls nicht, solange es nach dem Grundgesetz noch eine Demokratie ist.
Man stelle sich einmal vor, 120 Millionen Japaner säßen in einer “Ostasiatischen Union” (OU) mit der zehnfachen Zahl Chinesen, dazu noch Vietnamesen, Nord- und Südkoreanern, Thais und Burmesen zusammen, und die kommunistischen Staatsführungen kungelten in Geheimzirkeln “OU-demokratisch” aus, die Steuerlast des japanischen Bürgers drastisch zu erhöhen, damit sie sich neue Hauptstädte in den Dschungel bauen und mit neuen russischen Waffen ihre Völker unter der Knute halten können. Dass sie den Japanern ihren geliebten Fugu verbieten, da dessen Genuss ja so gesundheitsschädlich ist. Dass japanische Autobauer nur noch billige Reisschüsseln bauen dürfen, die maximal 5 Liter verbrauchen. Dass sie grundlos ihre Atomkraftwerke ausschalten müssen, egal ob dann die energiehungrige japanische Industrie unter Energielücken leidet. Dass sie im Rahmen der “Pazifik-Union” gezwungen werden, ihre Grenzen zu öffnen, damit Millionen von arbeitsunwilligen und vor allem muslimischen Malaysiern oder Indonesiern sich in ihrem Inselreich einnisten und sie kulturell terrorisieren können.
Nippon würde sich schneller auf seine Samurai-Traditionen besinnen, als ein Europäer “mushi mushi” sagen kann. Warum tun wir Europäer nichts Vergleichbares? Sind wir verblödet?
Kommentar von Shahirrim
13. Juni 2008 @ 23:30
Na, darauf gönne ich mir jetzt einen tollen Film mit 2 Iren, nämlich: “Der blutige Pfad Gottes!”
Kommentar von stary arbat 1683
14. Juni 2008 @ 0:04
Ja - wir WURDEN verblödet - aber nicht alle - aber leider viele - vielleicht aber nicht zu viele -
das müssen WIR herausfinden - alles spielt sich ab zwischen 160 und 195 cm - grössere unterschiede sind eher selten, stellen wir uns alle feinde grundsätzlich nackt vor - dann sieht es schon ganz anders aus - und wir in voller ausrüstung mit besten waffen ausgestattet ,…
NEIN- WIR HIER SIND NICHT VERBLÖDET -UND SEHR VIEL DA DRAUSSEN AUCH NICHT - NUR EINGESCHÜCHTERT - GUTE NACHT
Kommentar von Time
14. Juni 2008 @ 0:10
Hallo allerseits,
wenn die paar irish ppl einen Aufschub, mehr Nachdenken und ein besseres Resultat bewirken könnten, wäre das ein weiterer Beweis für mich dafür, dass wir im Westen in der am wenigsten schlechten Gesellschaft seit Menschengedenken leben. Es lohnt sich, für unsere Gesellschaft zu kämpfen, es lohnt sich für russische Prinzen wie für einsame Krähen… Rory the Great (leider schon verstorben): http://www.youtube.com/watch?v=znsZuirU3-c
Crow Time
Kommentar von stary arbat 1683
14. Juni 2008 @ 0:27
Guten morgen TIME- heute ist der erste Tag vom Rest unseres Lebens, wollen wir uns das von ein paar Idioten versauen lassen, du hast recht, ich sehe das genau so,
wer ohne Musik, Muse, Genuss, Romantik, Kunst, Freude, Lachen, Liebe leben will - der ist TOT - ein Leichengeschwader will uns bedrohen, lächerlich, wir sind doch nicht IRRE sondern IREN - eine neue Weltordnung ? -OK - UNSERE …
http://de.youtube.com/watch?v=5PYsDMRj-qg&feature=PlayList&p=A3677D400BF9DBF7&index=14
http://de.youtube.com/watch?v=fSCEA1D86z0&feature=related
Kommentar von stary arbat 1683
14. Juni 2008 @ 0:46
Guter Satz aus einem Kommentar:
“”…Schon Clausewitz empfielt nach einer gewonnenen Schlacht das Verfolgen des unterlegenen Gegners, um die feindlichen Kräfte endgültig zu zerstören — als strategisches Mittel, um den Sieg nutzen zu können…”"
Genau, jetzt muss man dran bleiben, weitere Tiefschläge sind erforderlich, um der Bande den Garaus zu machen !
Die wechseln ihre vollen Pampers - jetzt muss es Schläge setzen, Tag für Tag, für Tag….
Kommentar von Dox
14. Juni 2008 @ 1:54
Ich hörte heute in der Kneipe einen empörten EU-Freund auf die Iren schimpfen. Er meinte, dass sie ihren wirtschaftlichen Aufschwung EU-Subventionen zu verdanken hätten. Das wird man in nächster Zeit noch oft zu hören bekommen. Daher will ich meine Antwort hier als Argumentationshilfe mitteilen. Ich sagte: “Was reden Sie da für einen Blödsinn! Ihren Aufschwung haben die Iren einzig und allein sich selbst zu verdanken, weil sie die richtigen Politiker gewählt haben, nämlich solche, die etwas von Marktwirtschaft verstehen. Hätten sie Sozialisten gewählt, wäre Irland wie Ostdeutschland ein Faß ohne Boden geworden und sie wären kein Stück vorangekommen.”
Daraufhin war Ruhe im Karton.
Kommentar von Friedel B.
14. Juni 2008 @ 5:31
Fragen eines Unpolitischen
Zunächst einmal Dank, lieber Dox, für Ihre Argumentationshilfe, die ich allerdings auch weiterhin dringend benötige. Soeben lese ich nämlich auf der “Achse des Guten” eine Stellungnahme Richard Wagners, dessen originelles und unabhängiges Denken ich fast genau so hoch schätze wie die analytische, argumentative und sprachliche Brillanz Eisvogels. Er sagt: “Die Iren, die jetzt mehrheitlich mit Nein gestimmt haben, sind die nützlichen Idioten des europäischen Extremismus” und begründet seine Ansicht mit “„Danke Irland“, heißt es in der linksradikalen Jungen Welt, und Haiders BZÖ in Kärnten lässt verlauten, dass die Ablehnung des Lissabon-Vertrags durch das Referendum ein großer Sieg des geknechteten Volkes über das Establishment sei. Die kommunistische Internetplattform RedGlobe titelt sogar: „Die Iren retten Europa. Nein, zum imperialistischen Projekt der EU“. RedGlobe hat das Motto: news for your class, not for your country.” Offenbar befinden wir uns mit unserem Hochgefühl angesichts der irischen Entscheidung in sehr schlechter Gesellschaft; mit Leuten, die das Richtige aus den falschen Gründen tun, habe ich noch nie etwas anfangen können. Wir fürchten die EU wegen ihrer wachsenden und zunehmend unkontrollierbaren zentralistischen Macht, deren freiheitseinschränkende Auswirkungen bis in den Alltag (Rauchverbot; Hate-Speech-Gesetze) zu spüren sind; andere aber lehnen sie ab, weil sie einen Raum für eine gedeihliche marktwirtschaftliche Entwicklung garantiert. Richard Wagner meint weiter: “Wieso gilt das Plebiszitäre eigentlich als Instrument der Demokratie? Was ist denn demokratisch an der Zusammenrottung von kleinkarierten Gegnern von Landebahnen, Biergärten, Währungsreformen und Verfassungstexten? Sind es mehr als Koalitionen der Unvernunft? Im Grunde handelt es sich doch stets nur um eine Ein-Punkt-Gruppierung, deren Ruhe angeblich gestört werde.” Hat er damit Unrecht? Das einzige, was ich ihm entgegenhalten könnte, wäre die Anmerkung, dass seine Bedenken nicht nur Plebiszite, sondern die Demokratie generell betreffen und dass demzufolge auch die letztere abzulehnen sei. So stehen sich wieder einmal die Thesen “vox populi - vox Dei” und “vox populi - vox Rindvieh” gegenüber. Weiß jemand von Euch einen argumentativen Weg aus diesem Dilemma?
Kommentar von Deep Roots
14. Juni 2008 @ 11:32
FLOREAT EIRE!
Habe dieses erfreuliche Referendumsergebnis gestern schon mit einem “ballistischen Feuerwerk” gefeiert und auf dem Weg dorthin eine weitere irische Freiheitshymne gehört:
While the world did gaze in deep amaze
At those fearless men, but few,
Who were born to fight that freedom’s light
Might shine through the foggy dew
Und jetzt bereite ich mich für eine “weitere ballistische Trainigsrunde” am Nachmittag vor, werde mich daher erst am Abend wieder ausführlich melden.
Eins noch, in Anknüpfung an Sceadugengas Nr. 4:
Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann.
Ihr lauf’ ich raschen Fußes nach
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht!
(J.R.R. Tolkien, “The Road Goes Ever On and On)
Und @ Friedel B.: Freut mich, wieder mal von Dir zu lesen! Das gilt auch für die anderen, von denen wir schon länger nichts mehr gelesen haben; laßt uns mal wissen, ob ihr noch dabei seid…
Liebe Grüße einstweilen,
Deep Roots
Kommentar von stary arbat 1683
14. Juni 2008 @ 11:34
@FRIEDEL B.
@ALLE
Vorab- Glückwunsch, zu der Wahl des Gravatar, gestern über Tag habe ich versucht, mir auch ein bedeutendes “blog-bild” zu verpassen, weil ich seit dem 10. Lebensjahr der Seefahrt und dem Meer verbunden bin, sollte es ein Leuchtturm sein - eine gute Wahl.
In einem Begleitvideo zur Hymne der Iren und mehreren anderen wunderschönen Liedern aus Irland habe ich gestern immer wieder diese Leuchttürme gesehen, bei einem Inselstaat ja auch logisch.
Ein Leuchtturm ist bodenständig und richtungweisend, von einem Leuchtturm geht ausschliesslich Gutes aus, er signalisiert Ankunft, Schutz, Geborgenheit, Leben, Heimat, Tradition, Beständigkeit, Kunst, Architektur, Ziel, Hilfe, Feuer, Wärme, Grenzen aber auch Verteidigung, wenn ich unberechtigt die falsche Küste ansteuere.
Der älteste bekannte Leuchtturm ist der Pharos von Alexandria, ca. 280 vor Chr. erbaut, er war wohl auch der höchste, der jemals gebaut wurde, angeblich 160m, oder auch nur 110m, er zählt zu den 7 antiken Weltwundern.
Weil die Griechen gleichzeitig die Erfinder der Demokratie und des Leuchtturms sind, ernenne ich hiermit den Leuchtturm als das Zeichen für eine richtungweisende Demokratie, damit komme ich zurück zum Thema und Beitrag auch von Friedel B., dem Wärter der neuen Demokratie, weil er wie auch ich und sicher viele hier, neutral aber gut ist, eben eigentlich unpolitisch.
Das grösste Problem ist meiner Meinung, dass uns eine Definition, eine Beschreibung, der Bauplan fehlt, weil auch ein Vorbild nicht vorhanden ist.
Wir brauchen ein Entwicklungsteam, einen Think Tank, es muss ein klares, leicht verständliches Werk entstehen, das Buch der „Neuen Demokratie“, wie will ich denn für „Etwas“ kämpfen, wenn ich „Etwas“ nicht definieren kann, so wie wir ja nun den Effekt haben, das sich verschiedenste Gruppierungen über den Sieg in Irland freuen.
Der Mensch denkt in Bildern, nicht in Texten, es bedarf eines klaren Bildes, selbst hier hat jeder vor seinem geistigen Auge doch ein individuelles Bild, wenn er an Demokratie, an Politik usw. denkt.
Dieses neue Buch der Demokratie muss unter der Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen und erfahrenen Menschen-rentnern- entwickelt werden, weil unsere Gehirne mehr oder weniger „verschmutzt“ sind, wenn Grundschüler dieses Buch, die Regeln und Gesetzte verstehen, dann befinden wir uns auf dem richtigen Weg.
Die Tierwelt lebt und existiert weit länger als die Menschen, dort gibt es nicht ein einziges, geschriebenes Gesetzt, kein Buch, keine gemeinsame Sprache, NIX, nur wir dämlichen Mensch machen uns das Leben schwer mit dem ganzen Müll, wer bewusst einen riesigen Fischschwarm beobachte, der im Bruchteil einer Sekunde gemeinsam die Richtung wechselt, ohne das es Verletzt und Tote gibt, genauso bei den Vögeln, der sollte mal überlegen, wie primitiv und hilflos wir sind, Millionen Regeln, und Millionen Tote und Verletzte überall – selbst rote Ampeln nützen nichts, man überfährt sie und wundert sich dann in der Intensivstation – da lacht der Stichling und der Klapperstorch – wenn wir uns nicht rückbesinnen, zu einer naturkonformen Lehre, werden wir es NIE schaffen, NIE.
Die grosse Festplatte muss neu formatiert werden, komplett, der alte Datenmüll muss endlich weg, Geschichte in die Geschichtsbücher- und Dateien, die kennen wir nun, mehr oder weniger, das Detail soll den Hobbyforscher interessieren, wir haben keine Zeit mehr für überfüllte Hirne, wir ersticken in unserm Wissen und verpassen das HANDELN, es hiess immer „Wissen ist Macht“ – inzwischen wird Wissen zur Last -nun haben wir die besten Informationssystem der Menschheit – und sind machtlos wie nie zuvor – SCHEISSE – das Wissen erdrückt uns – deshalb sind wir hier, jeder hofft, vom anderen die Lösung oder Lösungsansätze zu bekommen, Argumente zu finden, das ist gut so, aber der ROTE FADEN muss her, und , das Pilotenteam, das Flugzeug, die Startbahn und das Ziel – sonst „beschäftigen“ wir uns alle, verpassen das Leben und da draussen wüten dutzende Organisationen mit unterschiedlichsten Ideologien-Zielen, und zerstören die Ressourcen, die WIR benötigen, um endlich anzufangen.
stary arbat von Pharos
Kommentar von stary arbat 1683
14. Juni 2008 @ 13:07
Ergänzung - ich bin nicht hier, um zu schreiben, ich bin nicht hier, weil mir Anerkennung fehlt, ich bin hier, weil ich mich nicht entscheiden kann, die egoistische Lösung: Pech gehabt Deutschland, Europa, Welt, ich verzieh mich mit meinem kleinen “Clan” und geniesse das Restleben, Enkelkinder sind schon auf der augenblicklichen Tabuliste, ich schnappe noch was ich kann, vergrabe ein paar hunder Kilo Gold ( wenn es mit dem Schnappen dann gut geklappt hat) und leg mich mit dem Hintern unter eine Palme - ein paar schöne und für 70-80 Jahre relativ sichere Orte gibt es noch - es sei denn, ein paar druchgeknallte zünden die A-Bömbchen, na gut, egal.
ODER: Weil mir bewusst ist, dass unsere Vorfahren für unsere heutige (Noch-)Freiheit gekämpft haben, gelitten haben und gestorben sind, und weil eben die einfachen Menschen, die mir überwiegend sympatischer sind als die ganze aufgeblasene Schlaumeiermuschpoke, weil die dem Verlauf der Dinge realtiv hilflos ausgeliefert sind -
denke ich mit einem Team gleichgesinnter darüber nach, was man wie tun muss, um einen positiven Prozess einzuleiten.
Gedanken sind Kräfte, das haben wir uns wegreden lassen, um uns zu schwächen, ich bin ein humaner, christlich erzogener Mensch, aber mein Leben lang Freidenker, kein Verein, keine Kirche, nichts - aber ich weiss, das es einige Sätze in der Bibel gibt, die von gröster Bedeutung sind - zB. - “der Glaube kann Berge versetzten..” natürlich ist das so, aber nicht als Uri Geller, das Matterhorn in 5 Minuten auflösen -
ein Beispiel hier aus meiner persönlichen Erfahrung:
Mein einziger Freund, der in meinen Armen an einem Asthmaanfall gestorben ist, hat im Labor gearbeitet, er machte im Stahlwerk verschiedene Proben, manche waren eiskalt, manche sehr heiss.
Eines Tages viel ihm eine Probe vom Tisch, reflexartig hat er sie aufgefangen, sich dann aber wahnsinnig erschrocken, weil er “dachte”, er habe sich nun verbrannt, und hat diese Probe davon geschleudert, in Sekunden hatte er eine Riesenbrandblase in seiner Hand, die ihntagelang quälte, das verrückte, er hatte sich geirrt, es war eine eiskalte Probe !
Also, nur weil er dachte , es sei glühnedes Material, hat der Körper sich entsprechend seinem ” Auftrag-Wunsch-Befehl” verhalten, es geht hier nicht um Esoterik, es geht darum, dass unsere Gedanken, unsere Glaubenssätze unser Leben bestimmen - nur das !
Und wenn wir uns alle vor den Bildschirm setzen und festlegen, das wir hilflos sind, das wir verloren haben, das wir ohnmächtig sind, das andere mächtiger sind, dann ist das unser Auftrag/Wunsch, es wird genau so bleiben oder werden, wir erzielen das Geglaubte Resultat.
Unsere Feinde glauben fest an ihre Ziele und formen entsprechend die erforderlichen Gedanken, wir nehemn deren Gedanken als Realität auf . Fertig.
Frau Merkel hat auch in die Windeln gepisst, ist in einem unfreien System aufgewachsen und hat irgendwann einen Entschluss gefasst, und hat ein klar definiertes Ziel erreicht, das war kein Lottogewinn, das war Strategie.
In einem Geburtsregister stehen immmer nur Namen, auf manchen Grabsteinen und Denkmälern dagegen stehen Titel - Berufsbezeichnungen.
Es ist also zwischen Geburt und Tot etwas passiert - un das hat ausschliesslich mit Glaubenshaltungen und Zielen zu tun.
Wir müssen aufpassen, welche Informationen wir wie bewerten - sonst nichts, wir müssen endlich die Argumente und Fakten sammeln, die uns vorwärts bringen, Alexander der Grosse, Napoleon, das waren doch alles Zwerge mit riesigen Gedanken-Glaubenssätzen - ohne Handy und Internet haben die die Welt verändert - warum können wir denn nur noch Versagen/Verlieren glauben ?
600 Schäferhunde gegen 80 Mio. Schafe - wobei echte Schäferhunde überwiegend schlauer sind - lächerlich.
Bis später.
Kommentar von Eraser
14. Juni 2008 @ 13:54
@#24
Das einzige, was ich dem entgegensetzen würde, wäre die Frage nach dem Beweis für die behauptete Mehrheit, die sich aufgrund eigener Interessen für eine gemeinsame Verfassung entscheidet. Dieser Beweis ist aber nicht zu erbringen, da überall Abstimmungen zu einer neuen nationalem Recht übergeordneten Verfassung vermieden werden. Bisher spricht alles gegen diese behauptete Mehrheit (3 Abstimmungen = 3 Niederlagen).
Aus welchen Gründen diese Verfassung abgelehnt wurde und mögen sie noch so kleinkariert gewesen sein, ist für die Verbindlichkeit dieser demokratischen Entscheidung irrelevant.
“Alle macht geht vom Volke aus” ist kein Fehler im System, sondern definiert überhaupt erst das System als dem Volk und seinen Interessen dienend. Daraus ergibt sich ebenso, dass der Staat (Nationalstaat sowie die EU) lediglich ein Verwaltungsinstrument einer Gemeinschaft ist, dass von derselben gesteuert wird. Demokratie eben. Dass die individuellen Interessen der Gemeinschaft zuweilen den idealistischen Interessen seiner Vertreter zuwider laufen, liegt in der Natur der Sache. An diesem Punkt ist es erforderlich diesen Idealismus auf die Probe zu stellen, das Für und Wider gesellschaftlich abzuwägen und zu testen, ob die Vor- und Nachteile mehrheitsfähig sind.
Dass eine EU-Verfassung trotz der medialen Propaganda (die Pros werden lang und breit ausgeführt, die Kontras schlichtweg unterschlagen) jedesmal keine Mehrheit gefunden hat, deutet daraufhin, dass trotz widriger Umstände in der gesellschaftlichen Diskussion das Kontra überwiegt. Daraus läßt sich tendenziell schließen, wie die Entscheidung zur EU-Verfassung aussehen würde, würde eine faire Debatte auf allen Ebenen stattfinden.
Achja und grundsätzlich gilt: Entscheidungen zum Wohle der Gemeinschaft müssen von der Gemeinschaft getragen werden. Werden sie das nicht, dienen sie auch nicht mehr dem Wohl der Gemeinschaft.
Nebenbei könnte man auch damit argumentieren, dass eine Verfassung der Grundkonsens einer Gemeinschaft ist und der Grundkonsens einer trotzallem weitgehend heterogenen Gemeinschaft der EU-Völker dementsprechend gering ausfällt und eine gemeinsame Verfassung sovieler unterschiedlicher Völker noch nicht realisiert werden kann.
Kommentar von Dox
14. Juni 2008 @ 14:57
Friedel B. 24,
den Artikel von Wagner habe ich auch gelesen und mit dem Kopf geschüttelt. Wirtschaft ist nicht seine Stärke. Auch Broders nicht. Aber der ist wenigsten so schlau und überläßt es anderen. Dafür gibt es bei achgut eine Menge wie Peiser, Hartwich, Vera Lengsfeld, Maxeiner, Miersch usw.
Richard Wagner meint: “Wieso gilt das Plebiszitäre eigentlich als Instrument der Demokratie? Was ist denn demokratisch an der Zusammenrottung von kleinkarierten Gegnern von Landebahnen, Biergärten, Währungsreformen und Verfassungstexten? Sind es mehr als Koalitionen der Unvernunft? Im Grunde handelt es sich doch stets nur um eine Ein-Punkt-Gruppierung, deren Ruhe angeblich gestört werde.”
Hat er damit Unrecht? Ja. So funktionieren nun einmal Demokratien, wenn sie keine gescheiten marktwirtschaftlich orientierten verfassungsmäßigen Prinzipien haben. Die obersten Prinzipien einer Gemeinschaft müssen Eigentumsschutz, Gewerbefreiheit, Vertragsfreiheit, Handelsfreiheit und Abbau von Privilegien sein. Wo diese Prinzipien verletzt werden, wird Demokratie zum Chaos, führt zu Unfreiheit und Verarmung. Wo sie eingehalten werden, entsteht Wohlstand, siehe Singapur. Dort ist es nicht möglich, mit einer Friedensdemo den Verkehr lahmzulegen.
Die EU ist nicht deshalb gefährlich, weil sie zu wenig demokratisch, sondern weil sie prinzipienlos ist. Hier und da etwas wirtschaftsliberal, was die Linken auf die Palme bringt, aber dann wieder Rauchverbot und Hate-Speech-Gesetze, die schwere Verstöße gegen Gewerbeifreiheit und Vertragsfreiheit sind. Wer so etwas tut, ist zu jeder Dummheit fähig und daher kreuzgefährlich. Die Linken und wir lehnen die EU aus völlig verschiedenen Gründen ab. Wir lehnen sie ab, weil sie marktwirtschaftliche, also freiheitliche Prinzipien verletzt. Den Linken ist sie noch viel zu wirtschaftsfreundlich. Daher brauchen wir nicht verunsichert zu sein, weil die Linken auch gegen die EU sind.
Kommentar von Eisvogel
14. Juni 2008 @ 15:02
@Friedel B.:
Zu der Frage “Vox Dei” vs. “Vox Rindvieh” könnte man lapidar antworten, dass es durchaus gerecht ist, wenn eine Ansammlung von Halbgöttern ein gutes Gemeinwesen bildet und eine Ansammlung von Rindviechern ein schlechtes. Allerdings läuft auch eine Herde von Rindviechern nicht von selber ins Schlachthaus, selbst wenn sie keine Ahnung haben, was ganz genau da drin vorgeht ….dazu braucht es schon “Eliten”, die sie reintreiben.
Aber das reicht natürlich nicht.
Ich glaube, dass die Stimme des Volkes (im Gegensatz zur Stimme von selbsternannten Eliten) immer mäßigend ist. Man könnte natürlich auch sagen, sie ist im allgemeinen ein Bremsklotz.
Man erkennt das sehr an der Reaktion der Politiker auf das NEIN der Iren. Sie ärgern sich, dass sie ausgebremst wurden - wobei auch immer. Das Wort “handlungsunfähig” fällt oft. Man muss sich dabei natürlich auch fragen: Handlungsunfähig wofür? Hat die EU in den letzten Jahren nicht sehr intensiv gehandelt (meistens schädigend) und zum Beispiel auch eine Menge Neumitglieder aufgenommen? Was wollen die “handeln”, was sie ohne den Vertrag nicht können? Und sind die Schweiz, Norwegen und Island, die überhaupt keine EU haben, wirklich handlungsunfähig?
Das irische Volk hat wohl irgendwelche Höhenflüge gebremst, die in Zukunft unternommen werden sollen.
Vermutlich wählt in einer echten Demokratie die Mehrheit der Menschen immer eher konservativ - im Sinne von: “Alles soll so bleiben wie es ist, nur ich sollte ein bisschen mehr Geld haben.” Daher ist im Grunde der konservative freiberufliche oder kleinunternehmerisch tätige CDU-Wähler in seiner Geisteshaltung nicht weit vom konservativen SPD-Gewerkschaftler entfernt.
Ich denke, dass es ein Irrglaube ist, dass Revolutionäres vom Volk ausgeht. Das Volk in seiner Mehrheit bremst. Revolutionen sind elitär - das breite Volk macht so gut wie nie mit, die Eliten “koalieren” nur mit einem Bodensatz von randalierendem Pöbel, der dann als “Volk” bezeichnet wird.
Dieser Bremseffekt von Demokratien schafft friedliche Gemeinwesen, die aber möglicherweise zu schwerfällig sein können, um auf die viel dynamischeren Tyranneien zu reagieren. Einerseits vielleicht ganz selten mal zu schwerfällig für Gutes, zumeist jedoch für Schlechtes.
Hitler wurde zwar gewählt, wenn auch nicht von einer Mehrheit, solange das Land noch frei war, ich glaube aber nicht, dass das Ermächtigungsgesetz bei einem Referendum durchgegangen wäre. Nicht unbedingt weil die Leute die Nazis in ihrer Bosheit und Verderblichkeit schon erkannt hätten, sondern vermutlich zum Teil auch aus diesem “Naja, man weiß nicht so recht”-Bremsklotzverhalten, das jetzt den Iren vorgeworfen wird.
Es wird ja ständig bemängelt, dass die NO-Stimmer nicht gewusst hätten, was im EU-Vertrag steht. Das ist sicher richtig. Aber man muss einen Vertrag auch nicht verstehen, um ihn NICHT zu unterschreiben. Wenn mir ein Hausierer an der Haustür ein tolles Angebot macht (z.B. dass meine Leiche kostenlos mit dem Hubschrauber nach Deutschland geflogen wird, wenn ich in Mallorca sterbe - und das für einen erstaunlich minimalen Monatsbeitrag), dann lese ich den Vertrag dazu nicht, bevor ich dem Kerl die Tür vor der Nase zuknalle. Und wenn mir jemand einen Vertrag vorlegt, den ich nicht verstehe und auch nicht verstehen kann, dann arwöhne ich, dass er meine Dummheit ausnützen und mich über den Tisch ziehen will. So denkt ein großer Teil der Menschen - wesentlich mehr als die, die in Irland mit NO gestimmt haben - ein Großteil der YES-Stimmer würde das privat auch nicht tun.
Diejenigen, die sich jetzt aufplustern, die NO-Stimmer würden den Vertrag nicht kennen, haben nicht ein einzies Mal erwähnt, dass die YES-Stimmer ihn genauso wenig kannten.
Ich glaube, dieser Bremsklotz-Effekt des Volkes, der durchaus manchmal aus Ignoranz kommt, ist das, was Demokratien ruhig und friedlich macht und von Bestialitäten abhält.
Wer sich über das blöde Volk bei Referenden ärgert, gehört meist zu den Visionären und Weltverbesserern und im Extremfall zu den Neue-Menschen-Schaffern. Bisher hat das noch nie zu etwas Gutem geführt.
Kommentar von Dox
14. Juni 2008 @ 15:17
Mal etwas heiteres:
Zwei Rentnerpaare sind mit dem Auto auf der Autobahn unterwegs und fahren nicht mehr als 81 km/h.
Ein Polizist hält das Auto an.
Der Opa fragt: “Waren wir zu schnell?”
Darauf der Polizist: “Nein, im Gegenteil, warum fahren Sie so langsam?”
Opa: “Darf man denn schneller fahren?”
Polizist: “Ich denke 100 km/h können Sie sich ruhig zutrauen.”
Opa: “Aber auf dem Schild steht doch A 81.”
Polizist: “Ja, und?”
Opa: “Na, da muss ich doch 81 km/h fahren.”
Polizist: “Das ist doch nur die Nummer der Autobahn!”
Opa: “Ach so, danke für den Hinweis.”
Der Polizist schaut auf die Rückbank des Autos und sieht zwei steif sitzende Omis mit weit aufgerissenen Augen und unendlich großen Pupillen.
Fragt der Polizist fürsorglich: “Was ist denn mit den beiden da hinten los? Ist den Damen nicht gut?”
Da sagt der andere Opa: “Doch, doch. Wir kommen nur gerade von der B 252.”
Kommentar von Dox
14. Juni 2008 @ 15:37
Eisvogel 60,
“Konservative SPD-Gewerkschaftler”, hä???
Die Ermächtigungsgesetze gab es schon vor Hitler. Brüning hat damit fast ausschließlich regiert. Hitler brauchte die chaotische prinzipienlose Weimarer Republik nur noch zu übernehmen.
Den gemäßigten Einfluß des Volkes wage ich auch zu bezweifeln. Bestes Beispiel: Die Palis haben die revolutionären Garde der Hamas gewählt und damit die permanente Revolution. Die Afghanen haben auch ihre Warlords, also Berufs-Revolutionäre wiedergewählt
Mehr dazu später, falls Bedarf.
Kommentar von Eisvogel
14. Juni 2008 @ 15:53
?Konservative SPD-Gewerkschaftler?, hä???
Diese Leute sind in vielerlei Hinsicht konservativ. Sie sind es nur nicht, wenn man konservativ mit marktwirtschaftlich-orientiert gleichsetzt. Man muss sich nur ansehen, wie diese Menschen leben … Jens Jessen würde sich vor so viel Spießbürgerlichkeit übergeben. Ich glaube nicht, dass diese Sorte einfacher Arbeiter unter den SPD-Wählern (und auch teilweise Wähler der LINKEN, vor allem derer im Osten) den Umsturz und eine neue Gesellschaftsordnung will. Die hören gar nicht mehr hin, was die abgehobenen Salonsozialisten in der Partei sagen, die wählen SPD, weil man das eben traditionell so macht. Das ist eine sehr konservative Denkweise.
Die Palis sind kein Volk sondern eine terroristische Vereinigung zur Delegetiminierung und letztlich Eliminierung Israels. Als solche haben sie genau das gewählt, was ihrem Lebenszweck am besten dient.
Moslems insgesamt (auch diejenigen, die eine Art Volk bilden, was aber im Grunde eher ein jüdisch-christliches Konzept ist und kein islamisches) muss man bei der Betrachtung von Demokratie rauslassen.
Ich bin absolut der zynischen Ansicht, dass milde Diktaturen/Monarchien für Moslems besser sind als Demokratien - der Islam passt nicht zur Demokratie. Die erträglichsten islamischen Länder sind die “Netter-Typ-Diktaturen” wie Marokko und Jordanien und natürlich die kemalistische Türkei. Je mehr die Türkei sich “demokratisiert”, desto schneller geht sie in Richtung Iran.
Ich habe jetzt speziell nur das Ermächtigungsgesetz vom März 1933 gemeint. Aber ich denke auch, dass die anderen in der Weimarer Republik per Volksentscheid (Ja -Nein-Abstimmung, nicht über Parteien) nicht durchgegangen wären. Aber man kann es natürlich nicht wissen.
Kommentar von Eisvogel
14. Juni 2008 @ 17:34
Ich habe nochmal drüber nachgedacht, Dox. Haben sich die afghanischen Wähler nicht im Grunde auch als Bremsklötze gezeigt?
Das Neue, das Revolutionäere für sie war der westliche Lebensstil. Sie haben sich aber mehrheitlich für das Traditionelle entschieden. Überhaupt gibt es eine große Besorgnis unter Moslems, dass sie verwestlicht (d.h. verändert, umerzogen) werden könnten, unter den EU-Beitrittsgegnern in der Türkei wird zum Beispiel so argumentiert. Es ist eine gewisse Ironie: Diese konservativen (nicht djihadistischen) Moslems haben Angst vor einer Entislamisierung ihrer Welt während wir Angst vor einer Islamisierung der unseren haben.
Und vielleicht haben ja beide recht?
Kommentar von stary arbat 1683
14. Juni 2008 @ 17:57
http://www.schweizerzeit.ch/0707/euverschwoerung.htm
Dieser Beitrag war sehr gut, darf nicht in Vergessenheit geraten, weiterhin ein Beispiel, das selbst einzelne Bürger etwas bewirken können,
Prof. Dr. Schachtschneider :
http://de.youtube.com/watch?v=qWZbEKjcd1M
Die Zeit habe ich mir genommen, der Mann ist Spitze, jedes Wort stimmt und er redet nicht nur, er handelt seit vielen Jahren mit ERFOLG, das macht doch Mut.
Kommentar von Bokito
14. Juni 2008 @ 20:18
Man sollte vielleicht einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der EG und später der EU werfen.
Die Idee eines geeinten Europa war nach dem II. Weltkrieg gut und richtig. Gerade, daß Deutschland und Frankreich ihre Feindschaft überwunden haben und sich nach und nach fast alle europäischen Staaten in einem Bündnis zusammengetan haben, war auf alle Fälle ein wichtiger Fortschritt für alle.
Nur, irgendwann muss etwas schiefgelaufen sein …
Ich selbst bin kein Gegner eines Zusammenschlusses der europäischen Staaten - warum nicht?
Aber es kann nicht sein, daß so etwas über die Köpfe der Bevölkerung hinweg von Bürokraten durchgepeitscht wird!
Dieses undurchschaubare und demokratisch nicht legitimierte Brüssel-Europa macht mir ernsthafte Sorgen.
Es muss ja noch nicht mal eine handfeste Verschwörung dahinterstecken, aber auch betriebsblinde Eurokraten (möglicherweise mit den besten Absichten für uns) sind in der Lage, den Karren gegen die Wand zu fahren.
Kommentar von Friedel B.
14. Juni 2008 @ 20:33
Herzlichen Dank für die Antworten und besonders für Deine differenzierte Stellungnahme, lieber Eisvogel!
@Stary Arbat: Ihr geradezu hymnischer Lobpreis des Leuchtturms ist wunderbar zu lesen und zeugt von bewundernswerter Geschichtskenntnis; ich schäme mich fast, einzugestehen, dass die Wahl meines “Avatars” einen ganz prosaischen Grund hatte: Das Bild stellt den Leuchtturm von Westerhever dar (liegt in der Nähe von Tönning), der das Wahrzeichen der Halbinsel Eiderstedt ist, auf der sich auch mein Heimatdorf befindet.
Noch eine Überlegung zu Plebisziten: Ich habe (wie wohl die meisten der hier Kommentierenden) eine ausgeprägte Scheu vor großen Menschenansammlungen; auch beruflich hatte ich bei sogenannten “Teamarbeiten” immer den Eindruck, dass nur der Einzelne tatsächlich schöpferisch ist, wenngleich er durch Hinweise der anderen durchaus beflügelt werden kann. Auf der anderen Seite vertritt Peter R. Hofstätter in seinem (seinerzeitigen) Standardwerk “Sozialpsychologie” die Auffassung, dass die Menge in bestimmten Situationen geradezu allwissend sein kann. Als ein Beispiel unter vielen führt er ein Experiment des Österreichischen Rundfunks an, bei dem die Zuhörer anhand der Stimmen eine Rangfolge der Sprecher hinsichtlich ihres Alters erstellen sollten - für den einzelnen eine fast unlösbare Aufgabe. Die gemittelten Antworten der Teilnehmer am Experiment (es waren wenige Tausend) gaben die gesuchte Altersreihenfolge jedoch exakt wieder. Notwendige Voraussetzung dafür, dass eine Gruppe in dieser Hinsicht erfolgreich sein kann, ist die Bedingung, dass jeder einzelne mit gleicher Wahrscheinlichkeit sein Urteil einbringen darf, also kein Professor bevorzugt und kein Sonderschüler benachteiligt wird. Wenn man also Hofstätters These zugrunde legt, könnten tatsächlich auch “kleinkarierte Gegner von Landebahnen, Biergärten, Währungsreformen und Verfassungstexten” ebenso zu einem letztlich vernünftigen Resultat beitragen wie die Freunde des Blogs “Acht der Schwerter”.
Kommentar von Eisvogel
14. Juni 2008 @ 20:34
Die Idee eines geeinten Europa war nach dem II. Weltkrieg gut und richtig.
Das sehe ich auch so. Insbesondere der Freihandel war positiv und den finde ich immer noch positiv.
Aber die Idee der Europäischen Einigung ist nicht nach dem 2. Weltkrieg entstanden sondern in den 20er Jahren - Stichwort Paneuropa-Union. Sie wurde dann durch die Nazis natürlich unmöglich gemacht, obwohl die in der Tat auch die Vorstellung eines geeinten Europas hatten - unter ihrem Diktat. Wer mit seiner Armee durch fast ganz Europa und Nordafrika marschiert, ist nicht nationalistisch im Sinne von isolationistisch.
Das was mit der EWG nach dem 2. Weltkrieg kam, war gut. Die Paneuropa-Union und die Ideen aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg waren eher EU-mäßig als EWG-mäßig. “Verschwörungstheoretiker” glauben, dass diese Ideen nie aufgegeben waren und dass der Weg über die reine Wirtschaftsgemeinschaft nur ein Trick war, um den Fuß in die Tür beim Volk zu bekommen, d.h. dass der undemokratische Superstaat von Anfang an geplant war und man mit den wirtschaftlichen Dingen nur den Anfang machte. US-Amerikaner, die sich darum sorgen, dass eine Art Nordamerika-Union analog zur EU geplant ist, kritisieren die wirtschaftliche Einigung mit Kanada und Mexiko häufig mit dem Argument, das sei der erste Schritt zu etwas wie der EU, weil das ja in Europa genauso angefangen hat.
Ich weiß ehrlich nicht, ob ich das glauben soll…Es ist sehr schwierig, das zu recherchieren.
Eine perfekte Erklärung für Deinen Satz
Nur, irgendwann muss etwas schiefgelaufen sein …
wärs aber. Natürlich nicht die einzige.
Kommentar von Bokito
14. Juni 2008 @ 20:57
hmm .. wahrscheinlich die berühmte Verkettung unglücklicher Umstände
Es ist durchaus möglich, daß sich Bürokratien verselbständigen und im Extremfall geradezu Amok laufen. Hannah Arendt nannte das “Niemandsherrschaft”: viele Grüppchen wollen ihre Interessen durchsetzen, aber Niemand fühlt sich für irgendetwas verantwortlich.
Eine vollkommene Analyse kann ich leider auch nicht liefern, aber ich habe das Gefühl, daß es sich zurzeit um eine Art “Niemandsherrschaft” handelt - organisierte Verantwortungslosigkeit gemischt mit den Ansprüchen ideologisch angetriebener Lobby-Gruppen.
Ein großes Problem ist leider das fehlende Interesse vieler Leute an Europa-Politik.
Kommentar von Bokito
14. Juni 2008 @ 21:03
Das könnte vielleicht von Interesse sein:
“Wir müßten heute diesen Grundformen [der Herrschaft - A.H.] noch die jüngste und vielleicht furchtbarste Herrschaftsform hinzufügen, die Bürokratie oder die Herrschaft, welche durch ein kompliziertes System von Ämtern ausgeübt wird, bei der man keinen Menschen mehr, weder den Einen [Monarchie - A.H.] noch die Wenigen [Oligarchie - A.H.], weder die Besten [Aristokratie - A.H.] noch die Vielen [Demokratie - A.H.], verantwortlich machen kann, und die man daher am besten als Niemandsherrschaft bezeichnet. (Im Sinne der Tradition, welche die Tyrannis als die Herrschaft definierte, der man keine Rechenschaft abfordern kann, ist die Niemandsherrschaft die tyrannischste Staatsform, da es hier tatsächlich Niemanden mehr gibt, den man zur Verantwortung ziehen könnte. Ein Hineintreiben in solche Niemandsherrschaft kennzeichnet heute nahezu überall die politische Situation; es ist einer der stärksten Faktoren in der Rebellion [Studentenrevolten - A.H.], die um die Welt geht, und trägt viel zu ihrem oft chaotischen Charakter bei. Die Unmöglichkeit, die verantwortlichen Stellen auch nur zu ermitteln und den Gegner zu identifizieren, führt theoretisch zu jenen Verallgemeinerungen, in denen alles Partikulare verschwindet und die dann nichts mehr besagen, und in der Praxis zu einem Amoklaufen, das alles und vor allem die eigenen Organisation vernichtet.)”
(Hannah Arendt, “Macht und Gewalt”, 1970)
Kommentar von Eisvogel
14. Juni 2008 @ 21:17
Dein Hinweis auf das Experiment von Hofstätter ist ja sehr interessant, Friedel. Danke.
Das kannte ich noch nicht, aber vor einigen Monaten gab es bei RTL mit Günther Jauch mal eine Sendung mit dem Titel “Die Weisheit der Vielen”, in der es auch darum ging. Ausgangspunkt war eine Geschichte aus dem 19.(?) Jahrhundert, wo Dörfler das Gewicht eines Bullen schätzen mussten (den der beste dann gewonnen hat). Irgendein Mathefreak hat sich die Mühe gemacht, aus allen Tipps den Durchschnitt zu bilden und der lag dann nur 1 kg neben dem tatsächlichen Gewicht des Bullen.
Die RTLer wollten das in Tests nachvollziehen, was aber ziemlich schief ging. Das Gewicht einer Kuh wurde zwar von “den Vielen”, die für Geld anrufen durften, besser geschätzt als vom Experten - aber trotzdem weit daneben. Das liegt vermutlich daran, dass eher geraten als geschätzt wurde, weil ein moderner Mensch im Gegensatz zu Bauern sich noch nie überlegt hat, was eine Kuh wiegt.
Die haben das Konzept nicht kapiert bei RTL, was den Gipfel darin fand, dass sie 2 Wochen vor der Sendung fragten, wie die Temperatur am Sendetag wohl sein würde. Das kann man überhaupt nicht schätzen sondern wirklich nur raten. Die Sendung war insgesamt blöd. Eine gute und interessante Idee verhunzt.
Politisch ist das natürlich noch etwas anders - ich glaube aber auch, dass die Masse im allgemeinen da auch gut entscheidet, zumindest wenigstens Katastrophales als zu großes Wagnis aussortiert. Ich mag diese Volksverachtung nicht.
Dass wir blöde Politiker haben, liegt m.E. weniger am dummen Volk, das nicht gescheit wählen kann, sondern daran, dass lauter gleiche Politiker zur Auswahl stehen.
Kommentar von Deep Roots
14. Juni 2008 @ 22:13
Wir werden ja sehen, was das Eurabiat jetzt aushecken wird;
ob sie das irische Referendum einfach übergehen,
ob sie mit Irland vertragliche Sonderbestimmungen aushandeln
oder ob sie einfach ein paar kosmetische Änderungen am „Vertrag“ vornehmen, um ihn als etwas „anderes“ verkaufen und in einiger Zeit neu darüber abstimmen zu lassen (und in der Zwischenzeit heftig Druck auf die Iren auszuüben).
Aber bis dahin hüpfen ihnen vielleicht noch ein paar andere Flöhe wieder aus dem Sack – die Tschechen könnten sich querlegen, die Verfassungsklagen in Deutschland und Österreich sowie die Strafanzeige der schwedischen Partei „Sverigedemokraterne“ gegen den Premierminister wegen Hochverrat könnten interessante Entwicklungen bringen. Und wer weiß, wer da sonst noch alles auf den Geschmack der Freiheit kommt!
Spucken wir ihnen kräftig in die Suppe! Betreiben wir im persönlichen Bereich Bewußtseins- und Meinungsbildung und halten wir uns bereit, Gelegenheiten zu ergreifen, an die wir jetzt noch gar nicht denken, falls sie sich ergeben sollten!
Allein schon die verlogene, demokratiefeindliche Art, wie die Angelegenheit von den Eurokraten gehandhabt wird, wie sie jede Form von Bürgermitbestimmung vermeiden und uns über den Inhalt und die Auswirkungen im unklaren lassen wollen, reicht schon als prinzipieller Ablehnungsgrund für den „Vertrag (ich nenne es “Verrat”) von Lissabon“ aus.
Und wenn man dann auch noch den Inhalt kennt und um das „vereinfachte Änderungsverfahren“ alias „Ermächtigungsgesetz“ weiß, dann kann es sowieso nur ein Nein geben. Darauf müssen wir immer wieder hinweisen.
In Thatchers Worten:
Jetzt wissen die freimaurerischen Mafiadespoten von Brüssel immerhin, dass sie jedes Volk gegen sich haben werden, wenn sie einfach immer weitermachen. Ihre Pläne werden sie in Zukunft immer weniger mit verlogener Scheindemokratie, sondern mit immer stärkerem Despotismus und mit autoritären Mitteln durchsetzen müssen. Und wenn die EU dieses, ihr wahres Gesicht zeigt, wird sich der Widerstand erheben, auf den wir warten. Ob es dann allerdings unblutig bleibt, kann niemand sagen.
Von mir aus kann’s ruhig blutig werden…
Denn wie Time schrieb: Es lohnt sich, für unsere Gesellschaft zu kämpfen, es lohnt sich für russische Prinzen wie für einsame Krähen…
Und dabei fällt mir ein Zitat aus dem Film „The Crow“ ein, wo Brandon Lee sagt:
„Kann es sein, daß es hier nach Benzin riecht?“
@ Eisvogel, #30: mir geht dieses Argument der Eurabios von wegen „notwendige Verbesserung der Handlungsfähigkeit“ der EU auch immer mordsmäßig auf den Sack.
Für das, was für die einzelnen Staaten gut ist, sind diese schon selber handlungsfähig genug, und das, wofür die EU verstärkt „handlungsfähig“ sein will, verdient unser größtes Mißtrauen.
Zu der von Friedel B. in #24 aufgeworfenen Frage hinsichtlich des Plebiszitären bzw. der Demokratie: Es gibt keine bessere Alternative dazu.
Wenn jemand meint, es sollten nur die „Erleuchteten“ regieren, die „Experten“, weil das Volk zu blöd dazu ist: wer soll denn bestimmen, wer diese „Erleuchteten“ sind? Natürlich sie selber, und früher oder später regieren die dann nur mehr nach ihren eigenen Interessen.
Es gibt keine Alternative zur Demokratie mit all ihren Fehlentscheidungen, denn in ihr haben diejenigen, die die Fehlentscheidungen ausbaden müssen (das Volk) auch die Macht zur Korrektur (was in unseren gegenwärtigen „Demokraturen“ nur mehr sehr eingeschränkt der Fall ist).
Es würde schon reichen, wenn man das Wahlalter um einige Jahre anhebt, um die lebensunerfahrenen Youngsters, die noch sehr von der Pubertät geprägt sind, vom Wählen fernzuhalten; noch besser wäre es, wenn man das Wahlrecht samt der damit verbundenen Verantwortung (wie in Heinleins „Starship Troopers“) erst durch Ableistung eines freiwilligen Wehrdienstes erwerben müßte (statt des allgemeinen Wahlrechts gäbe es dann nur das allgemeine Recht auf Erwerb des Wahlrechts).
Das von Friedel B. in #37 angeführte Beispiel gibt auch Hoffnung.
Laßt uns alle Leuchttürme sein!
Deep Roots
Kommentar von Deep Roots
14. Juni 2008 @ 22:27
Und da es seit der #31 von Dox schon wieder mehr als 10 Kommentare waren:
Was ist der Unterschied zwischen einem Politiker und einem Telefon?
Ein Telefon kann man aufhängen, wenn man sich verwählt hat.
@ Bokito: Das mit der “Tyrannei der Niemandsherrschaft” ist sehr treffend analysiert!
Und ich teile Eisvogels Mißbehagen über die Volksverachtung seitens der “Eliten” und derer, die sich dafür halten.
Und wie schon angekündigt, wird der 12. Juni in Zukunft mein persönlicher “St. Patrick’s Day” sein (vielleicht fällt mir aber noch ein anderer Name dafür ein).
Deep Roots
Kommentar von gubbelgobbel
15. Juni 2008 @ 0:17
Man stelle sich vor, die Türkei schaffte es doch irgendwann einmal in die EU, und bis dahin hätten die europäischen Nationalstaaten die meisten relevanten Kompetenzen an den EU-Superstaat abgegeben - was drohte uns dann?
Türkische Politiker könnten türkische Interessen auf deutschem Boden umsetzen, gegen den Willen einer entmachteten deutschen Bundesregierung. Natürlich stünde auch der umgekehrte Weg offen. Die Türkei würde europäischer werden, und Europa würde türkischer werden.
Aber wollen wir das? Ich zumindest kann gut damit leben, dass die Türkei so ist, wie sie ist - jedenfalls sehr viel eher, als ich mit einem islamisierten Europa leben könnte. Wir dürfen nicht den Ehrgeiz haben, den Globus lückenlos mit Freiheit und Demokratie zu beglücken, und es besteht für uns weder die Pflicht noch die Notwendigkeit, das Leben kleinasiatischer Ziegenhirten umzukrempeln - schon gar nicht, wenn wir dafür im Gegenzug erlauben müssen, dass unser Leben von kleinasiatischen Ziegenhirten umgekrempelt wird.
Die Iren haben wohl auch deshalb gegen den Ermächtigungsvertrag von Lissabon gestimmt, weil sie in ihrer Geschichte seit jeher schlechte Erfahrungen mit Fremdherrschaft gesammelt haben. Wer will es ihnen verdenken? Iren möchten von Iren regiert werden, nicht von einer von der Realität entkoppelten Führungsclique in Brüssel, für die die Interessen von drei Millionen Iren nur lästiger Fliegenschiss sind, weil sie sich längst als “Global Player” wahrnimmt, dem es auferlegt ist, die Geschicke der ganzen Welt zu bestimmen. Belege für diese Geisteshaltung liefern gerade die Reaktionen auf dieses Abstimmungsergebnis mehr als genug.
Und ich fürchte, die zuhauf von der EU beschäftigten Winkeladvokaten werden noch einen Kniff finden, die Abschaffung der nationalen Souveränität in Europa doch noch durch die Hintertür ohne Einspruchsmöglichkeit der betroffenen Völker durchzupeitschen.
Bismarck sagte mal: “Wenn irgendwo zwischen zwei Mächten ein noch so harmlos aussehender Pakt geschlossen wird, muß man sich sofort fragen, wer hier umgebracht werden soll”, und wer sich die Werbung für Internetzugänge, Mobilfunktarife oder Kleinkredite ansieht, wird bestätigen, dass komplexe Vertragstexte zu eigentlich überschaubaren Sachverhalten sehr häufig dem Zweck dienen, den Unterzeichner über den Tisch zu ziehen.
Ich habe übrigens gegenwärtig nicht den Eindruck, dass die EU gezielt eine Politik der Islamisierung Europas verfolgt. Vielmehr versucht sie, in allen Bereichen immer mehr Macht auf sich zu vereinen, wobei sie auch die Islamisierung billigend in Kauf nimmt, mehr noch, davon überzeugt zu sein scheint, dass die Ecken und Kanten des Islams genauso eingeebnet werden könnten wie die kulturellen Eigenheiten der Völker Europas. Schließlich ist gerade die - blutig erkämpfte - ethnische Homogenität der europäischen Nationalstaaten das stärkste Argument für deren Existenz. Erst wenn Europa und Arabien eine ununterscheidbare, diffuse Masse geworden sind, wird die Bereitschaft da sein, eine ferne Zentralregierung für alle zu akzeptieren.
Irgendwann, wahrscheinlich sogar ziemlich bald, werden sich alle Europäer die Frage stellen müssen, ob sie das neue Rom wollen. Und dabei sollten sie bedenken, wie es dem alten ergangen ist - und warum. Denn je mehr Kompetenzen in Brüssel akkumuliert werden, desto schlechter lässt sich vor dem Volk verheimlichen, dass es über die entscheidenden Dinge gar nicht mehr abstimmen kann.
Kommentar von Dox
15. Juni 2008 @ 4:40
Eisvogel 34,
“Ich habe nochmal drüber nachgedacht, Dox. Haben sich die afghanischen Wähler nicht im Grunde auch als Bremsklötze gezeigt? Das Neue, das Revolutionäere für sie war der westliche Lebensstil.”
Den westlichen Lebensstil hatten sie nicht zu befürchten. Niemand sprach von seiner Einführung. Wenn sie Bremsklötze gewesen wären, hätten sie die Macht moslemischer Räuberhaufen beschnitten und sich der Liberalität erinnert, die sie während des Königreichs genießen konnten. Es gab jede Menge Kandidaten, die dafür warben.
Dein und Friedel B’s Glaube an die Demokratie begründet sich auf solche Beispiele wie die Schätzung des Alters von Rundfunksprechern und die Schätzung des Gewichts eines Rindes, bei der die Masse tatsächlich ein gutes Ergebnis ermittelte. Ich bitte dabei folgendes zu bedenken. Von Stimmen verstehen wir etwas, weil wir sie von unseren Kindern, Eltern und Großeltern kennen. In Sachen Stimmen ist fast jeder Erwachsene erfahren. Das Gewicht eines Rindes können Bauern auch sehr gut schätzen. Aber bei den Städtern hört es schon auf. Das zeigt, es kommt auf Erfahrung an, auf Bildung. Übrigens stammt die Geschichte über die erfolgreiche Schätzung des Rindes von Benjamin Franklin, dem Mitverfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Sein Freund Jefferson, der sie letztlich schrieb, war nämlich von Demokratie nicht restlos überzeugt. Er befürchtete, dass sie in Bürokratie ausufern kann und hin und wieder eines gewaltsamen Umsturzes bedarf. Franklin war hingegen guter Hoffnung. Aber er hatte auch allen Grund. Die oben von mir formulierten Prinzipien für eine freie Gesellschaft waren damals im Fleisch und Blut des Volkes. Die Siedler hatten Europa verlassen, weil Amerika der Kontinent der wirtschaftlichen Freiheit war. Keine Privilegien, sogar die Titel wurden abgeschafft, Gewerbefreiheit, Handelsfreiheit, Schutz des Eigentums, all das waren allgemein verinnerlichte Lebensgrundsätze, für deren Verteidigung man bereit war, in den Krieg zu ziehen. Eine winzige Teesteuer löste die Unabhängigkeitsbewegung und die Gründung der USA aus. Allein unsere Benzinsteuer würde, hätten wir die Courage amerikanischer Siedler, dazu führen, dass Merkel, Beck, Ströbele & Co. von wütenden Bürgern verfolgt nach Nordkorea fliehen. Die amerikanische Demokratie wurde auf Prinzipien gegründet, die Europa und offenbar auch vielen 8dS-Leser völlig abgehen. Sonst hätte man nämlich bemerken müssen, dass ich in meinem Kommentar 29 eine Dummheit geschrieben habe. Anstatt Hate-Speach-Gesetze hätte es Antidiskriminierungsgesetze heißen müssen. Niemand hat es bemerkt. Versuche ich meine wichtigsten Erkenntnisse hier vergeblich an den Mann zu bringen? Ganz offenbar.
Liebe Leute, ich werde euch gewogen bleiben und im Club der Prinzessinnen und Prinzen nur noch gelegentlich schweigend vorbeischauen, um zu sehen, ob man etwas dazu gelernt hat oder ob man Gunnar Heinsohn immer noch nicht als diskussionswürdig erachtet. Ich habe nämlich noch kein klügeres Buch gelesen als “Söhne und Weltmacht”. Insofern erachte ich seine Veröffentlichungen durchweg als anregend. Eisvogel, du hast meiner Bitte nicht entsprochen. Das ist dein gutes Recht. Es ist dein Blog. Aber wenn Anregungen
Kommentar von Goldstein
15. Juni 2008 @ 10:17
@Dox:
vielen Dank für den Hinweis auf Gunnar Heinsohn. Ich kannte ihn bis dato nicht. Habe jedoch einen Artikel auf Cicero gefunden und ihn für hochinteressant befunden.
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=1871
Der Aspekt der demografischen Entwicklung in Europa sollte meines Erachtens bei der Beurteilung künftiger Entwicklungen nicht ausgeblendet werden.
Anscheinend verlieren immer mehr Europäer an Lebensmut, sonst würden vielleicht mehr Kinder geboren werden. Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass ein Volk, das sich nicht mehr ausreichend reproduzieren kann, Gefahr läuft, unterzugehen.
Bzgl. der hate-speech-Gesetze hatte ich wegen der weiten Auslegbarkeit des Begriffes nicht nur die Antidiskriminierungsgesetze gesehen, sondern auch die Straftatbestände gegen Blasphemie, die möglicherweise in baldiger Zukunft in der EU eingeführt werden.
Im Winter 2006 hat die Organisation der Islamischen Konferenz mit ihrer Resolution bei der UNO versucht, die Diffamierung des Propheten zu verbieten und die freie Meinungsäußerung über den Islam sowie die religiösen Symbole zu unterbinden. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Islamische Konferenz ihr Vorhaben in der EU mit allen Konsequenzen durchsetzen…
Shalom Goldstein
Kommentar von stary arbat 1683
15. Juni 2008 @ 16:12
Schliesse mich Goldstein - damit DOX an, sehr gute Artikel und Einsichten, durch G. Heinsohn - es ist sehr wichtig, seriöse und sachliche Quellen zu sammeln, auch als Argumentationshilfe sowie die Aufklärung dritter druch link-Versand. Das ist der gute Effekt der bloggerei - alleine schafft man das nicht ohne grosse Mühe.
Mit DOX seinem hate-speech-gesetz dort oben war ich auch verunsichert, wollte mich aber hier nicht blamieren, weil ich etwas nicht kapiert habe, na ja, Leben heisst lernen.
Kommentar von Eisvogel
15. Juni 2008 @ 16:15
Und ich fürchte, die zuhauf von der EU beschäftigten Winkeladvokaten werden noch einen Kniff finden, die Abschaffung der nationalen Souveränität in Europa doch noch durch die Hintertür ohne Einspruchsmöglichkeit der betroffenen Völker durchzupeitschen.
Ich denke, das ist uns allen klar, Gubbelgobbel. Man braucht dazu wahrscheinlich noch nicht mal Winkeladvokaten. Entweder das Referendum wird wiederholt (indem man ein paar Artikel anfügt, die den Iren entgegenkommen) oder die Iren werden auf die eine oder andere Art rausgekickt.
Über den Reformvertrag dürfen wir ja nicht vergessen, dass wir die EU ja auch schon ohne ihn massiv kritisiert haben. Das Positive an dem Referendum ist mehr die Entblößung der “Eliten” als die Verhinderung des Vertrags für die anderen Länder.
@Goldstein: Mit den Hatespeech-(und Antidiskriminierungs)Gesetzen ist vermutlich eine Tür dahin aufgestoßen, dass irgendwann Äußerungen verboten sein werden, an die wir im Moment noch gar nicht denken.
Das ändert sich rasant und man neigt dazu, zu vergessen, was man noch vor 10 Jahren für wahnhafte Zukunftsvisionen gehalten hätte. Von der Karikaturenaffaire habe ich z.B. zum ersten Mal gehört, als jemand das in einem Forum offtopic als witzige Begebenheit geschrieben hat (das war vor der großen Randale, es ging nur darum, dass ein paar arabische Diplomaten sich beschwert haben). Ich fand das skurril aber nicht weiter bedeutsam.
Ich sehe die Problematik nicht alleine bei Kritik am Islam - das aber am meisten - sondern vor allem auch bei Kritik an der EU. Der italienische Präsident hat neben einem grinsenden Horst Köhler ja bereits gesagt, EU-Skeptiker wären Terroristen. Auch die Vorstellung, er könne das ernst gemeint haben und das könne strafrechtliche Konsequenzen haben, erscheint uns heute noch als lächerlich. Auch das kann sich schnell ändern. Und in 5 Jahren nehmen wir das so hin, als ob es schon immer so gewesen wäre - auch wenn es uns aufregt.
Der Blasphemie-Paragraph ist meines (sehr mäßigen) Wissens nach in Deutschland bereits jetzt schon optimal islamkonform. Blasphemie ist nur strafbar, wenn sie geeignet ist, die öffentlich Ordnung zu stören. Das heißt Religionen, deren Anhänger bekanntermaßen nur zivilisiert sagen, dass sie das nicht mögen, kann man ruhig beleidigen. Religionen, deren Anhänger erfahrungsgemäß eher zu Tobsuchtsanfällen auf der Straße und Morddrohungen neigen, sind geschützt.
Ich finde auch, dass das demographische Problem sehr unterschätzt wird. Bei der derzeitigen Geburtenrate verlieren wir in jeder Generation ein Drittel der einheimischen Bevölkerung - ohne Abwanderung. Das läuft schon eine Weile (30 Jahre?) und die Gesamtbevölkerung Deutschlands hat sich nicht reduziert. Da wird schon lange “nachgefüllt”. Solche Entwicklungen laufen aber nicht linear sondern exponentiell, d.h. immer schneller.
Woran liegt es, dass die Menschen keine Babys mehr haben wollen?
Ich glaube, es ist nicht nur hedonistischer Egoismus, d.h. die Kinderlosen sind nicht egoistischer als die Leute mit Kindern. Es denkt sich ja keiner: “Oh, ich sollte meinen Egoismus bezähmen und zum Wohle des Staates drei Rentenzahler in die Welt setzen.” Auch Kinder bekommt man eher aus egoistischen Gründen - weil man einfach denkt, dass es schön ist. Und es ist ja auch schön. Schön genug, dass man sich auch selber finanziell dafür einschränkt und nicht erwartet, dass der Staat das ausgleichen muss. Zumindest sollte es so sein.
Ich glaube nicht, dass die Kinderarmut mit Geld behoben werden kann. Nichts spricht dafür, dass das funktioniert. Die Japaner haben eine noch geringere Geburtenrate als Europäer. Sie gehen gelassener damit um als wir - wahrscheinlich ist das besser. Die Japaner sind für mich daher auch ein kleines Indiz dafür, dass die Kinderarmut vielleicht doch kein unterbewusster kollektiver Aussterbe-Wunsch ist. Sie wirken nicht so.
Kommentar von stary arbat 1683
16. Juni 2008 @ 9:38
http://www.welt.de/politik/article945339/Nur_Luftschlaege_koennen_Iran_noch_aufhalten.html#article_readcomments
Für das Archiv - der Artikel mag manchen Insidern hier bekannt sein, für mich war er neu, er passt aber genau zum Thema und, steht erstaunlicherweise in den sog, Mainstream-Medien.
@Eisvogel - mein ganzes Lebensinhalt war das Thema Kinder, ich liebe Kinder über alles, und